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HersMer Tageblatt Hersfelöer Kreisbla« Mtlicher Anzeiger flr den Kreis Hersfel- mit den DeilLLkn: Leimolschollen / Illusirlerkes Anlerhaltungsblalt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / «Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

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Monatlicher Bezugspreis: Durch Siepost bezogen 1.00 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Aersfeld 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 0.80 Reichs-Mark. Druck und Verlag von Ludwig Aunks Buchdruckerei in HersfelS, Mitglied des VDZV.

Nr. 66 (Erster W) Sonnabend, den 19. Mär; 1927 77. Jahrgang

Worte und Tatsachen.

DieHalle der Wiederholungen" hat man den Reichstag genannt, lange noch, bevor so viel in dem weitläufigen Wallothaus in Berlin geredet wurde, wie es jetzt geschieht, vielleicht auch geschehen muß. Wenn aber heute eine deutsche Völkerbunddelegation nach getaner Arbeit müde und abgerackert von dem unendlichen Hin und Her innerhalb der vielleicht noch viel weitläufigeren Räume des Friedenspalastes nach Haus zurückkehrt, dann ist ihr Führer um die Rolle, die er hier zunächst wieder zu spielen hat, auch nicht gerade zu beneiden.

Die erste Pflicht, die ihn in der Heimat erwartet, ist natürlich der Vortrag beim Reichspräsidenten. Dann wollen Presse, Reichskabinett, der Auswärtige Ausschutz des Reichstages und dieser selbst von ihm unterrichtet werden, daneben gewitz auch noch diese oder jene Instanz der Partei, der der Autzenminister angehört, und wo er sich auch hinwendet, um zu erzählen, was alles gewesen und wie alles gekommen ist, überall ist es die gleiche Darstellung, die er zu geben und zu vertreten hat. Kann man sich da wundern, wenn ein vom Bureaukratismus so wenig angekränkelter Außenminister, wie wir ihn gegen­wärtig haben, von Grausen gepackt wird bei der bloßen Vorstellung an diese zahllosen Leidensstellen, die es zu überwinden gibt, ehe er sich wieder ungestört sachlicher Arbeit widmen kann? Ist es ihm zu verdenken, wenn er sich zu gut dafür hält, um wie eine Grammophonplatte von Station zu Station herumgereicht zu werden, zumal bei einer Ratstagung, die nicht gerade Fragen von welt­geschichtlicher Bedeutung zu entscheiden hatte? Wie es diesmal Herrn Dr. Stresemann geht oder gegangen ist, kann es ein andermal einem mit dem Parlamentaris­mus vielleicht ungleich weniger eingespielten Vertreter des Deutschen Reiches ergehen. Hier liegt ein Notstand vor, an dessen Beseitigung alle Parteien, die guten Willens sind, das gleiche Interesse besitzen oder doch besitzen sollten. Dem Bedürfnis nach einigermaßen gründlicher Verein­fachung und Beschleunigung des ungeheuerlich an­geschwollenen politischen Betriebes haben schon Männer der allerverschiedensten Parteien wiederholt Ausdruck ge- - ^^ÄMiW ab^r höchste Zeit, aus dies« Erkenntnis endlich auch einmal die notwendigen Folgerungen zu ziehen.

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In das gleiche Kapitel gehört die Beschwerde eines anderen Kabinettsmitgliedes, des Reichswirtschafts­ministers Dr. C u r t i u s, über die Art und Weise, wie die Herren Reichsboten diesmal bei der Beratung seines Haushaltsplanes verfahren feien. Mit wohlvorbereiteten Redeentwürfen feien sie auf die Reichstagstribüne ge­kommen, um ihrem Herzen Luft zu machen leider ohne dabei auch nur die geringste Rücksicht zu nehmen auf die Darlegungen und Vorstellungen, die im Laufe der De­batte vom Ministeriisch aus zu den Fragen seines Res­sorts gegeben worden waren. Mit anderen Worten: jeder spricht eben sein Sprüchlein herunter wie eine Grammophonplatte die Töne und Lieder her- gibt, die ihr vorher einverleibt worden waren, die Welt mag sich inzwischen auch noch so sehr verändert haben. VonRedeschlachten" kann natürlich unter solchen Sitten und Gewohnheiten schlechterdings nicht mehr gesprochen werden und der Parlamentarismus wird in Mißkredit gebracht. Der Stein der Weisen aber, der hier den rich­tigen Mittelweg anzugeben weiß zwischen einer auf dem Willen des Volkes aufgebauten Verfassung und den Notwendigkeiten des mit ungestümer Gewalt vorwärts­drängenden Lebens für ein im Herzen Europas schwer um sein Dasein ringendes Sechzigmillionenvolk er soll erst noch gefunden werden. *

