HersfelöerTageblaü
Reisfelder Kreisblatt
Amtlicher Mnzeiger für den kreis Hersfel- mit den Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes AnterhaltungSblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
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Nr. 5 Freitag, den 7. Januar 1S27 77. Jahrgang
China gegen England.
England hat schwere Sorgen. Durch seine geschickte Politik hatte es vor zwanzig Jahren durch den russisch- japanischen Krieg erreicht, daß dem Vordringen Rußlands in O st a s i e n, damit der allmählichen Umklammerung Chinas, ein Ende gesetzt und die russischen Ausdehnungsbestrebungen auch im Südosten Europas zurückgedreht wurden. Im Weltkrieg hat dann England es verstanden, auch den allmählich wachsenden deutschen Einfluß in China zu zerschmettern; der Zusammenbruch der Man- dschu-Dynastie hatte dann China wegen der sehr bald ausbrechenden Revolutionen und inneren Kämpfe zum Spielball der interessierten Mächte England, Nordamerika, Japan und Frankreich gemacht. Rußland schien ganz ausgeschaltet zu sein und die Mächte konnten China sogar zwingen, Deutschland den Krieg zu erklären. Aber auch hier verging bald die Frucht des Sieges, China er- ivachte zu immer stärkerem Bewußtsein eigener Daseinsberechtigung eines geschlossenen Volkes von mehr als 400 Millionen und die Schwierigkeiten für England wuchsen von Tag zu Tag. Als der offene Aufstand gegen die Herrschaft der Fremden ausbrach, war zwar noch ein gemeinsames Vorgehen jener Mächte zu erzielen, aber auch damit ist es jetzt vorbei.
Das vor einigen Tagen von England an die anderen Mächte gerichtete Memorandum, worin ein gemeinsames Vorgehen in China empfohlen wurde, stieß auf allgemeine Ablehnung. Da versuchte England nun eine Aktion von sich aus, die aber mit einem völligen Mißerfolg geendet hat. Denn es ist nicht nur in seinem Vorgehen isoliert, hat des ferneren damit auch den gesamten Haß der Chinesen, den es bisher wenigstens noch mit den Japanern teilen konnte, nun einzig auf sich gezogen, sondern sah sich überdies genötigt, seine Landungs- expedition zurückzuziehen und Hankau wieder zu räumen. Ganz bezeichnend ist, daß dort iveber die französischen noch die japanischen noch die amerikanischen Niederlassungen von der Menge angegriffen worden sind. Denn eine ^ol'sbeweauua «» §ä die sich hier auswirkt dinier den tet von den straff organisierten chinesischen Gewerkschaften, über deren Macht der englische Handel durch den überaus scharfen, schon seit langem andauernden Boykott die trübsten Erfahrungen gewacht hat. Das chinesische Militär, so kabeln englische Sonderberichterstatter aus Peking, sieht ruhig zu, wie die Gewerkschaften gegen den englischen Generalkonsul in Hankau vorgehen.
Aber für England stehen gewaltige Interessen auf dem Spiel und man geht mit der notwendigen Energie daran, sie zu schützen. Alle in den östlichen Gewässern Asiens befindlichen Kriegsschiffe sind in die Gefahrenzone beordert worden, besonders, weil man fürchtet, daß der Funke allzu leicht wieder nach Schanghai hinüberspringen könnte; Verstärkungen durch die anderwärts stationierten Seestreitkräfte sind vorgesehen.
Man sieht nun vor allem aber in England, wie schon bei den ersten Unruhen in China, als den Hauptstören-
Zu den Wirren in China.
srtetz niemanden anders als Sowjeirußiand an. Zweifellos ist richtig, daß Moskau die alte zaristische Politik, die russische Einflußsphäre nach China hin auszu- dehnen, allzugern wieder aufnimmt und so ganz unberechtigt werden die Klagen Englands, daß russische Agitatoren in China tätig seien, gewiß nicht sein. Angeblich soll e-s deswegen auch zu heftigen Auseinandersetzungen im englischen Kabinett selbst gekommen sein, weil ein Teil der Londoner Regierung ein Vorgehen gegen Sowjet-
Warte sortiert weitere Wüsten!
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Poincarö gegen Briand.
„Echo de Paris" hat angesichts der nicht zur Ruhe kommenden Gerüchte über Uneinigkeiten im Ministerium Poincarö und besonders über einen Konflikt zwischen Poincarö und Briand wegen der Frage der Politik von Locarno es für angebracht gehalten, sich an zuständiger Stelle selbst über diese Gerüchte zu informieren. Der Mitarbeiter des Blattes, Hutin, der gute Beziehungen zu Poincarö unterhält, erklärt zunächst, Poincarö habe die Gerüchte über angebliche Uneinigkeit in seinem Kabinett dementieren lassen.
