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Hersfel-erTageblatt hersfelöer Kreisblatt Amtlicher Mnzeiger für den Kreis hersfelS mit den Beilagen: Heimalschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche TageSfragen.

: MonatlicherVezugspreis: Durch Siepost bezogen 1.00 : Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Bersfelö 1.00 Reiche-Mark bei freier Zustellung, für Abholer i 0.80 Reichs-Mark.:- Druck und Verlag von Ludwig i Kunks Buchdruckerei in HersfelS, Mitglied des VDZV.

Nr. 20 Dienstag, den 25. Januar 1927 77. Jahrgang

England mobilisiert gegen China.

Das englische Kriegsministerium zieht Reserven für Jnfanterieformationen ein, um sie nach China zu entsenden.

Das deutsche Leserpublikum hat für die Dinge in China im allgemeinen herzlich wenig übrig, aber selbst der uninteressierteste Mensch muß sein Augenmerk in letzter Zeit doch etwas stärker den Dingen zuwenden, die sich im Fernen Asien abspielen. Es ist dort eine Lawine im Rollen, die immer stärkeren Umfang angenommen hat und die Grundfesten der englischen Vormacht­stellung in China erschüttert. Jetzt scheint es sogar, als ob die stärkste englische Stellung, die eigentliche Haupt­festung der englischen Vormacht, nämlich Schanghai, unmittelbar bedroht ist. Man wird sich daran erinnern, daß es vor etwa einem halben Jahr in dieser Stadt zu blutigen Kämpfen der Chinesen gegen die Engländer ge­kommen ist; doch war dies nur eine Volksbewegung, nicht der Angriff chinesischer Truppen selbst. Nun aber kommt die Kunde, daß aus England selbst nicht bloß Truppen­transporte nach China bereitgestellt werden, sondern daß sogar R e s e r v i st e n für die Verstärkung der ak­tiven Truppen eingezogen werden und abtransportiert werden sollen. Und noch weiter wird gemeldet, daß die englische Regierung außerdem noch aus Indien eine ganze Brigade nach China hinüberschaffen will. In dem wichtigen Hafen H a n k a u, von dem die neueste anti- englische Bewegung ausging, ist ja nur noch wenig zu machen; hier ist der englische Einfluß hoffnungslos zu­sammengebrochen. Aber selbst englische Zeitungen fürch­ten, daß Tschangtsolins Truppen, von denen gegnerische Generale schwer geschlagen worden sind, Schanghai un­mittelbar bedrohen werden, wo es schon wieder zu hef­tigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und soge­nannten Revolutionären gekommen ist und die Freiwil­ligenkorps aufgeboten werden mußten. Von überall her treffen neue Schreckensnachrichten ein, in Peking -TTerrrctjr'etnc Paml. kurz, die Lawine ichwillt immer stärker an.

Die Zeiten sind vorbei, da England im Opiumkrieg China durch einen mühelosen Feldzug seinen Willen auf­zwingen konnte. Die Zeiten sind auch vorbei, da eine Reihe europäischer Staaten vereint mit Japan in voller ' Geschlossenheit die Boxerunruhen zu unterdrücken vermochte. Denn alles andere als Einigkeit herrscht zwischen den Mächten, die an China und in China inter­essiert sind. Es scheint jetzt auch wirklich so, als ob namentlich Tschangtsolin, der ja aus der Man­dschurei kam, nicht ohne die materielle Unter­stützung Sowjetrußlands vorgegangen ist, doch hat das mit Bolschewismus nicht das geringste zu tun, sondern es handelt sich hier lediglich um einen Kampf um die Macht. England weiß ganz genau, daß es mit mili­tärischer Macht sich gegenüber einem einheitlichen Willen des Vierhundertmillionenvolkes nicht mehr wird durch­setzen können. Gelingt es erst Tschangtsolin wirklich, sich im ganzen China durchzusetzen, dann ist auch ein Führer da, der diesem einheitlichen Willen Richtung gibt. Daß das nichts anderes als das Ende der englischen Vor­machtstellung in China bedeuten würde, darüber ist man sich in London klar. Ein kleines Zeichen dafür, wie be­drohlich die englische Regierung die Lage ansieht, ist auch, daß kürzlich der Ministerpräsident bei der Beratung der chinesischen Entwicklungen die Führer der beiden Opposi­tionsparteien, also Lloyd George und MacDonald her­angezogen hat. Der Ministerpräsident B a l d w i n wird von dieser Seite auch gewiß nicht den geringsten Wider­stand gegen den nunmehr eingeleiteten Versuch finden, mit militärischen Mitteln von dem englischen Einfluß in China zu retten, was noch irgendwie zu retten ist. Daß man in Hankau hat nachgeben müssen,

