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hersfelöer Tageblatt

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| wörtlich: Kranz Kunk in Hersfeld.Kernsprecher Nr.8 ; M^^ßAbk OO KEC15 wCtSfClu I §"nks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VVZV. :

mit den Beilagen: Seimalschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Anterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 50 Dienstag, den 1. Mär; 1927 77. Jahrgang

NustlandsRntworlanEngland

Eine scharfe Rote Litwinows.

Abbruch der russisch-englischen Handelsbeziehungen?

Die russische Regierung hat sich mit ihrer Antwort auf die englischen Vorwürfe einer antienglischen Pro­paganda sehr beeilt. Sie hat dem englischen Geschäfts­träger in Moskau jetzt eine Note zugehen lassen, deren Inhalt nunmehr bekannt wird, die die englischen Be­schuldigungen abweist, sich selbst gegen die englische Re­gierung richtet und feststellt, daß England sich einen u n - erhörten und beispiellosen Ton gegenüber dem russischen Außenminister erlaube.

Die russische Antwortnote wird natürlich im Eng­lischen Unterhaus zur Sprache gebracht werden, wobei von feiten der Regierung eine Erklärung über die eng­lisch-russischen Beziehungen abgegeben werden wird. Welche Schritte England aus die Note Rußlands hin unternehmen wird, ist noch nicht bestimmt. Jedenfalls steht fest, daß man in politischen Kreisen Englands damit rechnet, daß die englische Regierung die in ihrer Note ausgesprochenen Drohungen nach Annullierung des Handelsabkommens wahrmachen, während sie die diplomatischen Beziehungen weiterbestehen lassen wird. Reuter weiß zu melden, daß von einem Teil der englischen Regierung, der bereits die englische Note für viel zu milde gehalten hat, die. russische Antwort als u n verschämt betrachtet wird.

Als unverschämt bezeichnet auch ein Teil der Presse die russische Note, ferner finden sich übereinstimmend in der öffentlichen Meinung Englands bezüglich der rus­sischen Antwort die Ausdrückefrech, arrogant und her­ausfordernd". Allerdings sind die Kritiken der Blätter ziemlich vorsichtig gehalten und mit verschwindenden Ausnahmen findet sich kein Blatt, das der Regierung den Abbruch der Beziehungen zu Rußland

Dr. Siresemann ist beunmhsgi.

Deutschland und die englisch-russischen Beziehungen.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Tele­graph" schreibt: Die Besorgnis der deutschen öffentlichen Meinung über die gegenwärtige Spannung der englisch­russischen Beziehungen wird, wie ich höre, von der deutschen Regierung und dem deutschen Auswärtigen Amt geteilt. Herr Stresemann selbst soll sehr beun­ruhigt sein und die Möglichkeit seiner Rückkehr nach Berlin vor dem Zusammentreten des Völkerbundrates, aus dessen Tagung er den Vorsitz führen wird, erwägen. Inzwischen hat er Lord d'Aberuon einen Besuch abge­stattet, der in der Lage gewesen sein dürste, den deutschen Minister bezüglich irgendwelcher grundsätzlicher Mißver­ständnisse zu beruhigen, die in Berlin hinsichtlich der Grundsätze der britischen Politik entstanden sind.

Der Korrespondent erklärt für unrichtig die in Deutschland und in Europa verbreiteten Nachrichten, daß Großbritannien Polen eine Anleihe von zehn Millionen Pfund Sterling versprochen habe, wofür Polen englisches statt wie bisher französisches Kriegsmaterial kaufen werde, zweitens, daß Großbritannien, welches Polen als Sturm­bock gegen Rußland zu gebrauchen wünsche, versprochen habe, keine Revision der deutsch-polnischen Grenzen wäh­rend einer Periode von 15 bis 25 Jahren zuzulassen, und drittens, daß das Fehlen einer Bezugnahme auf die Rhein­landräumung auf der Tagesordnung des Völkerbundrates auf polnischen Druck zurückzusühren sei.

MsÄM an London.

