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HersMer Tageblatt hersfel-er Kreisblatt Amtlicher Mizeiger für den Kreis Hersfelö mit den Beilagen: Leimatschollen / Illustrierkes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Anterhallung und Wissen

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__________ Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.______________________

Nr. 56 Dienstag, den 8. Mär; 1827 77. Jahrgang

MtWq unter deutschem AG

Eröffnung dekM.RMagmg inGenj

Rheinlandräumung und Ost fragen.

, Dre Ratstagung hat am Montag mit einer nichtöffenk- lichen Sitzung unter dem Vorsitz von Reichsminister Dr. Stresemann begonnen, der die Verhandlungen in deutscher Sprache, leitet. Seine Ausführungen werden sofort ins Englische und ins Französische übersetzt. Vor Beginn der Sitzung machte Reichsminister Dr. Stresemann dem Ge­neralsekretär Sir Eric Drummond einen Besuch, um mit ihm die Formalitäten der Vorsitzführung zu besprechen. Nach kurzer geheimer Sitzung wurde die erste Sitzung der neuen Ratstagung für öffentlich erklärt.

Das Bild des Rates war bei der E r ö f f n u n g d e r öffentlichen Sitzung das übliche, vielleicht unter etwas stärkerer Besetzung der Diplomatenplätze. Dr. Stresemann als Vorsitzender am Kopfe des hufeisen­förmigen Tisches hat den deutschen Dolmetscher neben sich, zu seiner Linken sitzen der Generalsekretär Sir Eric Drum­mond, dann Chamberlain, Jshii und Vandervelde, zu seiner Rechten Briand, Scialoja, das chilenische Ratsmit­glied Villegas, dann Zaleski, Benesch und andere.

Als erster Punkt wird in öffentlicher Sitzung die Übernahme des Gehalts des Völkerbundkom­missars in Danzig auf den Etat des Völkerbundes be­handelt und abgelehnt, nachdem Dr. Stresemann den Dan- ziger Senatspräsidenten Sahm und den Völkerbundkom­missar van Hanel an den Ratstisch gebeten und der letztere in einigen Worten die Begründung seines Gesuchs wieder­holt hatte. Der nächste Punkt der Tagesordnung, Transit und Lagerung von Kriegsmaterial für Polen auf dem Danziger Gebiet, wird ohne Debatte dem zu­ständigen beratenden Militärausschuß überwiesen. Der folgende Punkt betrifft den Bericht des neuen Holländischen ------- Delegierten van Troestewijk über verschiedene M a n- datsfragen, darunter Petitionen aus Syrien, dem Libanon und Südwestafrika. Der vorliegende Bericht wurde debattelos zur Kenntnis genommen. In dem fol­genden Bericht Jshiis über die Tätigkeit der Hygienekommission ist eines bevorstehenden seutsch - indischen Austauschs von Sani­tätspersonal ausführlicher und mit besonderer Be­friedigung gedacht. Chamberlain äußerte dabei den Wunsch, daß im Hygieneausschuß F r a u e n, die für der­artige Aufgaben ja besonders qualifiziert seien, zugezogen würden. Der Bericht wird mit dieser Anregung ange­nommen.

Eine Zwischenbemerkung Scialojas zur Geschäfts- »rbnung gab

Anlaß zu einiger Heiterkeit.

Der italienische Delegierte beanstandete den späten Be­ginn und das entsprechend späte Ende der Sitzungen und wünschte deren Verlegung. Dr. Stresemann antwortete

in launiger Form, er hoffe, daß durch eine Auseinander­setzung über diese Frage die Einigkeit des Rates nicht gestört werde. Es handle sich um eine Geschmacks- frage, da man morgens frischer und nachmittags aus- zeruhter sei. Er schlage vor, sich über diese Frage unter Aufrechterhaltung der einmaligen täglichen Sitzungen

zeruhter sei. Er schlage vor, sich üb

Aufrechterhaltung der einmaligen ________ .

privatim zu verständigen. Diese Bemerkung, ebenso wie Die vorangegangenen Ausführungen Dr. Stresemanns zur Tagesordnung wurden in deutscher Sprache gemacht und, wie man aus dem allgemeinen Gelächter entnehmen konnte, gut verstanden. Die Titel der einzelnen Tagesordnungspunkte verlas der Minister je­weils in englischer Sprache. Als letzter Punkt der Tages­ordnung erschien ein Bericht zur Frage des Verfahrens bei der Abstimmung über die Wahl nichtständiger Rats- mitglieder. Antragsgemäß wurde beschlossen, diese und andere hieraus bezügliche Schriftstücke den einzelnen

Katsmitgliedern zuzuleiten.

