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HerSfeld (Wanderung durch die Rhön). Die Veranstaltungen des KreisauSschusseS für Jugend­pflege scheinen immer mehr Interessenten zu finden, wieder war der Turnersaal zum brechen vollbesetzt. Herr Rektor Zinn all wanderte mit uns an Hand farbenprächtiger Lichtbilder, bald am frühen Morgen, bald bet sinkender Sonne ausgenommen, durch die Berge der Rhön. Wir standen an der neu gefaßten Fuldaquelle, und jeder Hersfelder sollte einmal weilen an der Quellstelle unseres Heimatstromes. Die lieben Täler der Milseburg zogen vorüber, Kleinsassen mit dem Dichter Ludwig Nüdling, dessen feine Kinderlieber uns wieder packten, die Steinwand, Wachtküppel und Ebersbura Kreuzberg und Wasserkuppe mit Flieger- lager. Ist es möglich, daß selbst die Tafel auf dem Fliegerdenkmal von Narrenhänden bekritzelt wurde? Wir hörten von Schwarzerde und seiner Schule und von Loheland, von Gersfeld, sahen in Fulda die Michaelskirche aus der Karolingerzeit und den Dom, Schloß Bieberstein und HaselsteinPoppenlustig" und Btschhofsheim. Schüler und Schülerinnen boten uns unter Leitung von Frau Holzapfel einen Einblick in das orthopädische Turnen, der Schülerchor unter Leitung von Herrn Lehrer Garbortz sang passende Lieder. Herr Pfarrer Hilden sprach den Mit­wirkenden den Dank der stattlichen Versammlung aus und stellte das erfreulicherweise immer größer werdende soziale Verständnis der Hersfelder Jugend­gruppen für Kleinrentner und alte, arme Leute fest.

Hersfeld. Dem Kaufmann Hans Schreiber hier wurde heute die Rettungsmedaille am Bande verliehen. Schreiber hatte bekanntlich im Sommer v. Js. unter eigener Lebensgefahr ein Menschenleben aus den Fluten der Fulda vom Tode des Ertrinkens gerettet.

Hersfeld. In der Wehnebergerstraße wurde gestern morgen eine Frau von einem Radfahrer so unglücklich angefahren, daß sie zu Fall kam. Hierbei verletzte sich die Frau so schwer, daß sie mittelst Wagen in ihre Wohnung gebracht werden und sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Der schuldige Radfahrer, welcher sich um die Frau nicht weiter kümmerte, sondern weiterfuhr, ist in- zwischen festgestellt worden.

Hersfeld. (Der C o l u m b u s - Fi l m). Der Riesendampfer Columbus verkörpert den Wiederauf­bau der deutschen Schiffahrt und den hohen Stand der Schiffsbautechnik und Innendekoration. Das Schiff wurde in New-Aork an drei Tagen von mehr als 22 000 Menschen besucht und bewundert. Der neue Film zeigt den Bau des Schiffes von der Kiellegung bis zum Stapellauf in vollendet klaren Zeichenfilmen und ergänzenden Werftaufnahmen, die in Bremen, Bremerhasen und Danzig ausgenommen wurden. Der Betrieb des Schiffes gleicht dem eines Weltstadthotels er geht sogar in seinen Darbietungen für die Passa­giere weit darüber hinaus. So bot die Ueberfahrt nach New-Aork zahlreiche Motive für wundervolle Film­aufnahmen, die die Passagiere an Deck und in den eleganten Abendtoiletten beim Tanz belauschten und für die Ewigkeit festhielten Das, was den Film be- sonders wertvoll macht, ist die Vermittlung von Kenntnissen aus dem Maschinen- und Brückendienst. Ausgezeichnete Trickfilme erläutern die Einrichtung der Oelfeuerung, den Kühlmaschinenbetrieb und das Ansteuern der Küste mit Hilfe von Bojen, Backen und Leuchtfeuern. Hochinteressantes erfährt man auch über die haargenaue Orientierung eines Schiffes in dichtem Nebel mit Hilfe von Fernfunkzeichen. Die Vorführung findet am Dienstag, dem 18 Januar, abends 8.30 Uhr, in denHersfelder Lichtspielen" statt. Hierzu wird Herr Martne-Jng a. D. u. Dipl. Jng. Knoke-Hannover einen interessanten Vortrag halten

Hersfeld (Wie wird das Wetter?) Der bei England liegende Tiefdruckwirbel hat sich südwärts verlagert. Gleichzeitig beginnt im Westen und Nord- Westen der Luftdruck neu zu fallen. Es ist also auch weiterhin mit der Beeinflussung unserer Witterung durch TiefauSläufer zu rechnen. Vorhersage bis Sonntag Abend: Wolkig bis bedeckt, weitere Nieder- schlüge, Temperatur wenig geändert, meist südliche Winde. Witterungsaussichten bis Montag Abend: Fortdauer der unbeständigen Witterung.

