Hersfelöer Tageblatt
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| wörtlich: Kranz Kunk in HersfelS.» Kernsprecher Nr. 8 | ^WJz^^k MNANATk Mk V^O Ur^lS ß^tSf^lV ! §""ks Buchdruckerei in Hersfelö, Mitglied des VVZV.
mit den Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Anterhaltung und Wissen Belehrung und Kurrweil / Wirtschaftliche Tagessragen.
Nr. 14
Dienstag, den 18. Januar 1937
77. Jahrgang
„Moralische Abrüstung."
Frankreich macht uns einen Vorwurf daraus, daß wir nicht „moralisch abrüsten". Auch P o i n c a r 6 warf es uns vor, als er die französischen Truppen in das Ruhrgebiet einrücken ließ. Und soeben erklärte eine Front- kämpservereinigung in Paris, die eine große Tagung abgehalten hat, Frankreich könne nicht auf die materiellen Friedensgarantien aus dem Versailler Vertrag verzichten, solange in Deutschland „dieAbrüstungderGeister nicht durch die Durchführung eingegangener Verpflichtungen eine bewiesene Tatsache fei". Deutscherseits wird man natürlich sofort erwidern, daß w i r die Verpflichtungen, die wir eingegangen sind, nicht bloß restlos erfüllt haben, sondern daß man darüber hinaus uns Leistungen auf- erlegt und von uns erpreßt, die weit über die Verpflichtungen des Versailler Vertrages hinausgehen.
„A b r ü st u n g der G e i st e r." Auch in Deutschland gibt es Kreise, die diese Abrüstung predigen und den Andersdenkenden einen Vorwurf daraus machen, daß sie nicht „abrüsten" wollen. Darüber hinaus gibt es sogar Leute, die es geradezu Frankreich empfehlen, an der Besetzung des Rheinlandes, an den Bestimmungen des Versailler Vertrages festzuhalten, solange Deutschland nicht moralisch abgerüstet habe. Der Führer der Demokratischen Partei in Deutschland, Dr. Koch, hat demgegenüber auf dem internationalen Kongreß der Demokratischen Partei in Karlsruhe, an dem auch Franzosen teilnahmen, das außerordentlich charakteristische Wort geprägt, das er den Franzosen zurief: „Schickt statt 60 000 Offiziere und Soldaten 60 000 Studenten nach Deutschland; diese werden Eroberungen machen, die fester und dauerhafter Natur sind."
Gewiß ist das Gefühl dafür, daß die Scheidung der Geister durch die Grenzen des Volkstums, durch die Grenzen überhaupt nicht mehr so schroff und fo unüberbrückbar sein kann, wie das früher der Fall gewesen ist, nicht mehr Alleingut einiger Weniger, sondern der -ÄSÄ 8 rechtigung nationalen Daseins und Lebens doch Interessen gibt, die über die nationale Begrenztheit hinausragen. Diese allgemeinen Interessen sind nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch ideeller Natur. Die Idee einer Befriedung ist an und für sich zu billigen, sofern sie davon ausgeht, daß das erste das Eigenleben der Nationen ist. Was für weite Streife die Friedensbestrebungen erschwert hat, ist der Umstand, daß man eben das Eigenleben der Nation zurückstellen will hinter der Verwirkichung der allgemeinen Idee des Friedensausgleiches. Für das natürliche Empfinden eines jeden Deutschen ist es eben unerträglich, daß auf dem Boden des Deutschen Reiches fremde Mächte „60 000 Offiziere und Soldaten" stehen haben, — und in diesem Empfinden sind sich alle Deutschen gleich von rechts bis links. Außerdem haben alle Deutschen die Empfindung und die Gewißheit, daß Deutschland so weitgehend, wie es in seiner Kraft stand, die Verpflichtungen erfüllt hat, die es übernahm, und daß es darum ein völlig unberechtigter Vorwurf ist, von uns eine „moralische Abrüstung" zu verlangen, obwohl wir den praktischen Beweis feil Jahren dafür geführt haben, daß wir eine „Revanche" nicht beabsichtigen.
überhaupt, — „Revanche" ist ein französisches Wort. „Rache" hat dem Deutschen immer ferngelegen und wird ihm immer fernliegen. Und wenn die Franzofen von Revanche sprechen, so mag daran erinnert sein, daß dieses Wort im politischen Leben als „Revanche pour Sadowa" austauchte, also Rache für das Geschehen von König- g r ä tz, das die Franzosen gar nichts anging. Erinnert werden mag auch daran, daß die Revanche für den Ausgang des Krieges 1870 eine französische Ehrenpflicht war, daß Jahr um Jahr die Statuen des Elsaß und Lothringens umkränzt wurden, solange, bis diese Gebiete wieder zn Frankreich gehörten.
