Hersfelöer Tageblatt
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Reisfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für öm Kreis hersfelS
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mit den Weilosen: Heimotschellen / Illustriertes Anterhaltunssblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
Nr. 51
Mittwoch, den 2. Mär; 1927
77. Jahrgang
Vor Genf
Dre letzten Tage, die der deutsche Außenminister Dr. Stresemann noch an der Riviera verbringt, ehe er zur Tagung des Völkerbundrates nach Genf fährt, verlaufen beträchtlich unruhiger als der Anfang seiner Urlaubszeit. Schon das große Rätselraten, ob die Außen- mmrster Frankreichs und Englands gleichfalls nach Genf kommen werden, dann die große Rede B r i a n d s über die deutsch-französischen Beziehungen, die Regelung der Saarfrage, wo man sich um den Vorsitz in der Saarkommission und um die französischen Besatzungstruppen streitet, Danziger Schwierigkeiten und schließlich der en g lrsch-russische Zwischenfall sind alles Drnge, die Stoff genug zu Besprechungen zwischen den verschiedenen Lertern der Außenpolitik abaeben werden.
zu Besprechungen zwischen den ver- Außenpolitik abgeben werden.
Hinter den Kulissen natürlich — denn nur mit den unwichtigeren Fragen hat sich der Völkerbundrat offiziell zu beschäftigen. Hinzu kommt natürlich vor allem noch die für Deutschland brennendste Frage, die der Rheinlandräumung. Aber es ist doch mehr wie ungewiß, ob namentlich Briand überhaupt darauf eingehen wird. Zeichnen sich doch immer klarer die Linien der französischen Politik uns gegenüber ab: nicht eher soll an eine Räumung gedacht werden, als bis Frankreich für seine „gefährdete Sicherheit" vollen Ersatz gefunden hat. Aber es wäre für uns Deutsche schon ein Gewinn, wenn es Sirefemann m Genf gelingen würde, festzustellen, was man eigentlich in Paris an „Besatzungserfatz" von Deutschland verlangt. Über Andeutungen sehr allgemeiner Art ist Briand ja bisher noch nicht hinausgegangen.
So recht scheint man nämlich in F r a n k r e i ch an den bevorstehenden Beginn des allgemeinen Friedens und der Völkerversöhnung aber doch nicht zu glauben und des- ivegen vollzieht sich dort jetzt eine Heeresreform in allergrößtem Stil. Paul-Boncour, der zwar Sozialist, aber trotzdem Präsident der Studienkommission des - onerften »rationalen Verteidigungsrates ist, betonte zwar ebenso ausführlich wie ausdrücklich, alles geschehe nur zur „Verteidigung". Solange die Welt steht, ist immer so gesprochen worden, ohne daß dadurch derartige Worte an Glaubwürdigkeit gewannen. Wenn er dabei noch besonders betont, daß die französische Armee nur dann in Bewegung gefetzt, die gesamte französische Bevölkerung mobilisiert werde»» würde, wem» ein Angriff auf Frankreich erfolgt oder wenn der Völkerbund es verlangt, und die anderen Völker brauchten das nur nachzuahmen, um „einen völlig neuen Rechtszustand herzustellen", so wird er gerade in Deutschland doch wohl nicht auf den unbedingtesten Glauben stoßen. Ist doch durch die Reform des französischen Heerwesens mit seiner Gesamtmobilisation aller, aber auch aller Franzosen jeden Geschlechts und der ganzen Wirtschaft ein Kriegsapparat geschaffen, wie er in der Welt nicht zum zweitenmal bestand oder besteht.
