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Hersfelöer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt

Mtlicher Anzeiger fir Gen Kreis hersfelS mit den Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung unb Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

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Nr. 91

Mittwoch, den 20. April 192t

77. Jahrgang

Wochenende.

Von einem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter wird uns zu der in letzter Zeit so viel besprochenen Wochenendfrage, die jetzt erneut anläßlich der Berliner Wochenendausstel- lung die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, geschrieben:

Das englischeWeekend" ist gleichsam der Ausdruck eines Volkes, das es sich leisten kann, die Arbeitszeit der Woche zu verküzen, weil es verstanden hat, die anderen Völker für sich arbeiten zu lassen. Denn nicht etwa eine Errungenschaft jüngster Zeit ist es, daß der Eng­länder am Sonnabend mittag Geschäft und Werkstatt schließt, um bis in die Morgenstunden des Montags hinein aus der Stadt hinauszuziehen, sondern dieser Brauch stammt schon aus der Vorkriegszeit. Andere Völker, andere Sitten. Am Sonntag erlischt schon aus religiösen Gründen in England das gesamte geschäftliche Leben, ist kein Laden geöffnet, steht die Uhr der geschäftlichen Be- tätigung völlig still. Anders ist es in Deutschland immer gewesen, und damit fehlen manche Voraussetzun­gen, die das englische Weekend verständlich machen. Gewiß hat es seine sozialpolitischen, volksgesundheitlichen Vor­züge, wenn eine fast 48stündige Arbeitsruhe Erholung und neue Kraft schaffen, aber der Engländer ist glücklicher dran als etwa der Deutsche. Die klimatischen Vorzüge, die leichte Erreichbarkeit der See verschaffen dem Engländer bequem die Gelegenheit, eine wirkliche Erholung sich zu gönnen, während dem Deutschen dies Monate hindurch aus anderen klimatischen Verhältnissen heraus unmög­lich ist.

Dieselben sozialpolitischen und gesundheitlichen Gründe, die in England wirksam sind, mögen auch bei uns für dasWochenende" sprechen. Aber wir sind kein Volk, das die anderen Völker für sich arbeiten lassen kann, son­dern wir müssen für die anderen Völker arbeiten. Wenn wir daher ein Wochenende einrichten wollen, so kann es nur geschehen dadurch, daß wir die dadurch versäumte Arbeitszeit wieder einholen müssen. Man spricht so viel von einem schematischen Achtstundenarbeitstag; besser wäre es wenn man überhaupt einen Maßstab anlegen Andere Ernwurfe berechtigter Art bestehen aber gerade in Deutschland darin, daß manche Erwerbszweige nicht einmal diesen Maßstab vertragen. In der Landwirt­schaft macht die Notwendigkeit, die Ernte Hereinzu- bringen, nicht einmal halt vor der Sonntagsruhe. Und gerade in den kleinen Städten ist der Widerstand gegen ein völliges Stillegen der geschäftlichen Betätigung am Sonntag besonders stark. Gewiß hat man sich in den Großstädten daran gewöhnt, daß ein früherer Ladenschluß gesetzlich durchgeführt wurde; aber manche Existenz hat schwer darunter gelitten. Für den Großstädter aber ist vielleicht dasWochenende" wünschenswerter als für den Kleinstädter. Die lange Arbeitsruhe über den Sonntag hinaus und nicht bloß am Sonntag mag vieles für sich haben. Bedingung dabei ist aber, daß sie wirklich im Interesse der Volksgesundheit ausgenutzt wird, daß also alles bereitgestellt wird an Verkehrsmitteln, um den Städter hinauszuführen in die freie Natur. Dann würde auch das Land Vorteile davon haben fchon in geschäft­licher Beziehung, die eine notwendig andersgeartete Verteilung der Arbeitszeit entschuldigen könnten.