Hersfeld. (Absenderangabe auf Brief­umschlägen) Das Reichspostministerium hat die Frist zum Aufbrauch der Umschläge, bet denen sich die Absenderangabe über den ganzen oberen Rand des Briefumschlages hinzieht, weiterhin bis zum 1. Oktober 1927 verlängert. Nach diesem Zeitpunkte sollen nur noch Briefumschläge verwendet werden, bei denen die Angabe des Absenders, sowie seine Fernsprechnummer, Telegrammschrift, sein Postscheck- und Bankkonto, Reklame usw sich aus die Rückseite oder das linke Drittel der Vorderseite beschränken. ES wird sich daher empfehlen, die vorhandenen Bestände einer Durchsicht zu unterziehen und für den Aufbrauch von Umschlägen, die dieser Voraussetzung nicht entsprechen, zu sorgen. Bei Neuanschaffung sollten nur Umschläge genommen werden, die der Vorschrift Rechnung tragen, um Schädigungen zu verhüten.

Nentershausen. Auf der SpatgrubeMünden" im VolksmundMartlingerode" genannt er­eignete sich ein schwerer Unglücksfall. Durch herab­stürzende Gesteinsmassen wurden zwei Bergleute verschüttet und konnten erst nach mehrstündiger Arbeit als Tote geborgen werden. Ein dritter wurde durch die Gesteinsmassen schwer verletzt und mußte nach Göttingen transportiert werden, während ein vierter mit leichteren Verletzungen davonkam.

Hüyfeld Ein seltenes Jagderlebnis hatte vor einiger Zeit ein junger Jäger, der noch nicht lange diesen Sport betreibt. Er hatte kein Jagdglück ge­habt und wollte nun wenigstens einen Christbaum mitnehmen. Deshalb stellte er die Flinte an einen Baum und suchte nach einer geeigneten Tanne. Plötzlich gab's im Busch hinter ihm ein Rascheln und Schneestieben Schnell wollte er seine Flinte holen, doch o Schreck! die Flinte war fort! Ein Rudel Wildschweine jagte durch die Schonung, und der letzte Schwarzkittel stürmte zwischen Flintenlauf und Trag, riemen durch. Die Flinte blieb hängen und der

Räuber floh mit der Waffe des Jägers. Erst 100 Meter entfernt streifte das Schwein die Flinte ab. Arg mitgenommen fand der Jäger sein Schießeisen) traurig und mißgestimmt marschierte er nach Hause. Aber wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Holzfäller hatten das Mißgeschick be- obachtet, und sie sorgten dafür, daß es unter die Leute kam. ;

Rosdorf (Kreis Göttingen). Durch unvorsichtiges Umgehen mit einem Terzerol hat ein elfjähriger Knabe seinem 19jährigen Bruder in den Kopf ge­schossen und sehr schwer verletzt. Der junge Mann wurde in die Klinik nach Göttingen gebracht, wo eine Operation vorgenommen wurde. Zer Zustand des noch bewußtlosen Verletzten ist sehr bedenklich.

Meschede. Die Hennesperre, eine der schönsten Talsperren Deutschlands fließt seit gestern infolge des anhaltenden Regens und der Schneeschmelze im oberen Sauerland über und stürzt ihre gewaltigen Wassermassen unter weit hörbarem Getöse die 60 Meter hohe Sperrmauer herab.

Nordhausen Vor dem Jugendgericht hatte sich die 16jährige Liesbeth Bilsing aus Hermannsacker wegen versuchten Mordes zu verantworten. Die Angeklagte gab zu, daß sie die Absicht gehabt habe, den 70jährtgen Witwer Schröder in Brettenstein, dem sie die Wirtschaft führte, mit Creosot zu ver. giften. Die Bilsing gab an, daß sie von Schröder häufig mißhandelt worden sei. Auch eine Erbschaft von 1000 Mark, die ihr von ihrem Dienstherrn zu- gesichert worden sei, habe sie zur Tat angelockt Schröder aber bemerkte rechtzeitig den Plan, und er- stattete Anzeige gegen Bilsing. Der Staatsanwalt beantragte 1V2 Jahre Gesängnis. Das Gericht hielt die Angeklagte des versuchten Mordes für schuldig, ging über den Antrag des Staatsanwaltes hinaus, lehnte eine Bewährungsfrist grundsätzlich ab und ver. urteilte die Bilsing zu zwei Jahren vier Monate Gesängnis.