Geheims MinLsterbesprechungen

Bon größerer Wichtigkeit, als es bisher die offiziellen Verhandlungen des Bölkerbundrates waren, ist die Aus­sprache gewesen, die Reichsaußenminister Dr. Strese- uann bereits mit Briand und Chamberlain gehabt hat. Kach Genfer Meldungen hat sich diese Aussprache auf Fragen bezogen, die einmal direkt zwischen Deutschland and den Locarnomächten bestehen und die zweitens mit ven politischen Vorgängen, also mit den Ostproblemen, im engeren und weiteren Sinne Zusammenhängen.

len Fragen der Rheinlandräu-

Die spezifischen Fragen der Rheinlandräu- mung dürften bei den Genfer Ministerbesprechungen nach Genfer Meldungen nicht bis zu einem positiven Ergebnis fortgeführt werden können. Das Recht Deutschlands, ruf Grund von Artikel 431 die Räumung des besetzten Ge­bietes vor Ablauf der Besetzungsfristen zu beanspruchen, wird wohl von keiner Seite mehr bestritten. Die deutsche Politik muß sich vorbereiten, den Zeitpunkt zu wählen, an dem Deutschland die Anwendung dieses Artikels formell verlangen wird, nachdem inzwischen die Kontrollfrage er­ledigt und die letzte Abrüstungsforderung erfüllt ist. Die Behauptung, daß die Bildung 'der neuen Regierung Schwierigkeiten für die Fortführung der Thorrybe-

sprechungen yervorgerufen habe, ist unrichtig. Die Ursache für das unverkennbare Stocken in den Berständigungsbe- mühungcn lag vielmehr in der starken Reaktion der fran­zösischen öffentlichen Meinung auf die Vereinbarungen während der Dezemberberatung des Völkerbundrates in bezug auf die Aufhebung der Militärkontrolle, also in einem Ereignis, das sich während des Bestehens der alten Reichsregiernüg vollzog.

In einer Havasmeldung aus Gens wird weiter be­tont, daß sowohl Dr. Stresemann wie Briand nach wie vor die Wiederannäherungspolitik zwischen Deutschland und Frankreich betreiben wollen. In fran­zösischen Kreisen in Genf ist der Eindruck vorherrschend, daß demnächst auf alle Fälle, aber nicht in Genf Ver­handlungen über die Rheindlandräumung stattfinden würden. Im übrigen wurde auch laut Havas zwischen Briand und Stresemann über die deutsch-pol­nischen Beziehungen gesprochen. Briand hat nach den Unterredungen mit Stresemann und Zaleski den Eindruck gewonnen, daß eine gerechte Lösung der Schwierigkeiten dieser Frage vielleicht mit wohlwollender Hilfe Frank­reichs und Großbritanniens und unter den Auspizien des Völkerbundrates gefunden werden kann.

Genfer Ouvertüre.

Zur Eröffnung der jetzigen Ratstagung.

Gewiß ist es nicht eine überwältigende Tatsache, daß auf der soeben begonnenen Völkerbundtagung in Genf der deutsche Vertreter die Verhandlungen leitet. Aber man soll dafür auch dankbar fein, besonders da die .einzigen Fragen von Wichtigkeit, die auf dieser Tagung verhandelt werden,________________________________

Interessen berühren. ^^M^

Wir denken ungern zurück an die Zeit vor einem Jahr, als die erste deutsche Delegation in Genf erschien, vor der Tür des Völkerbundsaales stehenbleiben mußte, nicht hineingelassen wurde, weil man sich drinnen nicht einigen konnte. Es ist inzwischen anders geworden, hat sich zum Bessern gewendet, und es ist recht erfreulich, daß selbst die wildesten französischen Chauvinisten nicht da­gegen protestierten, daß Deutschland sein Recht auf die Leitung der Verhandlung geltend machte. Und das zweite Erfreuliche ist, daß auch der englische und der französische Außenminister nach Genf gereist sind; hatten doch gewisse Kreise, namentlich in Frankreich, es Briand deutlich zu verstehen gegeben, er möge von Genf fernbleiben, weil die Tagesordnung der Sitzung viel zu unerhebliche Dinge aufweise, als daß die Reife lohne. Diesem sanften Drängen hat man aber weder in Paris noch in London nachgegeben; es wäre auch in Deutsch­land sicherlich mit Befremden ausgenommen worden, wenn von Briand und Chamberlain die erste Sitzung des Völkerbundrats, auf der ein Deutscher den Vorsitz hat, so­zusagen geschnitten worden wäre.