> Die russische Regierung hat geglaubt, auf einen grobe» Wotz einen groben Keil in Anwendung bringen zu müssen. War die Note, die vor einigen Tagen durch das englische Oabinett nach Moskau gerichtet war, auch entschiede» 'genug, so ist die Antwort, die London jetzt von dort erhielt, noch viel deutlicher. Würden sich zwei Länder früher der­artige Noten zugesandt haben, so würde man ohne weiteres mit einem bevorstehenden Krieg gerechnet haben; aßet . ^

Was vorauszusehen war, ist geschehen: die Sowjet­regierung antwortet auf die englische Drohung, die diplo­matischen Beziehungen mit Rußland zu löse» und den englisch-russischen Handelsvertrag zu kündigen, mit einem ziemlich höhnischen:Bitte sehr! Wenn ihr durchaus wollt, dann haben wir in Moskau nichts dagegen! Dann mag die englische Regierung die Verantwortung dafür tragen, wenn sie BeziHungen zer-

liegt."

Und nun packt Litwinow, der VerautwoEiche für die Antwort, gründlich aus in einer Form, die eine gewisse diplomatische Hemdärmeligreit darstellt.. Die Rote spricht von derfixen Idee" Englands, daß allüberall in der Welt, wo das englische Imperium Schwierigkeiten habe, nun sofort die Sowjetregierung und ihre Agenten als die Schürer, Hetzer und eigentlich Schuldige» bezeichnet

in der Note nun eine ganze Reihe scharf antirussischer Äußerungen aufgeführt werden, die von führenden eng­lischen Staatsmännern getan worden sind. Weiter geht es in diesem lieblichen Ton:Die Anormalität der englisch- russischen Beziehungen ist auch die Folge davon, daß die britische Regierung in ihrer Note an Rußland bewußt von den allgemein üblichen internationalen Normen und Ge­pflogenheiten und selbst elementaren Anstandsregeln abweicht und von Zeit zu Zeit an die Sowjet­regierung allgemein gehaltene »»begründete An- schuldigungen richtet, auch sich erlaubt, mit der Sowjetregierung im Ton einer Drohung mit einem Ultimatum zu reden." Dann kommt es faust- dick; die russische Regierung erhebt nämlich die Beschuldi­gung, einzelne Mitglieder des Londoner KabineW suchen sich mitehemaligen zaristischen Diplomaten unt Vertretern der Gegenrevolution" zu verständigen, die aus ein erneutes Eingreifen hinarbeiten. Derartige Versucht abergestatten der öffentlichen Meinung der Sowjet union nicht, jene Rolle zu vergessen, die Großbritannie« bei der ersten Intervention gespielt" habe. Wenn schließ­lich auch von einemunerhörten und präzedenzlosen Ton' gesprochen wird, den die englische Note gegen den ruß fischen Volkskommissar des Auswärtigen, Tschitscherin, angeschlagen habe, so wirkt der Schluß der Antwort Ruß­lands fast als Ironie, sich nämlich bemühen zu wollen, sämtliche Differenzen zwischen den beiden Ländern zu beseitigen und wirklich normale Beziehungen herzustellen.

Man hat sich also gegenseitig mit erfrischender Deut­lichkeit die Meinung gesagt; denn der abgrundtiefe Gegen­satz zwischen den angelsächsischen Staaten und Sowjetruß- land, zwischen West und Ost wird in diesem Notenwechsel klar genug enthüllt. Daß nun aber irgend etwas wirkliH geschieht, daß die englische Regierung ihre Drohungen wahr macht, ist ebenso unwahrscheinlich wie etwa der ir der russischen Note aitfleM^^ . mit. Hilfe der russischen Emigranten. Was in den Jahre« 1918 bis 1920 nicht glückte, gelingt jetzt noch viel weniger; das weiß man in London ebenso genau wie in Mos lau, wo man ganz zweifellos auch jene Sätze in der Ant­wortnote, die diese angeblichen Verhandlungen mit Emi­granten berühren, selbst nicht ernst nimmt. England hat Sorgen genug, als daß es wagen könnte, sich in ein neues, so gut wie aussichtsloses Abenteuer, zu stürze» Demgemäß bezeichnet auch die englische Presse diese Ant­wortnote zwar als beleidigend und praktisch in­haltslos, vollgestopft mit falschen Behauptungen, lehnt es aber ab, den Meinungsstreit fortzusetzen. Diese ganz« Aktion dient daher nicht gerade einer Förderung heg englischen Ansehens.

