Sersfelöer Tageblatt
Hersfel-er Kreisblatt
Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfeld
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mit den Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Anterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen._________________________
Nr. 24 (Erster Auch Sonnabend, den 29. Januar 1927 77. Jahrgang
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Heute und morgen.
Rom ist auch nicht an einem Tage erbaut worden — man braucht sich also nicht allzusehr darüber zu wundern, daß die neue Reichsregierung gar so viel Zeit dazu brauchte, ehe sie als ein fertiges Gebilde hingestellt werden konnte. Freilich hat sich Rom auch den Ruhm erworben, die „e w i g e" Stadt der Menschheit geworden zu sein, hat in dem Auf und Ab ungezählter Jahrhunderte ihren ersten Platz an der Sonne der Weltgeschichte behauptet und wird ihn wahrscheinlich an keine andere Stadt der bewohnten Erde jemals abtreten wollen oder gar abzutreten brauchen.
Mit der „Ewigkeit" unserer neuen Mehrheitsregierung wird es dagegen gewiß seine besondere Bewandtnis hahen. In dieser Beziehung stehen uns schon allerhand lehrreiche, zur Vorsicht stimmende Erfahrungen zur Verfügung, und so sehr auch Herr Marx und die Parteien, mit denen er diesmal das Kabinett zusammenzimmerte, auf tiefgreifende Verankerungen ihres Gebäudes durch Manifeste, durch Richtlinien und feierliche Protokollerklärungen bedacht sind, so sturmfest sie es auch nach außen hin, im Kampf um unsere Weltgeltung in Politik und Wirtschaft, und gar erst im Widerstreit der von der Regierungsbildung ausgeschlossenen innenpolitischen Gegner eingerichtet haben, bis aus weiteres wird nun einmal für unsere Regierungsführung der lakonische Grundsatz Geltung behalten, daß hier dersiändigeWechselallein von Dauer ist. Aber immerhin, vielleicht lohnt sich die Mühe, die diesmal auf die Arbeit der Kabinettsbildung verwandt wird, doch wenigstens insofern, als nicht schon morgen wieder auseinanderläuft, was heute sich zu ge- meinsawem Wirken zusammengefunden hat, trotz der grimmigen Abwehrbereitschaft der Ausgeschalteten. Es steht schließlich nicht nur sür die Parteien doch gar zu viel aus dem Spiel, als daß man nicht endlich einmal sür eine Weile sollte Frieden halten wollen.
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Es soll freilich Leute unter uns geben, die von Ministerkrisen und allem, was dazu gehört, schon jetzt gar nichts mehr hören können. Die sich die Ohren zustopfen, wenn in ihrer Umgebung jemand glaubt, von Bürger- block und Großer Koalition sprechen zu müssen, aus Furcht, sonst vielleicht in Verdacht zu geraten, daß er zu den schlecht unterrichteten Zeitgenossen gezählt werden könnte. Und in der Tat: bestreiten läßt sich nicht, daß es auch interessantere Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die nicht die Eigenschaft aller unserer letzten Krisen- geschichten besitzen, daß sie sich ewig wiederholen und sich ebenso ewig im Kreise herumbewegrn.
Uni nur ein Beisviel zu erwähnen: Da läßt dieser Tage auf einer Zusammenkunft hauptstädtischer Verkehrsund Wirtschaftssachmänner ein Sachverständiger eine Bemerkung fallen, daß man damit rechnen müsse, Berlin in den nächsten zwanzig Jahren zu einer Ä ch t - Mil - l i o n e n - S t a d t sich entwickeln zu sehen. Acht Millionen — ist das nicht ein Gedanke von unvorstellbarer Schrecklichkeit, wenn man sich schon das Berlin von heute vergegenwärtigt mit seinen vier Millionen, das Gerassel und Gelärme in seinen Straßen, die Unrast seines bürgerlichen Lebens mitsamt den alltäglichen Opfern an Zeit und Nervenkraft, die aufbringen muß, wer auch nur den allergewöhnlichsten Anforderungen des geschäftlichen oder gesellschaftlichen oder gar des öffentlichen Betriebes Nachkommen will? Allerdings, London und Newyork reichen mit ihren Einwohnerziffern Wohl schon jetzt an die uns erst in Jahren verheißenen Millionenzahlen heran, aber dort hat man es doch Wohl mit Menschen anderen Schlages zu tun, während wir uns das Dasein ohne einen, wenn auch noch so niedrig bemessenen Mindestgrad von Gemütlichkeit schier überhaupt nicht vorstellen können. Aber dann: Woher sollen die vielen Millionen Menschen denn kommen, die der sichere Blick dieses Städtebauers der deutschen Reichshauptstadt in Aussicht stellt? Der Geburtenüberschuß ist schon lange nicht mehr so erheblich in Deutschland und in den deutschen Großstädten erst recht nicht, daß man mit einem so beängstigenden Wachstum der Berliner Einwohnerzahl zu rechnen hatte.
