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Hersfelöer Tageblatt tzersfslSer Kreisblatt Amtlicher /lnzeiger für den Kreis hersfelS

mit den Beilagen: Heimaifchollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Anterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

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MonatlicherBezugspreis:Durchöiepostbezogenl.00 ; Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Kersfeld : 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer : 0.80 Reichs-Mark.: Druck und Verlag von Ludwig Zanks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VVZV. i **♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦*♦♦♦♦♦♦♦$

Nr. 4 Donnerstag, den 6. Januar 1027 77. Jahrgang

Barmst nn^ Genossen".

Es gibt wohl kaum eineAsfäre" in Deutschland, die so gewaltigen Staub aufwirbelte wie die B a r m a t-A n - g e l e g e n h e i t, die in einigen Tagen vor dem Schöifen- gericht Berlin-Mitte verhandelt werden wird. Ein Rielenprozeß und zu beneiden sind weder Richter noch Schossen noch Staatsanwälte. Mehr als 100 Zeugen sind Klon jetzt geladen, elf Angeklagte stehen vor ihren Richtern. Hinzu kommt noch, daß gegen einen Verstor­benen, den Reichspostminister Höfle, sozusagen auch verhandelt wird.

Die Anklageschrift ein dickes Buch von 648 Seiten in Folu sormat, eine voraussichtliche Verhandlungsdauer von wohl wenigstens fechs Monaten ein Kolossal- gernülde ebenso größten wie unerfreulichsten Ausmaßes wird hier gezeichnet werden. Da fitzt neben den beiden ältesten Brüdern Barmat, die als kleine Schieber in Deutschland einwanderten und sich zu ebenso politisch wie finanziell bedeutenden Persönlichkeiten entwickelten, der Oberfinanzrat Hellwig von der Preußischen Staats­bank, beschuldigt der Untreue und schwerer Bestechung, sitzen Bank- und Versicherungsdirektoren, Rechtsanwalt und Kaufmann, Oberzollinspektor und Geschäftsführer, sitzt auch der Reichstagsabgeordnete Lange-Hegermann, we-l man ihn des Betruges beschuldigt. Bestechung und Betrug, Untreue und Depotunterschlagung, Kapitalflucht und Bilanzverschleierung das sind die Anklagepunkte. Ein wüster Knäuel von Vergehen und Verbrechen nnb doch ist das nicht das Letzte, was tiefe Erregung über die Barmat-Affäre in so weite Kreise hineinbrachte. Das ist vielmehr die überall sich hindurchziehende Ver­bindung vonPolitikund Geschäft, was noch erschwert wird dadurch, daß sich auf der einen Seite ein­flußreiche Beamte befinden, auf der anderen Geschäfts­leute besonders unerfreulicher Art, die den Zusammen- bruch der deutschen Währung bis aufs Letzte ausnutzten in selbstischem Interesse.

yer _st u i e $e r = =p i v ^ e y mit i^'äg*w> llen hat schon einen Ausschnitt aus deru Kolossalgemälde abgegeben; Parlamentsausschüsse haben sich abgemüht, Licht in die Dunkelheit zu bringen. Man wird sehr zu­frieden sein, daß man dort die mühsame Arbeit endlich aufgab, obwohl sich schon genug des Ungeheuerlichen Her­ausgestellt hatte. Jetzt kommt die ganze Sache vor die nüchternen, von keiner Parteilichkeit getrübten Augen des Berliner Schöffengerichts. Denn in jenen Ausschüssen hatte sich die Parteipolitik der Untersuchung bemächtigt und Gezänk drückte die eigentliche Behandlung immer mehr in den Hintergrund. In fast einjähriger Arbeit hat sich die gerichtliche Untersuchungsbehörde mit der Ent­hüllung und Entwirrung des Knäuels abmühen müssen, aber bisher drang kein Wort über das Ergebnis in die Öffentlichkeit. Erfreulicherweise. Denn nun kann sich jeder Zuhörer, jeder Leser des Prozesses selbst sein Ur­teil bilden.