Senfrum und Bayerische Bottspartei.

Auf dem Wege zu einer Arbeitsgemeinschaft.

In politischen Kreisen sind seit einiger Zeit Gerüchte verbreitet, die von einer Annäherung zwischen Zentrum und Bayerischer Volkspartei wissen wollten. Diese Gerüchte scheinen auf Tatsachen zu beruhen, denn es haben in den letzten Wochen Verhandlungen stattgefunden, die das Ziel verfolgen, zunächst eine Arbeitsgemein­schaft der beiden Reichstagsfraktionen herbeizuführen, um bei politischen Entscheidungen das Schwergewicht ihrer politischen Kraft gemeinsam zur Wirksamkeit zu bringen. Die Zentrumsfraktion des Reichstages hat sich wie die Germania meldet, bereits einstimmig für die Schaffung der Arbeitsgemeinschaft ausgesprochen, ebenso die Fraktion der Bayerischen Volkspartei. Die Verhand­lungen nehmen einen guten Verlauf und nähern sich, wie das Blatt weiter zu melden weiß, ihrem Ziele. Die einzigen Schwierigkeiten bieten nur noch die Verhältnisse in der Pfalz, wo sich der Zwiespalt zwischen den beiden Parteien am stärksten ausgedrückt hat. Doch hofft man, daß auch hier die Schwierigkeiten behoben werden würden. Die Germania betont weiter, daß die Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft zwischen den beiden Reichstagsfraktionen einen verheißungsvollen Anfang zur politischen Einigung des deutschen Katho­lizismus darstellt, was um so mehr zu begrüßen sei, als der Liberalismus vorkriegsmäßiger Färbung sich in Deutschland wieder zu regen beginne und seinen Einfluß auf die Kulturpolitik im Reich und in den Ländern wieder zu gewinnen suche.

Bei Betrachtung dieser für die Innenpolitik Deutsch­lands sehr wichtigen Vorgänge hebt die Germania her­vor, daß bei dem g-rgeuwärtigen Verhältnis zwischen beiden Parteien man heute noch kaum von Gegensätzen sprechen könne. In kulturpolitischen Dingen habe nie die geringste Differenz bestanden und auch in der Außen­politik bestehe weitgehende Meinungsubereinstimmung. Aber auch in Fragen der Innenpolitik beständen keine wesentlichen Unterschiede mehr. Infolge dieser Überein­stimmung in den Hauptzielen der Politik sollen die jetzt stattfindenden Verhandlungen zu einer näheren organisa­torischen Verbindung zwischen der Bayerischen Volks-

Schleppender Gang der AolstaMarbeilen

Ein Erlaß des preußischen Wohlfahrtsministers.

Trotz wesentlicher Erhöhung der Kontingente der produktiven Erwerbslosenfürsorge geht die Zahl der bei Notstandsarbeiten beschäftigten Erwerbslosen in Preußen ständig zurück. Wenn diese bedauerliche Erscheinung auch hauptsächlich in den Witterungsverhältnissen begründet ist, so ist doch, wie der Minister für Volkswohlfahrt in einem Runderlaß ausführt, nicht zu verkennen, daß ein erheblicher Teil der bereits genehmigten Notstands­arbeiten nur mit erheblicher Verzögerung in Gang gty bracht wird. Der Minister ersucht daher die nachgeord neten Behörden, mit besonderem Nachdruck auf all« Träger von Notstandsarbeiten einzuwirken, damit mit den bereits anerkannten Arbeiten, sobald es die Witte­rung gestattet, unverzüglich begonnen wird.

Der englische Oberkommandierende in Schanghai.

Neue Befestigungen der Engländer und Franzose».