daß auch jetzt der Generalstreik der dortigen eng­lischen Geschäftshäuser, der durch die Entlassung sämt­licher bei ihnen beschäftigten chinesischen Arbeiter und Angestellten geführt wurde, nunmehr, und zwar sehr schnell zusammengebrochen ist, hat der englischen Stellung einen zweiten nicht minder harten Schlag versetzt.

Wir Deutschen können dieser Entwicklung gegen­über trotz allem Bedrohlichen ganz kühl gegenüberstehen. Wir haben noch nicht vergessen, mit welchen Mitteln Eng­land während des Weltkrieges gegen die deutsche, rein handelspolitische Stellung in China vorging und dieses Sanb sogar zum Kriege gegen uns zwang. Jetzt erntet England die Früchte seines damaligen Tuns und da sich die chinesischen Angriffe nicht gegen die Deutschen richten, so haben wir keine Veranlassung, uns sonderlich auf- zuregen. ___________

Feinde der Cnispannungspoliiik.

Die Räumung des Rheinlandes.

Einen Beweis dafür, wie die Feinde der Briandschen Entspannungspolitik arbeiten, liefert der ehemalige Kriegsminister Maginot, der der intimste Freund Poincarös gewesen ist. Er äußert sich im Rahmen der vomEcho de Paris" angestellten Enquete über die Frage der vorzeitigen Rheinlandräumung und erklärt u. a., es gebe überhaupt keine wirtschaftlichen und

Das Programm der Kommeadea Regierung

Verhandlungen über

Marx' Regierungsprogramm.

Aussichtsreiche Besprechungen mit den Deutschnationalen.

Reichskanzler Dr. Marx hat am Montag die Ver­handlungen mit den Deutschnationalen über ihren Ein­tritt in die Reichsregierung ausgenommen. Den Be­sprechungen wohnten außer dem Reichskanzler, Reichs­außenminister Dr. Stresemann, Reichsarbeitsminister Dr. örauns Graf Westarp sowie die deutschnationalen Abge­ordneten Nippel, Wallraf, von Goldacker und Trevi- ranus bei.

Reichskanzler Marx hatte für die Beratungen ein ressortmäßig ausgearbeitetes Regiern ngspro- ; r a m m zugrunde gelegt. An der Ausarbeitung dieses Programms sind neben Dr. Marx auch die bisherigen Minister Dr. Stresemann, Dr. Curtius, Dr. Brauns und Dr. Bell beteiligt gewesen. In parlamentarischen Kreisen wird angenommen, daß diese Minister auch der nächsten Keichsregierung angehören werden. Der Programmes wurs sieht in der Außenpolitik die Fortsetzung der Locarnopolitik, loyale Mitwirkung Deutschlands im Völkerbund und die Fortführung d^r Außenpolitik Deutschlands in der bisherigen Art vor. Ein weiterer

finanziellen Vorteile, die eine Sicherheitsgarantie, eine Aussicht, den Krieg zu vermeide«, aufwiegen könnten.

Keine Sicherheitsgarautie sei soviel wert wie die | Beibehaltung der Besetzung des Rheinlandes. Die Zu­rücknahme der französischen Truppen gegen die Einrich­tung einer interalliierten Spezialkottrollkommission im besetzten Gebiet auszutauschen, werde nur ein Geschäft fein. bei, dem. di^WaLr-rsL^aeHuMt. würdso^ S^mür--, den eine tatsächliche Garantie gegen eine Illusion a u s t a u s ch e n. Maginot erklärt weiter, augenscheinlich im Namen seiner politischen Freunde, er sei nicht Gegner einer deutsch-französischen Annäherungs­politik. Man sehe in ihr im Gegenteil die sichere und un­erläßliche Grundlage für den europäischen Frieden.

