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Hersfel-erTageblatt Hersfelüer Kreisblatt Amtlicher Anzeiger für den kreis hersfelS

mit Sen DriloLkn: Helmolschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Unterhaltung und Wissen

_____________________________________Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagessragen.

Anzeigenpreis: Sie einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grunüschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- Nachlaß gewährt. Für die Schristleitung verant­wortlich: Kranz Kunk in Hersfeld. Kernsprecher Nr. 8

MonatlicherBezugspreis: durch diepost bezogen 1.00 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 0.80 Reichs-Nlark. druck und Verlag von Ludwig Kunks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des vdZv.

Nr. 65

Freitag, den 18. März 1927

77. Jahrgang

Sorgen -es Weinbaues.

Genau so, wie vor zwei Jahren bei den Handelsver­tragsverhandlungen mit Spanien, ist auch jetzt bei den Verhandlungen über einen deutsch-französischen Handelsvertrag die Frage der Weineinfuhr nach Deutschland ein schweres Hindernis. Frankreich ist ja ein Land, das namentlich im Süden und im Osten außer­ordentlich viel Wein erzeugt, und es hat daher das aller­größte Interesse daran, seine Ausfuhr nach Deutschland nicht mit einem hohen Zoll belasten zu lassen, ist auch bereit, genau wie damals Spanien seinerseits der Einfuhr deutscher Jndustriewaren die ärgsten Zollhinder­nisse aus dem Wege zu räumen, wenn Deutschland ihm in der Frage des Weinzolles entgegenkommt. In vielen Kreisen des deutschen Volkes wird man der Ansicht sein, daß uns an einer möglichst großen Ausfuhr von Jndustriewaren nach Frankreich mehr gelegen sein müsse, als den Handelsvertrag scheitern zu lassen an dem Wunsch, dem deutschen Weinbau den gefährlichen Wett­bewerb des durch Klima und örtliche Lage so sehr bevor- Zugten französischen Weinbaues fernzuhalten. Man meint, es handele sich doch für uns nur um geringe Inter­essen.

Das ist aber denn doch ein Irrtum. Die Feststellung wird überraschen, daß im deutschen Weinbau etwa 2,5 bis 3 Millionen Menschen hauptberuflich tätig sind und daß der Wert der deutschen Weinerzeugung mit etwa 84 Millionen Mark (1925) z. B. doppelt so hoch ist wie der der ganzen Eisenerz-Erzeugung, um 30 Millionen aber auch den Wert des gesamten deutschen Seefischfanges überragt und gleich hoch ist wie der Wert der Schaf- und Ziegenhaltung in Deutschland. Der Weinbau ist typischer, zugleich aber auch intensivster Kleinbetrieb; vermag doch hier der Besitz schon von zwei bis drei Morgen eine ganze Familie zu ernähren und insgesamt werden dort etwa 30 000 Hektar, davon 98 % im Kleinbetrieb, bestellt. Auch der Wert der Nebenprodukte Trauben, Traubenzucker, Likör und Branntwein, Essig und Viehfutter geht in die Millionen.

-HM 1941 Lsp.vre. Anvaustache nun nicht unerheblich gesunken, ebenso natürlich auch der finanzielle Ertrag. Dafür ist die Einfuhr fremden Weines ganz beträchtlich gestiegen, leider betrug aber die deutsche Weinausfuhr 1925 nur noch den vierten Teil des Exports von 1913. Denn die einheimische Produktion wäre wohl imstande, den Binnenbedarf Deutschlands zu decken und eine Ein­fuhr überflüssig zu machen, wenn nicht unter dem Druck der ausländischen Konkurrenz sich die Anbaufläche seit 1906 um ein Drittel vermindert hätte. Auf die franzö­sischen Weinpreise wiederum drücken die a l g i e r i s ch e n Weine, wo auf der gleichen Fläche wie in Deutschland zum vierten Teil der Anbaukosten viernral so viel Wein geerntet wird als bei uns. So wird es erklärlich, daß da­mals, als in B e r n k a st e l und anderswo dieWinzer­unruhen" ausbrachen, allein an der Mosel die Ernte des Jahres 1924 nur zur Hälfte, von der des folgenden Jahres überhaupt noch nichts versauft worden war. Dabei be­trug im Jahre 1925 der Weinertrag etwa 1,6 Millionen Hektoliter, also weniger als die Hälfte des Ertrages von 1922 bei nur geringer Verminderung der Anbaufläche. Unter dem schweren Druck, der auf dem deutschen Wein­bau aus vielerlei Gründen lastet und der zu diesem Rück­gang der Anbaufläche führte, sind allmählich 150 000 Winzerfamilien brotlos geworden. Demgemäß ist auch die hypothekarische Verschuldung des deutscher; Weinbaues eine ganz außerordentlich große. Allein bei 50 Winzer- genossenschasten an Saar, Mosel und Nuwer steigerte sich diese Verschuldung in dem ersten Jahrzehnt dieses Jahr­hunderts um das Sechsfache und diese Verschuldung hat infolge des Preisdrucks in den letzten Jahren ganz ge­waltige Fortschritte gemacht, besonders, da ja bis zum 10. Januar 1925 laut Versailler Friedensvertragelsäs- sische" Weine zollsrei nach Deutschland hineingelangten und dadurch z. B. die badischen Weine absatzunfähig machten.

