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kersfelöer Tageblatt

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mit den Beilagen: Leimatschollen / Illustriertes AnterhallungSblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche DageSfragen.

Rr. 32

Dienstag, den S. Februar <927

77. Jahrgang

MW-mUches Gegenspiel.

Gewiß mag man gegen englische Behauptungen, bei den chinesischen Angriffen auf die dortige Handels- und Machtstellung Englands sei sowjetrussisch­bolschewistisch er Einfluß mit im Spiel, einige Zweifel hegen, denn derartige Vorwürfe wurden in Lon­don wohl immer dann erhoben, wenn es irgendwo in der Welt gegen die Herrschaft Englands kriselte. Dann sollen derartige Behauptungen besonderen Eindruck in Nord- am e r i k a machen, das sich ja als den unbedingtesten Gegner des Bolschewismus betrachtet, was freilich durchaus nicht daran hindert, daß man mit Moskau recht gute Geschäfte macht. Daß England selbst als Macht für den Bolschewismus einen gefährlichen Feind darstellt, hat aber die Sowjetrepublik nicht vergessen; über den Standpunkt eines kühl-offiziellen Verhältnisses ist man deswegen auch nicht hinausgegangen und begrüßte es heimlich, wenn dem Englischen Weltreich irgendwo Schwierigkeiten entstanden^ Beim Freiheitskampf der Türken hat man inoffiziell natürlich auch etwas geholfen und zertrümmerte dadurch die englische Vor­machtstellung in Vorderasien. Auch in China mag jetzt Ähnliches geschehen und sofort wird noch deutlicher aus die englisch-amerikanische Interessengemeinschaft im Kampf gegen den Bolschewismus hingewiesen, denn im englischen Kabinett scheint inzwischen die schärfere Ton­art gesiegt zu haben; sprach doch soeben der.Innenminister Johnson Hicks mit ganz auffallender Heftigkeit gegen die Einmifchungsversuche der Moskauer Politik in China.

Die Zeiten sind vorbei, da die Sowjetrepublik durch die Kämpfe im Innern so*, geschwächt war, daß sie an eine aktive Außenpolitik nicht denken konnte, außerdem in der Welt völlig isoliert dastand, wie ein Pestkranker ge­mieden wurde. Der Jahrzehnte alte Gegensatz zwischen England und Rußland, der sich erst milderte, als auf Englands Betreiben Japan dem russischen Vordringen nur der Traum einer Eroberung Konstantmopels mil­derte und der darauf sogar durch die Waffenbrüderschaft ersetzt wurde, ist aber mit dem Erstarken des Bolschewis­mus mit stärkerer Wucht wieder ausgebrochen. Die deutsche politische Rechnung vor dem Weltkrieg hatte ja den tief tragischen Fehler aufgewiesen, daß dieser Gegen­satz etwas Unüberwindbares sei und bleiben würde. Jetzt ist er aber wieder da, nur hat er noch weit größere Aus­maße nach innen und außen gewonnen. War er früher nur machtpolitisch, weil Englands Machtstellung in Asien bedroht schien, so hat er sich jetzt auch innerlich vertieft durch die weltanschaulichen Gegensätze zwischen der bol­schewistisch-kommunistischen Ideenwelt und dem entgegen­gesetzten englischen Standpunkt. Und nach außen hin er­weiterte er sich durch das Erwachen Chinas einerseits, das auch den Kampf gegen England bedeutet, und das Herantreten der Vereinigten Staaten an die Seite Eng­lands. Diese Unterstützung ist für England um so will­kommener, als es seinen früheren Bundesgenossen Japan verloren hat, den es dem Drängen Australiens und Nord­amerikas opfern mußte. Dunkel genug ist die Haltung Japans gegenüber den Vorgängen in China und allzu gern würde man in London eine aktive Mitarbeit jenes Landes bei dem Vorgehen gegen dieAufständischen" begrüßen.

Man sühlt sich eben als allzu isoliert, zumal sich die Vereinigten Staaten doch nur auf eine mehr oder minder moralische" Unterstützung zu beschränken scheinen. Und in ihrem Gegensatz zu Rußland ist die englische Regierung schon lange in eine sehr unbequeme Abwehrstellung ge­drängt, hat von Moskau her schon Dinge einstecken müssen, die man sonst nur mit dem sofortigen Abbruch jeglicher diplomatischen Beziehung beantwortet hätte. Wirtschaftliche Hoffnungen auf Beteiligung am russischen Geschäft und darum angesichts der englischen Wirtschafts­not bittere Notwendigkeit sind die Gründe der Zurück­haltung. Wie lange noch, wird sich erst zeigen, wenn London aus seiner politischen Isolierung herausgekom- men ist.

