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Kersfelöer Tageblatt

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mit den Beilagen: Heimatschoken / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 7S Mittwoch, den 30. Märr 1927 77. Jahrgang

Keine Geschästsbelebung.

über die Wirkungen der im vorigen Jahre in Deutsch­land eingeführten und vielbesprochenen Einrichtung, Waren an Kunden auf Kredit und zu Ratenzahlungen ab- zugeben, wird uns von sachkundiger Seite geschrieben:

Der Verband deutscher Waren- und Kaufhäuser hat soeben einen Geschäftsbericht für 1926 veröffentlicht und er behandelt darin auch die Entwicklung einer Einrichtung, die bei ihrer ersten Einführung sehr heftige Auseinander­setzungen hervorrief. Es war dies die sogenannteKon­sumfinanzierung", also Hergabe von Waren, für die eine Bezahlung nur zum Teil sofort in bar erfolgte, während die restliche Abdeckung des Kaufpreises durch Ratenzahlung vor sich gehen soll. Was man dadurch erreichen wollte, war eine Belebung des Verbrauchs, war Anreiz zum Kauf von Waren, die an und für sich infolge Mangels an Bar­mitteln sonst nicht beschafft werden können. Belebung der Nachfrage, und zwar eine dauernde Belebung durch eine derartige Kreditgewährung, sollte nun und diese Rechnung war theoretisch richtig auch folgerichtig eine Steigerung der Erzeugung herbeiführen, also eine all­gemeine volkswirtschaftliche Belebung ermöglichen.

Schon damals wurden gegen die Einführung dieser ursprünglich amerikanischen Einrichtung in Deutschland schwere Bedenken vorgebracht, die sich hauptsächlich da­gegen richteten, daß auf eine dauernde Belebung der Nachfrage zu rechnen fei. Im Gegensatz zu den sog. Ab­zahlungsgeschäften bedeutet die Kredithergabe bei der Konsumfinanzierung" nicht einenRealkredit", sondern es erfolgt eine Prüfung der persönlichen Kreditwürdigkeit dessen, der den Kredit in Anspruch nehmen will; das be­deutet also eine Hergabe von Personal kredit. Mehrere Systeme solcherKonsumfinanzierung" sind ja nun in Deutschland eingeführt worden, aber der Geschäftsbericht des Verbandes der Waren- und Kaufhäuser stellt fest, daß das ins Auge gefaßte volkswirtschaftliche Ziel nicht erreicht worden ist. Zwar erfolgte MnMixurgMssB-, Kredttierungsfystems eine augenblickliche Belebung des Warenverkaufs, aber das war nur eine Vorwegnahme der Bedarfsdeckung, führte alfo nicht zu einer ständigen Steige­rung des Verbrauchs, sondern zu einem Nachlassen der Nachfrage in den dem Kauf folgenden Monaten. Statt einer Belebung der Nachfrage erfolgte also nur eine zeit­liche Verschiebung, die volkswirtschaftliich von keinem Nutzen ist.

Der Geschäftsbericht äußert sich auch über die Gründe, warum eine Kredithergabe bei Warenverkauf im , Einzelhandel zwar in Amerika möglich und volkswirt­schaftlich erfolgreich ist, in Deutschland aber nicht. Wäh­rend nämlich in Deutschland die Höhe des Einkommens bei den großen Massen die gleiche ist wie das allgemeine Preisniveau des Existenzminimums oder, einfacher ge­sprochen, der deutsche Arbeiter in der Hauptsache nur soviel verdient, als er zur Fristung seines und seiner Familie Lebens braucht, ist die allgemeine Preishöhe in Amerika etwa 150 % gegenüber 1913, die allgemeine Lohnhöhe aber rund 225 %, so daß der amerikanische Arbeiter durchschnittlich mehr verdient, als er zur Dek- kung des Existenzminimums nötig hat. Und dieses Mehr nun wird durch dieKonsumfinanzierung" ergriffen; das ist hier kein vorweggenommener Arbeitsverdienst wie bei der deutschen Kreditbeanspruchung, sondern ist wirklicher vorhandener Verdienst, der nun in Ware umgesetzt wird. Die Frage also, ob durch die Konsumfinanzierung ein stark erhöhter Bedarf erweckt und erhalten werden kann, läßt sich aus diesen Gründen für Deutschland nicht be­jahen", lautet das vorsichtige, aber unzweideutige Urteil jenes Geschäftsberichts, zumal man nicht einmal genau weiß, ob an Orten, wo mehrere Arten der Konsumfinan­zierung eingeführt sind, Kreditnehmer zu allen ihnen sich darbietenden Gelegenheiten gewandert sind. Allerdings sollen wirkliche Ausfälle bisher im allgemeinen selten ge­blieben sein, wofür wohl aber das geringe Ausmaß, das diese ganze für uns sich kaum empfehlende Einrichtung bis heute genommen hat, den Hauptgrund abgibt.

