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: 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer :

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mit Ven Dellosen: Leimalschotten / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

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i Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hcrsfelö : i 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer : : 0.80 Reichs-Mark. Druck und Verlag von Ludwig ; Zanks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VVZV. :

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Nr. 52

Donnerstag, den 3. März 1927

77. Jahrgang

Wirischafisgefundung?

Gewiß, wir bleiben nicht stehen. Täglich wird Neues geboren, Neues ersonnen und geschaffen im rasenden Lach der Gegenwart, überstürzt sich Erfindung auf Erfindung, wird hinter den Kulissen die stille, aber um so schwierigere Arbeit der Modernisierung und Rationalisierung unserer wirtschaftlichen Unternehmen geleistet. Hier ist Stillstand nichts anderes als schneller Rückschritt, aber kommen wir auch vorwärts?

Der preußische Handelsminister Dr. Schreiber be­jaht das im Hauptausschuß des Preußischen Landtages und verweist dabei auf die unleugbaren Fortschritte in der Elektrizitätsindustrie und -Versorgung, Fortschritte, die ihre Ursache nicht bloß in neuen Anschlüssen, sondern vor allem in der steigenden Konjunktur hätten. Er verweist darauf, welche ungeheuren Ersparnisse in der Wirtschaft es bedeuten würde, wenn erst durch die Ferngasver­sorgung alle jene Gase nutzbar gemacht würden, die bisher nutzlos in die Luft geblasen werden. Er verweist auf die Fortschritte, die das Luftverkehrswesen im ver­gangenen Jahre gemacht hat, auf die Pläne, die hierfür noch der Ausführung harren. Aber er gießt dann doch selbst ziemlich viel Wasser in den brausenden Wein seines Optimismus. Gewiß ist es richtig, daß die Zahl der Konkurse, der Geschäftsaufsichten ebenso zurückge­gangen ist im vergangenen Jahr wie die der Kurzarbeiter, aber als drohendes Gespenst reckt sich die Erwerbs­losenziffer hoch und wirft einen dunklen Schatten auf unsere wirtschaftliche Entwicklung. Gewiß sind die Kredit­verhältnisse besser geworden, ist während des Jahres 1926 der Reichsbankdiskont von 9 auf 5 % gesunken, aber das Hauptproblem des Tages, die Stärkung der Kauf­kraft des Binnenmarktes, ist noch weit entfernt von jeder Lösung.

Denn gerade hierfür ist die Höhe der Erwerbslosen- ziffer entscheidend; ihr beizukommen wird der Versuch gemacht auf dem Wege der Arbeitslosenversicherung uns des Arbeitszeitnotgesetzes. Jene will ja nicht bloß sozial- -4rrWM Zwecke vm;folge.r, öl^ fe$e^

durch sozial-ethische Überlegungen erweitern und inner­lich heben, sondern als nicht minder wichtiges Ziel ist dabei die Vermehrung der Arbeitsgelegenheit durch Her­gabe von Darlehen und Zuschüssen ins Auge gefaßt. Ebenso soll beim Arbeitszeitnotgesetz durch Herabsetzung der Arbeitszeit die Zahl der Arbeitslosen herab- gedrüüt werden. Freilich wird bestritten, ob dies der richtige Weg sei, weil man in Arbeitgeberkreisen damit rechnet, daß dadurch eine Verteuerung der Produktion eintritt. In den nächsten Tagen beginnen ja hierüber wieder die Beratungen der Regierungsparteien im Reiche. Wichtig ist die Erklärung der preußischen Re­gierung, sie stehe auf dem Standpunkt, daß der Acht - st u n d e n a r b e i t s t a g als der Normalarbeitstag wieder stärker betont werden müsse. Das schließe aber nicht etwa aus, daß länger gearbeitet werden müsse, wo Die wirtschaftliche Notwendigkeit dies erfordere. Hier wird also auch von amtlicher preußischer Seite der schematische Achtstundenarbeitstag abge­lehnt, den es ja auch nirgends gibt, außer in Deutsch- Ssterreich. Ein Einwurf des preußischen Ministers gegen das vorgeschlagene Arbeitszeitnotgesetz ist beachtlich: nicht bloß die Arbeiter, sondern auch die Angestellten müssen üuen 25 %igen Lohnaufschlag erhalten, wenn von ihnen Überstunden verlangt werden; aber notwendig ist solche Einwilligung in die Leistung von überarbeit im Bedarfs- salle ebenso wie dann die Zahlung einer höheren Ent­lohnung. Auch das sei ein Mittel, so meinte der Minister, die Kaufkraft der Massen zu heben.