Vielleicht könnten wir vergessen, was während des Krieges geschah, weil Krieg war. Aber wohl erst die nächste Generation wird vergessen können, was die Entente, Frankreich insbesondere, uns nach dem Kriege auf die Schultern legte. Es ist nicht leicht, zu vergessen, daß unter der Blockade während des Waffenstillstandes etwa 800 000 Deutsche des Hungertodes starben; es ist nicht leicht, darüber Hinwegzusehen, daß auf deutschem Boden fremde Truppen stehen, und es ist untragbar für uns, daß diese fremden Truppen mit deutschen Leben ungestraft spielen dürfen. Solange ist an eine „moralische A b r ü st u n g" nicht zu denken, als der Deutsche vom Bürgersteig heruntertreten muß, wenn er einem französischen Offizier begegnet.
Wir wissen, daß die Zeit vorbei ist, da Deutschland in eigener Kraft und in eigener Rüstung seinen Platz in der Welt behauptete; wir wissen, daß alle Länder rings um uns stärker gerüstet sind als wir. Darüber hinaus wünschen wir, daß das unerbittliche Ringen des Weltkrieges sich nicht wiederholen möge, und wir erstreben eine „Rache" nicht — aber wir sind es nicht, die Frankreich bedrohen oder bedrohen wollen, und wenn man von uns eine . „moralische Abrüstung" verlangt, so soll man die Voraussetzungen schaffen, unter denen eine solche Abrüstung überhaupt nur möglich ist.
M. Marx
Aussprache des Reichskanzlers
mit Parteiführern.
Eine Rede des Grafen Westarp.
Der geschäftsführende Reichskanzler Dr. Marx hat die Verhandlungen zur Bildung einer Regierung aufgenommen. Zunächst wird er versuchen, gemäß einem Beschluß der Zentrumssraktion des Reichstages eine Regierung der Mitte zu bilden. Dr. Marx empfing im Laufe des Montags den Vorsitzenden der Fraktion der Deutschen Volkspartei, Dr. Scholz, um sich von ihm über die Haltung der Deutschen Volkspartei zu einem Kabinett der Mitte unterrichten zu lassen. Weiterhin hatte Dr. Marx Besprechungen mit den demokratischen Führern Dr. Koch und Erkelenz. Eine Aussprache zwischen Dr. Marx und den Fraktionsführern der Deutschnationalen und der Sozialdemokraten foll erst dann stattfinden, wenn dem geschäftsführenden Reichskanzler die Ansichten der Deutschen Volkspartei über die Regierungsbildung zur Kenntnis gebracht worden sind. Eine besondere Rolle bei der Aussprache soll auch die Person des Reichswehrministers spielen.
Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei ist am Montag in Gegenwart des Parteiführers Dr. Stresc- mann zu einer Sitzung zusammengetreten, um über die politische Lage zu beraten. In dieser Sitzung berichtete auch Reichswirtschaftsminister Dr. C u r t i u s über seine Verhandlungen zur Herbeiführung einer Regierungskoalition der bürgerlichen Parteien. Der Vorstand sprach Dr. Curtius einmütig Dank und Anerkennung für seine
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Personalstansi und Kriegsbeschädigte.
Der Reichsfinanzminister hat dem Reichstag eine Übersicht über den P e r s o n a l st a n d vom 1. Oktober 1926 übersandt. Danach ist vom 1. April bis 30. September 1926 1. bei den Hoheitsverwaltungen eine Personalverminderung von 1173 Beamten, dagegen eine Personalvermehrung von 827 Angestellten und 6159 Arbeitern, 2. bei der Deutschen ReiÄsvost einschließlich der Reichs-
General Hsye in Breslau.
Der Chef der Heeresleitung, General Heye, besuchte die Stadt Breslau und besichtigte die schlesischen Regi
menter. Unser Bild zeigt General Heye nach der Ansprache an die schlesischen Kriegsteilnehmer.
druckerei eine'Personalvermehrung von 2484 Beamten nur eine Personalverminderung von 2924 Angestellten und 1083 Arbeitern eingetreten.
Der Reichsfinanzminister hat dem Reichstag ferner eine Denkschrift der Beratungsstelle für Aus - l a n d s k r e d i t e für die Zeit ihrer Tätigkeit vom 1. Januar 1925 bis zum 30. September 1926 zugehen lassen: Die Denkschrift gibt einen überblick über die zur Einschränkung der öffentlichen Ausländsanleihen getroffenen Vorkehrungen und über die Tätigkeit der Beratungsstelle.
Der Reichsarbeitsminister schließlich hat dem Reichstag eine Übersicht über die Ergebnisse der Z ä h l u n g der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und sonstigen Versorgungsberechtigten vom Oktober 1926 übersandt. Diese Zählung ergab 736 867 Beschädigte und 55 276 Kapitulanten, zusammen also 792143 Versorgungs-
verhandelt
Bemühungen aus und billigte die von ihm unternomme- nen Schritte. Er bedauerte, daß diese Verhandlungen vorzeitig zum Scheitern gebracht worden sind. Der Vorstand sah in Erwartung etwaiger neuer Vorschläge des Reichskanzlers Dr. Marx von erneuten Beschlüssen zur Lage ab.