Was die Absicht betrifft, sofort nach Wiederzusammen- trttt des Parlaments eine Interpellation über die auswärtige Politik und besonders die Politik der Annäherung an Deutschland und die Frage einer eventuellen vorzeitigen Räumung des linken Rheinufers hervorzurufen, so bin ich in der Lage, mitzuteilen, daß Poincarö persönlich der Erörterung dieser Interpellation sich widersetzen und nötigenfalls die Gründe bekanntgeben wird, wegen deren es ihm, obwohl er durchaus Anhänger einer Politik der Beruhigung und des Friedens ist, unmöglich erscheint, bei der gegenwärtigen Lage die Frage der Räumung der Rheinland- zone, die wir besetzt halten, aufwerfen zu fassen, solange rußtand verlangt, zum mindesten den Abbruch der bisher überhaupt noch nicht sehr eng geflochtenen diplomatischen Beziehungen. Die Entrüstung über die weitgehende Unterstützung der englischen Bergarbeiter während des Streiks spielt dabei natürlich auch eine erhebliche Rolle. Aber diese Entrüstung wird kaum zu praktischen Folgen führen, denn der Verlust des wirtschaftlichen Absatzes Englands in Rußland wird Made jetzt mehr gescheut als je. Im übrigen ist es seit langem englische Politrk, die Gründe für Aufstände und sonstige Regungen bei den asiatischen Völkern, soweit sie unter englischer Herrschaft oder englischem Einfluß stehen, immer wieder in angeblichen bolschewistischen Wühlereien zu suchen oder vielmehr so zu tun, als ob diese der Grund sind. Sofort, als die ersten Meldungen über die Zwischenfälle in Hankau kamen, tauchten auch schon wieder Londoner Meldungen über das angebliche Auftreten russischer Agitatoren auf.
England sieht sich hier einer Entwicklung gegenüber, der es jetzt wohl kaum noch mit Gewalt wird Herr werden können. Obwohl die inneren Kämpfe in China noch längst nicht erloschen sind, ist dort eine Festigung ganz unbestreitbar im Entstehen. Tschangtsolin, der von der Mandschurei her nach Süden vorgegangen ist, ist ein gewaltiger Machtfaktor und vielleicht wird es ihm gelingen, China wieder zu einigen und das Wort, das man über ihn gesprochen hat, er werde, wenn er die chinesische Mauer überschreite, ein gewaltiges Reich erobern, doch schließlich zur Wirklichkeit zu machen.
Ein Deutscher in Hankau verletzt.
Schürung zum General streik.
Wie jetzt bekannt wird, ist bei den letzten Ausschreitungen in Hankau auch ein deutscher Staatsangehöriger namens Burmeister verwundet worden. Er geriet, als er von einer Motorradfahrt heimkehrte, auf englischem Gebiet in eine demonstrierende Volksmenge, ohne von der Demonstration etwas gewußt zu haben. Durch Messer- stiche erhielt er zahlreiche Wunden. Der Außenminister der Kantonregierung hat dem deutschen Konsul sofort sein Bedauern über den Zwischenfall ausgesprochen und erklärt, daß die Regierung die Verantwortung für die Sicherheit der Deutschen übernehme und zu voller Genugtuung bereit sei.
Alle aus China eingetroffenen Meldungen deuten daraus hin, daß die Lage in Hankau noch immer außerordentlich ernst ist. Die Nationalisten versuchen, wie Reuter zu melden weiß, den Ausbruch eines General streiks Anfang Februar nach dem chinesischen Neujahr herbeizuführen. In Hankau veranstalteten Soldaten und Studenten unter Vorantragen von Fahnen singend und lärmend Umzüge durch die britische Konzession. Die chinesischen Redner beriutzlen als Tribüne das Denkmal zur Erinnerung an den großen Krieg, das mit Fahnen und werbenden Aufschriften der Nationalisten bedeckt war. Wie „Morning Post" zu melden weiß, ist auch das französische und das japanische Viertel von Hankau in unmittelbarer Gefahr, über die früheren deutschen und russischen Viertel lägen keine Berichte vor, doch glaube man, daß sie von den Südtruppen übernommen worden seien, ohne daß es zu Plünderungen gekommen sei.
Politik der mittleren Linie.
Dr. Külz über die innenpolitische Lage.
Auf der Landesversammlung der Deutschen Demokratischen Partei in Stuttaart hielt Reichsinnenminister
Deutschland nicht alle Bürgschaften gegeben h»l sowohl für unsere Sicherheit als auch für die Ausführung des Dawes-Planes. Briand hat übrigens im Ministerrat erklärt, daß diese Frage bei seinen Besprechungen mit Stresemann nicht erörtert worden ist. Sie wird auch unter den gegenwärtigen Umständen nicht weiter behandelt werden. Es scheint mir, daß auf diesem Gebiet wie auf den anderen Poincarö sicher ist, wenn er die Vertagung beantragt, die Zustimmung der großen Mehrheit der Kammer zu erhalten.