AMLrika will ein neuiraSes Schanghai.

Das Staatsdepartement der Vereinigten Staaten be­auftragte Sonntag den amerikanischen Gesandten in China, M a c M u r r a y , bei den kriegführenden Parteien dahin vorstellig zu werden, daß sie die internationale Zone von Schanghai von der Kriegführung ausnehmen. Diese Aufforderung ist in die Form einer regulären Note gekleidet, die sowohl Tschangtsolin wie Suntschuanfang und den Kantontruppen übermittelt wurde. Die Ant­wort steht noch aus, woraus Washington schließt, daß die Marschälle versuchen werden, an die Neutralisierung Be­dingungen für die Zukunft Schanghais zu knüpfen. Die amerikanische Note deutet bereits an, daß Amerika bereit wäre, die Neutralisierung eventuell zu er­kaufen. Der Schlußabsatz besagt nämlich, daß die ameri­kanische Regierung gegen eine Verhandlung über den zukünftigen Status Schanghais, wenn sie ordnungs­mäßig eingeleitet und durchgeführt würde, nichts einzu- wenden hätte.

Die (HilitärreDoIfen in Portugal

Heftige Kämpfe um Porto.

Eingreifen von Artillerie.

Die von der portugiesischen Regierung verbreiteten Nachrichten, daß der in Porto ausgebrochene Militärauf­stand sofort von regierungstreuen Truppen unterdrückt worden sei, hat sich nicht bestätigt. Es haben sich vielmehr heftige Kämpfe um die Stadt entwickelt. Doch soll es jetzt tatsächlich den Regierungstruppen gelungen fein, nach längerer Artilleriebeschießung in die Stadt einzurücken und die strategisch wichtigen Punkte zu besetzen. Mehrere Führer der Rebellen sind geflüchtet. Ihre Verfolgung ist ausgenommen.

Die an die Aufständischen von Porto gerichtete Forde­rung nach bedingungsloser Übergabe war von diesen ab­gelehnt worden. Auch eine Vermittlungsaktion des Konsuls von Uruguay, einen Waffenstillstand zustande zu

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DieKeuKM-AkieK Heim KsichskanZlsr.

Die Deutschnationalen hinter Keudell.

Reichskanzler Dr. Marx hatte vor der Abstimmung über das Vertrauensvotum für die neue Reichsregierung in Aussicht gestellt, daß er auf schnellstem Wege eine Unter­suchung über die gegen den neuen Reichsinnenminister von Keudell von sozialdemokratischer Seite vorgebrachten Anschuldigungen wegen dessen Verhalten beim Kapp- Putsch herbeisühren würde. Der Reichskanzler ist dem­gemäß an die preußische Regierung mit dem Ersuchen her- angetreten, die Herrn von geubeS bet^^^ übersenden. Die preußische Regierung hat diesem Er­suchen auch entsprochen. Wie es heißt, wird Reichskanzler Dr. Marx mit der Bearbeitung dieser Akten eine ihm un­parteiisch erscheinende Persönlichkeit betrauen. Man spricht dabei von dem Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simons oder dem Amtsvorgänger Keudells, dem demo­kratischen Reichsinnenminister Külz.

Von politisch rechtsstehender Seite wird im übrigen darauf aufmerksam gemacht, daß die deutschnationale Reichstagsfraktion wie ein Mann geschlossen hinter Keudell steht, der allen Gruppen in ihr gleichmäßig als einer der besten Männer gilt. Von dieser Seite wird auch darauf hingewiesen, daß die Sozialdemokraten keinerlei Anstoß daran genommen hätten, als ihnen in Preußen die Deutsche Volkspartei Herrn von Richter als Finanz­minister präsentierte, der % Jahr vorher wegen Beteili­gung am Kapp-Putsch disziplinarisch seines Amtes als Oberpräsident der Provinz Hannover enthoben worden war. '