Man braucht durchaus nicht Freund des unbedingten Verlangens großer Gewerkschastskreise zu sein, um über das Wochenende nachzudenken. In vielen Berufszweigen ist ja schon jetzt eine verkürzte Arbeitszeit am Sonnabend eingeführt worden. Wer die Flucht des Engländers am Wochenende an die Seeküste kennt, der wird freilich als Deutscher mit Neid auf diese Gewohnheit blicken, die sich in England durchgesetzt hat. Aber England hat wirtschaft­lich ein einheitlicheres Gesicht als Deutschland. Außerdem stehen wir Deutsche vor viel stärkeren wirtschaftlichen Not­wendigkeiten als England. Aus diesen Gründen wäre eine Uniformierung in Gestalt eineszwangsmäßigen Wochenendes" volkswirtschaftlich bei uns kaum tragbar. Allzu verschieden liegen die Verhältnisse in den großen und in den kleinen Städten, vom flachen Lande ganz abgesehen. Allzu groß sind die Verpflichtungen, die wir nach dem Kriege haben übernehmen müssen, um leben zu dürfen. Wir haben keine Zeit, ein Rentnervolk zu sein. Solange wir im harten Kampf um unser Dasein stehen, auf unseren Schultern die schweren Lasten liegen, wird das Ziel, aus Kultur- und Gesundheitsgründen eine längere Erholungspause einzusühren, wohl in der Hauptsache ein schöner Traum bleiben.

Rußlands auswariige Lage.

Rykows Bericht auf dem Rätekongreß.

Auf dem Rätekongreß in Moskau gab der Vorsitzende des Rates der Bundesvolkskommissare, Rykow, einen Bericht über die auswärtige Lage der Russischen Sowjet­union. Von besonderem Interesse waren hierbei die Äußerungen Rykows Über die Beziehungen zwi­schen Rußland und Deutschland. Rykow be­tonte hierbei, daß Deutschland sich nicht zn feindlichen Aktionen gegen Rußland ausnutzen lassen werde. Die Gewährung eines 30v-Millionen-Kredrts von fetten Deutschlands an die Sowjetunion beweise, daß die Jreundschastspolittt. die von beiden Rearerunae« nach

Neue Zuspitzung auf dem Balkan

Aufleben des Konflikts

zwischen Serbien und Aalien.

Besorgnisse in England und Frankreich.

Der italienisch-serbische Konflikt, der nach Ernennung einer Untersuchungskommission für den Balkan, an der bekanntlich auch Deutschland teilnimmt allgemein als bei­gelegt galt, lebt von neuem wieder aus. Die Sprache der führenden politischen Presse beider Länder schlägt wieder einen scharfen Ton an und auch die plötzliche Umbildung des jugoslawischen Kabinetts, in dem jetzt drei Generale als Minister sitzen, ist auf die Zuspitzung der Lage auf dem Balkan zurückzuführen. In Jugoslawien ist man, wie dasEcho de Paris" zu melden weiß, darüber erbost, daß Mussolini es bisher abgelehnt hat, mit Belgrad in einen direkten Gedankenaustausch über die Sicherung des Friedens auf dem Balkan zu treten. Nach demEcho de Paris" läuft die Taktik Mussolinis darauf hinaus, den Konflikt mit Südslawien direkt in Verhandlungen über London zu lösen, um vor allen Dingen Südslawien soweit wie nur irgend möglich davon fernzuhalten.

Die neugeschaffene Lage wird auch in Frankreich und England, die ebenfalls Teilnehmer der Untersuchungs­kommission sind, für sehr ernst betrachtet. DerPetit

Rapallo durchgeführt wurde, sich auf dem Gebiete wirt­schaftlicher und kultureller Beziehungen vollkommen be­währt habe.

In seinen weiteren Ausführungen kam Rykow auch auf das Verhältnis Rußlands zum Völkerbund zu sprechen. Er führte hierzu u. a. folgendes aus: In der ganzen Zeit seines Bestehens war der Völkerbund lediglich ein Werkzeug Lur &eftigunc^T ten über andere. Die Versuche, dieJllusionzuver- breiten, daß der Völkerbund ein Werkzeug des Friedens sei, wird insbesondere durch die Ereignisse der letzten Tage, wo der Völkerbund sich jeden Eingreifens in die Lage in China enthielt, widerlegt. Die Sowjetunion unterstützt jede wahrhaft pazifistische Bewegung, bezweifelt jedoch, daß vom Völkerbund einberufene Abrüstungskonferenzen wirk­lich auf den Frieden hinzielen. Der Sinn der in Genf einberufenen Konferenzen gipfelt darin, die militä­rische Gewalt der zurzeit herrschenden Mächte zu wahren. Die Sowjetunion ist bereit, gänzlich abzu- rüsten, falls alle Mächte dies tun.

