Hersfelöer Tageblatt tzersfel-er Kreisblatt Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö mit den Beilagen: Seimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Anterhaltung und Wissen ______________________ Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
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Nr. 49
Montag, den 28. Februar 1937
77. Jahrgang
Briands Deutschlandrede.
Wir Deutsche sind ganz außerordentlich zufrieden wenn wir einmal aus Frankreich ein paar Worte hören die unserem Standpunkte besonders in der Frage bei Rheinlandbesatzung gerecht zu werden versuchen. Der französische Außenminister B r i a n d wird lief deswegen in Deutschland viele Freunde erworben haben, daß er soeben in einer Unterredung, die er mit einem Berichterstatter des „Petit Paristen" gehabt hat, erklärte, er wundere sich gar nicht darüber, daß Deutschland die Befreiung seines Gebietes verlange. „Ist Deutschland nicht im Recht? Täten wir an seinem Platze nicht ebenso?" sagte er.
überhaupt ist diese Rede recht vernünftig, vom deutschen Standpunkt aus gesehen. Briand sagte, man müsse überhaupt uicht immer aus das sehen, was noch erreicht werden soll in der Regelung der deutsch-französischen Beziehungen, sondern man solle doch auch einmal zurück- blicken, um die Strecke zu übersehen, die schon zurückgelegt worden ist. Freilich ist für Briand der Frieden von Versailles der unabänderliche Ausgangspunkt und mit einer für einen Franzosen verständlichen Genugtuung stellt er fest, daß der Versailler Frieden durch den Vertrag von Locarno aus einem Zwangsdiktat, das nur unter der Drohung der Bajonette angenommen svorden ist, zu einer freiwillig übernommenen Vereinbarung wurde. Das ist an und für sich richtig, entbindet Deutschland aber nicht von der Pflicht, alles zu versuchen, um den Versailler Vertrag zum mindesten in seinen schlimmsten Bestimmungen unschädlich zu machen.
Briand erkennt an, daß der deutsche Außenminister Dr. Stresemann nichts gesagt habe, was irgendwie mit dem Versailler Vertrag im Widerspruch. stünde. Er stellt des weiteren fest, daß die Beziehungen Deutschlands zu seinen östlichen Nachbarn anderer Natur sind als die nach dem Westen. Freilich habe sich Deutschland auch nach dem Osten hin verpflichtet, von jeder Gewaltanwendung abzufehen. Aber es gäbe die Hoffnung nicht auf, dort ELLMhandlungeu eine Abänderung der Versailler Grenzziehungen zu erreichen. In den Beziehungen Deutschlands zum Westen ist nach Briands Meinung eine restlose Ordnung eingetreten, die stark zum Vorteil Frankreichs ausschlage. Briand stellt sich nämlich auf den Standpunkt, daß bei einem deutschen Angriff auf Frankreich, also bei einem Verstoß gegen den Vertrag von Locarno, ohne weiteres England und Italien Frankreich zur Seite stehen würden. Das ist richtig, ist uns auch bekannt. Sehr viel weniger erfreulich für uns ist aber, daß das offizielle Frankreich immer noch auf dem Standpunkt steht, es sei berechtigt, durch die neutrale Zone im Rheinland hindurchzumarschieren, wenn seine Verbündeten, also Polen und die Tschechoslowakei, von irgend jemand angegriffen werden. Briand sagt keineswegs etwa, wer der Angreifer sein soll, beschränkt also sein sogenanntes Recht auf freien Durchmarsch durch das Rheinland nicht auf den Fall, daß Deutschland der Angreifer ist; also müßte man mit der Möglichkeit rechnen, daß Frankreich nicht bloß durch die entmilitarisierte Zone, sondern durch ganz Deutschland seine Truppen hindurchbefördern wollte, wenn etwa Polen von Rußland „angegriffen" wird, und diese Trup- penbeförderung als gutes Recht in Anspruch nimmt. Damit würden die ganzen Streitfragen wieder aufgerollt, die sich um den Art. 16 des Völkerbundstatuts gebildet haben.