Wir wären aber, so schließt Maginot seine Ausfüh­rungen, leichtgläubige Menschen oder Feiglinge, wenn wir die Vergangenheit vergessen wollten.

Die neuen Vorschriften über die MerfnchnngShast.

Erlaß des preußischen Justizministers.

Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Änderung der Strafprozeßordnung am 13. Januar 1927 gibt der preußische Justizminister Ausführungsvorschriften, in denen es nach dem Amtlichen Preußischen Pressedienst u. a. heißt: Die Verantwortung dafür, daß die für die Nachprüfung der Haftvoraussetzungen vorgesehenen Fristen gewahrt und die dort vorgeschriebenen Formen beobachtet werden, trägt neben dem Gericht die Staats­anwaltschaft. Sie hat durch geeignete Anträge aus die Wahrung der Fristen und die Beobachtung der Förmlich­keiten hinzuwirken. Dem pflichtgemäßen Ermessen der Gerichte ist es anheimgestellt, in welcher Form und in welchem Umfange Anträgen auf Beweiserhebungen, die die Freilassung des Verhafteten begründen sollen, zu entsprechen sein wird. Im Sinne des Gesetzgebers liegtes, daß den Anregungen, die anläßlich der Verhandlung hinsichtlich des Entlastungsbeweises gegeben werden, weitherzig und so schnell als möglich entsprochen wird. Auch abgesehen vom Haftprüfungsverfahren und der mündlichen Verhandlung, hat die Staatsanwaltschaft darauf, ob die Voraussetzungen der Untersuchungshaft fortbestehen, ihr dauerndes Augenmerk zu richten und Antxgge des Verhafteten auf Beweiserhebungen, die seine Freilassung begründen sollen, möglichst weitgehend und beschleunigt zu berücksichtigen. Die Staatsanwaltschaft hat in jedem Falle darauf zu achten, daß die Dauer der Untersuchungshaft in einem angemessenen Verhältnis zu der Bedeutung des Straffalles, insbeson- dere auch zur Höhe der zu erwartenden Strafe bleibt.

Stil neuer italienischer Lockspitzel verhaftet

Ausweisung der katalanischen Verschwörer aus Frankreich.

DerMatin" berichtet aus Nizza: Der Redakteur der in Paris erscheinenden faschistischen ZeitungCorriere degli Jtaliani", Sacci, teilte der Polizei mit, daß ein ge­wisser Canovi ihn in Paris habe überreden wollen, e i n Attentat gegen Mussolini zu verüben. Er sei zum Schein auf dessen Borschlag eingegangen und habe die Polizei in Nizza davon in Kenntnis gesetzt, da er Canovi für einen Lockspitzel halte. Der Polizeikom­missar hat, wie der Korrespondent desMatm" hinzu- fügt, nach kurzem Verhör auch diese Überzeugung gewon­nen. Canovi habe in Nizza den Direktor einer anderen

wichtiger Punkt des Programmcutwurfs sei der Schutz Der Republik gegen Organisationen, die auf einen stürz des gegenwärtigen Verfassungsstaates hinarbeiten, owie den Schutz der republikanischen Hoheitszeichen legen Verleumdung und Angriffe. In der Frage der Reichswehr wird in dem Programmcntwnrf Bezug genommen auf eine Erklärung des Reichskanzlers vom L7. Dezember vorigen Jahres, in der es hieß, daß Ange- jörigen der Reichswehr jedes Zusammenarbeiten mit wlitischen Verbänden verboten sei, daß die Annahme von »rivaten Geldspenden der Zustimmung des Reichswehr- ninisters bedürfe, daß ferner eine Liste der auf Privat- lertrag bei der Reichswehr angestellten Personen bis zum Lnde des Etatsjahres vorgelegt werden müsse und daß schließlich die Bestimmungen für das Ersatzwesen einer Prüfung, eventuell einer Änderung unterzogen werden ollen. Die Deutschnationalen brachten zu einzelnen Punkten des Programmentwurfs Ergänzungswünsche »or.

Die Verhandlungen sollen am Dienstag fortgesetzt «erden. Inzwischen haben die Unterhändler der Deutschnationalen ihrer Gesamtfraktion Bericht über das bisherige Ergebnis der Besprechungen mit dem Reichs­kanzler erstattet. Reichskanzler Dr. Marx soll nach den Beratungen am Montag sich dahin ausgesprochen haben, saß ihr bisheriger Verlauf als nicht ungünstig bezeichnet «erden kann.

