Hersfel-erTageblatt
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Hersfelöec Kreisblatt
/lmtlicherMzeiger für u?>n Kreis Hersfelö
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mit den Beilagen: Leimalschollen / Illustriertes AnterhaltungSblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
Nr. 93
Freitag, den 22. April 1927 77. Jahrgang
OSerschlesische Schulnot.
Der Beschluß, den der Völkerbundrat nach den bekannten Vereinbarungen zwischen dem deutschen und dem polnischen Außenminister in Gens gefaßt hatte, ist bisher von polnischer Seite einfach nicht ausgeführt worden. Nicht weniger wie 7000 Anmeldungen ostoberschlesifcher Kinder bei den deutschen Minderheitsschulen . waren von den polnischen Schulbehörden beanstandet worden; in Genf blieben davon schließlich nur noch 2000 Beanstandungen übrig, die nun von dem Präsidenten der Gemischten Kommission, Calonder, unter Zuziehung eines schweizerischen Schulmannes noch einmal nachgeprüft werden sollen, obwohl Calonder sie schon einmal als zu Unrecht bestehend bezeichnet hatte. Die ostober- schlesische Woiwodschaft zwang aber die 2000 Schulkinder ebenso zu weiterem Besuch der polnischen Schule wie jene 1400 Kinder, die einer Entscheidung Calonders schon vom Dezember 1926 zufolge ganz unzweifelhaft deutschen Stammes waren und den deutschen Minderheitsschulen zugesührt werden sollten. Ebensowenig geschah selbstverständlich etwas den Genfer Beschlüssen gemäß hinsichtlich der 2300 Fälle, bei denen vc« den Eltern die deutsche und die polnische Sprache als Muttersprache angegeben war, die Kinder nach dem Wunsch der Eltern die deutsche Schule besuchen sollten. Wer nicht gehorchte, wurde zunächst polizeilich zu hohen Geldstrafen verurteilt, und zwar erfolgten diefe Verurteilungen in der Hauptsache erst nach den Genfer Vereinbarungen. Vielfach wurde gerichtliche Berufung seitens der deutschen Väter dagegen eingelegt, aber ohne jeden Erfolg, weil sie in ganzen Massen nicht bloß wiederum zu hohen Geldsummen verurteilt, sondern teilweise die polizeilichen Strafen jetzt auch noch erhöht wurden. Damit gingen unter dem Druck des polnischen Westmarkenvereins massenhafte Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenentlassungen Hand in Hand, nur weil deren Kinder deutsche Schulen besuchen. Das Ganze war schärfster Hohn auf die Genfer Vereinbarungen.
Noch iMWr. bkMLLLM..h«uL- ^ ^^^. —M polnischen Druckes — 2000 Kinder im Schulstreik, aber die polnischen Behörden haben sich endlich bereit erklärt, den Erlaß von Strafbefehlen einzustellen und die schwebenden Strafsachen niederzuschlagen. Die noch im Schulstreik befindlichen Kinder werden zunächst den Minderheitsschulen zugeführt und der schweizerische Schulmann wird zwecks Sprachprüfung in den nächsten Tagen in Ostoberschlesien eintreffen.
Das schlimmste bei der Sache ist zunächst, daß dre bisher schon gefällten, teilweise sehr schweren polizeilichen und gerichtlichen Urteile b e st e h e n bleiben. Das hat der Woiwode in Kattowitz dem Geschäftsführer des Deutschen Volksbundes gegenüber ausdrücklich betont. Die Entscheidung aber darüber, wer sein Kind in die deutsche Schule zu schicken berechtigt ist, hat nach wie vor nur der Präsident Calonder, der sich dabei auf das Gutachten des schweizerischen Pädagogen stützt. Keineswegs haben aber alle Eltern das Recht, ihre Kinder in die Mrnderheits- schulen zu entsenden; wie sich Calonder gerade den Wünschen der gemischtsprachigen Eltern gegenüber verhält, bleibt abzuwarten. Die deutschen Mitglieder der Gemischten Kommission werden aber nun alles daransetzen, daß auch die gefällten Strafbefehle gestrichen werden muffen; denn sie bedeuten einen glatten Verstoß gegen die Genfer Beschlüsse, um die man sich polnischerseits einfach nicht gekümmert hat. Die Völkerbundkommission für nationale Minderheiten hat sich um diesen polnischen Boykott aber ebensowenig gekümmert und ließ es sich außerdem gefallen, daß Calonders Entscheidung vom Dezember 1926 gleich
falls unbeachtet blieb. • /
Der schwere Druck, der gerade in der Schulfrage über den deutschen Minderheiten Ostoberschlesiens schwebt, wird hoffentlich wenigstens etwas behoben werden; aber er if nur ein Ausschnitt aus dem trostlosen Bilde, wie das einst so blühende deutsche Schulwesen von den Polen systematisch ausgerottet wird.
Der italienisch-jugoslawische Konflikt.
Neue diplomatische Verhandlungen.
Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" ist der Meinung, daß der Meinungsaustausch zwischen Paris, Berlin und London über die Frage des italienisch-jugoslawischen Zwistes auf dem diplomatischen Wege wieder ausgenommen werden wird. Anscheinend sind außer einigen Kreisen in Belgrad alle Teile dem Gedanken, die Frage im Völkerbund zur Sprache zu bringen, abgeneigt, während andererseits das Problem nicht von d^r Botschafterkonferenz in Paris geregelt werden kann, da Deutschland nicht Mitglied der Botschafterkonferenz ist.
Truppen in der Pekinger russischen Gesandtschast.
" Bildung einer antibolschewistischen Regierung.
Wie Reuter meldet, haben bewaffnete Wachter der Protokollmächte die westliche Mauer des russtschen Ge-
Schrecken«
Banditen
RaBüberfall auf einen Zog in Mexiko
200 Passagiere getötet.
Wie aus Mexiko gemeldet wird, überfielen Banditen den von Guadalajara kommenden Zug. Sie verschlossen die Türen und steckten den Zug in Brand, so daß sämtliche Reisende, 186 Männer, Frauen und Kinder, unter furchtbarem Schreien bis zur Unkenntlichkeit verkohlten.
Wie der amtliche amerikanische Funkspruch meldete, bietet die Stelle, an der der nach Mexiko City unterwegs befindliche Eisenbahnzug von mexikanischen Banditen überfallen und mit allen Reisenden verbrannt wurde, ein grauenhaftes Bild der Zerstörung. Der Angriff auf den Zug, in dem sich etwa 600 Reisende befanden, wurde von 500 wohlausgerüsteten Banditen vollführt, nachdem der Zug zum Entgleisen gebracht worden war. Die Passagiere versuchten, sich durch die Fenster aus dem brennenden Zuge zu retten, wurden jedoch von einem Schnellfeuer der Banditen empfangen. Alle Personen, die nicht mehr fliehen konnten, wurden in die letzten Wagen gedrängt, die dann mit öl üb er gössen und in Brand gesteckt wurden. Die Tochter des Expräsidenten Obregon wurde aus dem Wagen gezerrt und erschlagen. Der mexikanische.Kriegsminister hat persönlich mit einer Kavallerieabteilung die Ver- folgung der Banditen ausgenommen. Nach den letzten Meldungen befürchtet man, daß die Zahl der Toten 200 übersteigen wird.
Große Erregung in ganz Mexiko.
Die vorliegenden Meldungen überbieten die früheren Berichte über den Zugüberfall noch. Ganz Mexiko ist aufs allerhöchste erregt und die Regierung hielt es für besser, eine Zensur für alle Bahnüberfallnackrichten einzufMW, Die. NMWx,jo^Lu^tber auu bis 1000 Mann verfügt haben. Sie rissen nahe Limon im Staate Jalisco die Schienen auf, so daß der Zug zunächst entgleiste. Präsident Calles erließ eine Botschaft, worin die zuständigen Lökalbehörden zu rücksichtsloser Verfolgung der Rebellen und zu aller- .--41555“^^
sandtschastsareals besetzt. Diese Maßnahme, die in Übereinstimmung mit den chinesischen Behörden ergriffen wurde, war, wie Reuter behauptet, zur Verteidigung des Gesandtschaftsviertels notwendig. Da die Tore des russischen Grundstücks geschlossen r '-rn, kletterten amerikanische Seeleute über die Mauer -.:. ließen dann die Wächter der anderen Mächte hinein.
Nach einer Havasmeldung aus Schanghai setzt Tschangkaischek seine Bemühungen für die Bildung einer antibolfchewistischen Regierung fort. Tschangkaischek werde nicht nur von Politikern und Militärs, sondern auch von der Kaufmannschaft des Südens unterstützt. Sein Bestreben gehe besonders dahin, zu einer Einigung mit Tschangtsolin zu gelangen. .
Zur besseren Orientierung über dre Lage in Chrna sei noch mitgeteilt, daß gegenwärtig dort drei Regierungen am Ruder sind. Die Nordregierung in Peking, die unter Marschall Tschangtsolin steht, rst antibolschewistisch und mächtefreundlich eingestellt. Dre zweite Regierung unter Tschangkaischek wurde vor einigen Tagen in Schanghai und Nanking ausgerufen. General Tschangkaischek, der an ihrer Spitze steht, hat sich von seinen bisheriegen Parteigängern, der dritten kom- munistischen Regierung in Kanton, getrennt, da sie rhm zu radikal wurde. Er sucht jetzt Verbindung mit Tschangtsolin, um dann wahrscheinlich gemeinsam gegen Kanton zu marschieren.
Grenzabkommen über die zweite Besatzungszone.
Eine Bekanntmachung des Oberpräsidiums der Rheinprovinz.