Reue Millionen für Landwirtschaft und Kinderspersung

Bei Beratung des Etats des Reichsministeriums für Er­nährung und Landwirtschaft im Hauptausschuß des Reichs­tages wurde ein Antrag des Unterausschusses, der Erhöhung der Summe von 1950 000 Mark aus 2% Millionen Mark zur Förderung der landwirtschaftlichen Erzeugung und Unter­stützung wissenschastlicher, technischer und ähnlicher allgemeiner Bestrebungen auf dem Gebiete der Landwirtschaft verlangt, angenommen. Außerdem wurde ein neuer Etatspo st en in Höhe von einer Million Reichsmark bewilligt zur Ge­winnung geeigneter Puffert typen für landwirt­schaftliche Kraftgeräte, Arbeitsmaschinen und son­stige landwirtschaftliche Einrichtungen. Der Etatstitel über 1900 000 Mark für Beihilfen zur Förderung der bäuerlichen Wirtschaftsberatung und zur Errichtung von Versuchsringen wurde aus zwei Millionen Mark erhöht. Zur Erbauung eines Versuchsfischdampfers mit Kühlanlage wurden vom Haus­haltsausschuß 600 000 Mark neu in den Etat eingesetzt. Ange­nommen wurden folgende Entschließungen des Unterausschusses: 1. die Vorlage des neuen Weingesetzes soll beschleunigt werden; 2. angesichts der diesjährigen Mißernte an Wein in weiten Weinbaubezirken sollen Maßnahmen zur Linderung der Not der kleinen Winzer ergriffen werden und soweit die Notlage der Betroffenen es erfordert zinslose Stundung der fälligen Zinsraten der Winzerkredite gewährt werden; 3. die Reichsregierung wird ersucht, erforderlichen- alls die A u s f a ll s g a r a n 1 i e für die von der Landwirt- chaft auf Kredit bezogenen S t i ck st o f f -, Phosphor- ä u r e - und Kalidüngemittel für das Jahr 1927 in gleicher Weise wie für das Jahr 1926 zu übernehmen. Schließ­lich nahm der Ausschuß noch einen kommunistischen und sozial­demokratischen Antrag an, der zum Zwecke der Kinder- speisung*in den Etat neue fünf Millioen Mari einsetzt. Auch wurde der Ansatz von 1 100 000 Mark für Bei­hilfen an die Dampfhochseefischerei zu Zwecken der Absatzförderung durch Beschluß des Ausschusses um 100 000 Mark erhöht.

Evangelische Kirche und Völkerbund.

Mitarbeit einesTheologenausschusses.

Auf Anregung der Deutschen Liga für Völkerbund haben sich eine Reihe führender Persönlichkeiten der evangelischen Kirche bereit erklärt, einen besonderen, der Liga angegliederten Theologenausschuß zu bil­den. der die Gesichtspunkte der evangelischen Kirche in

bringen, scheiterte. Bei den stampfen gab es zahlreiche Tote und Verwundete. Während die Regierungstruppen nach offiziösen Auslassungen nur geringe' Verluste zu be­klagen haben sollen, sollen die Aufständischen zahlreiche Tote und 100 Verwundete zu beklagen haben. Auch einige Zivilisten wurden bei dem Kampfe getötet. Unter der Zivilbevölkerung der Stadt herrscht wegen des heftigen Artilleriefeuers Panik. Die Straßen sind mit toten Pferden besät, mehrere Häuser sind vollständig zerstört worden.

Die Lage im Lande verschärft sich noch durch einen E i s e n b a h n e r st r e i k, der im Norden zur Unter­stützung des Aufstandes ausgebrochen ist. Auch in ver­schiedenen anderen Orten haben die Truppen revoltiert, so in Figueira da Foz, 30 Meilen westlich von Coimbra und Tavira. Hier haben sich die Aufständischen, als sie von einem Kanonenboot beschossen wurden, bedingungslos eraeben.

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allen Angelegenheiten des Völkerbundes vertreten und zugleich innerhalb der evangelischen Kirche selbst den Völkerbund gedanken in evangelischer Auffassung zur Geltung bringen soll. Die konstituierende Versammlung fand unter Teilnahme führender Männer der offiziellen Kirche, der theologischen Wissenschaft und der freien kirchlichen Arbeit im Reichs­tagsgebäude statt.

