HersfelöerTageblatt
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Reisfelder Kreisblatt
Amtlicher Mnzeiger Dr vm Kreis Hersfelö
mit den Beilagen: Seimatschollen / Illustriertes Anterhallungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Anterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
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Nr. 48
«Erstes Blatt»
Sonnabend, den 26. Februar 1927
77. Jahrgang
f Voreilige Leute.
F Es gibt Leute unter uns, die es nicht erwarten können. Ist wieder einmal einem Erfinder eine Entdeckung gelungen, die uns die Ohren spitzen läßt, die uns weite Fernblicke in neue Möglichkeiten für neue Menschengeschlechter eröffnet, gleich kommen sie und möchten am liebsten, was vielleicht erst in Jahrzehnten praktisch aus- zuwerten sein wird, schon für heute und morgen in bare Münze umprägen. Phantasie ist gewiß eine schöne Sache, aber man kann auch auf diesem Gebiete des Guten zuviel tun und man läuft Gefahr, durch Vortäuschung von Sprüngen in unserer technisch-zivilisatorischen Entwicklung Geringschätzung gegenüber denjenigen Leistungen zu erzeugen, die den Boden der gegebenen Tatsachen unter den Füßen behalten. *
Noch gar nicht lange ist es her, daß menschliche Stimmen über den Kanal hinweg zueinander zu dringen vermochten, daß Berlin und London sich in direktem Gespräch verständigen konnten, als lägen nur wenige Meilen und nicht Tausende von Kilometern zwischen ihnen. Damit glaubte man bis auf weiteres einen Höhepunkt der Herstellung telephonischer Verbindungen erreicht und es erregte schon ziemliches Aufsehen, als dieser Tage, vermutlich aus Anlaß der bevorstehenden Eröffnung der neuen Leipziger Frühjahrsmesse, ein sogenanntes Propagandagespräch zwischen Leipzig und Birmingham veranstaltet wurde, bei dem sich auf der einen Seite die offiziellen Sprecher der Birming- hamer Handelskammer, auf der anderen die Häupter des Leipziger Messeamtes allerhand für die Verbreitung und für weitere geschäftliche Ausnutzung bestimmte Freundlichkeiten sagten. Aber bald kam eine neue Nachricht: man hörte von Versuchen einer telephonischen Verständigung zwischen London und Newyork; also sollte auch der Große Teich durch Fernsprechkabet überbrückt werden, wie er ja schon längst von Telegraphenleitun- ge» verschiedener Nationen durchzogen Wr. Und wirklich, die Versuche haben stattgefunden und in der Hauptsache einen ausgezeichneten Verlauf genommen. Zunächst allerdings nur in der Beschränkung auf Börsengespräche in bestimmten Tagesstunden, aber der Anfang ist ge. macht und so werden weitere Fortschritte nicht lange aus sich warten lassen. In der Tat wird auch bereits aus Frankfurt a. M. berichtet, daß Beamten des dortigen Fernsprechamtes von dem Personal des Londoner Ferrr- sprechamtes in diesen Tagen während des ruhigen Nachtdienstes eine Unterredung mit den Beamten des N e w - Yorker Fernsprechamtes vermittelt wurde. Auch hier war die Verständigung so hervorragend, daß das Frankfurter Personal zunächst Zweifel in die Echthest dieser Verbindung setzte und glaubte, getäuscht oder gefoppt zu werden. Aber die Versuche wurden wiederholt und es blieb danach nicht der leiseste Zweifel an der Tatsache zurück, daß man wirklich mit Newyork gesprochen hatte. Nun wird sorgfältig weiter geprüft werden, oi diese Gespräche zwischen Frankfurt über London nach Newyork dem allgemeinen Publikum zugänglich gemacht werden können, und so wird man, Schritt für Schritt; in der internationalen Verkehrsverständigung amh to dieser Beziehung weiterkommen. .
