Bergbau, insbesondere auf den Staatsgruben, zu verhindern, wird vom Abg. Sobottka (Komm.) ausführlich begründet. Nach kurzer Aussprache zwischen den Abgg. Otter (Soz.), Sobottka (Komm.) und Sieger (Ztr.) wird der kommunistische Antrag dem Handelsausschuß überwiesen.
In zweiter und dritter Lesung wird ein deutschnationaler Gesetzesantrag aus kleine Umgemeindungen im Kreise Tilsit- Ragnit angenommen. Das Haus setzt die zweite
Beratung des Wohlfahrtsetats
mit der Einzelbesprechung fort. Dabei beantragt Abg. Bartels- Krefeld (Komm.) Streichung des Fonds zur Bekämpfung des Alkoh ^mißbrauchs, weil die Mittel hierfür aus dem Überschuß des Staatlichen Branntweinmonopols stammten. Abg. Frau Dr Wegscheider (Soz.) hebt demgegenüber hervor, daß dieser Fonds namentlich auch zum Schutze der Jugend gegen die Gefahren des Alkohols bestimmt sei. Abg. Frau Ege (Soz.) wünscht mehr Mittel für Jugendheime und ähnliche Einrichtungen der Jugendpflege. Abg. Frau Noack (Dtn.) protestiert gegen die Boykottierung bestimmter Kliniken und Krankenhäuser, deren Leiter sich das Mißfallen der Krankenkassen zugezogen haben, durch die Kassen. Abg Breuke (Soz.) erwidert, daß eine Verständigung zwischen Kassen und Ärzten erst erzielt werden könne, wenn die ärztlichen Vereine sich ihrer Einmischungen in Jnterna der Krankenkassen enthielten. Abg. Häse-Wiesbaden (Soz.) wünscht stärkeren Schutz der Bauarbeiter.
>u Abg Hetzberger (Ztr.) fordert größere Mittel für Trinkerheilanstalten Frau Abg. Christmann (Soz.) einen Untersuchungsausschuß zur Prüfung von Mißständen in den »ursorgeanstalten, ebenso Abg. Sellheim (Komm.). Damit ist die zweite Beratung des Wohlfahrtshaushalts bis auf einige Reste und Abstimmungen, die am Donnerstag erledigt werden wllen erledigt. Es folgt die zweite Beratung des Domänen- Haushalts, über den Abg. Weitzermcl (Dtn.) denAusschußbericht erstattet. Abg. Biester (Deutschhann.) tritt für Erhaltung kines guten Domänenpächterstandes, für Landyewinnungs- ^bettenander Küste und für Beihilfen an staatliche Bäder ein. Abg. Klaußner (Soz.) fordert Beseitigung der Ratüralpacht und Umstellung der Pacht auf Reichsmark
Abg. Justi (Dtn.) weist auf die Notlage der Landwirtschaft und auf die Verluste der Domänenpächter in der Jnflaäonszeil hln. Die Pachtpreise für Domänen dürften nicht mehr erhöht werden. Redner begründet Anträge auf Abgeltung der Hoch- wassersch- . . der Domänenpächter und billige Kredite für die von den Polen vertriebenen deutschen Pächter.
Nun Wird die Weiterberatung aus Mittwoch vertagt.
pokiische Arrnoschatt,
Deutsches Reich.
Kontümttät der Gesetzgebung.
Der ehemalige Reichsinnenminister Dr. Külz verbreitete sich in einer Dresdener Rede über die Notwendig- ke»t einer größeren Kontinuität der Außenpolitik und der Gesetzgebung. Es gehe nicht an, daß die gesetzgeberischen Arbeiten einer Regierung jeden Augenblick durch eine Regierungskrists unterbrochen und wertlos gemacht werden könnten. Es empfehle sich die Annahme einer Bestimmung, wonach eine neue Regierung einmal bei ihrem Amtsantritt und dann in jedem Jahr einmal bei der Beratung des Haushaltsplanes das Vertrauen des Parlaments zu fordern habe und durch einfachen Mehr- Hettsbeschluß gestürzt werden könne. Für alle übrigen Miß- Irauensanträge müsse eine Zweidrittelmehrheit verlangt werden.