Die Mitarbeit der deutschen evangelischen Kirchen an diesen Aufgaben der Liga und an der Gestaltung des Völker­bundes behandelte Generalsuperintendent D. Dr. Dibelius in einem programmatischen Vortrage. Der Kritik weiter evangelischer Kreise an der Gestalt des bisherigen Völker- JumtejgUjaMwx^»«'»SttiiMrt- liche Mißbrauch der Bökkerbundidee schließe noch nicht ihr grundsätzliches Recht aus. Die allgemeinen Grundsätze des Völkerbundstatuts widersprächen den Ideen der evangelischen Kirche keineswegs. Das oberste Ziel dieser Grundsätze, die Erschwerung und Verhinderung künftiger Kriege, wurde von der evangelischen Kirche aus innerster Überzeugung ebenso anerkannt wie der Friedensgedanke, der dieser Forderung zugrunde liegt. Für die reine Ausprägung des Völkerbund­ideals sei die Mitarbeit der evangelischen Kirche notwendig. Bei der Gestaltung der sozialethischen Fragen dürfe der Ein­fluß des evangelischen Geistes nicht ausgeschaltet werden.

Generalsuperintendent D. Dr. Dibelius hat in dem Ausschuß den Vorsitz übernommen. Die übrigen Mit­glieder sind: Prof. D. Dr. Deißmann, Oberkonsistorialrat Dr. Schreiber, Direktor Dr. Hinderer, Generalsuperinten­dent Dr. Zänker (Breslau), Prof. Althaus (Erlangen), Direktor Dr. Steinweg und Direktor Dr. Melle.

Deutscher Aeichstag.

(265. Sitzung.) OB. Berlin, 7. Februar.

Eingegangen ist ein Protestschreiben der syrischen Frei­heitspartei gegen die französischen Maßnahmen in Syrjen. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des Gesetz­entwurfes über die

Arbeitslosenversicherung.

Die Vorlage, die bereits im Reichsrat verabschiedet worden 'st, setzt als Träger der Arbeitslosenversicherung die Landes­arbeitslosenkassen ein, deren Bezirke sich decken sollen mit denen der Landesämter für Arbeitsvermittlung. Für den Fall der Arbeitslosigkeit sind durch das Gesetze, das 175 Parag.aphen enthält, versichert: 1. die Krankenkassenpflichtversicherten, 2. die in der Angestelltenversicherung oder nach Dem Reichsknapp­schaftsgesetz Versicherten, 3. die zur Schiffsbesatzung Gehörigen.

Für die Bemessung der Arbeitslosenunterstützung werden sieben Klassen eingerichtet, und zwar Klasse 1 bei einem Wochenlohn bis zu 12 Mark, Klasse 2 von 12 bis 18 Mark, Klasse 3 von 1824 Mark, Klasse 4 bis 30 Mark, Klasse 5 bis 36 Mark, Klasse 6 bis 42 Mark und Klasse 7 mehr als 42 Mark Wochenlohn. Die gewährte Hauptunterstützung beträgt in ven Klassen 1 und 2 45, in den Klassen 3 bis 5 40 und in den Klassen 6 bis 7 35 % des Lohnes.

Reichsarbeitsminister Dr. Brauns gab zuerst einen geschichtlichen Überblick über die Entwicklung der Arbeitslosenhilfe in Deutschland. Der Übergang von der Fürsorge zur Versicherung soll auch ote Selbstverwaltung und die Selbstverantwortung mit sich bringen. Eine Arbeitslosig­keit, wie man sie in den letzten Jahren erlebt habe, könne nicht durch Beiträge der Versicherten und Arbeitgeber allein gedeckt werden. Darum seien erhebliche Zuschüsse des Reiches, der Länder und der Gemeinden erforderlich. Die Vorlage sei, so schloß der Minister, ein weiterer Fortschritt auf dem Gebiete des sozialen Rechtes. '

Äbg. Brey (Soz.) bedauerte das weitere Ansteigen der Erwerbslosenziffer, die in diesem Monat- bis zu zwei Mil­lionen anwachsen würde. Die Erwerbslosenhilse sei unzu­reichend. Immer, wenn es dem Kapitalismus gut ginge, gehe es den Arbeitern schlecht. Die erste Forderung sei Arbeits­beschaffung und ein schnelleres Durchsetzen des Arbeitsbeschas- sungsprogrammes. Notwendig sei abc auch die Verkürzung der Arbeitszeit und ein energisches Vor gehen gegen das Über- stundenwesen. Das vorliegende Gesetz fei unbefriedigend. Mit einer wöchentlichen Unterstützung von 5,40 Mark, wie st i der untersten Klasse vorgesehen sei, sei niemand vor uer Verelen­dung geschützt. Auch mit dem Familienzuschuß von 5 % des Einheitslohnes für jeden Familienangehörigen bleibe die Unterstützung ganz unzureichend

Äbg. Dr. Rademacher (Dtn.) bezeichnete die große Arbeits­losigkeit als eine Erscheinung, die leider chronisch zu werden