Zella-Mehlis. Heute früh nach 7 Uhr fuhr hier ein Güterzug auf den von Meiningen nach Zella» Mehlts verkehrenden Verfonenzug auf. Einige Reisende wurden leicht verletzt. Von dem Güterzug entgleisten einige Wagen.

Schmalkaldeu. Der verschiedenfach seinen Eltern entlaufene 22jährige Wahl aus Zella-Mehlis erschoß sich nachts im Klosett eines Kaffees, nachdem er eine gehörige Zeche gemacht hatte. Im Anschluß an diesen Borfall sammelte sich eine betrunkene Menschenmenge auf dem Lutherplatz. Die erregten Diskussionen führten zu drei Schlägereien, die sich teils bis zum Neumarkt, teils bis zur Auergaffe fortsetzten. Die Polizei hatte einen schweren Stand gegenüber den Ruhestörern. Eine Anzahl von diesen wurde fest, genommen.

Kah und Kern.

O Das Projekt des Hindenburg-Hauses. Der Deutsche Ostbund beabsichtigt, zum 80. Geburtstag des Reichsprä­sidenten im Berliner Tiergartenviertel ein Hindenburg- Haus zu errichten, in dem sämtliche Organisationen der Ostmark Räumlichkeiten erhalten sollen und in dem auch ein H i n o e n-trtt rg - M n f c n m vorgesehen ist. "Dev Berliner Architekt Franz Joseph Weiß hat bereits ein Projekt ausgearbeitet, das ein sehr charakteristisches Hoch­haus in Vorschlag bringt. Der Verwirklichung dieses Ent­wurfs stehen aber noch einige Schwierigkeiten entgegen.

O Stillstand des Hochwassers. Da der Regen nachge­lassen hat und die Temperatur etwas gesunken ist, ist in dem Steigen der Flüsse ein Stillstand eingetreten. Der Rhein geht langsam zurück. Auch für die Mosel wurde aus Trier ein Fallen des Wassers gemeldet. Ähnlich lauten die Meldungen über die Lahn. Die Hochwasser­gefahr ist als beseitigt anzusehen.

O Ein Eismeldeschiff in der Ostsee. Im vorigen Winter waren mehr als zwanzig deutsche Schiffe infolge plötz­licher Vereisung im Finnischen Meerbusen festgehalten worden und mehrere Wochen hindurch in eine gefahrvolle Lage geraten. Um einer Überraschung durch plötzlich auf­tretendes Eis entgegenzuwirken, soll nunmehr ein vom Reichsverkehrsministerium gestelltes besonderes Eismelde- schifs stationiert werden, das alle erreichbaren Meldungen von Landstationen, Eisbrechern und Schiffen sammelt, um die gesamte Schiffahrt im nördlichen Teil der Ostsee von etwaiger Eisgefahr zu benachrichtigen.

O Während der Unterhaltung vom Zuge erfaßt. Auf dem Bahnhof Groß-Weissand wurde ein junges Mädchen, welches sich bei dem überschreiten der Gleise mit seinen Freundinnen weiter unterhielt, von einem Zuge erfaßt und getötet.

O Ein dreijähriges Kind erschießt die Mutter. In sträflichem Leichtsinn war dem dreijährigen Söhnchen der Eheleute Behn in Boock (Kreis Randow) von den Eltern ein Revolver zum Spielen überlassen worden. Man glaubte, die Waffe sei entladen. Plötzlich krachte ein Schuß. Die Mutter wurde getroffen und so schwer ver­letzt, daß sie bald nach ihrer Einlieferung in das Stettiner Krankenhaus starb.

O Ein Opfer seines Berufes. Ein Arbeiter, der im Keller eines Hauses in Dessau mit der Reparatur der Gasleitung beschäftigt war, wurde infolge ausströmen- den Gases bewußtlos und konnte nicht mehr zum Leben zurückgerufen werden.

O Schwere Bluttat im Rausch. In Schwarza schoß in einer Gastwirtschaft ein Angetrunkener auf einen Bank- vorsteher aus Meiningen, der mit einigen anderen Herren in einem Schwarzaer Gasthof abgestiegen war. In schwerverletztem Zustande wurde der Bankvorsteher in das Krankenhaus gebracht. Der Täter wurde fest­genommen und dem Gerichtsgefängnis zugeführt.