Dr. Schreiber hat freilich mit seiner Hoffnungs­freudigkeit ein nicht gerade sehr starkes Echo gefunden. Nur langsam, so wurde in der Diskussion ausgeführt, gehe der Gesundungsprozeß vorwärts, und immer wieder kommt man, genau so, wie der Minister es tat, auf die Wichtigkeit stärkster Förderung des. Wohnungs­baues zurück. Nicht bloß, um Wohnungen zu schaffen, sondern, weil das Baugewerbe eine der wichtigsten Schlüsselindustrien ist, weil ein Aufblühen dieses Ge­werbes ungeheuer befruchtend wirkt auf eine große Reihe anderer Industrien. Vielfach ist getadelt worden, daß sich Die öffentliche Hand immer tiefer in die PrivaMrtschaft hineinmische.

Lieber keine übertriebenen Hoffnungen also hinsicht­lich der Wiedergesundung unseres Wirtschaftslebens, sondern kühles und klares Beobachten, dann aber die Ärmel aufgekrempelt!

Das devMe CupenMalmedy.

u n b e st äti gte G e m e ind eräte.

Wie stark der deutsche Geist in den von Belgien annek­tierten Gebieten von Eupen und Malmedy ist, geht aus dem folgenden Bericht hervor, der die Lage in diesem bestrittenen Gebiet sehr gut charakterisiert. I« der Gemeinde Malmedy, dem noch am meisten «ach Belgien zuneigenden Ort, hat der Gemeinderat gegen den Beschluß, wonach das Denkmal für die im Kriege gefallenen deutschen Soldaten nach einer anderen Stelle verlegt werden sollte, Einspruch erhoben und gleichzeitig beschlossen, daß die hon dem Denkmal

MinisterrusammenkunftmGenf

ScheimauMacht Uer

die RheinlaudrSmmg.

Ztresemann, Briand und Chamberlain auf der Ratstagung.

An der am nächsten Montag in Genf beginnenden Tagung des Völkerbundrates werden, wie nunmehr sest- ^cht, auch Briand und Chamberlain teilnehmen. Die beiden Außenminister haben sich zu dieser Teilnahme cnd- zültig entschlossen, um Dr. Stresemann gegenüber, der zum erstenmal als Präsident der Tagung fungieren wird, hierdurch einen Höflichkeitsakt zu erweisen. In einem scheinbar von amtlicher Seite inspirierten Artikel weist das Pariser BlattPetit Puristen" darauf hin, daß in Genf ruch diesmal hinter den Kulissen sehr wichtige ^rivatbesprechungen zwischen Briand, Strese- mann und Chamberlain geführt würden, wie dies bei den letzten Tagungen bereits zu einer Gewohnheit geworden sei. In der französischen Presse wird weiter erklärt, daß es sich bei diesen Privatbesprechungen hauptsächlich um die Räumung des Rheinlandes handeln wird.

Die offizielle Tagung der Ratssitzungen selbst sei, schreibt derPetit Parisien", so wenig umfangreich, daß ein Maximum von sechs Tagen zu ihrer Erledigung ge­nügen könne. Nur zwei wichtige Fragen feien zu behandeln: die Saarfrage und die der deutsch-polnischen Beziehungen in Oberschlesien. Frankreich habe sich bereits am 18. März des vorigen Jahres prinzipiell bereit erklärt, seine Truppen aus dem Saargebiet zurückzuziehen, wenn auf irgendeine andere Weise die Eisenbahnverbindung zwischen dem französischen Mutterlande und den Be­satzungstruppen im Rheinland sichergestellt werde. Man m^^msn»n»aBnaama

luzubringen sind.