*

Dr. Stresemann hat einmal mit Recht darauf hingewiesen, daß weder die Tagung des Völkerbundrates noch des Völkerbundes selbst ihm in Genf als das Wesent­liche erschiene, viel wichtiger sei die ständige enge Füh­lungnahme namentlich mit den englischen und den fran­zösischen Kollegen, mit Briand also und mit Chamberlain. Da steckt viel Wahres drin, denn die öffentlichen Sitzungen sind doch im wesentlichen nur Vorstellungen, bei denen die vorhergehende Absprache von allergrößter Bedeutung ist, damit das Spiel ohne wesentliche Hemmnisse vor sich geht. So liegen daher die eigentlichen Verhandlungen auch über jene Punkte, die auf der Tagesordnung stehen, gleichfalls hinter den Kulissen und man versucht sich dort zu einigen, ehe in der offiziellen Sitzung die Eini­gung in verbindlichen Reden zum Ausdruck kommt. Und das gilt für alle diese Dinge, gleichgültig, ob das die Frage der D a n z i g e r Finanzen ist oder die der deutschen Minderheitsschulen in Ostoberschlesien, die Saarfrage oder was sonst noch Gegenstand der Verhandlungen ist. Das hat natürlich auch seine Bedenken, weil das Resultat dabei immer ein Kompromiß ist, mit dem wir Deutschen nicht immer sehr zufrieden sind. Miß­verständnisse, wie sie namentlich in letzter Zeit über das, was z. B. in Thoiry abgesprochen wurde, auftauchten, sind dann sehr leicht möglich.

Für Dr. Stresemanns Stellung kommt ferner in Betracht, daß durch diese seine persönlichen Beziehun­gen zu Briand und Chamberlain das Amt des deutschen Außenministers eine außerordentliche Stärkung erfährt. Alles, was mit dem Völkerbund politisch zusammenhängt, wird dadurch nämlich immer mehr zur Domäne des kleinen Kreises, der sich von Amts , wegen mit diesen Dingen zu besänftigen hat. Hier liegt nicht zuletzt der Grund dafür, daß Dr. Stresemann seit 1924 bei jeder Regierungskrise und in den so verschiedenartig gestalteten deutschen Kabinetten immer wieder mit größter Selbst­verständlichkeit als deutscher Außenminister genannt wurde. Enger denn je sind die Fäden der deutschen Außenpolitik in einer Hand vereinigt. Gerade bei den

lveltpolitischen Verhandlungen des Augenblicks, die auch in Genf jetzt natürlich die Hauptsache sind, bedeutet das . zweifellos für uns Deutsche einen Vorteil. Da ist die Frage der R h c i n l a n d r ä u m u n g, die leider ohne jene weltpolitischen Zusammenhänge nicht zu behandeln ist, weil wir England hierfür durchaus nicht unbedingt auf unserer Seite haben. Nicht etwa, weil England auf die längere Besetzung der Rheinlande ein übermäßiges Gewicht legt, sondern, iveil dieses Land im Osten Europas und in Asien so viele Schwierigkeiten hat, daß es unbe­dingt vermeiden muß, in unserem Sinne etwa einen Druck auf Frankreich auszuüben. Daß gerade der englisch­russische Konflikt eine sehr Wesentliche Rolle in Genf spielen wird, ist ganz zweifellos.

So ist Genf praktisch zum Mittelpunkt der welt­politischen Auseinandersetzungen geworden, weniger aus tatsächlichen Verhältnissen heraus, sondern, weil sich dort jene Persönlichkeiten zu treffen pflegen, die die Fäden des Weltgeschehens mehr oder weniger in der Hand haben. Nicht, was nach außen hin geschieht, ist daher das Interessante; interessanter wäre zweifellos, zu er­fahren, was in den Besprechungen der Großmachtsver­treter unter sich behandelt wird, doch leider hört man darüber fürs erste so gut wie gar nichts. Dr. Pr.

Aisfenzahlsn der Neichspost.