Das Ganze ist die wohl größte, aber auch die viel­leicht am unangenehmsten duftende Blüte aus dem Jn- flationssumpf. Diese verschiedenen G. m. b. H- s und Aktiengesellschaften, diese Banken mit dem ganz gering­fügigen Stammkapital, aber desto wilderen Börsen- und Transaktionsmanövern, die Millionen- und Milliarden- emissionen, die man dann alsSicherheit" hinterlegte, um Kredit zu erhalten wer kennt die Männer, nennt die Namen! Dann diese weitgehenden Kreditgewährun­gen zu einer Zeit, in der fürchterlich hohe Zinsen bezahlt werden mußten von allen außer von den Barmats. Und dahinter die politischen Beziehungen zu Männern in öffentlicher Stellung, Bevorzugungen eigentümlichster Art, Fäden, die nach Holland, der Schweiz und Österreich reichen.

Alles das wird sich nun monatelang vor den prüfen­den Augen des Gerichts enthüllen. Auch durch diese Welle von Schmutz muß das deutsche Volk noch hindurch und wird erst dann wohl die ganze Tiefe des Abgrundes er­messen können, vor dem es im letzten Augenblick sich aus eigener Kraft errettete.

gütige Anruhsn m Mexiko.

Das neue Petroleumgesetz.

Nach Meldungen aus Mexiko sind in den letzten Tagen in verschiedenen Teilen des Landes Unruhen ausge- brochen. Durch Regierungstruppen wurden Revolten in Leon und Conception niedergeschlagen, dagegen sollen eitert 2000 Aufrührer die Hauptstadt des mexi­kanischen Silberdistriktes, Zacatecas, eingenommen haben. In P u e b l a ist es nach diesen Meldungen ebenfalls zu Zusammenstößen zwischen Aufrührern und Regierungs­truppen gekommen. Anscheinend handelt es sich bei allen diesen Unruhen um bewaffnete Gegenwehr katholisch- kirchlicher Bevölkerungskreise gegen Regie- rungsmaßnahmen. So wird z. B. aus Puebla berichtet, daß die Aufrührer mit dem Kampfrufe:Lange lebe Christus, der König!" die staatlichen Gebäude stürmten und die Beamten gefangennahmen.

Präsident C a l l e s hat den Handelsminister ange­wiesen, ihm die Namen der Firmen oder Einzelpersonen mitzuteilen, die nicht gemäß den Bestimmungen des neuen Petroleumgesetzes rechtzeitig um Bestätigung ihrer Schürfrechte nachgesucht haben, damit der Präsident gegen die Betreffenden Maßnahmen ergreifen könne, wie sie die Ration in einem solchen Falle zu ergreifen das Recht habe.

Kritische Lage in Hankau

Chinesische Vorstöße gegen England

Entsendung britischer Kriegsschiffe nach Hankau.

Trotzdem England in seinem Chinamemoraudstm den Chinesen in Aussicht gestellt hat, in Verhandlungen über einen stückweisen Abbau der Bevormundungspolitik China gegenüber einzutrecen, ist es neuerdings in Han­kau wieder zu englandfeindlichen Ausschreitungen ge­kommen. Diese Ausschreitungen wurden eingeleitet durch eine Massenversammlung, in derRache für die den Chinesen von den Engländern zugefügten Beleidigungen" gefordert wurde. Es wurden Beschlüsse gefaßt, nach denen die englischen Landungsabteilungen und Kanonen­boote entwaffnet und die Fremdenviertel erobert werden sollten. An der Massenversammlung haben auch Ver­treter der Regierung und sämtlicher Gewerkschaften teil- genommen.

Den Chinefen ist es dann gelungen, in die britische Konzession in Hankau einzudringen. Nach noch unbe­stätigten Meldungen sollen sie das Gebäude der Gemeinde­verwaltung der Konzession besetzt und die Briten aus der Konzession vertrieben haben. In der Konzession wird die Ordnung jetzt von chinesischer Polizei aufrechterhalten. Nach weiteren Meldungen haben die Chinesen verschie­dene englische GeschSftsunternchmen geschlossen und die Inhaber vertrieben. Ausländer, die sich in den Straßen zeigten, waren vor Strinwürfen nicht sicher, die von dem RufeTötet den fremden Hund!" be­gleitet waren.

Die englische offiziöse Nachrichtenagentur Reuter stellt die aus japanischer Quelle stammende Meldung in Ab­rede, daß die^Engländer aus der britischen Konzession

Die Michspost im November 1926,

starke Zunahme des Postscheckverkehrs.

