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HersfelöerTageblatt tzersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für öen Kreis Hersfel- mit den Beilagen: Heimalschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Anterhe ng und Wisse».

Monatlicher Bezugspreis: Durch Sie "Post bezogen 1.00 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für siersfeld : 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer : 0.80 Reichs-Mark. Druck und Verlag von Ludwig .

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Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagessragen. *

Rr.^S Mittwoch, den 23. Februar IS27 77. Fahrgaus

Bm gegenVennnchigmlgen".

Die Beunruhigung des Auslandes über den Eintritt der Deutschnationalen in die Regierung ist lediglich das Werk tendenziöser Berichterstatter von der Art des Berliner Korrespondenten desEcho de Paris", also Informatio­nen, die systematisch durch Verdrehung von Tatsachen die öffentliche Meinung vergiften." So sprach Reichskanzler M a r x in einer Unterredung, die er dem Berliner Bericht­erstatter des linksstehenden Pariser BlattesSoir" ge­währt hat. Man braucht doch bloß einmal das zwischen Zentrum und Deutschnationalen vereinbarte Regierungs­programm anzusehen, um feststellen zu können, daßdie Zusammensetzung des neuen Kabinetts die Stabilität der deutschen Außenpolitik nicht beeinträchtigen kann". Marx geht noch darüber hinaus, indem er darauf hinweist, diese Stabilität verstärke sich noch durch die Tatsache, daß die einzige Partei, die diePolitik der friedlichen Verständi­gung" bisher nicht voll angenommen habe, sie sich jetzt ebenfalls zu eigen machte.

Man sollte doch Wohl meinen, daß diese Überlegung denBeunruhigten" im Ausland selbst hätte kommen können, aber wir haben es leider vor kurzem erleben müssen, daß der belgische Ministerpräsident Vander - v e l d e in das gleiche Horn stieß wie jener Berichterstatter desEcho de Paris" und daß dann aber wieder derartige Äußerungen des Auslandes bei uns zu innenpolitischer Münze ausgeprägt werden. Ganz das gleiche gilt leider auch hinsichtlich der Zuspitzung der deutsch-polni­schen Beziehungen, wobei man nicht etwa bloß in der polnischen Presse, sondern auch in Paris und anderswo alserste Tat der neuen Rechtsregierung", wie der Temps" schrieb, die deutsch-polnische Spannung bezeichnete. Darauf ist der Reichskanzler in jener Unter­redung gleichfalls eingegangen; es handele sich lediglich um eine Unterbrechung, nicht aber um einen A b - b r u ch der Handelsvertragsverhandlungen, weil die heikle Frage des Niederlafsungsrechts von Deut­schen in Polen gesondert geregelt werden müsse. Das : I7<roe «Wer gar ntans^mrtver Zusammensetzung der neuen Regierung zu tun, denn die deutschen Klagen über das polnische Vorgehen seien uralt und die neuesten Maß­nahmen gegen die vier deutschen Ingenieure in Ober- schlesien hätten dem Faß nur den Boden ausgeschlagen.

Im Anschluß daran ging der Kanzler noch einmal grundsätzlich auf seine Politik ein. Es Widerstreite dieser seiner Politik, wenn man Deutschland Angriffsabsichten auf Polen zuschreibe; auch mit diesem Lande wollen wir zu einem schiedlich-friedlichen Verhältnis kommen, wenn man nur jenseits der Grenzen auf einen etwas besseren Willen stoßen würde! Er erinnert daran, wie sich durch seine ganze Politik seit 1924 wie ein roter Faden der Ver- ständigungswille mit Frankreich hindurchzieht mit dem Endziel einer Befriedung Europas, wobei Deutschland gemeinsam mit Frankreich den Mittelpunkt abzugeben habe. Unter diesem Gesichtspunkt habe er zusammen mit Dr. S t r e s e m a n n seit der Londoner Konferenz Außen­politik getrieben und doch trotz mancher überwundener und vieler noch vorhandener Hindernisse Erfolge erzielt. Und hoffe, noch viel mehr zu erreichen.