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Also Zuwanderung. Aber woher? Vom Lande, aus dem Reiche — und das trotz der immer mehr sich aus- dehnenden Siedlungstätigkeit draußen in Dörfern und Kleinstädten, in der Reich und Staaten und Gemeinder mit Hunderten von privaten oder sogenannten gemeinnützigen Gesellschaften wetteifern? Oder etwa aus dem Ausland, aus den unerschöpflichen Gefilden des Nahen Ostens, der uns schon in den Kriegs- und Nachkriegs- fahren so manchen nicht immer gerade angenehmen Zuwachs gebracht bat? Und wenn für Berlin diese Aus- sichten nicht a'bzüwehren sind, wird es etwa mit Dresden und München, mit Köln und Stuttgart, mit Hamburg und Stettin ebenso gehen? Daß überall im Reiche Riesenstädte sich entwickeln werden, mit denen verglichen unsere heutigen Großstädte als bloßes Kinderspielzeug gelten müßten?
Run, vielleicht, daß in zwanzig Jahren zugleich auch noch so gewaltig große Kultursortschritte erzielt sein werden, daß dann eine Stadt von acht Millionen ebenso leicht zusammenzufassen, zu verwalten, zu ertragen oder gar zu genießen sein wird wie heute eine solche von einer Million. Aber dem Wesenszug unserer Zeit würde es
Kampf um die Ministerien
Siepersonalbchrchungen mit Marx
Die Deutschnationalen billigen die Richtlinien.
Die Verhandlungen über die neue Regierungsbildung haben noch im letzten Augenblick dadurch Schwierigkeiten gebracht, daß sich die Hauptparteien der neuen Regierung nicht über die Begebung einzelner Ministerportefeuilles einigen konnten. Die Streitfrage, um die es sich am Freitag besonders handelte, war die Besetzung des Verkehrs- und des Finanzministeriums. Die Deutschnationalen beanspruchten, daß beide Ministerien von Männern ihrer Partei geleitet werden sollten. Nach langwierigen Verhandlungen haben die Deutschnationalen allerdings zugestanden, daß das Finanzministerium mit dem badi-
Badischer Staatspräsident Dr. Köhler, der neue Reichssinanzminister.
schen Staatspräsidenten und Finanzminister Köhler besetzt werden soll, der von der Zentrumsfraktion Des Reichstages für diesen Posten in Aussicht genommen worden ist. Die DeutschnationarM hatten aus das Finanz- .J?ll8iJlSäi^ lu».gerade viM -mu^. rrum wegen des Votorechts, das der Reichsfinanzministei gegen jede neue Ausgabe hat, sachlich und politisch besonders wichtig ist. Zum Ausgleich für das Finanz- Ministerium hat das Zentrum den Deutschnationalen das Verkehrsministerium überlassen, das bisher von Dr. Krohne verwaltet wurde, der der Deutschen Volkspartei nahesteht. Die Deutsche Volkspartei legt indessen Wert j darauf, auch dieses Ministerium zu behalten, da sie, falls i das Verkehrsministerium mit einem Deutschnationalen I besetzt werden würde, in der künftigen Reichsregieruno |
gewiß entsprechen, wenn die nächsten Jahre uns mehr Ausbreitung der Kulturgüter über die mittleren und kleinen Städte, über das flache Land und über die abseits vom Verkehr gelegenen Bezirke brächten als immer noch luxuriösere Gestaltung des Gemeinschaftslebens in den großen und größten Städten. Haben wir in Deutschland auch keine „ewige" Stadt, so wollen wir doch nach einem bekannten Dichterwort das Land sein, das „e w i g c v B e st a n d" hat. Dann aber könnten wir auf Acht-Mil- kionen-Städte gut und gern doch lieber verzichten.
Dr. Sh.
Die Beratungen über die Ostfestungen.
Neue Instruktionen für General von Pawels; ?
Wie der offiziöse „Petit Parisien" meldet, beschäftigte sich das Versailler Militärkomitee mit der Bestimmung der Anlagen der deutschen Ostbefestigungen, die beibehalten, und der, die abgebrochen werden sollen. Über die zu zerstörenden Anlagen ist keine Einigung erzielt worden. Die deutschen Unterhändler haben, da sie zu diesem Punkt die von den Alliierten verlangten Präzisionen nicht geben konnten, um neue Instruktionen in Berlin ersucht. An zuständiger französischer Stelle besteht trotzdem noch die Hoffnung, die Verhandlungen über die Restpunkte noch vor kommendem Montag zu beendigen.