Dis Frage der MservLstreiikrasts.

Eine Rede des Grafen Bernstorff.

Der Ausschutz, der mit der Vorbereitung der Ab- rüstungskonferenz in Genf betraut ist, behandelte in der letzten Tagen die Frage, ob die ausgebildeten Reserve­mannschaften als Soldaten anzusehen sind und in ein« eventuelle Abrüstung mit einbegriffen werden mützten oder nur die gerade unter den Waffen befindlichen Personen. Frankreich und seine Anhänger verfechten die letzte An­sicht, während Deutschland und auch England der Meinung sind, daß auch die Reservisten einen Bestandteil des Heeres darstellen. Wie der Präsident der Versammlung zusam- menfaffend feststellte, hat die bisherige Aussprache über di« wichtige und schwierige Frage noch keine Einigung er­bracht, da jede Partei bei ihrer Auffassung geblieben ist

Auch der deutsche Vertreter, Graf Bernstorff, hai noch einmal zu dieser Angelegenheit in einer Rede Stellung genommen. Er betonte hierin, daß Deutschland ein Über­einkommen, das die ausgebildeten Reserven nicht Um­sätzen würde, keinesfalls als eine Abrüstungskonventior betrachten würde. Deutschland sei die Bildung von Re­serven unmöglich gemacht worden. Daraus gebe di«

Jas HandelsMismim mit Zraakreilh

Deutsche Rückfragen in Paris.

Grundsätzliche Zustimmung zum Handelsprovisorium.

Das Reichskabinett hat sich mit dem provisorischen Handelsabkommen beschäftigt, auf das sich die deutsche und die französische Wirtschaftsdelegation vor kurzem geeinigt haben. Das Kabinett hat dem Abkommen grund­sätzlich zugestimmt und seine endgültige Zustimmung nur von einigen kleineren Abänderungen abhängig gemacht, die aber an dem wesentlichen Inhalt des Abkommens nichts ändern. Das Kabinett hat eine Rückfrage nach Paris über einen bestimmten Berhandlungspunkt gerichtet.

*

Die französische Presse hat Mitteilungen über das Er­gebnis der deutsch-französischen Handelsvertragsverhand­lungen gemacht, die in ihren Einzelheiten nicht zutreffen. Diesen Meldungen zufolge soll der Zoll auf französische Weine von 80 auf 15 Mark herabgesetzt worden sein. Dem Wert des französischen Einsuhrkontingents von 40 Mil­lionen soll nur ein deutsches Einfuhrkontingent für chemische Erzeugnisse im Werte von 15 Millionen Franl gegenüberstehen, und diese Chemikalien sollen nicht im freien Handel abgesetzt werden dürfen. Diese Mitteilungen sind nicht richtig, vielmehr soll für französischen Wein ein bestimmtes Kontingent unter Meistbegünstigung zugelassen werden; an Stelle des autonomen Zollsatzes von 80 Mari soll ein Zoll in Höhe von 45 Mark für Weißwein und von

32 Mark für Rotwein erhoben werden. Der Wert der von Deutschland verlangten Einfuhrkontingente beträgt für Maschinen 23 Millionen Frank, für Erzeugnisse der elektrotechnischen Industrie 17 und für die der Chemie

Millionen, insgesamt als",

Bier und Holz, rund 60 Millionen Frank. Die deutschen Chemikalien können im freien Handel abaesetzt werden.

»eoeurung der ausgevtideten Reservemannschaften für die Armee hervor. Graf Bernstorff betonte schließlich, daß wenn es nicht gelingen sollte, die Reserven zu erfassen, die Aufgabe der Abrüstung nicht erfüllt sein würde.

Kommunistische Agitatoren in Schanghai.

Kabinettssitzung in London.