ch aller Fran- Wirtschaft ein
Um fo unsinniger wirkt die Forderung nach neuen Sicherungen Deutschland gegenüber, zumal man im Osten den willigen polnischen Freund hat. Da ist »s schon beinahe ein etwas grotesker Witz, wenn jetzt in Genf von der vorbereitenden Abrüstungskommission des Völkerbundes das Programm für die internationale Abrüstungskonferenz aufgestellt werden soll. Auch hierin wird Dr. S t r e s e m a n n wohl wieder Veranlassung nehmen, auf den Artikel des Versailler Vertrages hinzuweisen, der die deutsche zwangsweise Abrüstung als Den ersten Schritt der Weltabrüstung ausdrücklich bezeichnet. Es gibt ein französisches Sprichwort, das, ins Deutsche übersetzt, heißt: „Nur der erste Schritt kostet etwas." Ein Irrtum: in der Abrüstungsfrage scheint der zweite Schritt den meisten zu kostspielig zu fein.
Frankreichs Kriegsminister über Sicherungen.
Der französische Kriegsminister, P a i n l e v 6, hat sich einem Pressevertreter gegenüber zu den geplanten militärischen Sicherheitsmaßnahmen geäußert. Er sagte u. a.: Kein Land ist durch seine geographische Lage einem Angriff mehr ausgesetzt als Frankreich. Ich billige das Abkommen von Locarno; nachdem das Genfer Protokoll hat ausgegeben werden müssen, stellt es das höchste dar, was man hat erreichen können. Frankreich muß sich schützen, um besser der Sache des Friedens dienen zu können. Frankreich würde seiner eigenen Sache und der Sache des Friedens schlecht dienen, wenn es nicht mutig die Verteidigung seiner eigenen Sicherheit übernehmen würde. Ein Frankreich, das unfähig wäre, einem Einfall erfolgreich Widerstand zu leisten, würde „für die bösen Mächte, die die alte Welt beunruhigten", die gefährlichste Versuchung sein.
Painlevd bezeichnete es im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen als eine Verleumdung, daß Frankreich am Rhein bleiben wolle, und ging dann auf den Verteidigungsplan der französischen Grenze ein, wobei er mit- teilte, daß die Arbeiten, die voraussichtlich mehrere Jahre dauern würden, im Monat Juli ausgenommen werden sollen. _____________
L
Schwere Bergwerkskataifrophen
, Schacht entströmenden Gase bewußtlos. Wie beth
135 britische Sergarveiter verjchöttet
80 gerettet.
In Ebbevale (Südwales) ereignete sich ein schweres Grubenunglück durch eine Gasexplosion, wobei 135 Arbeiter, die in der Grube beschäftigt waren, verschüttet wurden. Es wurden sofort Rettungsarbeiten eingeleitet. 80 der Eingeschlossenen konnten gerettet werden. Die weiteren Rettungsarbeiten werden durch die ausströmenden Giftgase erheblich erschwert. Viele der Geborgenen sind schwer verletzt. Die Frauen und Kinder der Verunglückten versammelten sich vor der Grube, wobei sich erschütternde Szenen abspielten. Unter den Vermißten befindet sich auch der Direktor des Bergwerks. Dreihundert bis vierhundert Freiwillige arbeiten fieberhaft an der Rettung der Verschütteten. Weitere Meldungen besagen, daß bisher 33 Bergleute als Leichen geborgen wurden.
Von den Rettungsmannschaften, die versucht hatten, von der Ostseite des Bergwerks zu den eingeschlossenen Bergleuten zu gelangen, wurden viele durch die dem
Konservatives Sekemitnis M Monarchie
Eine Entschließung der Deutsch - Konservativen Partei.