DieseBeunruhigungen", die nun der Kanzler zu zerstreuen versucht, werden wir von deutscher Seite her aber auch als Manöver betrachten müssen, wenn jenseits unserer Westgrenze sogar die Frage der beschleunigten R h e i n l a n d r ä u m u n g damit verknüpft wird. Im­mer lauter und deutlicher werden die Nachrichten, die von ganz bestimmten, über die Versailler Friedensartikel hin­ausgehenden Bedingungen sprechen, ohne deren Zustim­mung durch Deutschland eine frühere Räumung des Rheinlandes und des Saargebietes nicht erfolgen soll. Und man wird die Vermutung nicht los, daß jeneBe­unruhigungen" ebenso wie dieseBedingungen" lediglich Mittel sind, um Zeit zu gewinnen und die Situation ihrer natürlichen Klarheit zu berauben.

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Gegen Koslidges

Noltenabrüskmgstonfereäz.

Keine Teilnahme Italiens und Argentiniens.

Auf die Einladung des Präsidenten Coolidge zur Teilnahme an einer Fünf-Mächte-Konferenz zur^ Bera­tung der Flottenabrüstung hat die rtalienische Regrerung geantwortet, daß sie sich gegenwärtig ^

Lage befinde, an emer Flottenkonferenz terlzu- nehmen, die sich in den von Coottdge anyedeuteten R-cht- linien bewegt. Auch dre "kllerltlnrsche Regie­run g will nicht an der vorgeschlagenen Konferenz zur Einschränkung der Seerüstung te'lnehmen, sondern die Ergebnisse der Genfer Abrüstungskonferenz abwarten.

In Japan ist man nach demDarly Telegraph über die Abrüstungsvorschläge ^oolidges geradezu begelstert. Es besteht dort die Auffassung, daß die Möglichkeit einer Verminderung der Rüstungsausgabenhauptsachüch von dem Einvernehmen der drei Machte 'X1^^ Großbritannien abhänge. Die englische Regrerung hat sich mit den Dominions ins Benehmen gesetzt und wird sobald deren Auffassungen vorlregen, dem Prandeutc.i Coolidge eine Antwort zugehen lassen.

England-RustlanS Ehina

$iÄe Srohnote an Rußland.

Bedeutsame Erklärungen Litwinows.

Die Beziehungen zwischen England und Sowjetruß land, die schon oft vor dem Abbruch standen, haben sich durch die Unterstützung der nationalistischen Bestrebungen in China durch Rußland abermals zugespitzt. Daily Chronicle" will erfahren haben, daß die eng­lische Regierung an Rußland eine Warnungsnote richten will, in der auf die häufige Verletzung der aus dem Handelsabkommen des Jahres 1921 erwachsenen Verpflichtungen Rußlands, von jeder England feindlichen Propaganda Abstand zu nehmen, hingewiesen wird. Die Note wird weiter daran erinnern, daß England Rußland bereits sechsmal gewarnt habe, so daß bei weiteren Beschwerdegründen die englische Regierung sich vorbehalten müsse, ohne vorherige Warnung das Handelsabkommen zu kündigen und die B e z i e h u n- gen zu Rußland abzubrechen.

Zu gleicher Zeit wird bekannt, daß auch auf der Tagung des Zentralexekutivkomitees der Sowjetunion die etwas getrübten Beziehungen zwischen England und Ruß­land zur Sprache kamen. Der stellvertretende Volks­kommissar des Äußeren, L i t w i n o w, betonte auf eine Anfrage, daß in England eine sowjetfeindliche Strömung vorhanden sei, hinter der ehemalige zaristische Beamte und eine Gruppe sogenannter Gläubiger Rußlands stehen. Dieser Kampagne würden sich offen einige Mitglieder der englischen Regierung anschließen. Litwinow betonte, daß die Sowjetregierung weder jetzt noch früher aufrich­tige Sympathie für die Freiheitsbewegung des chinesischen Volkes verhehlt habe. Er er­klärte noch einmal, daß Rußland zur Erörterung und xPKB-e^l-i^ch v»» B^tzl-e-g u il-g von Kanfürren und Diffe­renzen bereit sei. Er gab schließlich der Hoffnung Aus- j

AmerilanifchesprolettoratübesMaragiia

Ein Vorschlag des Präsidenten Diaz.