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Aber den Leuten, die nichts erwarten können, geht diese Entwicklung offenbar noch viel zu langsam vor sich Mit einem kühnen Federstrich verlängern sie den tele- phonischen Verständigungskreis kurzerhand um die ganze Erde. Wenn es nach ihnen geht, wird man morgen schon mit A u st r a l i e n und einen, höchstens zwei Tage später mit Tokio und Peking sprechen können, als lägen diese unmittelbar vor den Toren von Europa. Sollte es nicht mit Hilfe von Fernsprechkabeln gehen, so muß es eben drahtlos gemacht werden — wozu anders leben wir im Zeitalter der unbegrenzten Möglichkeiten? Ohne Zweifel, eine herrliche Sache wäre das schon. Dann könnten uns zum Beispiel die englischen Zeitungen nicht mehr die Hucke voll vorlügen von den schrecklichen Dingen, die sich angeblich in Südchina jetzt Tag für Tag ereignen, und aus denen die britische Regierung die Verpflichtung oder den Vorwand für ihre umfassenden militärischen Vorkehrungen herleitet, die „natürlich" nur den Zweck haben, englisches Leben und Eigentum zu schützen. Und wenn in Japan wieder einmal eine FeuersbrukH Hunderte oder Tausende von Holzhäusern vernichtet oder ein Erdbeben die Inseln heimsucht, dann werden auch die amerikanischen Reporter ihrer fabelhaften Phantasie einige Zügel anlegen müssen, aus Furcht vor der unvermeidlichen telephonischen Kontrolle, die ihren verwegenen Meldungen dann auf dem Fuße folgen könnte. Aber bis wir soweit sind, werden wohl doch einige Jahre oder Jahrzehnte vergehen, auch wenn die kurzen Wellen, deren man sich jetzt mit Vorliebe bei allen diesen Versuchen bedient, noch so erstaunliche Leistungen zuwege bringen. $
Als der Präsident der Vereinigten Staaten jetzt vom Weißen Haus in Washington aus das Gedächtnis des Mannes feierte, dem die amerikanische Union ihr staatliches Dasein zu verdanken hat, da hat man in Deutschland, selbst in Berlin mit den besten Apparaten nur allenfalls,einige Geräusche vernommen, Mer, wMy
Polen md die
SieSichecheit der polnischenGrenzen
Ein Hetzantrag im Warschauer Sejm.
Im Heeresausschuß des Polnischen Landtages wurde ein vom Nationaldemokratischen Volksverband eingebrachter Antrag beraten, in dem die Regierung aufge- sordert wird, dem Landtag über die Sicherheit der Grenzen der Republik im Zusammenhang mit einem drohenden deutschen Überfall (!) Bericht zu erstatten. Während der Aussprache im Ausschuß war kein Regierungsvertreter anwesend.
Der Antragsteller, der nationaldemokratische Abgeordnete Zaluski, führte aus, daß die neuen deutschen Ostfestungen Königsberg und L ötzen gegen die polnische Hauptstadt und Suwalki, die in Frankfurt a. d. O. und Küstrin gegen Großpolen und die von Glogau gegen Kalisch und Lodz gerichtet seien. Das Festungssystem sei gegen Polens Hauptstadt und den polnischen Zugang zum Meere errichtet. Der Antragsteller fragt deshalb den Regierungschef, was er in politischer und militärischer Hinsicht getan hätte, um Deutschland die Durchführung seiner Überfallpläne auf Polen (!) zu erschweren, welche Mittel angewendet worden seien, um angesichts der Drohung eines Überfalls oder einer neuen Teilung die Kräfte der Nation zu stärken. Die Drohung eines deutschen Einfalls werde bisher in Polen nicht mit dem genügenden Ernst behandelt.
es hoch kam, sich vorstellen können, daß der Klang einer menschlichen Stimme durch die Luft weitergegeben wurde. Aber von einer wirklichen Verständigung war gar keine Rede, und so wird es gut sein, die Hoffnungen und Erwartungen nicht höher zu stimmen, als der gegenwärtige Stand unserer hoch genug er tmidelten Technik es rechtfertigt. Unsere Kinder und Kindestinder werden ja auch noch einige Kulturfortschritte vollbringen wollen.
_________ V c Dr. Sy.
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Die schwere Operation
des Reichstagspräsidenten.
Sein Befinden bisher zufriedenstellend.
Das Befinden des Reichstagspräsidenten Löbe, der sich plötzlich einer Blinddarmoperation unterziehen mußte, ist nach dem Bericht der ihn behandelnden Ärzte zufriedenstellend. Die Operation, die etwa % Stunden gedauert hat, hat ergeben, daß es sich bei dem Reichstags- Präsidenten einerseits um ältere Verwachsungen handelt, andererseits um eine frische, aber sehr schwere Entzündung des Blinddarms mit eiternden Belägen. Es war auch schon eine kleine Durchbruch stelle vorhanden, so daß die Gefahr besteht, daß auch das Bauchfell in Mitleiden, schüft gezogen wird. Die Ärzte sind der Hoffnung, daß, wenn keine weiteren Komplikationen austreten sollten, Reichstagspräsident Löbe wiederhergestellt werden wird.