Untersuchungsausschuß gegen Minister Keudell.
Bet den Oppositionsparteien scheint die Absicht zu bestehen, einen parlamirischen Untersuchungsausschuß einzusetzen, der nochmals die von politisch linksstehender Seite gegen den Reichsinnenminister von Keudell erhobenen Vorwürfe nachprüfen soll. Nach den geltenden Bestimmungen genügen 50 Stimmen, um einen dahingehenden Antrag zum Beschluß zu erheben.
Frrislugberechtigung für Reichstagsabgeordnete?
Zwischen dem Reich und der Deutschen Lufthansa schweben, entsprechend einem Wunsche des Ältestenrates des Reichstages, zurzeit Verhandlungen über die Gewährung von Freiflugscheinen nach dem Vorbild der Eisenbahnfreikarte an die Reichstagsabgeordneten. Im Reichstag hat sich seit einiger Zeit das Bestreben bemerkbar ge- macht, auch das modernste Verkehrsmittel, das Flugzeug, für dre ; n der Abgeordneten dienstbar zu machen und das Rc zu veranlassen, für diese Freiflüge ein be- ftim^ auschale an die Deutsche Lufthansa zu zahlen, w,e das oei der Eisenbahn und in gewissem Umfange auch bei den Schiffahrtsgesellschaften der Fall ist.
Tschecho-Slowaket.
X Militärische Reformen. Wie die „Reforma" erfährt, wird bei der tschechoslowakischen Armee eine Ersatz- reserve eingeführt werden, die wahrscheinlich die Be- zeichnung „Landwehr" erhalten und von dem Heer vollständig getrennt sein wird. In die Landwehr werden Angehörige des Gewerbes und des Landwirtstandes eingestellt werden. Bei der Einstellung in die Landwehr wird der Schutz der selbständigen Existenz maßgebend sein.
Aus In- und Ausland.
Berlin. Zwischen dem preußischen Kultusministerium und ™ei»?teu^l^en Studentenschaft soll in der Streitfrage um die Auslegung der Studentenverfassung eine Einigung. erzielt worden (ein. Die Studentenschaften der preußischen Universitäten (ollen den Standpunkt des Ministeriums anerkannt haben.
Berlin. Das französische Armee-Oberkommando hat das seit Beginn der Besetzung beschlagnahmte ehemalige Hotel „Oranienhof" in Bad Kreuznach freigegeben. Die seit langem von zuständiger deutscher Stelle angestrebte Frei- 6abe weiterer Hotels und ähnlicher Einrichtungen im Kreuz- nacher Baderviertel hat sich leider noch nicht erreichen lassen.
Die Ortsgruppe Freiburg des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold hat dem Reichstagsabgeordneten Dr. Werth in einem Telegramm für die Ablehnung des Vertrauensvotums für die Regierung Marx Dank und Anerkennung ausgesprochen.
Nizza. „L'Eclaireur de Nice" meldet, daß ein französischer Angestellter, der auf dem französischen Grenzbahnhof Venti- Miglia Dienst tat, von faschistischer Miliz sestge- n o m m e n wurde, weil er ein kommunistisches Abzeichen trug. Auf Eingreifen des französischen Konsuls wurde er wieder in Freiheit gesetzt.
Warschau. Der Staatspräsident hat sich nach der Stadt Posen begeben. Es ist das erstemal, daß der Präsident in amtlicher Eigenschaft das ehemalige russische Teilgebiet verlassen wird.
Sofia. Nach einem Bericht des Roten Kreuzes ist infolge der schlechten Ernährung und der ungenügenden Pflege unter den Kindern in Bulgarien die Sterblichkeit erschreckend hoch. In manchen Familien sind innerhalb eines Jahres sechs bis acht Kinder gestorben.
Newyork. Nach einer hier veröffentlichten Statistik zählt die Kommunistische Partei von Amerika 6000 Mitglieder gegenüber 35 000 im Jahre 1919.
Explosion in einer Pulverfabrik.
Zwei Tote, zahllose Fensterscheiben zertrümmert.