Nach Meldungen aus Schanghai hat der britische Oberkommandierende Duncan die Befehlsgewalt in der französischen Konzession übernommen. Britische und amerikanische Marinesoldaten haben Befehl erhalten, im Notfalle auch die französische Konzession zu verteidigen. Wie die englischen Blätter melden, sollen in Schanghai noch immer kommunistische Agitatoren am Werke sein, um die Einwohner Schanghais zu einem SturmaufdieausländischenKonzessionen zu veranlassen.

Das englische Kabinett hat in etwa zweistündiger Sitzung die Lage in China erörtert. Ein Teil der Blätter sieht in der Einberufung des Kabinettsrates ein sicheres Anzeichen für eine ernste Wendung der Lage im Fernen Osten. In der Kabinettssitzung hat die Regierung endgültig beschlossen, angesichts der gegenwärtigen Lage in China keine Verhandlungen mit der Kantonregierung über die zukünftige Verwaltung der internationalen Siedlungen zu beginnen. Dieser Beschluß ber Regierung wird von der nahezu gesamten Presse gutgeheißen.

Deutscher Reichstag.

(299. Sitzung.) OB. Berlin, 29. März.

Nachdem gestern noch der Abg. Büninghaus (D. Vp.) die Agitation gegen die Reichswehr abgewiesen und darauf hin­gewiesen hatte, eine Verringerung der Reichswehr könne die schwersten Folgen haben, trat Abg. Frhr. v. Richthofen (Dem.) für allgemeine Abrüstung und ein Milizheer ein, ehe vertagt wurde. Heute wurde ohne Aussprache der N o t e t a 1 in erster und zweiter Lesung angenommen und dann die zweite Lesung fortgesetzt bei dem

Haushalt des Reiä-swehrministermms.

Abg. Dr. Bredt (Wirtsch. Vgg.) wies darauf hin, daß das Heer vor dem Kriege die Aufgabe hatte, das Volk zu erziehen. Das sei bei dem jetzigen Heere leider nicht mehr der Fall. Der Redner trat dann für eine 10prozentige Herabsetzung des Heeresetats ein. Die Stellen, an denen gespart werden könne, müsse die Heeresverwaltung selbst aussuchen. Den politischen Staatssekretär lehnte der Redner ab und behandelte weiter die Frage des Ersatzes der Reichswehr.

Abg. Loibl. (Bayr. Vp.) erklärte weitergehende Abstriche am Heeresetat für unmöglich. Von einem Mißtrauen des Volkes gegen die Reichswehr sei nichts zu merken., Dre Reichs­wehr sei durchaus kein Söldnerheer, sondern ein Volksheer. Die Gedankenfreiheit dürfte man den Offizieren nicht nehmen. Die besondere Rücksicht aus die besetzten Gebiete beim Heeres- ersatz sei erfreulich. Bei den Aufträgen müsse Bayern ent­sprechend berücksichtigt werden.

Abg. Henning (Völk.) lehnte alle Abstriche im Etat, auch wenn sie noch so gering seien, ab. Die bescheidenen Gelder müßten in erster Linie zur Auffüllung der Munitionsvorräte verwandt werden. Wäre Deutschland 1914 besser gerüstet ge­wesen, dann wäre uns das ganze politische und soziale Elend erspart geblieben. ____________________>.«

Von einer sonst in Handelsfragen gut unterrichteten Seite wird bekannt, daß man in Kreisen der deutschen Industrie mit dem Provisorium nicht restlos zufrieden ist. Von industrieller Seite wird besonders bemängelt, daß eine erhebliche Anzahl deutscher Industrien in dem Ver­trage keine Berücksichtigung gefunden habe, insbesondere die ganze Kleineisenindustrie, die Leder­industrie, die Papierindustrie, die Metallwärenindustrie, die Uhrenindustrie usw. Gerade bei diesen Industrien handele es sich um Fabrikationen, die wirklich in der Lage seien, innerhalb eines nur dreimonatigen Provisoriums von erleichterten Einfuhrmöglichkeiten nach Frankreich Gebrauch zu machen und dafür schnell lieferfähige Waren in größerem Umfange bereitzustellen. Der Maschinenbau und die Elektrotechnik würden dagegen kaum in der Lage sein, von den diesen Industrien zügestandenen Einfuhr- erleichterungen nach Frankreich einen umfangreichen Ge­brauch zu machen, da ihre Produkte längerer Herstellungs­fristen bedürfen und die Unsicherheit der Verlängerung des Provisoriums nach drei Monaten es ihnen schwermachen würde, sich auf das französische Geschäft tatkräftig genug einzustellen.