Der weitere Vorstand der Deutsch-Konservativen Partei trat in Berlin unter dem Vorsitz von D. Grafen Seydlitz-Sandreezki zusammen und faßte nach eingehende: Aussprache einmütig folgende Entschließung:
„Wir Konservativen stehen in unbeirrbarer Treue zuw monarchischen Gedanken und zum angestammten Herrscherhaus. Wir bekennen den Willen zur Befreiung und zr einer Außenpolitik, die durch Würde sich Achtung gewinnt. Die Sm^“/«*«*»!****^^ w* MWimmW losen Mitarbeit in der Deutschnationalen Volkspartei volle Selbständigkeit ausdrücklich gewahrt
Sie fordert die konservativen Kreise, aus denen in diesen Tagen zahlreiche dankenswerte Kundgebungen eingegangen sind, auf, im Hauptverein der Deutsch-Konservativen in Berlin und in seinen Zweigvereinen in der
Provinzen das Machtmittel zu
sttel zu schaffen, um bei kom- unsere Forderungen zu» Geltung zu bringen. Die Stunde verlangt nack
menden Wahlen
konservativen Kräften. Sie soll uns wachsam finden unb bereit. Unverändert wie unsere Ideale und Grundsätze bleibt unsere Parole: Mit Gott für König und Vaterland. Mit Gott für Kaiser und Reich."
Zentrum und Bayerische Volkspartei.
Die Bayerische Volksparteikorrespondenz teilt mit daß ein glückliches Ergebnis der Vorverhandlungen zwischen dem Zentrum und der Bayerischen Volkspartei wegen einer engen politischen Zusammenarbeit von bei Rheinpfalz abhängig ist. Es wird wesentlich dadurch bestimmt werden, wie es gelinge, die Schwierigkeit aus dem Wege zu räumen, die sich aus der Tatsache ergibt daß die Zentrumspartei eine eigene Parteiorganisation auf dem Boden der Rheinpfalz unterhält.
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Schanghai im BerieLdigungszusian-.
Die Machtverhältnisse in China.
Einer Reuterrueldung aus Schanghai zufolge treffen dort Schantungtruppen in ziemlich großer Zahl ein. Anscheinend beabsichtige General Tschangtsungtschang, in Schanghai in Erwartung der Ereignisse in Sungkiang eine große Truppenmacht in Reserve zu halten. Die Nordtruppen bilden bereits eine Art von Verteidigungslinie in einer Entfernung von vier bis fünf Meilen jenseits der britischen Stellung westlich der internationale» Niederlassung.
In Schanghai trafen weiterhin englische, spanische und holländische Truppen ein, so daß sich in Schanghai jetzt eine internationale Armee zur Verteidigung der Konzessionen befindet.
Es ist schwer, über die militärischen Machtverhältnisse in China ein anschauliches Bild zu erhalten. Die beigefügte Karte gibt einen allgemeinen überblick über den Machtbereich der einzelnen führenden chinesischen Generale.
Zur Erläuterung sei noch folgendes bemerkt: Der unter Nr. 6 angeführte General Scyiangkaischek ist der Oberbefehlshaber der südchinesischen revolutionären Armee, bte tm Lame der letzten zwei Jahre, von Kanton aus nach Norden vorgedrungen ist. Sie hat im Herbst 1926 Hankau, die zahlenmäßig größte Stadt Chinas, und neuerdings Hangtschau besetzt. Ihr nächstes Ziel ist Schanghai. General Fengmschang, der „Christengeneral" Feng, steht auf Kantons Serie, der zwar längere Zeit Peking bedrohte, jedoch im vergangenen Sommer nach Westen wieder zurückgedrängt wurde. Unklar ist bte Haltung Wupeisus (Nr. 3), der ursprünglich unter dem Ober- befebl Tschangtsolins stand, sich jedoch mit diesem uberwarf und ’ seitdem zwischen den beiden Hauptgegnern, Schtang- kaischek und Tschangtsolin, laviert. Hauptgegner Kantons war bisher Tschangtsolin (2), der lange Zeit nur über die Mandschurei herrschte und mit wechselndem Erfolg vor allem gegen Feng kämpfte. Später ist es ihm gelungen, in die Hauptstadt Nordchinas, Peking, einzumarfchieren. Einstweilen be
Schacht entströmenden Gase bewußt
berichtet
wird, sind auch mehrere Tote zutage befördert worden. Gesteinsverschiebungen und Vergasung erschweren die Rettungsarbeiten.