Die Entwicklung des Postverkehrs in Deutschland.

des Reichstages gab der neue r ;i Dr. Schatze! eine Darstellung der augen- N^hrs- und Wirtschaftslage bei der Deutschen Mmister erklärte u. a., daß sich die Lage entsprechend der allgemeinen Wirtschaftslage Postansta^ 3 Januar 1927 sind bei allen

an einem Zahltag 67,2 Millionen gewöhnliche Brkcfsendnngen ^ang fcstgestellt worden. Einen ähnlichen Verlauf nahmen der Paketverkehr und der Geldvcrkebr Der Briefverkehr hat sich im Jahre 1926 um 17% gehoben.

Gegenwärtig betreibt die Deutsche Reichspost mit rund 7000 Kraftfahrzeugen

Kraftfahrlinien mit einer Betriebslänge von rund Kilometer, was eine Zunahme im Jahre 1926 um 16 b^ ^7 % bedeutet. Die Reichspost wird sich besonders der Erschließung abseits der Schienenbahnen gelegener Gebiets- ^.Ettlch sn den bedrängten Grenzgebieten und B^forderung von Arbeitern weiter an­nehmen. Im Jahre 1926 sind rund 197 000 Kilogramm Post­sendungen einschließlich Zeitungen '

auf den deutschen Luftpostlinien fördert worden was gegen 1925 eine Zunahme um ins- bedeutet. Der Luftpostpaketverkehr hat für sich um 105 % angenommen. Zurzeit wird zum ersten Male der Versuch eines W i n t e r l u s t p o st v e r k c h r s in größerem Umfange unter Benutzung von 20 Linien gemacht. Der Ver- ftlch durfte als gelungen bezeichnet werden können. Mitte April wird der Sommerverkehr auf etwa 80 Linien eröffnet werden. ^m Auslandspostverkehr ist es erfreulicherweise gc- tungen, dre Verkehrsbeziehungen mit anderen Ländern nahe­zu aus den Vorkriegsstand- zu bringen. Für Verkchrserüeichte- rungen und -Verbesserungen wird alles nur Mögliche getan ^«^n utuffen. Zur Erleichterung und Beschleunigung der Briefzustellung wurde es von besonderer Bedeutung sein wenn auch die deutsche Bevölkerung, nach dem Vorbild anderer Staaten, der Anbringung von Hausbriefkästen mehr Interesse entgegenbringen würde. Sehr interessante Erklärungen gab der Minister über

die Neuordnung im Fernsprcchwcscn

ab: Im letzten Jahre feien 221 Selbstanschlußämter in Betrieb genommen worden. Besondere Fürsorge werde der Ver- besserung der Fernsprechverhältnisse in den Klein- üadtcn und auf dem flachen Lande gewidmet. Die Fernsprechwertmarken zu 15 Pfennig kommen durch die Ein- i^rung der ermäßigten Gesprächsgebühr vom 1. Mai ab in Fortfall. Künftig können für die öffentlichen Fernsprechstellen dre gewöhnlichen 10-Pfennig-Stücke benutzt werden Der Telegraph werde, so erklärte der Minister, im Julands- bercehr durch den Fernsprecher immer mehr zurückgedrängt.

Telcgrammverkehrerfahre jetzt schon einen Zuschuß von »ahrlich 40 Millionen Mark. Dagegen hat sich der Auslauds- telegrammverkehr erheblich gesteigert.

Zurzeit werden in Deutschland von zehn Rundfunkgesell- schaften im ganzen

22 Rundfunksender

betrieben. Wegen Errichtung eines weiteren Senders im R e i n l a n d schweben Verhandlungen. Ferner ist der Bau eines Rundfunksenders in der Psalz bei Kaiserslautern in die Wege geleitet. Von den verschiedenen Bildsunk- s y st e m e n scheint das deutsche System das bei weitem leistungsfähigste zu sein.

Das Gesamtpersonal

angegriffen zu werden braucht. Du g an das Reich vorgesehenen'70 Mil- - " ' - "manzielle Lage

beträgt 261 690 Köpfe. Die Zahl der Hilfskräfte wird vor­aussichtlich Ende März 1927 23 600 betragen. Die Zahl der höheren Beamten nimmt fortwährend ab. Nach der Entwick­lung der letzten Monate kann damit gerechnet werden, daß die Rechnung für 1926 kein Defizit ergeben wird, daß mit­hin die Rücklage nicht angegriffen zu werden braucht. Die für 1926 zur Ablieferung - - --------

Honen werden bereitgestellt werden. Die , der Reichspost ist am Ende dieses schweren Jahres Zwar ge­spannt, aber gesund. Zu Besorgnissen für die Zukunft liegt kein Anlaß vo^. i