O Verhinderung eines Eisenbahnunglücks. Auf der Reichseisenbahnstrecke SchöningenEisleben brach zwi­schen den Stationen Schöningen und Offleben plötzlich zwischen den Gleisen der Bahndamm im Umfang von mehreren Metern in sich zusammen. Die Ursache ist ver­mutlich Unterspülung durch den Regen der letzten Tage. Ein schon abgelassener Personenzug konnte durch die Auf­merksamkeit des Streckenwärters kurz vor der Damm­bruchstelle zum Halten gebracht und später umgeleitet werden. Etwa vier Stunden waren beide Gleise der Strecke gesperrt. Seitdem konnte der Verkehr wieder not­dürftig aufrechterhalten werden.

Börse und Handel.

Amtliche Berliner Notierungen vom 14. Januar.

Börsenbericht. Die Geschäftslage war etwas ruhiger als an den Vortagen. Die Kurse waren im allgemeinen behauptet. Ungewöhnliche Kurssteigerungen waren bei Vereinigte Glanz- stoff zu verzeichnen; man sprach von Aufkäufen einer inter­essierten Gruppe. Am Geldmarkt gingen die Sätze etwas zurück, und zwar tägliches Geld auf 35 %, monatliches Geld aus 5% bis 6% %.

* Devisenbörse. Dollar 4,204^1; e n g l. Pfund 20,4120,46; h o l I. Gulden 168,13-168,55; D a n z. 81,47 bis 81,67; sranz. Frank 16,7216,76; schweiz. 81,08 bis 81,28; Belg. 58,5058,64; Italien 18,4018,44; schwed Krone 112,35112,63; d ä n. 112,15112,44; n o r w e g. 107,85 bis 108,11; tschech. 12,4612,49; östcrr. Schilling 59,30 bis 59,45.

* Produktenbörse. Leichte Abschwächungen Nord- ui.o Südamerikas für Weizen wie für Roggen haben auch hier die Geschäftslage etwas ruhiger gestaltet, ohne daß sich in der Situation selbst etwas geändert zu haben scheint. Vom Jn- lande bleibt das Angebot von Brotgetreide klein und das Interesse für Auslandsgetreide, besonders für argentinischen Roggen und Weizen, hat sich nicht vermindert, wenn auch die Käufer vorsichtiger geworden sind. Die Anfangspreise im Zeitgeschäft stellten sich für Weizen 14% Mark niedriger, für Roggen teils 14114 Mark billiger, teils behauptet.

Letzte Nachrichten.

Reichserlaß gegen die militärische Betätigung von Verbänden.

Berlin. Der Reichsminister des Innern hat an die Landes­regierungen ein Rundschreiben gerichtet, in dem diese ersucht werden, in allen Fällen, wo Nachrichten über eine militärische Betätigung von Verbänden austauchen, mit Nachdru- alle zur Aufklärung des Sachverhalts erforderlichen Schritte zu tun und insbesondere unverzüglich die notwendigen polizeilichen Ermittlungen anstellen zu lassen. Ergeben die polizeilichen Er­mittlungen eine tatsächliche militärische Betätigung, so sind die Vereinigungen aufzulösen. Ergeben die Ermittlungen immerhin einen Verdacht nach dieser Richtung, so ist der betressende Verband unter Hinweis auf die gesetzlichen Bestimmungen ausdrücklich zu verwarnen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst dazu mitteilt, erklärte der preußische Minister des Innern, Grzesinski, daß er im Falle der Zuwiderhandluitg gegen die gesetzlichen Bestimmungen durch Auslösung der be­treffenden Vereinigungen unnachsichtlich einschreiten werde.

Die deutsch-polnische« Verhandlungen.