Zwischendurch sollte man sich aber immer wieder, un- abgelenkt durch Grammophonplatten und Radiomusik und festliche Veranstaltungen der verschiedensten Art, der bitteren Tatsache erinnern, daß es im großen Ganzen noch bei weitem nicht gelungen ist, unserem Wirtschafts­leben denjenigen Aufschwung zu geben, der dem Elend unserer Arbeitslosigkeit endlich das Wasser abgraben könnte. Wir haben soeben in einem Reichstags­ausschuß gehört, daß Reich und Staat und Gemeinden im vorigen Jahre nicht weniger als 1,3 Milliarden Mark zur Bekämpfung dieses entsetzlichen Notstandes ausgegeben haben, und für 1927 sind die Aussichten in dieser Beziehung auch nichts weniger als rosig. Wenn auch im Frühjahr die Zahl der Arbeitsuchenden wieder etwas heruntergeht, für die große Masse der unbeschäftig­ten Hände wird sich auf absehbare Zeit an ihrer traurigen Lage nichts ändern. Die soeben beendete Breslauer Frühjahrsmesse hat nicht befriedigend abgeschnit- ten und felbst die große Leipziger Ostermesse ist hinter den Erwartur jen und Hoffnungen zurückgeblieben. Mag in der schlesischen Hauptstadt der immer noch fort­wirkende Handelskrieg mit Polen von Einfluß gewesen sein, in Leipzig haben wir ein Spiegelbild der a l l g e - meinen Wirtschaftsverhältnisse geliefert bekommen und das zeigt leider recht unerfreuliche Züge.

Die neue Reichsregierung kann natürlich gar nicht der Zauberstab sein, der den vielverschlungenen Übeln unserer Tage etwa mit einem Schlag ein Ende machen könnte: auch jede anders zusammengesetzte Regierung zvürde der vom einzelnen Menschenwillen völlig unab-

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25 Millionen für Kleinrentnerfürsorge.

Der Rechtsausschuß des Reichstages hat jetzt bie' Be- ratung der beim Reichstag eingegangenen Aufwertungs- anträge begonnen. Von der Reichsregierung liegt ein Gesetzentwurf über die Verzinsung aufgewer- t e t e r H y p o t h e k e n und ihre Umwandlung in Grund- schulden vor. Der Entwurf hält an den Grundzügen der Aufwertungsgesetzgebung fest, enthält aber Bestimmun- gen, die bestehende Härten bei der Verzinsung von Hypo­theken mildern, die mißbräuchliche Ausnutzung der Gesetzesvorschriften verhindern und dem Gläubiger die Befugnis erteilen wollen, die Umwandlung der Hypothek litt eine Grundschuld zu beantragen.

' Abg. Dr. Best begründete den von ihm eingebrach­ten Gesetzentwurf über die Umwertung von Hypotheken und anderen Ansprüchen. Nach diesem Entwurf soll bei Ansprüchen, die vor dem 1. Januar 1919 durch die Ver­äußerung eines Grundstücks entstanden sind, die Um­rechnung durch das Verhältnis bestimmt werden, in dem nach der Absicht der Beteiligten der Erwerbspreis zum Wert des Grundstückes stehen sollte. Bei Industrie- obligationen, Pfandbriefen, Rentenbriefen, Kommunal- obligationen und anderen Schuldverschreibungen soll an die Stelle des Tages der Entstehung der Tag der Auf­wertung treten. Der Entwurf verlangt auf dieser Grund­lage die Umwertung aller Ansprüche, die auf vor dem 14. Februar 1924 begründeten Rechtsverhält­nissen beruhen und eine Geldsumme zum Gegenstand haben, die durch die Inflation entwertet worden ist.