In der Abwehr derartiger Anschauungen sind sich in Deutschland wohl alle Parteien einig, aber gewiffen An- schaüungen in Deutschland gegenüber kann man das Wort zitieren, das Briand jenem französischen Journalisten des „Petit Parisien" gegenüber gesprochen hat hinsichtlich der sogenannten Beunruhigungen, die im Ausland wegen der Teilnahme der Rechten am Kabinett Marx entstanden seien. Briand meinte, das beste ist doch, erst einmal die Taten des Kabinetts Marx abzuwarten. Der französische Außenminister äußerte weiter die Ansicht, daß die Deutschnationalen durch ihre Zustimmung zu den außenpolitischen Richtlinien des Kabinetts Marx Die außenpolitischen Verpflichtungen Deutschlands garantiert haben. Das ist richtig. Aber etwas merkwürdig klingt sein Wort, die Deutschnationalen hätten damit auch auf die Idee der Revanche verzichtet. „Revanche" ist ein französisches Wort und heißt auf deutsch „Rache". Vor allem ist Revanche aber auch ein französischer Begriff, der in Deutschland niemals ein Echo gefunden hat oder findet. Was alle Deutschen, nicht bloß die Deutschnationalen, wollen, das ist nicht Rache, sondern Wieder- Herstellung des verletzten Rechts. Darum ist der Versailler Vertrag für alle Deutschen zwar formaler Rechtszustand, aber im höhere« Sinne moralisches Unrecht. ____________
Rußlands Antwort an England.
Englandfeindliche Kundgebungen in Rußland. ^ Nach einer Meldung der russischen Telegraphenagentur hat die Sowjetregierung dem englischen Geschäftsträger in Moskau die Antwort auf die Note Englands überreichen lassen, in der die englische Regierung mit dem Abbruch der Beziehungen drohte, falls die rnWche AMa-
Im Dienste der Wahrheit
Der Abschluß der Aktenpublikation. Reichspräsident, Reichskanzler und Reichsaußenminister zur Kriegsschuldfrage.
Der Abschluß der Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes über die Entstehung des Weltkrieges veranlaßte den Reichspräsidenten, den Reichskanzler und den Reichsaußenminister zu folgenden Äußerungen über die Bedeutung des Werkes.
Der Reichspräsident von Hindenburg sch „Wir haben die politischen Geheimakten unserer Ve genheit enthüllt, um ' .......
des Weltkrieges zum
iteibt:
ischen Geheimakten unserer Bergan-
_ . . . der Wahrheit über die Entstehung
des Weltkrieges zum Siege zu verhelfen. Unsere Akten- publikation ist ein offenes Bekenntnis an die Welt. Wir
erwarten heute eine ebenso offene Antwort der Welt auf dieses Bekenntnis."
Reichskanzler Dr. Marx äußert sich: „Der hohe Gedanke der Völkerversöhnung kann auf geistigem Gebiete durch nichts so stark und nachhaltig gefördert werden, als durch unbedingte Aufrichtigkeit über jene Vergangenheit, die Europa in zwei feindliche Lager zerrissen hat. Haß, Verleumdung und Mißtrauen, diese bittersten Feinde aller Einheit, können nur dadurch bezwungen werden, daß ihre letzten Wurzeln, die politischen Gegensätze, bloßgelegt und unparteiisch beleuchtet werden. Wir sind durch unsere Aktenpublikation, die jetzt beendet vor uns liegt, auf dem Wege zur geistigen Annäherung der Mationen vorangegangen. Denn wir sehnen uns Mfrichtig nach wahrem Frieden und nach Befreiung der Menschheit von den dunklen Mächten, die die Katastrophe von 1914 herbeigeführt haben."
Reichsaußenminister Dr. Stresemann bemerkt: „Wie ich schon erklärt habe, sind wir Deutschen bereit, uns jedem unparteiischen Gerichtshof zu stellen, der die Ursache des Weltkrieges untersucht und deshalb will, daß die Wahrheit ermittelt werde. Die Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes enthält das deutsche Material für einen solchen Gerichtshof. Sie ist
tion gegen England in China nicht aufhören sollte. Der Text der Note wird demnächst veröffentlicht werden.