Das TruppentransportschiffMegantic" mit dem Oberkommandierenden der für Schanghai bestimmte« englischen Truppen, Generalmajor Duncan, an Bord ist in Schanghai eingetroffen. Er hat nach seiner Ausschif­fung eine militärische Besprechung abgehalten und dann mit seinem Stab die Verteidigungsanlagen besichtigt. Generalmajor Duncan ist nach seiner Ankunft in Schang­hai erkrankt und liegt mit leichtem Fieber in seinem Hotel zu Bett. Die britischen Truppen haben die Verteidigungs­linie aus 20 Meilen um die Niederlassung herum aus­gedehnt, also sich weiter in chinesischem Hoheitsgebiet eingegraben. Sie sind zum TeU im amerikanischen Country Klub einquartiert. Die Franzosen verstärken ihre Stacheldrahtver- haue, die sich jetzt um die ganze Konzession herumziehen.

, Dem Quai d^rsay lic^ . TMurumm aus Peking vor, nach dem die Offensive der kantonesischen Armee zum Stillstand gekommen ist Das Eintreffen der nordchinesischen Truppen hat es der Armee des Mar­schalls Sun gestattet, 20 Kilometer vor Schanghai eine feste Stellung zu beziehen und zu hglten. ,, , r

politische Rundschau.

Deutsches Reich.

Kranzniederlegungen am Grabe Eberts.

Im Auftrage des Reichskanzlers hat der Präsident des Landesfinanzamtes Karlsruhe, Stamer, am Grabe des Reichspräsidenten Ebert anläßlich der Wiederkehr seines Todestages namens der Reichsregierung einen Kranz mit schwarz-rot-goldener Schleife niedergelegt. Das Grab auf dem Heidelberger Bergfriedhof ist mit Blumen und Kränzen geschmückt. Außer der Reichsregierung hatten die preußische Staatsregierung, das bayerische Staats­ministerium, die Stadt Heidelberg, das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und der Bund republikanischer Stu­denten Kränze niedergelegt.

Das Deutschtum im Auslande.

Der Verein für das Deutschtum im Auslande hielt in Leipzig seine Hauptausschußtagung ab, die aus dem ganzen Reich und aus Österreich stark beschickt war. Die Sitzung wurde durch den Vorsitzenden, Staatssekre­tär a. D. von Hintze, mit einem Hinweis auf S ü d t i r o l eingeleitet. Es wurde eine Entschließung angenommen, die sich auf Südtirol bezieht. Der Geschäftsbericht ergibt, daß im abgelaufenen Jahr der Gesamtetat über zwei Millionen Mark betrug. Die Schulunterstützungen sind mit über 700 000 Mark, Studienbeihilfen an aüslands- deutsche Studierende mit über 200 000 Mark ausgewiesen. In Aussicht genommen ist weiter die Ausgestaltung des Bücherversandes. Im vergangenen Jahr sind dafür etwa 300 000 Mark verausgabt worden. Im laufenden Jahr soll die Verteilung des Buchmaterials, das der deutsche Buchhandel dem Verein weit unter dem Preis zur Verfügung gestellt hat, noch systematischer vorgenom- men werden. Eine besonders lebhafte Aussprache ent­wickelte sich über die Heranziehung auch der Volksschul­jugend für den Gedanken und die Unterstützungstätigkeit des Vereins. Hierbei soll für die Vertiefung des Volks- tumgedankens in der Volksschuljugend gewirkt werden. Aus Im und Ausland.

Berlin. Das Befinden des Reichslagspräsiden- ten ist kehr zufriedenstellend. Die Herztätigkeit ist normal, der Puls ebenfalls. Der Darm beginnt bereits zu funktio­nieren. Die Stimmung des Kranken ist sehr gut. Wenn keine außergewöbnlichen Komplikationen hinzutreten, ist mit einem guten Verlauf des Krankheitsprozesses nach dem schweren operativen Eingriff zu rechnen.

Berlin. Der Leiter der deutschen Delegation für die fran­zösischen Handelsvertragsverhandlungen, Ministerialdirektor Posse, ist nach Paris abgereist. Die Verhandlungen zwischen den beiderseitigen Delegationen werden am 1. März ausge­nommen.

Koblenz. Die Interalliierte Rheinlandkommission hat mitgeteilt, daß im Jahre 1927 von der Veranstaltung der in flüsteren Safiren üblichen Brückegschlachchunaen über den