Große Beachtung hat in politisch-parlamentarischen Kreisen eine Rede des Grafen Westarp gefunden, die der Führer der Deutschnationalen Volkspartei anf der 8. Reichsangestelltentagm der Partei hielt. Die Deutsch- nationalen, so sagte Graf Westarp, wollten vor allen Dingen der Jugend und der Elternschaft den christlichen Charakter der Schule und Erziehung sichern. Man dürfe nicht vergessen, daß die Zeit des Kaiserreichs eine Zeit des A u f st i e g s und des Glückes gewesen sei, und man müsse danach streben, wieder zu einer Staatsform z u k o m m e n , die a l l e n a t i o n a l e n K r ä f t e zusa inmenschließe und nach innen und nach außen zu vertreten verstehe. Die deutschnationale Forderung auf Befreiung Deutschlands von fremder Herrschaft müsse immer wieder erhoben werden, wenn der Weg dazu vielleicht auch noch lang sei. Denn das Vaterland und seine Freiheit seien das Allerheiligste auf Erden.
Nach längerer Debatte fand eine Entschließung einstimmige Annahme, in der der deutschnationalen Reichstagsfraktion der Dank für die Maßnahmen, die zum Sturz der Minderheitsregierung geführt hätten, ausgesprochen wird. Die Reichsangestelltentagung erwarte von der Reichstagsfraktion, daß sie sich jedem Versuch, erneut eine Minderheitsregierung ins Leben zu rufen, widersetze und jede Regierung, die sich nicht auf eine stütze,
Versorgungsberechtigte. Nach der Übersicht hat die Zahl der Rentenanträge zugenommen.
feste Mehrheit mit Einschluß der Deutschnatio mit allen parlamentarischen Mitteln bekämpfe
Frankreichs militärische Stoßkraft.
Militärische Ausbildung vor der Dienstzeit.
Bei einer in der Sorbonne abgehaltenen Veranstaltung des Nationalverbandes der Turn- und Sportvereine und der Vereine zur Vorbereitung auf den Militärdienst hat Kriegsminister P a i n l e v e eine Rede gehalten, in der er es als eine der großenLehrendesKrieg es bezeichnete, daß der Begriff der bewaffneten Nation zur Wirklichkeit werde. Wenn trotz aller unserer Bemühungen und gegen unsere Hoffnungen, so erklärte der Redner, eines Tages Frankreich ein Krieg aufgezwungen werden sollte, so würde dieser Krieg nicht durch ein aktives Heer zuzüglich einiger Reservisten geführt werden, sondern durch die Masse der mobil gemachten Reservisten selbst, die eine wirkliche nationale Armee bilden würden.
Die körperliche Ausbildung muß bereits in der Kindheit beginnen. Sie muß fortgesetzt werden während der Schulzeit und während des Fortbildungsschul- unterrichts. Im Gegensatz zur körperlichen Ausbildung wird die eigentliche militärische Vorbereitung lediglich für den erwachsenen Menschen in Frage kommen. Diese militärische Vorbereitung soll zumindest zw ei Jahre vor der Einstellung in das Heer beginnen mit dem Ziel, daß jeder, der zum Militär kommt, bereits körperlich durchgebildet ist, Märsche aushalten und schießen kann. Er soll durch diese Übungen der mili tärischen Vorbereitungszeit den Geschmack für freiwillig« Disziplin und für die gemeinsame Überwindung von Schwierigkeiten sowie den Geschmack an edlem Wettstreit gewinnen. Das ist das Ziel, das die Turn- und Sportvereine und die Vereine zur Vorbereitung aus den militärischen Dienst verfolgen müssen.
Der Veranstaltung wohnten der Präsident der Republik, Ministerpräsident Poincaro sowie die Präsidenten von Kammer und Senat bei.
Das Militärkomitee wünscht neue deutsche Vorschläge.
In Pariser politischen Kreisen sieht man mit großer Spannung der Sitzung des Versailler Militärkomitees entgegen. Man neigt der Anschauung zu, daß das Foch- Komitee die deutschen Vorschläge für unannehmbar erklären und weitgehende Änderungen verlangen wird. Man hält es für wahrscheinlich, daß General von Pawels; etwa acht Tage Zeit erhalten werde, um mit der Reichsregierung über die Ausarbeitung neuer Vorschläge zu beraten.
Französisch-rumänischer Dündnisverli J.
„BrückezwischendemOstenunddemWeste..."
Im „Journal officiel" und im rumänischen Staats- anzeiger ist der Text der am 10. Januar 1926 in Paris unterzeichneten und am 8. November ratifizierten französisch-rumänischen Verträge veröffentlicht.
Es handelt sich nach dem „Petit parisien" um drei Verträge, und zwar um 1. einen Bündnis- und