Darauf erklärte Reichsjustizminister H e r g t, die Reichsregierung wolle auf dem Gebiete der Klein­rentnerfürsorge 25 Millionen Mark zur Verfügung stellen zur Verstärkung der Bezüge. Der Rückgriff auf das sonstige Vermögen des Kleinrentners solle verhindert und ferner solle n^ch Möglichkeit bedürf­tigen Inhabern von aufgewerteten Hypotheken usw. durch Aufkauf ihrer Forderungen sofort Geld verschafft werden. Der Reichsfinanzminister beabsichtige, den Antrag Emmin-

hängigen Gewalt der Tatsachen gegenüber schwer genug zu ringen haben. Jeder, der bessere Zustände herbei­führen möchte, soll hier mithelfen, soviel er nur kann, nnd sich nicht auf eingelernte Klage- und Anklagereden beschränken, die man nachgerade wirklich schon von jeder Grammophonplatte ebensogut herunterbeten lassen könnte. Dr. Sy.

Sie deutsch-französischen

SandtlrverttagSvechandlnngen.

Die noch bestehenden Differenzen.

Nachdem das Protokoll über die Grundlagen für die Verhandlungen über den Abschluß eines endgültigen Handelsvertrages zwischen Frankreich und Deutschland nunmehr unterzeichnet ist, kann in die Einzelbe­ratung eingetreten werden, sobald die jetzt geführten Verhandlungen über die Abänderung des Handelspro­visoriums, das bis zum 31. Mai läuft, abgeschlossen sind. Diese Verhandlungen betreffen die Forderung der Fran­zosen, ihnen schon ab 1. April die Einfuhr von Weinen nach Deutschland unter den gleichen Bedingun­gen, unter denen spanische und italienische Weine aus Grund der bestehenden Handelsverträge mit Spanien und Italien eingeführt werden können, zu bewilligen. Als Gegenleistung fordert die deutsche Wirtschaftsdele­gation für die Dauer des Provisoriums für weitere Jn- vustrieprodukte als die, die in dem Handelsprovisorium eine begünstigte Stellung für die Einfuhr nach Frankreich einnehmen, ebenfalls Einfuhrmöglichkeit.

Die Verhandlungen haben in den letzten Tagen einen normalen, nicht ungünstigen Verlauf genommen. Die Differenzen, die bestehen, betreffen, was Frankreich an- betrifft, die Höhe des zu bewilligenden Kontingents für die auszuführenden Weine, was Deutschland anbetrifft, die Bestimmung der deutschen Warengattungen, die bis zum 31. Mai nach Frankreich eingeführt werden können.

Die Franzosen legen, wieMatin" hervorhebt, eine« besonderen Wert darauf, daß in dieses Handelsprovi sorium die Einfuhr von Weinen ausgenommen wird, da sie sich, wie das Blatt erklärt, trotz der Unterzeichnung des Protokolls das Recht Vorbehalten, das Provisorium am 21. März mit Wirkung zum 31. März zu kündigen, wenn bis dahin ein Einverständnis über die Weinfrage nicht erzielt werde.

Heeres- und Wungssorgeu.

Angriff auf den deutschen Reichswehreial.

Im Französischen Senat ergriff bei der Beratung der Nachtragskredite, die der Kriegsminister verlangt, der elsässische Senator Eccard das Wort, der das Steigen des Budgets bei deutschen Reichswehr erörterte, deren Aus­

ger (betreffend Barablösung der Auslosungsrechte von Personen über 65 Fahre, die nicht mehr als 3000 Mark Einkommen haben) durchzuführen und daneben in mög­lichst weitem Umfang bei Bedürftigkeit Vorzugsrenten zu gewähren.

Der Minister erklärte weiter: Wie man auch vor 1% Jahren zur Aufwertungsfrage gestanden habe, es müsse jetzt daran festgehalten werden, daß das vom Reichstag nach schweren Kämpfen geschaffene Aufwertungsgesetz ein Werk von Dauer bleibe. Dieses Gesetz habe wesentlich zur Festigung der Währung beigetragen und es habe den Gläubigern sehr reale Werte gebracht. Der im nächsten Jahre in Kraft tretende höhere Zinsfuß von 5 % für Auf­wertungshypotheken werde die Lage der Gläubiger weiter verbessern.

Wenn in dem neuen Volksbegehren der Bevölkerung eine 100 prozentige Aufwertung in Aussicht gestellt wird, so muß das eine bedenkliche Beunruhigung in die deutsche Bevölkerung tragen. Gegenüber diesen Forde­rungen zeigen die Wünsche der Juristischen Arbeitsgemein­schaft mehr Selbstbeschränkung, wenngleich die Regierung sich ihre Forderungen auch nicht überall zu eigen machen kann. Der Regierungsentwurf hält an den Grundlagen des Aufwertungsgesetzes fest. Die Regierung richtet au die Abgeordneten den dringenden Appell: Helfen Sie mit, daß nun endlich die neue Beunruhigung beseitigt wird!