Es stehen also doch recht beträchtliche volkswirtschaft­liche Werte auf dem Spiel bei den Handelsvertragsver­bandlungen mit Frankreich, Werte, die man nur aus Un­kenntnis mit einer leichten Handbewegung beiseite schieben könnte.

StiMgerung der GrwtrksloftnsSrfolge.

über den 1. April 1927 hinaus.

Am 31. März 1927 läuft die Geltungsdauer einiger Gesetze und Verordnungen in der Erwerbslosenfürsorge ab. Hierzu gehören das Gesetz über eine Krisenfürsorge für Erwerbslose, die Kurzarbeiterfürsorge und die Sechste Ausfühungsverordnung über den Reichsausgleich. Das Reichsarbeitsministerium hat dem Reichsrat Vorlagen über die Verlängerung dieser Bestimmungen gemacht. Mit einer baldigen Verabschiedung kann gerechnet werden. Das Reichsarbeitsministerium wird ferner die Geltungs­dauer seines Erlasses, durch den es die Höchstdauer der Erwerbslosenunterstützung für die Mehrzahl der Berufs­gruppen über 26 Wochen hinaus ausgedehnt hat, ver­längern. Auch die bisherigen Höchstsätze bleiben über den L April 1927 hinaus in Kraft.

Senf im AuSwärtigenAusschusi

Dr. Sirefemami

über die Genfer Tagung.

Diplomatenempfänge durch den Reichsaußenminister.

Im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages kamen am Donnerstag die Genfer Verhandlungen zur Be­ratung. Den Vorsitz führte Abg. Wallraf (Dtn.). Reichs­minister Dr. Stresemann erstattete einen ausführlichen Bericht, in dessen Mittelpunkt die Genfer Ratstagung sowie die gegenwärtige außenpolitische Lage standen. An das Referat des Reichsaußenministers schloß sich eine eingehende Aussprache, an der die Abgeord­neten Breitscheid (Soz.), Prof. Dr. Hötzsch (Dtn.), Prälat Kaas (Bit.) und Freiherr von Rheinbaben (D. Vp.) teil- nahmen. Zwischen den einzelnen Diskussionsreden nahm Dr. Stresemann wiederholt das Wort, um die an ihn gestellten Fragen zu beantworten. Die Verhandlungen, die streng vertraulich waren, mußten vorzeitig abge­brochen werden, da Reichsaußenminister Stresemann an einem vom dänischen König gegebenen Essen teilnahm. Sie werden am Freitag fortgesetzt werden. In parla­mentarischen Kreisen zieht man aus der Dauer der Aus­sprache den Schluß, daß die Auseinandersetzung über die grundsätzlichen Pr - gründlicher vorgenommen wird, als man ursprünglich annahm.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat die Diplo­matenempfänge, die während seines mehrwöchigen Ur­laubs ruhen mußten, wieder ausgenommen. So hat er

Amerika gegen internationale MstangSkontrvlle.

M-M^r i&e t ''...;.. s«) ^-l i.^«4.s.&-unt,.

Die amerikanische Regierung hat für die zweite Tagung des Vorbereitenden Abrüstungsausschusses ein Memorandum zu dem Bericht des sog. Gemischten Aus­schusses ausgearbeitet, in dem die Vereinigten Staaten nicht vertreten sind und der im Auftrage des Völkerbund- rates insbesondere zu der Frage der Kontrolle ge­wisser nationaler Schlüsselindustrien und entsprechender internationaler Abkommen zwischen solchen Industrien und über die Möglichkeit des Verbots des chemischen Krieges Gutachten und Vorschläge auszu- arbeiten hatte.