Welche Stimmung in Rußland gegen England besteht, geht deutlich aus einer Moskauer Meldung der „British United Preß" hervor, nach der in allen ruffischen Städten englandfeindliche Kundgebungen stattgefunden haben. Es wurden Entschließungen angenommen, in denen die Arbetter der Welt aufgefordert werden, gegen den brittschen Imperialismus gemeinsam Front zu machen. „Evening Standard" veröffentlicht eine weitere Meldung aus Moskau, wonach die Garnisonen von Moskau und Charkow Entschließungen angenommen haben, in denen erklärt wird, daß die Rote Armee bereit sei, einen Angriff Englands abzu- schlagen. Die Regierung wird aufgefordert, der Arroganz Englands mit der größten Entschiedenheit entgegen- zutreten. Die „Prawda" veröffentlicht einen Artikel, der den Abbruch der diplomatischen und Handelsbeziehungen mit England fordert.
Die öffiziösen „Jswestija" veröffentlichen kommentierende Ausführungen ihres Londoner Berichterstatters zu der neuesten englisch-russischen Spannung. Es heißt darin: es sei heute schwieriger denn je, auch nur für die nächste Zukunft irgend etwas mit Sicherheit vorauszu- sagen, denn die Basis, auf welcher die englisch-russischen Beziehungen aufgebaut sind, sei mehr als schwankend. Wenn es entgegen allen Erwartungen doch noch zum vollständigen Bruch kommen sollte, so wäre das nach Meinung des Berichterstatters ein drohendes Vorzeichen nicht für die Sowjetunion, sondern für England, denn ein solcher Bruch wäre nichts anderes als „ein Produkt blinder Wut, welche die Stimme der Vernunft -rstickt."
36 MillioKen für Förderung der
Landeskultur.
Sitzung der Deutschen Bodenkultur-Aktiengesellschaft.
Unter Beteiligung maßgebender Führer der Landwirt- lchaft, der Industrie und der Arbeiterschaft fand in Berlin ane Sitzung des Aufsichtsrats der Deutschen Bodenkultur- klktiengesellschaft unter Leitung des Vorsitzenden, Staalssekre- ärs Dr" Hoffmann vom ReichsministeriuM für Ernährung md Landwirtschaft, statt.
Bisher konnte die Gesellschaft über 50 Millionen Reichsmark für landwirtschaftliche Meliorationen vergeben. Insgesamt wurden hiermit mehr als 200 000 Hektar kultiviert oder nelioriert. Zum Teil wurde neues Kulturland der andwirtschaftlichen Erzeugung erschlossen, zum anderen teil minderwertiges Land, namentlich an stauender Nässe erdende Äcker sowie versumpfte Wiese«, Hutungen und Weiden, im Ertrage wesentlich gesteigert. Die Zahl der bei )en Arbeiten geleisteten Erwerbslosentagcwerke wird aus r Millionen geschätzt.
Zur Fortsetzung ihrer Tätigkeit wurden der Gesellschaft som Reich die aus den Überschüssen der Reichsgetreidestelle Kommenden 35 Millionen Reichsmark zur Verfügung gestellt.
zugleich für uns die wichtigste Quelle zur Widerlegung der gegen das deutsche Volk ausgesprochenen Anklagen. Denn jeder, der sich in ihren Inhalt vertieft, wird die Überzeugung gewinnen, daß Deutschland keineswegs, wie man ihm vorgeworfen hat, den Krieg bös- willig betrieben oder absichtlich entfesselt hat."
Die Bedeutung des großen Aktenwerkcs des deut- scheu Auswärtigen Amtes wird durch die Äußerungen der Reichsleitung besonders wirkungsvoll hervorgehoben. Sie befinden sich in einer demnächst erscheinenden Schrift „Im Dienste der Wahrheit", die der Arbeitsausschuß Deutscher Verbände zum Abschluß der Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes herausgibt.
Die Schuld am Weltkrieg.
Senator Owen zur Kriegsschuldfrage.
Amerikanische Blätter veröffentlichen unter der Überschrift „Frankreich und Rußland haben den Weltkrieg begonnen" ein Interview mit dem früheren Senator Owen. Dieser erklärt in der Unterredung u. a.: Frankreich und die zaristische Regierung in Rußland haben den Ausbruch des Weltkrieges verschuldet. Die Grundlage zu dem Kriege bildete der französisch-russische Geheimvertrag vom Jahre 1892 und eine auf Grund dieses Vertrages Rußland gewährte Anleihe in Höhe von 7 Milliarden Dollar. Eine Woche vor der russischen Mobilisierung hielten sich Poincarö und Viviani in Petersburg auf und gaben dort erneut die Versicherung ab, daß Frankreich Rußland bei einem Kriege mit Deutschland unterstützen würde.