Die Anteilnahme an der Krankheit des Reichstagspräsidenten ist in politischen und parlamentarischen Kreisen allgemein. Reichspräsident von Hindenburg hat dem Reichstagspräsidenten in einem besonderen Schreiben seine besten Wünsche für baldige Gtznesung ausgesprochen und hat sich durch Staatssekretär Dr. Meißner nach dem Befinden des Erkrankten erkundigen lassen. Reichskanzler Dr. Marx hat namens der Reichsregierung in einem Schreiben das größte Bedauern zu der schweren Erkrankung ausgesprochen und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der Reichstagspräsident bald wie- der in Gesundheit und Frische seines wichtigen Amtes walten könne. Auch das gesamte Diplomatische Korps, zahlreiche Politiker aller Parteien sowie die prominentesten Vertreter von Kunst und Wissenschaft haben ihre Teilnahme an der Erkrankung des Reichstagspräsidenten bezeugt und dem Erkrankten wiederholt telegraphisch die besten Wünsche ausgesprochen. .
Als besonders merkwürdig und eigenartig erschernt die Tatsache, daß Reichstagspräsident Löbe an der gleichen Erkrankung operiert werden mußte wie seinerzeit der Reichspräsident Ebert und daß die vollzogene Operation auch bei dem verstorbenen Reichspräsidenten am 24. Februar, also am gleichen Tage wie beim Reichstagsprafi- denten Löbe, ausgeführt wurde.
Die Auslandsreisen der Marine.
DerKreuzer „Hamburg" inSanFranzisko.
Im Haushaltsausschuß des Reichstages, der sich mit dem Marineetat beschäftigt, brächte Abg. Schöpflin (Soz.) die Angelegenheit des Kreuzers „Hamburg" in San Franzisko zur Sprache, wo ein Offizier despektierlich über die schwarz-rot-goldene Rosette gesprochen haben soll.
Reichswehrminister Dr. Geßler erklärte, wenn der Wahrheitsbeweis für die behauptete Äußerung sich führen
Der sozialdemokratische Abgeordnete Malinowski drückte Zweifel aus, ob sich eine solche Frage schon mit Rücksicht auf die Notwendigkeit der Wahrung eines militärischen Geheimnisses zur öffentlichen Erörterung eigne.
Der Sprecher der christlichen Demokraten, Abg. Dom- browski, war der Ansicht, daß die polnische Regierung nach Demaskierung der deutschen Annexionsabsichten mit einem Programm des Ausbaues von Stützpunkten an der Westgrenze hervortreten solle. Endlich müsse die Regierung mit einem Gesetz über die O r g a n i- sterung der Nation im Kriegsfalle herauskommen.
Der nationaldemokratische Abg. Sadzewiez führte noch aus, daß die Taktik des Verschweigens zu nichts führe. Allein die Richtanwesenheit der Regierungsvertreter in der heutigen Ausschußsitzung könne dahin verstanden werden, daß die Regierung sogar in der Frage der Sicherheit der Westgrenzen sich mit den Volksvertretern nicht verständigen könne.
„Nasz Przeglond" ist der Auffassung, daß Antrag und Verlauf der Aussprache im Ausschuß gezeigt hätten, daß die Nationaldemokraten mit ihrem Antrag auch politische Ziele einer Wahlrechtsklasse und einen Angriff auf die Person des Marschalls P i l s u d s k i bezweckten. Die Antragsteller rechneten nämlich damit, daß die Regierung mit Rücksicht auf das militärische Geheimnis Aufklärung verweigere. Dann hätten die Nationaldemokraten Gelegenheit, wegen angeblicher Untätigkeit Alarm zu schlagen.
lasse, würde der betreffende Marineossizier entlassen werden; aber dieser Beweis fehle. In San Franzisko sei auch nicht das Wort Republik von unseren Leuten peinlich vermieden worden, sondern im Gegenteil habe der vortreffliche Kapitän Groß ausdrücklich in seiner Rede erklärt, die junge Deutsche Republik werde alles tun, um wieder poWM^:-^, usw. _.....