Straßen, bei welchen die deutsche Bezeichnung ent­fernt worden ist, sollen nach einem weiteren Beschluß wieder die doppelten Straßenschilder erhalten. Schließlich hat man in Anerkennung der Wichtigkeit des deutschen Sprachunterrichts eine Entschließung angenommen, wonach mindestens zwei deutsche Unter­richtsstunden am Tage verlangt werden. In dem Dorfe Meherode haben drei Gemeinderäte den Treueid auf Belgien, seine Verfassung und seine Deutung des Ver- sailler Vertrages nur unter Vorbehalt abgeben wollen, worauf ihre Ernennung durch einen königlichen Beschluß aufgehoben unb eine neue rechtskräftige Vereidigung un­geordnet wurde. Die Wahlen zweier anderer Gemeinde­räte wurden aus dem gleichen Grunde unterbrochen.

Sir <krge-aiffe der letzte« Siehzähvmg.

Die Vorkriegsziffern teilweise übertroffen.

Alljährlich einmal, nämlich am 1. Dezember, wird große Parade der Haustiere abgehalten. Vom Pferd bis zum Huhn marschieren die braven Tiere in die Statistik, und aus den Ergebnissen dieser jährlichen Viehzählung kann man Schlüsse auf die Entwicklung der Viehhaltung ziehen.

Beim Pferdebestand ist mit 3 868 000 Stück im De- zember 1926 der Pferdebestand der Vorkriegszeit um eine Kleinigkeit übertroffen. 1925 war die Zahl sogar noch etwas höher.

An Rindvieh werden 17,2 Millionen Stück gezählt, was einen in den letzten Jahren ziemlich unveränderten Be­stand darstellt. Die Friedenszahl der Kühe und Ochsen ist jedoch noch nicht wieder erreicht; sie liegt immer noch um rund 1,2 Millionen Stück über dem heutigen Rindviehbestand.

Recht erheblich hat sich im vergangenen Jahr dr« Schweinezucht gehoben. Der Schweinebestand stieg au! 19,4 Millionen Stück, d. h. gegenüber 1925 um rund ein Fünftel. Im letzten Vorkriegsjahr hatte die Schweinezucht allerdings weit bessere Ergebnisse geliefert, nämlich 22,5 Mil­lionen Stück. ~ ,

Schafe und Ziegen haben sich in den letzten Jahre« sehr verringert. Die Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung HD nachgelassen, und überdies haben die Bestände unter der Leberegelseuche zu leiden gehabt. Bei den Ziegen spielt eilt Rolle, daß in den Jnflationsjahren so mancher Richtlandwim eine Ziege als Kuhersatz hielt, was jdji nicht mehr nötig ist da Kuhmilch genügend angeboten wird. An Schafen wurde, Ende 1926 4 Millionen, an Ziegen 3,5 Millionen gezähb

Einsn besonderen Aufschwung hat das F e d e r v i e h ge. nommen. Das Hühnervolk ist mit 67,6 Millionen zahlreiche» als in den letzten Jahren und auch als vor den, Krieg. Ar Gänsen watscheln 5,5 Millionen und an guten 2,4 Million«» Stück im Deutschen Reich umher.

Rene amerAmWe Ms an MM.

Aufforderung zum Boykott amerikanischer Waren.

Associated Preß" meldet aus der Stadt Mexiko: Eine ungewöhnlich wichtige Mitteilung" der Regwrung der Vereinigten Staaten an die mexikanische Regierung, über deren Inhalt nichts veröffentlicht worden ist, wurde von dem ersten Sekretär der amerikanischen Botjchaft, Laue, dem mexikanischen Auswärtigen Amt übermittelt. W» Reuter aus Washington meldet, soll tue amerttamw Note an Mexiko in keiner Beziehung zu der Streitfrage

könne hoffen, daß das Mehrheitskompromiß der Regic- cungskommission Schaffung einer internationalen Vahnschutztruppe von 800 Mann in Genf Billigung finden werde.

Tagung der Abrüstungskonferenz.

Wie Reuter meldet, wird die Kommission zur Vor­bereitung der Abrüstungskonferenz am 21. März zu ihrer zweiten Tagung in Genf zusammentreten. Man rechnet damit, daß diese Beratungen mehrere Wochen dauern werden. Hinsichtlich des Abrüstungsvorschlags des Präsidenten Coolidge wird allgemein angenommen, daß erst gegen Ende des Sommers eine ernsthafte Erörte­rung zwischen den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Japan möglich sein wird. DaS Amerikanische Re­präsentantenhaus bewilligte die Bereitstellung von Mit­teln für die Beteiligung der Vereinigten Staaten an der Genfer Abrüstungs- und Wirtschaftskonserenz.