Berlin, über die am 7. Januar wieder aufgenommenen deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen erklärte der Chef der deutschen Delegation, Staatssekretär Dr. Lewald, dem Berliner Vertreter des Oberschlesischen Kuriers gegenüber, daß deutscherseits das ehrliche Bestreben vorliege, zu einem Abschluß der Verhandlungen zu gelangen. Entsprechend den bisher abgeschlossenen Handelsverträgen werde auch bei diesen Verhandlungen neben zolltariflichen Fragen die Rege­lung der Rechtsstellung physischer und juristischer Personen ge­fordert, und zwar gegen das deutsche Zugestädnnis, nur die Niederlassung zu wirtschaftlichen Zwecken tu Sie Bestimmungen aufzunehmen. Der Ausgleich wirtschaftlicher Interessen auf zolltariflichem Gebiet sei nur durch gegenseitige Konzessionen möglich, die nötigen Opfer müßten von beiden Seiten getragen werden. ,

Berlin. Im Hauptausschuß des Preußischen Land­tages nahm bei der Vorberatung des Landwirtschaftshaus­halts Landwirtschaftsminister Steiger zu eingehenden Ausführungen über die Lage Mr Landwirtschaft das Wort. Er wies darauf hin, daß die Finanzlage des Staates keine Erhöhung der Aufwendungen für die landwirt­schaftliche Verwaltung ermöglichte. Der Minister teilte mit, daß aus den preußischen und den Reichsmitteln bereits 145740 Morgen für Siedlungszwecke angekauft seien. Die Forderung, eine gesunde Bodenvorratspolitik zu treiben, würde also beachtet. Die landwirtschaftliche Verwal­tung werde die Siedlung mit der Umsicht durchführen, wie sie im Gesamtinteresse verlangt werden müsse. Bei der Re­organisation der Landwirtschaftsschulen werde der fachliche Charakter stärker betont, aber auch den Forderungen der All­gemeinbildung mehr Rechnung getragen. Fcstzustellen sei, daß infolge des Rückganges der Mehreinfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse eine Besserung der Handelsbilanz im Januar/November 1926 gegenüber dem Vorjahre um 351 Mil­lionen sich ergeben habe. Die Kreditanspannung bei der Preußenkasse sei zurückgegangen, die Getreidelombardierung nicht notwendig geworden. Die Düngemittelkredite seien bis auf einen kleinen Rest zurückgezahlt, die Saatgutkredite für Ostpreußen und die im Sommer durch Hochwasser geschädigten Gebiete bis Ende 1927 gestundet. Aber außer diesen Beträgen sei noch ein Rückstand vorhanden von etwa 16 Mil- l i o n e n Mark, der noch abgedeckt werden müsse, während sich die gestundeten Saatgutkreditbeträge auf 15 Millionen Mark erstrecken. Zum Schluß führte der Minister aus, daß die Gesamtlage der Landwirtschaft zwar noch immer eine schwere sei, wenn auch einzelne Erleichterungen verzeichnet werden können. Infolge der jüngsten Zolltarifgesetzgebung und der schlechten Ernte seien die hauptsächlichsten Erzeugnisse auf den Weltmarktpreis gebracht. Das sei aber zum über­wiegenden Teil nur dadurch geschehen, daß der entsprechende Zollschutz da war.

Vereidigung der neuen sächsischen Minister.

Dresden. Der Wechsel in den Ministerien ist bereits er­folgt. Die beiden neu in das Kabinett eingetretenen Minister sind durch den Ministerpräsidenten Heldt vereidigt worden und haben ihre Ämter angetreten, nachdem sich Minister des Innern Müller und Wirtschaftsminister Müller von ihren Beamten verabschiedet hatten. Im Finanzministerium hat sich Minister Dr. Dehne ebenfalls von seinen Beamten verabschiedet und dann seinen Posten als Minister des Innern und stellver­tretender Ministerpräsident übernommen.

Neuer tschechischer Gesandter in Berlin.

Prag. Die Ernennung des tschechisch-agrarischen Abge­ordneten und ehemaligen tschechischen Gesandten in Washington Dr. Franz Chwalkovsky zum tschechoslowakischen Gesandten in Berlin gilt als sicher. Der bisherige tschechoslowakische Ber­liner Gesandte Dr. Krofta wird demnächst als Nachfolger Dr. Cirsas im Präger Ministerium des Äußern die Stelle eines bevollmächtigten Ministers und Vertreters Dr. Beneschs an- treten.

Amerika besetzt ganz Ailaragua.

N e w y o r k. Die Washingtoner Regierung hat ange« ordnet, daß die amerikanischen Truppen jede einigermaßen be­deutende Ortschaft auch im Innern Nikaraguas besetzen. Die amerikanische Presse veröffentlicht weiter Greuelmeld u n- gen aus Mexiko. So sollen in der Nähe von Mexiko wieder 16 Rebellen aufgehängt worden sein. Nach einer Mel­dung derAssociated Preß" ist es der mexikanischen Re­gierung ülu^av gelungen, die Putsche uiederzuwersen.