In der Abteilung Pulverpresse der Pulverfabril Martin bei Pirmasens ereignete sich aus unbekannter Ursache eine Explosion, wobei die Inneneinrichtung der Abteilung gänzlich zerstört wurde. Auch das in der Nähe liegende Werk wurde in Mitleidenschaft gezogen. Der Arbeiter Ludwig Edinger wurde 100 Meter vor seiner Arbeitsstätte entfernt in völlig verkohltem Zustande aufgefunden. Der Arbeiter Jakok Gaster, der der Explosion ebenfalls zum Opfer fiel, konnt« bis jetzt noch nicht aufgefunden werden. Ein weiterer Arbeiter ist schwer verletzt worden. Sämtliche Fenster, scheiden im Werk und dem in der Nähe liegenden Direk- tionsgebäude wurden zertrümmert.
Jugendliche Räuber.
Ein 12jähriger als Mörder.
Aus Newyork wird gemeldet: Ein Brooklyner 12jähriger Knabe namens Martin Danovan betrat den an der Jamaika-Avenue in Queensborough gelegenen Gelan- teriewarenladen von Max Golds, zog einen Revolver und forderte den Ladeninhaber aus, das Bargeld herausz»' geben. Golds, der das Ganze für einen Jungenstreich hielt, rief ihm zu: „Dummer Junge!" worauf Donovan wortlos den Golds niederschoß. Er flüchtete, wurde aber sofort eingeholt. Der Ladeninhaber erlag dem Lungen- schuß, ehe ein Krankenwagen zur Stelle war.
Ein 16jähriges Mädchen, das von einem gleichaltrigen Burschen begleitet war, überfiel einen Viktualien- laden in Brooklyn. Das Mädchen zwang den im Laden anwesenden Verkäufer, den sie mit einem Revolver bedrohte, den Inhalt der Kasse im Betrage von 200 Dollar herauszugeben, worauf die beiden jugendlichen Verbrecher verschwanden.
Ein Entwurf;m Aenderung des Rufwertungsgesetzes.
Vom Sparerbund, Ortsgruppe Hersfeld, wird uns mitgeteilt:
Die für das Volk schwerwiegende Frage, ob und nach welcher Richtung hin das Aufwertungsgesetz ge» ändert werden soll, ist dadurch in ein entscheidendes Stadium getreten, das die juristische Arbettsgemein- V ‘ schaft für Gesetzgebungsfragen, die ausdenmaßgebensten “ juristischen Körperschaften gebildet ist, soeben den „Entwurf nebst Begründung zur Aenderung des Aufwertungsgesetzes" aufgestellt hat. Er ist den ge- setzgebenden Körperschaften zugegangen.
Die AenderungSvorschläge beschränken sich auf das Gebiet der Aufwertung der Hypotheken und Grundschulden und der durch Hypothek gesicherten persönlichen Forderungen. Der Entwurf ist unterzeichnet vom Vorsitzenden der juristischen Arbeitsgemeinschaft im Reichstage, Abg. Geheimrat Professor Dr. Kahl und Staatssekretär Wirkl. Geheimrat Dr. Mügel, der durch seine großen Kommentare zum Auswertungsgesetz, zur Durchführungsverordnung und zum sonstigen Aufwertungsrecht anerkannten ersten Autorität. Mit- unterzeichnet haben denEntwurf maßgebende Vertreter des Reichsgerichtes, des Kammergerichts, der Berliner juristischen Fakultät, der Richterschaft und der Anwalt- schast. Der Entwurf wird alsbald den Reichstag beschäftigen.
Aus der Heimat.
Für diele Rubrik find Mitteilungen lokalen Untereifes aus dem faelerkreile stets erwünscht und werden auf Wunsch bezahlt.
HI Postnachsendung für Vermessungsschiff „Meteor". Rachsendemöglichkeit von Privatpaketen für die Besatzung des Vermessungsschiffes „Meteor" nach Para ist mit dem Dampfer „Attika" (Norddeutscher Lloyd) ab Hamburg, 5. März 1927, Ankunft in Para Anfang April 1927 gegeben. Die Pakete müssen bis spätestens 1. März 1927 bei Matthias Rohde und Co., Hamburg, Freihafen, Lager Dammtorkai 33, mit der Post befördert eintreffen. Höchstgewicht für Pakete 10 Kilogramm. Die Kosten für die Beförderung bis Hamburg sind vom Absender zu tragen. Mit der Freigebühr muß bei der annehmenden Postanstalt für Verpackung und Verladung im Seehafen eine Reichsmark durch Aufkleben von Freimarken auf die Paketkarte entrichtet werden. Die Weiterbeförderuna der Pakete von Hamburg zur See erfolgt kostenlos.