Das Rrederlaffungsrecht in Polen.

Gesandter Rauscher in Berlin.

Der deutsche Gesandte in Warschau, Rauscher, ist für einige Tage in Berlin, um über die Frage des Nieder- lasfungsrechts Deutscher in Polen Bericht zu erstatten und neue Instruktionen über den deutschen Standpunkt in der Niederlassungsfrage nach Warschau mitzunehmen. Die Verhandlungen über den eigentlichen Handelsvertrag werden voMiufia wW^^f ha -H-. Verständigung in der'Mwderkassungsfrage erreicht ist.

Abg. Graf zu Reventlow (Deutschsoz.) erklärte, daß seine Sreunde dem Wehretat zustimmten. Die Schwächung der andesverteidigung hätte bisher außenpolitische Erfolge nicht erzielt.

Abg. Dr. Leber (Soz.) meinte, daß schon ein Fünkchen guter Wille erhebliche Ersparnisse ermöglichen würde. Die Reichswehr hätte z. B. heute mghr Stabsoffiziere als Leut­nants. Wenn der Minister sich nicht zu einer Einschränkung der Ausgaben verstehen könne, dann müsse es eben der Reichstag tun.

Reichswehrminister Dr. Geßler

ging aus die verschiedenen Fragen ein. Es sei bekannt, daß z. B. Frankreich einen großen Teil der ungeheueren ameri­kanischen Munitionsbestände übernommen habe. Deutschland habe solche Bestände nicht und keinerlei Reserven irgend­welcher Art. Die Frage, ob "Deutschland von seinen Munitionsfabriken nicht überteuert werde, fei ein ernstes Problem. Diese Fabriken seien ungünstiger gestellt als die Fabriken des Auslandes, weil sie nur für Deutschland ar­beiten und nicht exportieren dürfen. Verteuernd wirke, daß Deutschland z. B. nicht die billige Übungsmunition bei der Marine verwenden dürfe, sondern scharfe Gefechtsmunition benutzen müsse. Die Zahl der Offiziere sei nicht zu hoch. Der Minister sei bereit, sich für eine Vereinfachung des Apparates einzusetzen. Eine schematische 10 %ige Kürzung des Etats sei technisch unmöglich. Wenn man durchaus die Unkosten ver­ringern sollte, dann möge der Reichstag beschließen, anstatt 100 000 nur 90 000 oder 80 000 Mann zu halten. Das sei dann ein politischer Entschluß und die Kosten würden geringer.

Abg. Dr. Schreiber (Ztr.) lehnte eine mechanische Kürzung des Etats ab und empfahl dann Förderung des Bildungs­wesens in der Reichswehr.

Abg. Dr. Schneider verlangte zum Schluß seiner Aus­führungen, daß das Reich besser für Unterbringung der Mili- täranwärter sorge.

Abg. Rönneburg (Dem.) rief daraufhin, daß beim Innen­ministerium sogar 20 % gestrichen worden seien. Ohne die Schlagkraft des Heeres und der Flotte zu mindern, könne man ruhig in der aufgeblähten Verwaltung besonders in der Ma- rineverwallung sparen. . ..

preußischer Landtag.

(266. Sitzung.) tt. Berlin, 29. März.

Eine Regierungsvorlage über die Bereitstellung von 30 Millionen zur Gewährung von Beihilfen und Darlehen an Meliorationsverbände und zur Ausführung staatseigener Wasserbauten wird dem Hauptausschuß überwiesen. Es folgt die erste Beratung des Antrags der Koalitionsparteien über die Verteilung der erhöhten Beiträge zur Hauszinssteuer, die von der Reichsregierung für den 1. April und den 1. Ok­tober festgesetzt sind. Nach dem Anträge sollen auch nach bei Erhöhung der Mieten lediglich 40 % der Friedensmiete an Hauszinssteuer erhoben werden, wenn das Haus nur bis zu 45 % des Friedenswertes mit Hypotheken belastet ge­wesen ist. Der Antrag steht weiter eine Staffelung bei Steuer nach der Höhe der Hypothekenbelastung vor.

Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff legt dar, daß man die Verantwortung für die Erhöhung der Reichsregierung überlasten müsse. Die preußische Regierung sei zu der An­sicht gekommen, daß eine Erhöhung der Hauszinssteuer nichi zu umgehen sei. Das Mehraufkommen sei mit 120 bis 130 Millionen Mark zu veranschlagen. Der Neubautätigkeit sotten