Aus dem soeben veröffentlichten Monatsbericht der Reichspost für November 1926 geht u. a. hervor, daß der Postscheckverkehr mit 890 049 Konten und einem Guthaben von 569 Millionen Reichsmark einen bisher nicht er­reichten Umfang angenommen hat. Im Telephonverkehr sind 15 525 neue Sprechstellen eingerichtet worden. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer ist um 51000 gestiegen und betrug Ende des Monats 1337122. Die Einnahmen her Reichspost sind mit 142 Millionen Reichsmark gegenüber dem Vormonat um 8,5 % zurückgeblieben. Die Ausgaben betrugen 137 Millionen Reichsmark gegen 140 Millionen Reichsmark im Oktober.

G§geZr die Memlemdräumimg.

Ein französischer V p r st o ß.

Das in Paris erscheinendeEcho de Paris" beginnt in verschärfter Form die Propaganda gegen die Räumung des Rheinlandes aufzunehmen, indem es in einem langen Artikel die Bedeutung der Rheinlandbesetzung für Frank­reich darzulegen versucht. Das Blatt beginnt mit der Feststellung, daß bei Gelegenheit einer kürzlichen Sitzung des Obersten Kriegsrates Poincaro gefragt worden fei, ob etwa Verhandlungen über eine vorzeitige Räumung des Rheinlandes im Gangl- feien. Der Ministerpräsident habe darauf geantwortet, daß,so­viel er wisse", Besprechungen über diesen Punkt nicht stattgefunden hätten. Er habe jedoch bei den Mitgliedern des Kriegsrates darauf gedrängt, daß der Rat seine Arbeiten für eine Reorganisation einesstarken Heeres"

Be-

beschleunigen solle.

Pflichtbewußt habe der Kriegsrat der Regrerung gegenüber seine Auffassung mit Bezug auf die französische Politik gegenüber Deutschland zum Ausdruck gebracht. Noch in der Sitzung des Obersten Verteidigungsrates vom 2. Dezember habe Marschall Foch eine ernste Mahnung über die Folgen dieser Politik ausgesprochen. Das Blatt behandelt dann in allen Ausführungen die strategische Be­deutung der Rheingrenze bis in die kleinsten Einzelheiten. Ein Aufgeben der Besetzung des Rheinlandes, die für die französische Rückendeckung unerläßlich sei, würde dem französischen System der Kriegsvorbereitun­gen einen tödlichen Schlag versetzen.

Weiter wird ausgeführt, daß Deutschland niemals einen Krieg beginnen werde, der einen Teil der wert­vollsten Strecken seines Gebietes der Vernichtung aus- setze und bei dem seine Fabriken durch Fliegerangriffe ge­fährdet werden könnten. Zum Schluß wendet sich das Blatt gegen die Annahme anderer Garantien als Gegen­leistung für die Aufhebung der Besetzung. Jedes andere Mittel des Schutzes sei illusorisch.

Das Deutschem in Südamerika.

Wachsendes Ansehen Deutschlands im Auslande.

Reichskanzler a. D. Dr. Luther hielt im Vater­ländischen Frauenverein in Essen einen Lortrag über seine Südamerikareise. Einen breiten Raum in seinem Vortrag nähmen seine Ausführunaen über das Deutschtum in Süd-

tn Hankau vertrieben worden seien, gibt aber im übrigen das chinesische Vorgehen gegen die englische Konzession zu. Die englischen Behörden befürchten, daß jeden Augenblick wieder eine gefährliche Lage eintreten könne, die die A n - w endung v o n Ge w alt zur Räumung der Kon­zession notwendig machen würde. Die englische Marine- leitung hat sofort vier Kriegsschiffe uach Hau - kau zur Unterstützung der dortigen englischen Streit- krafte entsandt. Wie weiter bekannt wird, ist der ameri­kanische Gesandte in Peking, Murray, zu Besprechungen mit Coolidge und Staatssekretär Kellogg über die neue Lage in China nach Washington berufen worden.

Nach den in Schanghai eingetroffenen letzten Berich­ten sind in Hankau alle Frauen und Kinder ange­wiesen worden, sich auf die Schiffe zu begeben, um er­forderlichenfalls die Stadt verlassen zu können. Seitens der zuständigen britischen Behörden ist diese Nachrichi bisher nicht bestätigt worden.

Kampf um den Besitz von Schanghai.