I faschistischen Zeitung ausgesucht und von diesem geldliche Unterstützung erhalten. Beim Verhör habe Canovi ein­gestanden, daß er in der Tat im Solde der italie­nischen Polizei stehe und daß er das Attentat Sacci vorgeschlagen habe, um dessen Verhaftung herbeizusühren. Canovi wird bis zum Eintreffen von Weisungen aus Paris in Hast behalten.

----Der franzöfifche-Mimster- des Innern, Snrraut, hat gegen alle in das katalanische Komplott beri ckekten und »om Pariser Gericht verurteilen Personen, t - bereits in Freiheit gesetzt wurden, neu Ausweisungsbefehl er lassen. Dem Obersten Mc. la unb seinen Genossen wird i eine Frist von einem Monat gewahrt. Ricciotti Garibaldi nur eine solche von drei Tagen.

Die Wirren in Nikaragua.

Mexikanische Proteste gegen Nordamerika.

Der Führer der Liberalen, Sacasa, erklärte, er sei be­reit, zurückzutreten, falls Diaz auf die Präsidentschaft zugunsten einer dritten neutralen Persönlichkeit verzichte. Sacasa hat auch im Gegensatz zu Diaz das Vermittlungs­angebot Guatemalas angenommen.

In der Stadt Mexiko hat eine Massenversammlung stattgefunden, in der gegen den Imperialismus der Ver- sinigten Staaten gegenüber Lateinamerika Protest er­hoben wurde. Es kamen Flugschriften des Verbandes Der Antiimperialisten Nord- und Südamerikas zur Ver­teilung, in denen es heißt, China, Java und Indien- kämpften für die Freiheit. Auch Amerika, das vou Wall­street als große Kolonie behandelt werde, rebelliere. Mexiko nationalisiere den Grundbesitz, Nikaragua opfere sich für den Gedanken der nationalen Selbständigkeit auf. 5000 Personen haben an der Versammlung teilgenommen.

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Das Ministerium des Äußern von Mexiko gibt be­kannt, daß gegen 10 000 fremde Landbesitzer das Land­gesetz befolgt haben.

Deutscher Reichstag.

(258. Sitzung.) CB. Berlin, 24. Januar.

Aus der Tagesordnung steht die EinHelberatung des Ge­setzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten.

Abg. Rädel (Komm.) bezeichnet das Gesetz als ein Ktassen- and Kastengesetz. Er glaubt nicht, daß man das' Übel mit Polizeimaßnahmen aus der Welt schaffen kann und beantragt, schließlich die unentgeltliche Zulaffung bewährter Heilkundiger zur Behandlung.

Abg. Frau Dr. Lüders (Dem.) trat bei dem Widerspruch des Reichsrates gegen unentgeltliche Behandlung für eine Ver- billigung der jetzt viel zu teuren Kuren ein.

Abg. v. Ramin (Völk.) trat gegen das Behandlungs­monopol der approbierten Ärzte ein und meinte, wenn das Gesetz die Patienten zur Behandlung zwinge, müsse das Reich auch die Kosten tragen.

Abg. Frau Dr. Stegemann beantragte die Beseitigung des Ärztemonopols.

Abg. Dr. Beyersdörfser (Bayer. Vp.) erkannte oie Ver­dienste mancher Laien an. Hilfe bei Geschlechtskrankheiten sei aber nur mit den Methoden der Schulmedizin möglich.

Abg. Dr. Hilferding (Soz.) trat für einen Teil seiner Freunde für das ärztliche Behandlungsmonopol ein.

Angenommen wurde ein volksparteilicher Antrag, der anonyme und nicht genügend begründete Anzeigen über Ge­schlechtskrankheiten anderer nicht berücksichtigen will.

Zu § 7 der sog. Kurpfuscherparagraphcn wurde auf Antrag Bickes (D. Vp.) die Regierungsvorlage wieder hergestellt, so daß das ärztliche Behandlungsmonopol nicht nur auf die an­steckenden, sondern auf alle Geschlechtskrankheiten ausgedehm wird.

Abg. Limbertz (Soz.) bezeichnet diesen Beschluß als bU