Der Präsident von Nikaragua, Diaz, hat einen neuen Vertrag zwischen Nikaragua und den Vereinigten Staaten vorgeschlagen, in dem bestimmt werden soll, daß die Ver­einigten Staaten den Schutz Nikaraguas gegen äußere Angriffe und gegen innere Wirren, die die Intervention einer fremden Macht zur Folge haben könnten, gewähr­leiste. Washingtoner politische Kreise legen der jüngsten Entwicklung der Lage in Nikaragua allergrößte Bedeutung bei. Es wird vielfach eine grundlegende Umgestaltung des bisherigen Verhältnisses zwischen den Vereinigten Staaten und Nikaragua erwartet, was voraussichtlich von aufsehen­erregender Wirkung auf die Geschichte der westlichen Hemi­sphäre sein werde.

Obwohl man sich an amtlicher amerikanischer Stelle keineswegs zu der Absicht bekennt, in irgendeiner Form in den Parteistreit in Nikaragua einzugreifen, wird es doch mit jedem Augenblick klarer, daß die Regierung die Absicht hat, die Lage dort fester in die Hand zu bekommen. Das Staats- wie das Marinedepartement sind sich über ein Vorgehen einig, das geeignet sein muß, den Truppen Sa- casas bedenkliche Hindernisse in den Weg zu legen. Der diplomatische Agent Sacasas in Washington hat bereits erklärt, der Druck, den die amerikanischen Truppen neuer­dings in verstärktem Maße ausübten, werde es unmöglich machen, den Feldzug gegen Diaz noch lange fortzusetzen.

Die Sesun-heitSvrrWtniffe m Deutschland.

Stillstand des Geburtenrückganges.

Dem Reichstage ist jetzt eine Denkschrift über die gesundheitlichen Verhältnisse des deutschen Volkes im Jahre 1925 zugegangen. Die Denkschrift stellt fest, daß gegenüber 1924 im allgemeinen eine Besserung der Ver­hältnisse nicht zu verkennen ist. Die schlechte wirtschaftliche Lage ist zunächst ohne schwerere Rückwirkungen auf den Gesundheitszustand der Gesamtbevölkerung geblieben. Dir Zahl der Lebendgeborenen hat eine geringe Zunahme auf- zuweisen, so daß bereits von einem gewissen Stillstand des Geburtenrückganges gesprochen werden kann. Auch ein weiterer Rückgang der Sterblichkeit im allgemeinen wie der Säuglingssterblichkeit im besonderen ist eingetreten. Von häufigem Auftreten übertragbarer Krankheiten ist das deutsche Volk, abgesehen von kleinen Epidemien, wie sie in jedem Fahre beobachtet werden, verschont geblieben. Auch die sonstigen Krankheiten lassen einen weiteren er­freulichen Rückgang erkennen.

Besonders stark ist die A b n a h m e d e r S y p h i l i s. Ein besonders trauriges Kapitel bleibt nach wie vor die Abtreibung, die dem Vorjahre gegenüber eher zu- als ab- zünehmen scheint und in der Denkschrift als ein gefähr­licher Feind der Volksgesundung und der Volkskraft be­zeichnet wird. Hinsichtlich des Ernährungszustandes ergibt sich im allgemeinen ein günstigeres Bild, jedoch mit der

druck, daß England die Sinnlosigkeit der sowjetfeindlichen Kampagne einsehen und den Bestrebungen der Sowjet­regierung zur Herstellung normaler Beziehungen zu Eng­land entgegenkommen werde.

Massenhinrichtungen in Schanghai.

DiePolitik des Enthauptens".

Alle Londoner Blätter veröffentlichen ausführliche Meldungen über die Maffenhinrichtungen in den Straßen der Chinesenstadt von Schanghai, überall seien die abge­schlagenen Köpfe Hingerichteter Studenten und Streik­posten in Käfigen und auf Pfählen zur Schau gestellt. Der Korrespondent derDaily Mail" sagt, die Politik des Enthauptens habe sich als wirksamstes Gegenmittel gegen das Streikfieber erwiesen, wenn auch die Aussicht aus Be­setzung der Stadt durch die Kantonesen erwarten lasse, daß die Wirkung nicht dauernd sein und daß es wahrscheinlich nach Besetzung der Stadt zu wilden Repressalien kommen werde.