An Einzelheiten über die Verhandlungen wird bekannt, daß zwischen den deutschen Delegierten und den Mitgliedern des Versailler Militärkomitees über die a l l- gemeinen Fragen eine Einigung erzielt worden ist. über einige Einzelheiten hat man sich jedoch noch nicht einigen können. Die deutschen Unterhändler sollen der S ch l e i s u n g aller Anlagen zugestimmt haben, die nach dem Jahre 1919 geschaffen wurden, wogegen die Alliierten die Aufrechterhaltung der Anlagen zugestanden haben sollen, die bereits im Jahre 1919 bestanden. Die deutschen Delegierten hätten erklärt, daß sie nicht in der Lage seien, alle die von ihnen verlangten Zugeständnisse zu machen.
Wettere englische Tmppenverstöttungen für China.
Vorbereitungen zur Verteidigung Schanghais.
Die englische Regierung setzt ihre Truppenentsen- dungen nach China fort. In den nächsten Tagen geht wieder ein Transport von 8400 Offizieren und Mannschaften von Southamptom nach China ab, außerdem werden die englischen Streitkräfte durch indische Trup-
nur mit zwei Ministern vertreten wäre. Am Freitag abend verlautete, daß unter diesen schwierigen Umständen die Entscheidung über die endgültige Zusammensetzung des neuen Ministeriums erst am Sonnabend fallen würde.
Die deutschnationale Fraktion hat einen Bericht über die bisherigen Verhandlungen entgegengenommen und das Ergebnis der bisherigen Verhandlungen insoweit gebilligt, als sie unter der Voraussetzung, daß den Deutschnationalen die ihnen von Marx zugesagten vier Ministerien zufallen, den in den Verhandlungen vereinbarten Richtlinien für das Regierungsprogramm zustimmt.
Oeutschnationale Ministerkan-i-aten.
Koch - Düsseldorf, v. Lindeiner-Wildau.
Graef - Thüringen. Schiele.
pen verstärkt. Der Vizekönig von Indien hat von verschiedenen indische»! Fürsten Angebote von Truppen zur Verwendung in China erhalten. Wie der Londoner „Star" zu melden weiß, werden sich nach Eintreffen des Flugzeugmutterschiffes „Argus" in den chinesischen Gewässer»; auch etwa 80 britische Flugzeuge befinden.
Blättermeldungen aus Peking zufolge hat der dortige britische Gesandte den Gesandten der Vereinigten Staaten, Frankreichs, Italiens und Japans ein Memorandum übersandt, worin er auf die Möglichkeit einer baldigen sremdenfeindlichen Bewegung in Schang- h a i hinweist und die Aufstellung eines gemeinsamen Planes für die Verteidigung der Ausländerniederlassun- gen unter Heranziehung der dort versammelten Kriegsschiffe und Marinetruppen der betreffenden Staaten vor- schlägt. Die Gesandter» haben nach einer Prüfung dieses Memorandums ihre Regierungen telegraphisch um Anweisungen ersucht.
Friedensverhändlungen in Nikaragua.
Admiral ßatimer als Vermittler.
Zwischen dem konservativen Präsidenten von Nikaragua, Diaz, und feinem liberalen Gegner, Sacasa, sind Friedensverhandlungen eingeleitet worden, die von dem Befehlshaber der amerikanischen Landungstruppen, Konteradmiral Latimer, und dem amerikanischen t Gesandten in Nikaragua, Eberhardt, gefördert wurden. Das amerikanische Staatsdepartement erklärte, die amerikanischen Streitkräfte aus Nikaragua zurückzuziehen, sobald die politische Lage dies zulasse.
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Eine Kundgebung der Kolumbus - Ritter gegen Mexiko.
Bei einer Massenkundgebung der Kolumbus-Ritter in Was h i r t o n forderte der Redner, Anwalt Scott aus Los -ingeles, eine Beeinflussung der öffentlichen Meinung Amerikas mit Dem. Ziele, auf Mexiko einen gewissen moralischen Druck auszuüben und so die Nichtanwendung der R e l i g i o n sgesetze in Mexiko zu erreichen. Die gegenwärtige mexikanische Regierung wurde von dem Redner als kommunistisch bezeichnet.
politische Rundschau.
Deutsches Reich.
Deutsch - tschechische Grenzregulierungsverhandlungen.
Im Berliner Auswärtigen Amt sind zwischen deutschen und tschechoslowakischen Regierungsvertretern die Verüandlunaen wieder aufaenommen worden, die im