Marine unb Heer müßten aus bem Kampf der Warteten heraus. Wenn er durch dienstliche Erhebungen nicht zum Ziele komme, müsse er sich a n d i e Gerichte wenden, nicht etwa, weil er auf Be- strafung von Pressesünden Wert lege, sondern um die Wahrheit festzustellen. Admiral Z e n k e r dankte der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft für die Unterstützung der Marine. Die vermehrten Auslandsreisen der Marine seien notwendig im Interesse der militärischen und marinetechnischen Ausbildung aus dem freien Meere, zur Erhaltung der Dienstfreudigkeit und Dienstfrische der auf zwölf Jahre verpflichteten Mannschaften und Offiziere. Die Repräsentationsgelder seien namentlich für den Auslandsbesuch außerordentlich niedrig. _______
Deutscher Reichstag
(278. Sitzung.)
CB. ® e r l i n, 25. Februar.
Die zweite Lesung des Haushalts des Reichsjustiz- Ministeriums wurde fortgesetzt. Zunächst nahm der säch ,fische Gesandte Dr. Gradnauer Bemg auf eine Äußerung des sozialdemokratischen Abgeordneten Fleitzner im Reichstagsausschuß, der erklärt hatte, eine neue Amnestie sei auch notwendig, um den Opfern der sächsischen Rachejustiz Hilf« zu bringen, die nach dem Einmärsche der Reichswehr in Sachsen eingesetzt hätte. Der Redner erklärte, daß diese Behauptung nicht zutreffe, vielmehr feien alle Straftaten, die im Zusammenhang mit dem Einmärsche der Reichswehr begangen wurden, erledigt, und zwar entweder durch die sächsische Amnestie vom April 1926 oder durch die Reichsamnestie. Niemand, der sich aus Anlaß des Einmarsches irgendwie strafbai gemacht hätte, befinde sich noch in Strafhaft.
Abg. Emminger (Bayer. Vp.) sprach dem Justizmimster und seinem Staatssekretär das Vertrauen aus. Der Redner erinnerte weiter an die sich überstürzenden Gesetzesänderungen und Gelegenheitsgesetze, die den Richtern die Arbeit erschwerten. Er lehnte es ab, der Schöpfer der meist nach ihm benannten Gerichtsreform zu sein. Der Entwurf stamme aus dem Jahre 1923 und hätte seinerzeit allseitige Zustimmung, auch die der Sozialdemokraten, gefunden. Er verhehle es man erklärte der Redner, daß er im vergangenen Jahre eine ganze Anzahl Urteile in die Hand bekommen habe, bei denen er den Kops schüttelte. Trotzdem seien die verallgemeinernden Angriffe gegen die Rechtspflege ungerechtfertigt. Die „Erweiterten Schöffengerichte und die jetzigen Schwurgerichte könnten reder Kritik standhalten. Der Eid werde im modernen Prozeß noch viel zuviel und ohne die nötige Feierlichkeit abgenommen. Eine Änderung der Aufwertungsgesetzgebung „lehnte der Redner ab, weil sie den Gläubigern doch nichts nutzen wurde.
Damit schloß die allgemeine Aussprache. In der Einzel- beratung bekämpfte der Abg. Höllein (Komm.) den 8 218 (Av- treibung) und meinte, daß man nur mit sozialen Maßnahmen, nicht aber mit Strafen etwas dagegen unternehmen könne.
Der Haushalt des Reichsjustizministeriums wurde dann
Der Hausha.. „.„„,.,„,..„........—........
ohne wesentliche Weiteraussprache in zweiter Beratung erledigt. Die Vorlage über die Simultanzulassung der Rcans- anwälte wurde in zweiter und dritter Beratung in der Fassung eines Kompromißantrages der Regierungsparteien angenommen, Wona chdie Zulassung unterbleibt, wenn das Prasidlum des Oberlandesgerichts widerspricht. Als Datum des >Mrait- tretens des Gesetzes wird der 1. April 1928 bestimmt. Es folgte die zweite Beratung des -»
Haushalts des Reichsarbeitsministeriums.
Damit verbunden wird die Denkschrift über die Arbeitsbe. fchajfungsmaßnahmen der Reichsregierung. Weiter wird eine