Es darf auch nicht vergessen werden, so sagte Owen weiter, daß die Gemahlinnen der Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch und Peter Nikolajewitsch bei dem zu Ehren Poincarös gegebenen Bankett in Petersbu^ in einer Unterhaltung mit dem französischen Botschafter Palüo- - logue die geheime« KEgsPorbereüuuaeu-LuHlMrdL-chm- durch enthüllten, daß sie erklärten, ihr Vater, der König Hon Montenegro, hätte telegraphiert, der Krieg würde in jMr»pa noch vor Ende Juli ausbrechen.
Diese Mittel sind zum größten Teil bereits fest vergeben, zum 'feineren in Aussicht gestellt. Die Deutsche Rentcnbonkkrcdit- rnstalt hat der Gesellschaft zur Finanzierung von Falzerin- Achtungen (Wege, Gräben usw.) der Grundstückszilsamincn- egungen kürzlich darlehnsweise 1500 000 Reichsmark zu zünftigen Bedingungen zur Verfügung gestellt.
Die Gesellschaft ist bestrebt, weitere Mittel für Zwecke der Landeskultur zu beschaffen. Bei dem allgemeinen Interesse, oas die Öffentlichkeit gerade neuerdings für landwirtschaftliche Bodcnverbcsseruirgen zeigt, darf sie auch auf Erfolg ihrer Bestrebungen hoffen. Die Führer der Landwirtschaft <Deut° scher Landwirtschaftsrat, Reichslandbilud, Vereinigung der Deutschen Bauernvereine) setzten sich lebhaft für die Beteiligung der Länder und der Spitzcnvcrüände von Landwirtschaft, Industrie und Arbeiterschaft an der Deutschen Bodenkultur-Aktiengesellschaft, und zwar möglichst in Gestalt der Aktienübernahme, ein.
Einstimmig wurde eine Entschließung angenommen, m der zum Ausdruck kommt, daß die Entwicklung der Gesellschaft ihre Überführung aus dem provisorischen Zustande in eine endgültige Form bedingt. Der Aufsichtsrat hält es für dringend erwünscht, daß sich die an der Förderung der Landeskultur in erster Linie beteiligten Länder an der Gesellschaft durch Übernahme von Aktien beteiligen. Er ist ferner der Überzeugung, daß eine wesentliche Förderung der Arbeiten der Gesellschaft dadurch erreicht wird, daß die landwirtschaftlichen Spitzcnorganisationcn eine Einflußnahme aus eigenem' Recht in der Gesellschaft erhalten. Er legt endlich Wert darauf, daß die Mitarbeit der deutschen Wirtschaft in allen Ständen der Gesellschaft erhalten bleibt. Insbesondere wird auch auf die dauernde Mitarbeit der Gewerkschaften, die sich als wertvoll bewiesen hat, Gewicht gelegt.
Sngland besetzt chinesisches Hoheitsgebiet
Zuspitzung der Lage in Schanghai.
Nach Meldungen aus Schanghai habe« die englischen Truppen, die zum Schutze der englischen Nieder- lassungen in Schanghai aufgeboten morden waren, die Grenze der Fremdenniederlassungen überschritten und die Gegend des Jeßfield-Parks besetzt, das bereits auf chinesischem Hoheitsgebiet liegt. Dadurch hat die Lage in China eine neueZuspitzung erfahren. Der Schritt der Engländer wird denn auch schon von chinesischer Seite als offener V ölkerrechts- bruch bezeichnet. Eine Vereinigung zwischen Nord- und Südchina scheint bevorzustehen, um gemeinsam gegen England vorzugehen.
Nach Berichten aus Hankau ist die englandfeindliche Stimmung noch immer im Wachsen begriffen. Den Engländern ist geraten worden, sich nicht auf den Straßen zu zeigen. In London bespricht man die Frage des Oberkommandos über die internationalen Truppen im Falle eines Zusammengehens der Truppen. Man glaubt, der Senior unter den Kommandanten werde sowohl zu Lande wie zu Wasser den Oberbefehl übernehmen, wie es seinerzeit bei dem Boxer- aufftaub geschah.