Die deutsche Delegation.

Die deutsche Delegation für die Märztagung des Völkerbundrates wird am Freitag nach Genf abreisen. Di- Desegation wird von Ministerialdirektor Gaus und Ge- Heimrat v. Bülow geleitet. Außerdem gehören ihr folgend« Herren an: Geheimrat Zechlin als Referent für Polen. Legationsrat Voigt für das Saargebiet, Geheimra- Hemmen für Wirtschaftsfragen, Gesandter Freytag fm Minderheitenfragen, die Legationsräte Boltze und Redl> Hammer. Ihnen wird sich der übliche technische Beamten stab anschließen. Reichsaußenminister Stresemann unk Staatssekretär v. Schubert werden sich am Sonnabend Von San Remo aus gemeinsam zur Ratstagung begeben.

über die mexikanische Ol- und Landgesetzgebung stehen Es werde in Washington vermutet, daß die Note Frage der Anwendung der neuen mexikanischen Gesetz­gebung zur Regelung der Geschäfte ausländischer Ver­sicherungsgesellschaften betrifft.

Das amerikänische Staatsdepartement lehnte es ab einen Kommentar zu der Meldung aus Mexiko zu geben, daß eine Note von ungewöhnlicher Bedeutung an die mexikanische Regierung gerichtet worden sei, bemerkte jedoch, daß die Ollandstreitfrage darin nicht berühr; worden sei.

Die Union Central von Südamerika und den An­tillen, eine Organisation, die in der letzten Zeit gegen die Vereinigten Staaten in Latr^namerika arbeitete, hm ein Manifest ausgegeben, das zum sofortigen Boy- k o t t der Vereinigten Staaten auffordert.

politische Aundschau.

Deutsches Reich.

Die deutsch-französischen Verhandlungen.

Die deutsche und die französische Wirtschaftsdele­gation haben im französischen Handelsministerium unter Vorsitz des Handelsministers Bokanowski ihre erste Sitzung abgehalten. Nach Mitteilung von unterrichteter deutscher Seite besteht Einverständnis darüber, in den ersten Sitzungen eine beschleunigte Prüfung der Grundlagen des zur Regelung stehenden Vertrages vorzunehmen. Minister Bokanowski gab zu Ehren bei beiden Delegationen ein Frühstück im Handelsministerium.

Der Deutsche Städtetag zum Wohnungsbau.

Der Vorstand des Deutschen Städtetages weist in einer Entschließung erneut darauf hin, daß die endgültige Beseitigung der Wohnungsnot- von sozialen, wirtschaft­lichen und politischen Gesichtspunkten aus heute mehr denn je das dringendste innere Zentral- p r o b l e m ist. Das wichtigste Problem bleibt die Finan­zierung. Die Fortführung des Wohnungsbaues ist, so heißt es in dem Beschluß weiter, geradezu aufs schwerste gefährdet, wenn man sich bei den maßgebenden Stellen jetzt anscheinend wieder mit einer nur von Jahr zu Jahr laufenden Zwischenregelung behelfen will. Da der pri­vate Kapitalmarkt in absehbarer Zeit die für den Woh­nungsbau erforderlichen Mittel nicht in ausreichendem Umfange und zu entsprechenden Bedingungen zur Ver­fügung stellen kann, so müssen öffentliche Mittel auf lange Sicht bereitgestellt werden. Diese können nur aus der Hauszinssteuer genommen werden, die eine sozial gerechte und staatspolitisch notwendige Maßnahme darstellt. Es ist unbedingt zu fordern, daß jetzt endlich Ernst gemacht wird mit einer endgültigen Rege­lung der Hauszins st euer, zumal auch der gegen­wärtige Zustand für den Grundstücksverkehr und Real- kredit höchst unbefriedigend ist, da er eine feste Grund­stückspreisbildung verhindert.

Die Werbungen für die Fremdenlegion.

Die völkische Fraktion hat im Bayerischen Landtag wegen der Verhaftung der beiden pfälzischen Gendarmerie- kommandauten durch die französischen Beiahungsbe-