Zu den Ereignissen in China bemerkte Rykow: Die Zustimmung der Mächte zum Überfall auf die Sowjetbot­schaft in Peking bedeutet einen Versuch, die Sowjetunion zum Krieg gegen China herauszufordern. Die Sowjetregierung wird auf diese Provokation nicht eingehen. Die chinesische nationale Freiheitsbewegung ent­wickelt sich im Zeichen der Sympathie für hie Sowjet­union und dies veranlaßt die Imperialisten zu Angriffen gegen die Sowjetunion. Hatte es sich darum gehandelt, daß die Sowjetregierung sich für ihre Politik in China zu verantworten hat, so hätte sie sich lediglich vor China, dessen souveräne Rechte die Sowjetunion längst anerkannt hat, und nicht vor irgendeiner anderen Macht zu ver­antworten.

Die Lage der Sowjetunion in China ist dank der An­erkennung der Souveränitätsrechte Chinas fester und un­gefährdeter als die Lage jeglichen anderen Landes, un­geachtet der organisierten Provokation von feiten der Pekinger Polizei und der Truppen Tschangtsolins.

GankSionsandrohungen gegen China.

Eine neue Regierung in Nanking.

Westminster Gazette" will wissen, daß die Über­reichung einer neuen Fünfmächtenote an die Kanton- regierung unmittelbar bevorsteht, in der erklärt wird, daß die Mächte, wenn ihre Forderungen nicht prompt erfüllt werden, Sanktionen zur Anwendung bringen. Die Note verfolgt den Zweck, die Möglichkeit, Tschen und seine Sowjetberater zur Rechenschaft zu ziehen, offen zu lassen, ohne jedoch den gemäßigten Elementen in der nationalisti­schen Bewegung vor den Kopf zu stoßen.

Wie der Sonderkorrespondent derInformation" aus Peking meldet, hat die Regierung in Peking in Beantwortung einer Protestnote der Sowjets es a b ge­lehnt, die Forderungen betreffend Befreiung der Ge­fangenen und Zurückgabe der bei der Haussuchung in der russischen Botschaft, deren Personal abgereist sei, beschlag­nahmten Dokumente zu erfüllen.

Times" berichtet aus Schanghai: C nn Tschang- kaischek einberufene Kuomintangkonferenz verkündete in öffentlicher Sitzung die formelle Errichtung einer neuen Regierung in Nanking. An die ver­schiedenen Organisationen und an die Schanghaier Gilden und an die Handelskammer ist die Aufforderung ergangen zur Feier der Einsetzung der Regierung eine Versammlung abzuhalten.

Wie Reuter aus Kanton meldet, wurden bei Kämpfen

Parisien" betont, daß der Horizont des Balkans s i ch aufs neue verdüstere. Die Regierung in Rom scheine zu den schlimmsten Eventualitäten bereit zu sein. Die Großmächte müßten in dem Konflikt intervenieren, dessen Ernst man sich nicht verhehlen könne. DerMatin" ruft laut nach einer Intervention des Völkerbundes.

Die LondonerTimes" unternimmt, scheinbar von der englischen Regierung inspiriert, einen heftigen Vor- stoß gegen Mussolini. Das Blatt betont hierbei, Italiens Weigerung, mit Jugoslawien zu verhandeln, werde nicht nur in Belgrad und Paris, sondern noch mehr in Eng­land mit schwerer Enttäuschung ausgenommen werden, zumal die englische Regierung den Eindruck gehabt habe, Mussolini habe die englischen Vermittlungsvorschläge zu einer gütlichen Regelung des Konflkts angenommen.