Das Oberpräsidium der Rheinprovinz gibt bekannt: Durch Abkommen vom 9. April 1927 zwischen dem Reichskommissar für die besetzten rhrmischen Gebiete und der interalliierten Rheinlandlommission rst dre nördliche Demarkationslinie der zweitenBe- satzungszone nunmehr im einzelnen festgesetzt worden. Das Abkommen tritt am 1. Mai V. I. rn Kraft. Dre Demarkationslinie wird hauptsächlich von Landstraßen und Eisenbahnlinien gebildet. Um das der Besatzung aus diesen Linien zustehende Verkehrsrecht auch im Jnter- effe der deutschen Bevölkerung reibungslos zu gestalten, sind sogenannte Übergangsstreifen gebildet worden, die je nach den örtlichen Verhältnissen gewisse Geländegebrete nördlich und südlich der Demarkationslinie umsassem Die Besatzung hat Zugeständnisse für dre Ausübung des Besatzungsregimes in gewißen Zellen des noch besetzt bleibenden Gebietes gemacht. So soll Bad Reuen- a h r grundsätzlich v o n B e s a tz u n g s r e l bleiben, und von Kontrollen der Personalausweise |oll dort möglichst abgesehen werden. . F , , . . _
Der Oberpräsident der Rheinprovinz fordert in einer Bekanntmachung, die in den übergangsstrelfen zum Arr-
strengsten Maßnahmen aufgefordert werden. Hilfszüge sind an der Mordstelle eingetrosfen und große Truppen- aufgebote nahmen die Verfolgung auf. Mexikanische Zeitungen drücken vielfach die Vermutung aus, daß die Rebellen die Grausamkeiten begingen, um die Regierung Calles vor dem Ausland in Mißkredit zu bringen.
An der Stätte des Verbrechens werden dauernd weitere Leichen geborgen. In dem überfallenen Zuge befanden sich zwei Pullman-Wagen und verschiedene Bahnwagen erster und zweiter Klasse. Die Reisenden waren meistens Wallfahrer, die in der Osterzeit die berühmte Kathedrale von Guadalajara aufgesucht hatten.
Die entsetzliche Tat wurde zwischen Guadalajara und Limon verübt. Guadalajara hat mehr als 100 000 Einwohner und ist die Hauptstadt des Staates Jalisco, der der größte der mexikanischen Staaten ist und an den Stillen Ozean grenzt. Guadalajara, in der Talebene des Rio Grande de Santiago gelegen, ist gleichzeitig die zweitgrößte Stadt Mexikos. Der kleine Ort Limon liegt dicht bei Guadalajara und gehört ebenfalls noch zum Staate Jaliscco. Die Hauptstadt von Jalisco besitzt sität, eine Garnison und ist ein großer Pl Handel, der hier zumeist von Ausländern betrieben wird.
eine Univer- llatz für den
Der robeszug von Limon.
Mexiko, über das von mexikanischen Banditen bei Limon verübte Eisenbahnattenrat werden jetzt noch nähere Einzelheiten bekannt. Die militärische Bedeckung des Zuges leistete den Banditen 3% Stunden Widerstand, bis der letzte Soldat getötet war. Dann stürmten die Räuber den Zug und gingen mit Messern und Revolvern gegen ihre Opfer vor, unter denen sie ein entsetzliches Blutbad anrichteten. Die Überlebenden wurden in die Abteile eingeschlossen und diese mit Petroleum. MerM^L ^üd augezünde«. Diejenigen Fayrgäste, oie versuchten, dem Flammentod zu entgehen, wurden nieder- geschossen oder es wurde ihnen mit Gewehrkolben der Schädel zertrümmert. Präsident Calles hat angeordnet, daß der Kriegsminister die Operationen gegen die Banditen persönlich leiten soll und hat Befehl gegeben, diese tot oder lebendig gefangenzunehmen.
schlag gekommen ist, die Bevölkerung auf, das Derkehrs- recht der Besatzung zu respektieren. Ruhe und Ordnung müsse unter allen Umstanden gewahrt werden.
Der Reichskommissar für vas Handwerk.
Der zum Ministerialdirektor ernannte Geh. Regie- rungsrat Dr. Reichardt hat bekanntlich das Amt des Reichskommissars für das Handwerk und das Kleingewerbe übernommen. Gemäß den Beschlüssen des Reichs
tages übernimmt er die Leitung dieser neugebildeten Abteilung im Reichswirtschaftsministerium, in der künftig die Angelegenheiten des Handwerks und des Kleingewerbes, das gewerbliche Genoffenschafts- und Kreditwesen bearbeitet werden sollen.
Das Verbot von „Wiking" und „Olympia".
Verhandlungen vor dem Staatsgerichtshof.
Vor dem Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik hat die Verhandlung in Sachen der Beschwerde gegen das Verbot des Bundes „Wiking" und des Sportvereins „Olympia" durch die preußische Regierung begonnen. Vor Eintritt in die Verhandlung teilte der Vorsitzende mit, daß die Öffentlichkeit für gewisse Teile der Verhandlung ausgeschloffen werden könne, und zwar einmal aus Gründen der Staatssicherheit und dann noch deshalb, weil Dinge zur Sprache gebracht werden könnten, die btsber G^rrtzand eines geheimen Verfahrens gebildet