Ein zweites schweres Unglück hat sich i« dem Bilstorphe-Schacht in Nottinghamshire ereignet. Dort stürzte ein Gerüst zusammen, wobei 16 Bergarbeiter getötet wurden.
GruHenexplosion bei Hamm»
v Schwere Verletzungen.
Auf der Zeche de Wendel bei Hamm hat sich bei Av- dammungsarbeiten bei einem Grubenbrand, der am 34. Februar ausgebrochen war, eine schwere Schlag- Wetterexplosion ereignet, bei der zwölf Beamte und ei« Arbeiter zum Teil schwer verletzt wurden. Der Explosiv« war eine leichtere vorausgegangen, durch die zwei Ar- beiter durch Steinfall verletzt wurden. Die Zahl bei Schwerverletzten konnte mit Sicherheit noch nicht fest- gestellt werden. Die Verletzten wurden den Krankem Häusern in Hamm zugeführt.
gnügt er sich damit, die nordcymcstsche Zivuregterung unter Druck zu halten, die in ihren politischen Zielen mit den Forderungen der Südchinesen offenkundig sympathisiert. Im Augenblick sind die Hauptgegner Kantons die beiden Generäle Suntschuangfang, abgekürzt Sun (Nr. 5), und Tschangtschung- tschang, abgekürzt Tschang (Nr. 4), die sich um die Verteidigung Schanghais bemühen. Der unter Nr. 7 verzeichnete General Ja n g hat bisher nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Indessen ist seine Tätigkeit in der Provinz Mnnan für die Kantoniruppen sehr peinlich, weil er in ihrem Rücken gegen sie operiert. Um so wichtiger ist sein Kampf für Frankreich, weil er das übergreifen der national-revolutionären Bewegung von Kanton auf die französischen Kolo- ‘ nien von udochina bisher verhindern konnte. Wir
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□ IRMA
TONKIN v.
Machtbereich der Generale: Feng 1, Tschangsolin2, Wupelfu 3, Tschangtschuntschang 4, SuntschuanfancrS, TschangRaischek 6, Jang 7.
PEKING
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Hsng-^chau ;
ßnslWe Vorbehalte für die Seeavrüfiung Die Antwort auf Coolidges Einladung. m Die englische Regierung hat ihre grundsätzliche Berertwilligkeit zur Teilnahme an der von Präsident Coolrdge geplanten Seeabrüstungskonferenz gegeben. Aus der nunmehr veröffentlichten Antwort geht indessen hervor, daß England starke Vorbehalte gemacht hat. In der Antwortnote hecht es nämlich:
6 Die Ansichten der englischen Regierung über die b e - geographische Lage des Britischen Reiche^, bte Sänge seiner Verbindungswege und die Rot- wendigkett des Schutzes seiner Lebensmittelversorgung bekannt und muffen zusammen mit den besonderen Verhältnissen und Erfordernissen der anderen zur Teil- nahme an den Besprechungen eirrgeladenen Länder in Betracht gezogen werden. Die englische Regierung ist trotzdem bereit, zu erwägen, in welchem Umfange die in Washington angenommenen Grundsätze ausgedehnt wer- den können, ser es bezüglich des Verhältniffes verschiede- ner Schiffsklassen zwischen den verschiedenen Mächten oder in anderen wichtigen Hinsichten. Sie nimmt daher die Einladung der Regierung der Vereinigten Staaten an und wird ihr Bestes tun, um den Erfolg der vorge- schlagenen Konferenz zu fördern. Sie möchte jedoch be- "rrrken, daß die Beziehung einer solchen Besprechung zu den Verhandlungen der vorbereitenden Kommission in Genf eure sorgfältige Regelung erfordern würde.
- Ewige Erläuterungen zu dieser wohl absichtlich kM>as