DieTimes" schließt ihren Artikel mit folgender War­nung:Direkte Verhandlungen zwischen den beiden Län­dern sind vorzuziehen. Aber wenn die italienische Re­gierung in ihrer bisherigen Politik verharrt, werden andere Mittel gefunden werden müssen, um den Konflikt aus der Welt zu schaffen. Man ' nutz die Hoffnung hegen, daß Mussolini, der Realpolitiker, begreifen möge, daß die Aufrechterhaltung seiner bisherigen unbeugsamen Stellungnahme nicht zu jener Klärung der Lage zwischen Italien und Südslawien beiträgt, die jetzt zum Ziele der italienischen Politik erklärt wurde und die im allgemeinen Interesse Europas dringend gefordert werden muß."

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mit Kommunisten in Kanton ungefähr 100 Kommunisten getötet und 1500 verhaftet. Es wurde viel Munition er­beutet. In der Stadt herrscht gegenwärtig Ruhe. Auch in Schanghai wurde die kommunistische Agitation durch Truppen unterdrückt.

Anfragen an den preußischen Ministerpräsidenten.

Die Deutschnationale Volkspartei des Preußischen Landtags hatte Beschwerde geführt über eine Rede des preußischen Ministerpräsidenten Braun, die dieser am 24. Februar d. I. in der Berliner Universität gehalten hatte. Im Hauptausschuß des Landtages hatte der Mi­nisterpräsident erklärt, er habe in der betreffenden Ver­sammlung nicht amtlich gesprochen, sondern als sozial- demokratischer Politiker vor sozialdemokrati- schen Studenten. In einer Anfrage verweist nun die Deutschnationale Volkspartei auf einen Erlaß des preußi­schen Kultusministers vom 14. Februar 1927 über das Recht der freien Meinungsäußerung und der politischen Betätigung der Beamten. Darin heißt es:Das Amt um­faßt die Gesamtpersönlichkeit des Beamten. Er ist niemals nur Privatmann: in allen seinen Handlungen auch außer­halb des Dienstes muß er sich dessen bewußt sein, daß das Amt ihn bindet, stets auch in der Ausübung seiner staatsbürgerlichen Rechte diejenige Mäßigung und vorsichtige Zurückhaltung sich aufzuerlegen, die durch seine Stellung alsDiener der Gesamtheit" durch das Ansehen seines Amtes bedingt ist und jede Miß­deutung seiner Handlung, jeden begründeten Zweifel an der Zuverlässigkeit in der Ausübung der ihm übertragenen Amtsgewalt ausschließt. Die deutschnationale Fraktion fragt nun an, ob diese Pflichten der Beamten nur für die Nachgeordneten Beamten und Lehrer gelten oder auch für Minister und Ministerpräsidenten.

Neue Inspektionsreise des preußischen Innenministers.

Der preußische Innenminister Grzesinski trat in Be­gleitung des Ministerialrats Dr. Rathenau eine Besuchs­reise nach der Provinz Grenzmark Posen-West- Preußen an. Der Besuch ist als Fortsetzung der frühe­ren Reisen in die Grenzprovinzen gedacht. Am Sonn­abend wird der Minister die Grenzkreise der Provinz Brandenburg, Schwiebus, Landsberg usw., be­suchen. Für die erste Hälfte des Monats Mai ist eine Reise nach Ostpreußen vorgesehen, an die sich wahr­scheinlich ein Besuch in Pommern anschließen wird.

Ein einziges deutsches Volk.

Im Rahmen eines großen Sportfestes auf der Hohen Warte in Wien sprach der Reichstagsabgeordnete Hermann Müller über die Anschlußfrage. Müller führte hierbei aus: Wir treten hier als Deutsche auf österreichischem Boden zusammen, da wir infolge des Machtspruches der Sieger durch Grenzen getrennt sind. Dieser Zwang kann aber unseren inneren Zusammenhang nicht berühren. Wir kennen auch Grenzen, die nicht trennen. In diesem Sinne kennen wir auch keine Brüdervölker in Österreich und in Deutschland nebeneinander, sondern nur ein einziges deutsches Volk. Ich kann versichern, daß im Reich alle Parteien von rechts bis links in der Anschlußfrage einig sind. Der österreichische Nationalrat Deutsch erklärte, viele Tausende Teilnehmer seien nicht nur des sportlichen Er­eignisses wegen gekommen, sondern, um für den Herzenswunsch der übergroßen Mehrheit des öster­reichische« Volkes für den Anschluß an Deutschland zu