In seiner Artikelreihe gegen die vorzeitige Rhein- landräumung läßt, das „Echo de Paris" auch Millerand zu Worte kommen, der sich im Prinzip zwar für eine deutsch-französische Annäherung erklärt, aber unter der Bedingung, daß sie die französische Außenpolitik nicht be^ herrsche. Locarno fei ein großer Fehler o e - Wesen, da man nicht die d e u t s ch - p o l u i s v e Grenze garantiert habe.
Der Vorsitzende des Heeresausschusses der Französischen Kammer, General Girod, erklärt in einem Schreiben an den Chefredakteur des „Matin", daß der Heeresausschuß sich für die schleunige Verabschiedung des Gesetzes über die Heeresreform einsetzen und keine verschleppenden Maßnahmen dulden werde, da das Land und das Heer selbst dieses Gesetz forderten. Die Armee brauche eine neue gesetzliche Grundlage und man n sie ihr unverzüglich geben.
I ||,|| ......... ■ ''" —WHHHMM»— !f Taii,"^ Dr. Külz eine politische Rede, in der er ..u, ind innen politische Probleme der Gegenwart berührte.
Die Freiheit des Rheins sei uns eine Lebens- und Ehrenfrage. G e r m e r s h e i m sei im übrigen nicht nur für Deutschland, sondern auch für Frankreich eine unerträgliche Episode, die sich im Interesse beider Völker nicht Wiederholen dürfe. Bei der sozialen, wirtschaftlichen und des., deutschen, Volker sei.eine Kou. solidierung des staatlichen Lebens nur durch eine Politik der mittleren Linie zu erreichen. Aus einer solchen Linie müsse das Parlament die Regierung aber auch wirklich arbeiten lassen.
Die Konsolidierung unseres inneren staatlichen Verhältnisses verlangt ein Verbundensein auch der breiten Masse des Volkes mit dem Staate. Deswegen würden „Parolen" wie: Niemals mit der Sozialdemokratie! oder: Immer gegen die Sozialdemokratie! überaus verhängnisvoll wirken müssen. Daß die Reichswehr vom Stand Punkt der Pflichterfüllung mit dem Staate sich verbunden fühle, habe sie in schweren Stunden wiederholt gezeigt, jetzt gelte es, sie innerlich und seelisch mit dem Staate und der Deutschen Republik zu verbinden. Der endgültige Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden werde ein hartes Stück Arbeit sein. Er werde zwangsläufig das Problem der Verwaltungsreform in Fluß bringen, hier und da vielleicht auch an der Struktur des Deutschen Reiches nicht Haltmachen.
Liliputstaaten, deren Dasein nur auf dynastischer Tradition beruht und nicht auf innerer staatlicher Lebenskraft, hätten keinen Anspruch mehr auf Eigenstaatlichkeit. _______________
Die Verhandlungen über die Eniwaffnungssrage.
Vier strittige Punkte.
Das Reichskabinett trat am Donnerstag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers zu einer Sitzung zusammen, in welcher in Anwesenheit des Chefs der Heeresleitung, Generals H e y e, und des Generals v o n P a w e l s z die noch ausstehenden Punkte in der Entwaffnungsfrage erörtert wurden. Die Beratungen werden am Freitag fortgesetzt.
Wie es heißt, bestehen zwischen Deutschland und der interalliierten Militärkontrollkommission in der Frage des Kriegsmaterials noch vier Streitpunkte: 1. Schiffs- k e s s e l, hier verlangten die Alliierten, daß der deutsche Fabrikant sich überzeugen müsse, daß seine Lieferung nicht für Kriegsschiffbauten bestimmt sei; 2. Spezial- Maschinen irgendwelcher Art für Waffen- und Munitionsfabrikation sollen in Deutschland nicht fabriziert werden; 3. Halbzeugfabrikate sollen nicht exportiert werden, solange man nicht die Sicherheit habe, daß sie nicht für Rüstungszwecke dienen; 4. optischeApparat e, die zu kriegerischen Zwecken Verwendung finden könnten, dürfen weder ganz noch in einzelnen Teilen exportiert werden.
—In allen diesen Fragen stehe Deutschland auf dem Standpunkt, daß es ihm nicht obliege, die weitere Bestimmung der gelieferten Waren, die unter keinen Umständen unter den Titel „Rüstung" fallen könnten, zu prüfen, denn das laufe auf eine deutsche Waffen- kontrolleim Ausla.de hinaus. Deutschland sehe sich also genötigt, in allen Fragen ein Schiedsgericht zu verlangen. ,
Nach dem „Petit Parisien" bestehen auch hinsichtlich