Die amerikanische Regierung erklärt in dem Memo­randum, daß sie keinen Vorschlag günstig aufnehmen könne, der auf eine internationale Kontrolle in bezug auf eine Vereinbarung über die Beschränkung der Rüstungen hinauslaufen würde. Die sicherste Basis für eine solche Vereinbarung müsse die Achtung vor den Verträgen sein. Jede Kontrolle würde nur Mißtrauen erzeugen. Außerdem macht die amerikanische Regierung darauf auf­merksam, daß der Abschluß besonderer internationaler Vereinbarungen zwischen den Schlüsselindustrien in den bereinigten Staaten auf ernste rechtliche und verfassungs­mäßige Hindernisse stoßen würde.

Deutscher Reichstag.

(288. Sitzung.) OB. Berlin, 17. März.

Ein Gesetzentwurf über die Verzinsung aufgewerteter Hypotheken und ihre Umwandlung in Grundschulden wurde dem Rechtsausschuß überwiesen. Die gestern wegen Beschluß- unfähigkeit abgebrochene zweite Lesung des Haushalts des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wurde dann fortgesetzt.

Abg. Hemeter (Dtn) forderte ein Pflanzenschutzgesetz, um die Einschleppung gefährlicher Pflanzenkrankheiten aus dem Auslande zu verhindern. Ferner trat er für die Kenntlich- machung ausländischer Eier ein. Im Jahre 1926 seien Eier im Gesamtwerte von 234 Millionen Mark aus dem Auslande eingeführt worden.

Abg. Schmidt-Hannover (Dtn.) begründete eine Entschlie­ßung aus Unterstützung der Hochseefischerei. Auch der Obstbau müsse möglichst gefördert werden.

Abg. Bornefeld Ettmann (Ztr.) verwies auf die Schulden­last der Landwirtschaft. Die Pachtschutzverordnung müsse revidiert, die Siedelung gefördert weren. Frankreich dürfe man für Weine keine Zugeständnisse machen.

Abg. Janson (D. Vp.) schilderte die Notlage der Winzer, die durch die niedrigen Zölle auf ausländische Weine hervor­gerufen sei. Es handelt sich um 300 000 Einzelexistenzen.

Abg. Frau Mende (D. Vp.) empfahl Förderung des Milchverbrauchs.

Mg. Meyer-Hamburg (Wirtsch. Vgg.) trat für die Zu­lassung des Sonntagsverkaufs auf dem Lande ein und wünscht die Umwandlung des Ministeriums für Ernährung und Land­wirtschaft in ein richtiges vollwertiges Reichslandwrrtschasts- ministerium.

ReichsernährimgBmmister Schiele

nahm darauf das Wort zur Beantwortung der sozialdemo­kratischen und kommunistischen Interpellation über die Frage der Roggenversorgung. Nach der Vorratsstatistik des Deutschen Landwirtschaftsrates standen am 15. Dezember 1926 noch 22 % der Gesamternte an Roggen zur Verfügung. Geht man davon aus, daß in. diesem Stifte von der gesamten

die Botschafter Rußlands und Italiens sowie den Pol- Nischen Gesandten empfangen, um mit ihnen Fragen zu besprechen, die einerseits Deutschland, andererseits die Länder der betreffenden Diplomaten angehen. Solche Diplomatenempfänge finden übrigens von Zeit zu Zeit statt, ohne daß besonders wichtige Anlässe vorzuliegen brauchen. _______

Deckung für 250 Millionen gesucht.

Reichskanzler Dr. Marx und Reichsfinanzminister Dr. Köhler haben Vertreter der Regierungsparteien empfangen, um mit ihnen die Deckung der neu entstande­nen sozialpolitischen Ausgaben im Rahmen des Etats für das Jahr 1927/28 zu besprechen. Die Erhöhung der Leistungen aus der Invalidenversicherung, wie sie von der Regierung geplant war, soll durchgeführt werden, ebenso die Hypothekenaufwertung und der Finanzaus­gleich, der den Ländern größere Erträge bringt, als ur- sprünglich beabsichtigt war. Darüber hinaus aber sollen neue Bev ligungen vermieden werden. Ohnehin wu.^ b'er Gesamtaufwand für die sozialpoli­tischen Leistungen auf etwa 730 Millionen Mark ge­schätzt, darunter 250 Millionen Mark für die Fortführung der Erwerbslosenunterstützung. Für diese letzten 250 Millionen Mark soll einstweilen eine Deckung nicht vor­handen sein. Reichskanzler Dr. Marx hatte außerdem eine Kabinettssitzung einberufen, in der sich die Reichs- regierung mit der Finanzlage beschäftigte.