□ Der Umtausch der Neubesitzanleiyen oes Reichs. Am 15. Februar begann, wie nochmals hervorgehoben sei, die Frist für den Umtausch der Neubesitzanleihen des Reiches in die Anleiheablösungsschuld. Die Frist läuft bis zum 30. Juni d. J. Die Anleihen sind bei Banken, Sparkassen oder Genossenschaften innerhalb der Frist abzuliefern und anzumelden. Markanleihen des Reichs, die nicht angemeldet werden, sind nach Ablauf der Frist wertlos.
Hersfeld Wie uns von der Volkshochschule mitgeteilt wird, beginnen die V o rträge des" ' Herrn Pfarrer Schafft-Kassel erst am Donnerstag den 24. d. Mts, abends 8 Uhr im Rat- Haussaale. — Näheres in der heutigen Anzeige.
Hersfeld. Die Jahreshauptversammlung der Ortsgruppe Hersfeld des Reichsverbandes Deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshin ter- bliebenen fand am vergangenen Sonntag im Saale der Gastwirtschaft Steinweg am Hanfsack statt, Der Vorsitzende Kamerad Holzapfel eröffnete kurz nach 2 Uhr die Versammlung, und begrüßte die Erschienenen besonders Herrn Kreisverwaltungs-Jnspektor Heinzer- ling. Er gab sodann einen Geschäftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr, dem zu entnehmen ist, daß die Ortsgruppe Hersfeld am 31. 12. 26 einen Mitgliederstand von 245 aufzuweisen und eine Zunahme von 40 Mitgliedern zu verzeichnen hatte. Weiter wies er auf die jeden Montag vormittag von 10—2 Uhr stattfindenden Sprechtage im Restaurant Hacker hin, die der Gaugeschäftsführer Kamerad Siebert abhält. Sind vom Geschäftsführer an diesem Tage auswärtige Termine wahrzunehmen, so fällt der Sprechtag aus. Dieses wird am Freitag der vorhergehenden Woche in den Zeitungen bekanntgegeben. Zum Schlüsse seiner inhaltsreichen Ausführungen wies Kamerad
Die Brüder Michael
Roman von Wolfgang Marken.
70) (Nachdruck verboten.)
„Wir wollen versuchen, das Geld aufzutreiben!" „Ist zwecklos, Weruer. Ich habe gefühlt, daß es so fomu.. Schon am Tage nach deiner Abreise habe ich mich b w» ht, Geld aufzutreiben. Nicht zehntausend Ma f sind zu bekommen."
Bedrückt schwieg Werner. Dann fiel ihm der Justizrat ein.
„Hast du schon mit Ballermann gesprochen?"
„Nein. — Was kann uns der Justizrat helfen."
„Ich weiß nicht, ob er uns helfen kann, aber er hat die besten Verbindungen."
Er trat zum Fenster und riß es auf. Die Mamsell steuerte eben dem Kuhstall zu.
„Mamsell, sagenSte Martin, daßer sofort anspannt."
„Jowohl, junger Herr! Was für'n Wagen soll er nehmen?"
„Den leichten Jagdwagen. Aber fix soll er machen. Brir i Sie ihn auf den Trab."
Er s^Ioß das Fenster sorgfältig.
„Also, jetzt schnell angezogen. — Jawohl, behalt die Stiefel an, Ballermann kennt uns."
„Hast du noch Hoffnung, Werner?"
„Ich bin nie mutlos!"
Und wenige Minuten später fuhren sie der nahen Kreisstadt zu. * *
Justizrat Ballermann saß mit einem Herrn, Mitte der Vierzig, dessen dunkelfarbiges, lederartiges Gesicht den jahrelangen Aufenthalt in den Tropen verriet, zusammen.