Nach einer Reutermeldung hat die Zahl der Streiken­den in Schanghai etwas abgenommen. In den aus­ländischen Konzessionen herrscht Ruhe. Au dem Posi rint ist eine Proklamation angeschlagen worden, in der erklärt wird, jeder Arbeiter und Angestellte, der die Arbeit nicht wieder aufnehme, werde hingerichtet. Diese energische Maßnahme bewirkte, daß die vor dem Gebäude stehenden Streikposten verschwanden und daß die Arbeit von einigen Postbeamten wieder ausgenommen wurde, was einen wenn auch eingeschränkten Dienst ermöglichte.

Amerikanische Gonderverhandlungen mit China.

Das amerikanische Repräsentantenhaus hat mit 259 gegen 44 Stimmen eine Entschließung angenommen, in der Coolidge aufgefordert wird, unabhängig von den an- dore» Stoatett -ini*- tet^ ecuzurreten. Die Entschließung wird dem Senat übermittelt werden.

Einschränkung, daß in wirtschaftlich ungünstig gestellten Bezirken, insbesondere in den Kreisen der Erwerbslosen, noch erhebliche Notstände zutage treten. Am meisten waren von der Unterernährung die kleinen Kinder betroffen.

Landwirtschaftliche Siedlungen.

Dr. Brauns über das Siedlungswesen.

Rei arbeitsminister Dr. Brauns hielt vor Ver­tretern r Presse einen Vertrag über das Siedlungs­wesen. Reichsminister gab einen kurzen Überblick über das - Siedlungswerk, das mit dem Reichssiedlungs- gesi 1. August 1919 seinen Anfang nahm. Erst im Ja! hat das Siedlungswerk in größerem Umfang fei) sang genommen. Zunächst setzte Preußen selb- ftärtb v eu Betrag von 40 Millionen für Landeskultur­zwecke für die beiden Jahre 1926/1927 ein. Ein Siedlungs­werk in großem und befriedigendem Umfange ist aber nur möglich, wenn das Reich von sich aus größere Mittel für diese Zwecke einsetzt.

Im Nachtragshaushalt des Reiches für 1926 wurden deshalb 50 Millionen für die Zwecke der landwirtschaft­lichen Siedelung in dünnbevölkerten Gebieten zur Ver­fügung gestellt. Nach dem Willen des Reichstages soll zu­nächst die gleiche Summe fünf Jahre lang bereitgestellt werden. Für die Zwecke der O st s i e d l u n g wurden auf Antrag des Arbeitsministeriums 15 Millionen Mark be­willigt, wovon 5 Millionen sofort abgesondert wurden, um für die Ansiedlung von entlassenen Reichswehrsoldaten Verwendung zu finden. Und schließlich wurden aus Antrag Preußens 7 Millionen Ma k Reichsgelder der Flüchtlingssiedlung zur Ver­fügung gestellt. Die nunmehr einsetzende Ausein - andersetzung zwischen Preußen und dem Reich, denn mit den kleineren Ländern kam sehr rasch eine Einigung zustande, dreht sich um die Frage, wie diese Gelder verwendet werden sollen. Preußen machte den Borschlag, eine Ministerialkommission einzusetzen, die die Richtlinien über die Verwaltung dieser Gelder aufstellen sollte, und dann wollte Preußen post festum dem Reich referieren.

Zum Schluß betonte der Minister noch, daß in Zukunft das Reich wahrscheinlich noch größere Mittel zur Verfügung stellen müßte, um das Siedlungswerl in großzügiger Form durchführen zu können. Selbstver stündlich sollten die Einrichtungen der Länder an der Ver­waltung der Gelder in jeder Beziehung mit her M werden. Praktisch liege also die Durchführung *'c vor bei den Ländern, und es wäre nur brm. > ü wünschen, daß die Auseir -.Versetzung über die G.enz der Kompetenzen baldigst auf dem Wege der Verständl- gung beseitigt würden.

Deutscher Reichstag.

(275. Sitzung.) CB. Berlin, 22. Februar.

Acht Anträge der Völkischen, des Bayerischen Bauern- bundes und der Demokraten auf Änderung der Aufwer- tunasbektimmunüLn wurden dem Reebtsausschutt