Noggenernte etwa 40 %, höchstens 45 % zum Verkauf kommen wurden, so würden diese 22 % der Gesamtmenge etwa 50 % der Gesamtverkaussmenge ausmachen. Das entspräche fast genau den Vorkriegsprozentfätzen. Der Schluß sei nicht ge- ^ÄÄWiÄ

einer sorgfältigen Untersuchung über den Mehrverbrauch seien im Jahre 1926 trotz der reichlichen Ernte des vorhergehenden Jahre 11 Kilogramm Roggen je Kopf weniger verzehrt wor­den, als jetzt zur Verfügung ständen. Man könne also min­destens annehmen, daß man noch mit einem bescheidenen Vor­rat in die neue Versorgungspcriode eintreten werde.

Die Roggenpreise im laufenden Jahre

seien zwar ungleich höher als die stark gedrückten des Vor­jahres, seien aber im Durchschnitt nicht höher als diejenigen des Wirtschaftsjahres 19241925. Wenn auch bei den jetzigen Roggenpreisen der Landwirt nur einen knappen Ausgleich für den Minderertrag d. J. erhalte. so bereite diese Preisentwicke- lung dem Ernährungsminister natürlich Sorge. Die Steige­rung des Brotpreises für Roggen- und Weizengebäck betrage durchschnittlich 7 Pfennig pro Kilogramm und ergebe eine Mehrbelastung auf den Kopf der Bevölkerung von 8,40 Mark im ganzen Jahre. Die Getreidehandelsgesellschaft habe inner­halb der natürlichen Grenze ihre Aufgabe erfüllt, wenn bei dem letzten Termin bereits ein Rückgang der Preisnotierung verzeichnet werden konnte. Die Getreidehandelsgesellschaft sei fast im vollen Besitze des ihr nach dem Etatstitel in Aussicht gestellten Kreditbetrages. Abgesehen davon, daß eine vor­übergehende Suspendierung des Roggenzollcs die Versor­gungslage des Volkes kaum beeinflussen könnte, würde in den Roggenmarkt für den Rest der diesjährigen Versorgungs­periode eine nicht zu verantwortende Unsicherheit hinein­getragen. Den Vorteil von der Suspendierung würde nur das Ausland haben.

r Abg. Obendiek (Komm.) erklärte, der Minister lade die Arbeitslosen aufs Land, weil die Gutsbesitzer die Arbeitslosen- Unterstützung für die Verpflegung haben wollten, außerdem auch noch einen Zuschuß für die Ausbildung der Arbeitslose». Der Abgeordnete erhielt einen Ordnungsruf, als er den Minister einmal als einen Schandminister bezeichnete.

Abg. Schmidt-Köpenick (Soz.) polemisierte ebenfalls gegen den Minister. Er vermißte bei der Geschäftsgebarung der Ge- Ireidehandelsgesellschaft, daß sie nicht für die Stabilisierung der Getreidepreise nach unten eintritt. Auch die Sozialdemo- kratie habe ein Interesse an stabilen Getreidepreisen, aber nicht aus Kosten der Verbraucher. _ *

Damit schloß die Besprechung. Eine Reihe von Trteln wurde zurückgestellt, der Rest des Haushalts angenommen. Der Fonds zur Förderung der landwirtschaftlichen Erzeugung wurde auf Antrag des Ausschusses von 1,95 auf 2,5 Millionen, die Beihilfe zur bäuerlichen Wirtschaftsberatung von 1,9 aus 2 Millionen, der Fonds zur Schädlingsbekämpfung von 600 000 aus 800 000 Mark erhöht. Neu bewilligt wurde ein Kühl- dampfer für 600 000 Mark und ein Betrag von 5 Millionen zur Kinderspeisung. Für langfristige Fischereikredite werden

1,2 Millionen bewilligt. Es folgt die zweite Beratung des

Haushalts des Reichsinnenministers.

Reichsinnenminister von Keudell leitete sie mit einem Hin­weis auf die Festigung des deutschen Staatswesens ein. Seine Aufgabe sähe er darin, unter Vermeidung jeder Schwächung des Vaterlandes für dessen weiteren Aufstieg zu wirken. Der Reichskanzler habe bereits in seiner Erklärung von der Ehrung der deutschen Geschichte gesprochen. Die Verunglimpfung vergangener Zeiten diene auch zur Verächtlichmachung im Auslande und stoße viele ab, die bisher schon dem Vaterlande in seiner neuen Form ehrlich gedient haben und auch erneut dienen wollten. Andererseits sei es eine Tatsache, daß die Symbole des neuen Staates Herzensideale eines großen Teiles des deutschen Volkes geworden seien. Als nächste Auf­gabe der Reichsregierung bezeichnete der Minister dann nicht die Verabschiedung möglichst vieler Gesetze, sondern die

Behandlung der Versafsungssrage

mit dem Endziel, daß der Mensch in den Mittelpunkt gestellt