Der Fremde hieß Ottensee und war siebzehn Jahre in der Südsee als Farmer tätig gewesen. Die Heimat,
das einstmals geschmähte und doch wieder geliebte Deutschland, hatte ihn mit fester Hand zurückgezogen. So liquidierte er denn seine Unternehmen und reiste zurück, mit der Absicht, seine Zelte in Thüringen, seiner alten Heimat, aufzuschlagen.
Auf seine Erkundigungen hin hatte man ihn zu Justizrat Ballermann gewiesen, der die Geschäfte für seinen Freund Veltermeyer, den Inhaber eines gutrenommierten Grundstücksvermittlungsbüro, mit- leitete. da dieser seit Wochen krank darnieder lag.
Justizrat Ballermann hörte sich die Wünsche des ehemaligen Farmers an und fragte ihn dann, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit recht liebenswürdig:
„Und mit welcher Summe wollen Sie sich engagieren ?"
„Ich dachte fünfhunderttausend Mark, vielleicht auch eine Million. Möchte mich nicht festlegen. Es kommt ganz aufs Objekt an. Recht nette Sache soll's sein. Habe nichts als Plack drüben gehabt, möchte jetzt noch 'nen hübschen Schluß wenigstens haben."
„Kann ich durchaus verstehen, Herr--?"
„Ottensee —"
„Ottensee! Uebrigens, Ihr Name kommt mir besannt vor."
„Ich bin Thüringer, Herr Justizrat."
Es klopfte.
Justizrat Ballermann, ärgerlich über die Störung, fauchte den eintretenden Diener an:
„Schöller, Sie sollen mich ungeschoren lassen I Sie haben geradezu eine Sucht, mich zu stören."
Schöller schüttelte treuherzig seine Löwenmähne.
„Herr Justizrat, nischt für ungut! — Da irren Sie sich man bestimmt. Ich störe Sie--"
Unwirsch unterbrach ihn Ballermann:
„Mensch, ehe Sie Ihren Satz fertig kriegen, wird ein Kalb zur Kuh. Was ist denn los?"
Schöller war geknickt.
„Ich meine ja nur, die Herren Michael sind da und
möchten den Herrn Justizrat in eiliger Sache sprechen".
„Eilig?"
„Hab'n sie gesagt." Knurrend schob sich Schöller die Tür hinaus.
Der Justizrat war einen Moment unschlüssig. Dann stand er auf und bat seinen Besucher, ihn einen Augenblick zu entschuldigen.
Als er in das Vorzimmer trat, sah er an den Mienen der Brüder, was eingetreten war. Ehrliche Empörung brach sich in ihm Bahn. So achteten Söhne des Vaters letzten Willen!
„Entartet," murmelte er vor sich hin.
Als er ihnen die Hände geschüttelt hatte, fragte er mit teilnahmsvoller Stimme:
„Es ist also doch so weit gekommen? Hätt's nicht für möglich gehalten! Ich errate doch, daß Ihnen von kommerzienrätlicher Seite ein Ultimatum gestellt worden ist?"
Werner führte das Gespräch, er nickte.
„Leider! — Wir sind nun zu Ihnen gekommen, um uns zu erkundigen, ob es keine Mittel gibt, den Hof vor dem Verkauf zu schützen?"
Der Justizrat sah den Brüder offen ins Auge. Ein grenzenloses Mitleid packte ihn, der selbst aus Landwirtskreisen hervorgegangen, als er die Heimatliebe der beiden jungen Menschen sah.
„Mein lieber Freund, soviel Jurist sind Sie selbst um zu beurteilen, daß es hier keinen anderen Ausweg gibt, als Geld zu beschaffen. Wir können eventuell versuchen, den Termin noch hinauszuschieben. Aber ich fürchte, der Kommerzienrat, der Ihren Michaels-- Hof unter eiligen Umständen verschachern will, hat gerissene Leute an seiner Seite, die uns abtun. — Den raffinierten Herrschaften sind wir nicht gewachsen."
Bedrückt schwiegen die Brüder.
„Und Sie glauben auch nicht, daß der Betrag zu beschaffen ist? Darüber wollen wir gern noch Ihre Meinung hören." Fortsetzung folgt.