Londoner Blättermeldungen aus Schanghai zufolge hat bei Fujang, etwa 100 Meilen westlich von Schanghai, der Kampf um den Besitz von Schanghai begonnen. General Suntschuansang hatte den Angriff auf die Kan­ton-Armee eröffnet und seine Truppen gegen ihre Stel­lungen jenseits des Tschientangflusses vorgeschickt, um dem erwarteten. Angriff auf Schanghai zuvorzukommen. Der Kampf dauerte einen ganzen Tag. Die ersten Ver­wundeten sind in Hangtschau eingetroffen. Man glaubt, daß die Schlacht sich bald auch auf die anderen Teile der Front ausdehnen wird.

amerita ein. Die-»meeik»«ifch«k-St«»Lr«^s» .Hob er hervor, würden in der nächsten Zeit ihre A n s i e d lungspolitik stark ausdehnen, woraus sich die Not wendigkeit großer Menschenzuführungen ergeben werde. Heute seien bereits allein in Brasilien eine halbe Million deutscher Kolonisten ansässig. In den übrigen Staaten habe er nur kleine deutsche Kolonien ge­funden. Stark entwickelt habe sich in sämtlichen Staaten der Zustand, daß die Deutschen mit dem Herzen an ihrem neuen Vaterland hingen, aber mit ihrem kulturellen Wollen doch Deutsche geblieben seien.

Dr. Luther ging dann auf die Kultur der deut­schen Schule in Süd amerika ein und schilderte den Kampf, der von den Ausländsdeutschen für Erhal­tung und den Ausbau derselben geführt werde. Dr. Luther gedachte der katholischen und evangelischen Geist­lichkeit, die ständig auf die Weiterentwicklung des deut­schen Wesens bedacht sei. Alljährlich würden von diesen große Opfer für die Schulen gebracht. Das sei der beste Beweis dafür, daß auch jenseits des Meeres treue Anhänger des Vaterlandes wohnten. Unbe- dingt müßte man die in den südamerikanischen Staaten ansässigen Deutschen als Werber für die deutsche Wirt­schaft und Kultur bezeichnen. Aus dieser Tatsache ergebe sich die Pflicht für das gesamte Volk, diese im Interesse des Deutschen Reiches liegenden Werte mit allen Mitteln zu pflegen. Überall hätten ihm warme Herzen entgegen­geschlagen; er habe niemals mehr als in den Tagen seiner Reife erkannt, wie notwendig es wäre, das Band zwi­schen den Deutschen im In- und Auslande enger zu knüpfen.

Anschließend sprach der Redner dann über die liebens­würdige Aufnahme, die ihm von allen städtischen und staatlichen Behörden wie auch von allen Teilen der Be­völkerung zuteil geworden sei. Er bezeichnete alle ihm entgegengebrachten Aufmerksamkeiten als einen großen Erfolg für das deutsche Ansehen im Auslande, das nach seinen Eindrücken von Tag zu Tag wachse und dein deutschen Volke auch in den Staaten Südamerikas Wege zu neuen wirtschaftlichen und kulturellen Beziehun­gen bahne. Nichts sei erstrebenswerter für uns, als für eine weitere Klärung der internationalen Beziehungen und für ein gemeinsames zweckmäßiges Schaffen der Völker einzutreten.

Mesenexplosion in Schweden.

1200 Kilogramm Dynamit entzündet.

In Grängesberg, dem bekannten Bergwerksort Schwedens, ereignete sich eine fürchterliche Explosion. In einem Hause, wo 1200 Kilogramm Sprengstoff aufbe­wahrt gewesen waren, entzündete sich das Dhnamit und richtete furchtbare Verwüstungen an den Gebäuden, die sich im Abstand von mehreren hundert Metern von der Explo­sionsstelle befanden, an. Auch ein anderes Lagerhaus, wo 20 000 Kilogramm Dynamit gelagert waren, wurde zerstört, so daß das Dynamit, das sich zwar nicht ent­zündete, in der Umgebung umhergestreut wurde. Glück­licherweise sind Menschenleben bei dieser Explosion nicht zu beklagen gewesen. Indessen sind die Auswirkungen der Explosion schon insofern beträchtlich, als fast sämtliche Häuser in einem Umkreis von- fünf Meilen ohne Fenster und Dächer sind, was bei der herrschenden Kälte von 20 Grad für die Bewohner sehr unanaenebm.