Erklärung der Regierungsparteien.

Für die Regierungsparteien gab hierauf Abg. Dr. Wunderlich (D. Vp.) eine Erklärung ab, in der er daraus hinwies, daß die in der jetzigen Koalition vereinten Par­teien dieselben seien, die 1925 die Aufwertungsgesetze geschaffen hätten. Sie seien sich schon damals klar gewesen, daß diese Gesetze mancherlei Härten im Gefolge haben würden, und begrüßten es daher, wenn die Reichsregie­rung durch Bereitstellung neuer Mittel den Geschädigten helfen wolle. An den Grundlagen der Aufwertungsgesetz­gebung dürfe nicht gerüttelt werden. Die Regierungs­parteien stellten stich tN!^' *» Regierungsvorlage und würden alle weitergeycnden Anträge ablehnen. Die Weiterverhandlung wurde auf Sonnabend vertagt.

gaben von 45Ü Millionen tm Jahre 1924 aus 700 Millionen im Jahre 1927 gestiegen seien. Die deutsche Handels­marine sei eine Pflanzstätte für Offiziere geworden. Die jetzigen Regierenden in Deutschland könnten nicht genügend Garantien bieten, um Frankreich Vertrauen zu den srie- densfreundlichen Erklärungen der deutschen Regierung ge­winnen zu lassen. Frankreich müsse auf wirtschaftlichem, militärischem, maritimem und auch aus moralischem Gebiet unaufhörlich an seiner Wiederaufrichtung arbeiten.

Ministerpräsident Poincarö erklärte: Die Regie­rung hat ihre Aufmerksamkeit ernstlich auf die vom Senator Eccard vorgebrachten Tatsachen gelenkt. Sie wird fortfahren, im Einverständnis mit den parlamen­tarischen Ausschüssen alle Maßnahmen zu ergreifen, die die Sicherung des Friedens und die A u f r e ch t e r h a l t u n g der nationalen Sicherheit erfordern.

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Englands Luftflotte.

Im Englischen Unterhaus brächte der Abgeordnete Ponsonby einen Antrag auf Verminderung der L u f t st r e i t k r ä f t e von 33 000 auf 1000 Mann ein. Luftfahrtminister H o a r e erklärte in seiner Erwiderung, man müsse zuerst die moralische Abrüstung unter den Völkern und Regierungen Europas haben, bevor man die militärische Abrüstung bekommen werde. Er bezeichnete London als die Luftangriffen am meisten ausgesetzte Hauptstadt unter allen großen Hauptstädten Europas und sagte, zu Ende des Krieges habe England die größte Lust­streitkraft in Europa gehabt. Es habe sie bis zur Be­deutungslosigkeit vermindert.

Die anderen Mächte führten ihre Programme aus und England sei verpflichtet, die notwendigen Schritte zu tun, um sich in besseren Verteidigungs­zustand zu setzen. England sei immer noch in einem Zustand ausgesprochener Unterlegenheit gegenüber den anderen Luftstreitkräften der Welt. Die Lustabrüstung sei die schwierigste Seite des Abrüstungsproblems.

Zu allererst müsse die Aufmerksamkeit auf die Luft­streitkräfte gelenkt werden, die fähig wären, plötzliche An­griffe auf große Bevölkerungsmittelpunkte abzuwehren, und dies sei die Linie, auf der Englands Vertreter in Genf, Lord Cecil, jetzt arbeiten werde. Lord Cecil werde nicht ausschließlich an diese eine Linie gebunden sein, weil jede Beschränkung dieser Art ein großer Fehler wäre. Im all­gemeinen sei der britische Wunsch, in der Luftabrüstung sich aus die Streitkräfte zu konzentrieren, die plötzliche An­griffe auf die großen Mittelpunkte unmöglich machen können. Der Abänderungsantrag Ponsonby wurde mit 197 gegen 24 Stimmen verworfen.

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Vandervelde über die Meinlandräumung.

Zur Frage der Rheinlandräumung erklärte der bel­gische Außenminister Vandervelde im Belgischen Senat, daß diese Frage in Kürze von den Alliierten behandelt