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Vehikel sichtbar: aus der einen Seite einer Riesentcue zeigen sich drei Räder, deren mittelstes ein Zahnrad ist. Oben aus der liegenden Tonne glänzen zwei Decke! und vorn erhebt sich ein mächtiger Schornstein.

Das war die erste Lokomotive, deren glückliches Zu­standekommen man am 1. Januar 1816 damit bildlich Sim Ausdruck bringen wollte. Sie war um die Jahres­ende noch im Bau, denn der Hüttendirektor Krieger hatte sie gegen Ende 1815 nach einem englischen Modell Invoer Königlichen Eisengießerei bauen lassen. Die letzten Zeilen der Inschrift der Karte lauten:In Künsten schasst es Schmuck und Nutzen, Die Eisenarbert segne Gott!" Am 9. Juli 1816 brächte eine Zeitung die Freudenbot­schaft:In der Eisengießerei ist auch seit einiger Zeit der neu ersundene Dampfwagen zu sehen, der sich im eisernen Gleis ohne Pferde und mit eigener Kraft der­gestalt fortbewegt, daß er eine angehängte Last von 50 Zentner zu ziehen imstande ist." Der Glückwunsch, den sich die Bürger von 1816 bei Jahresbeginn ins Haus schickten, war also mit der Geburt der ersten deutschen Lokomotive in Erfüllung gegangen. A. I.

Wind auf dem Mars. Die Astronomen'haben den Mars Ende Oktober anläßlich seiner größten Erdnähe wieder einmal genau untersucht, und einer von ihnen, der Amerikaner Pickering, der schon seit Jahren als ge­waltiger Marsrätsellöser bekannt ist, hat sich von neuem der sagenhaften Marskanäle angenommen. Pickering hat jetzt herausbekommen, daß diese Kanäle weder riesen­hafte Bauwerke noch Vegetationsstreifen darstellen, son­dern Windbahnen bezeichnen. Die Temperaturverhält­nisse auf dem Mars sind nämlich ein bißchen anders als die auf der, Erde. Es gibt da weit größere TeM'eratur- schwankungen, und die großen Temperaturunterschiede an den beiden Marspolen bis zu 70 Grad Säfte jjjr' y heißesten Zonen nur 1520 Grad Wärme bWUg^n heftige Strömungen der Atmosphäre. Es müssen, sagt Pickering, auf dem Mars Stürme und Orkane von einir Stärke, wie sie auf der Erde unbekannt sind, Herrscher!. Der feuchte Wind aber zieht Furchen von fabelhafter Ausdehnung in die Marsvegetation, und das sind die Linien, die wir in unserem astronomischen Unversicm. ' für Kanäle gehalten haben. Sagt Pickering. So daß also jetzt zu dem vielen Wind, den man schon seit langem um den Mars macht, noch der Wind auf dem Mars selbst hinzukommt.

Reptilienhaut ein Ersatz für Leder. Eine schweizerische Lederwarensabrik befaßt sich seit einiger Zeit in großem Maßstabe mit der Verarbeitung von Rep­tilienhäuten. Aus Westindien, Asrika, Südamerika ge­langen Tausende von Fässern mit eingesalzenen und ein­gepfefferten Häuten verschiedener Reptilien Schlangen, Eidechsen, Krokodile usw. in die Schweiz, um dort präpariert und zu allen möglichen Gegenständen verar­beitet zu werden. Die Fabrik besitzt beispielsweise Co- brahäute von über sieben Meter Länge. Nach einem be­sonderen Versahren werden die Häute in allen möglichen Farben und Farbenschattierungen gefärbt, so daß die Farbe vollständig in die Haut eindringt und nicht mehr, wie das bisher der Fall war, nur an der Oberfläche haftenbleibt. Auch in allen möglichen Metallfarben wer­den die Häute eingefärbt, und es werden daraus her­gestellt: Klubsessel, Damenjacken, Herrenkrawatten, Etuis, Reisekoffer, Damentäschchen usw. Auch die Schuhmode verwendet Reptilienhäute auf verschiedene Arten, so daß die Reptilienhaut vielfach bereits einen Ersatz für Leder darstellt. Ursprungsland dieser neuen Mode ist Amerika; von dort kam sie nach Paris, und nunmehr hat sie Aus­sicht, sich über ganz Europa zu verbreiten.

Die Vergangenheit der Staatspräsidenten. Ein Präger Blatt sucht festzustellen, was die republikanischen Staatsoberhäupter gewesen, aus welchen Berufsschich^u sie hervorgegangen sind, ehe sie an die Spitze des Staates.traten. Daß Hindenburg Soldat gewesen ist, weiß jedermann. M a s a r y k, der Präsident der Tschechoslowakei, stammt aus dem Proletariat. Sein Vater war Kutscher, er selbst war anfangs Mittel-, später Hochschullehrer. Dec österreichische Präsident Hainisch war eine Zeitlang Bnreaüschreiber; später wurde er

Landwirt. ^Frankreichs Staatsoberhaupt, D o u m ergue, war am Anfang seiner beruflichen Laufbahn Rechtsan- walt in Nimes. Auch P o i n c a r ö war Advokat. C o o - .

lidge, Amerikas Erster, hat ursprünglich Mathematik, dann die Rechte studiert und hieß als Advokat derAn­walt der Armen". Kemal Pascha war c:si Jurist, dann Rationalökonom und schließlich Militär. M o s i ck i, der Präsident von Polen, hat Chemie studiert und wurde Professor der Elektrotechnik. Auch sein Vorgänger W o i - ciechowski war Professor. Ein dritter polnischer Präsident, Paderewski, war bekanntlich vor seinem Amtsantritt berühmter Klavierkünstler und ist es jetzt wieder. Daß Friedrich E b e r t, der erste Präsident der Deutschen Republik, aus dem Handwerkerstände hervor- gegangen ist, ist bekannt.

Rückkehr zur Schmachtlocke. Schuld an allem hat der Herrenschnitt", der Herrenschnitt der Damen natürlich. Woraus man sofort ersieht, daß es sich wieder einmal um sie Frisur handelt. Die Friseure sind es, die plötzlich gegen das kurzgeschnittene Frauenhaar Stellung nehmen, nesclbcn Friseure, die noch vor einiger Zeit diese moderne Haartracht nicht angelegentlich genug empfehlen konnten. Fetzt haben sie merkwürdigerweise in dieser Haartracht in Haar gefunden. Sie wollen ein weiteres Verkürzen Der Frauenhaare nicht mehr zulassen und machen Front gegen die Berlinerin! Wahrhaftig, gegen die Ber­linerin, von der sie behaupten, daß sie mit ihrem Streben nach dem Herrenschnitt, das heißt: den ganz kurz geschnit­tenen Haaren, den an sich so schönen und praktischen Bubi­kopf gründlich verpfuscht habe. Gegen diese radikalen Sitten der Berlinerinnen erheben sich jetztwie ein Mann" die Pariserinnen und die Amerikanerinnen. Die Amerikanerin besonders neigt bereits zur Verlängerung

, des Haares und läßt es wenigstens bis zu den Schultern wachsen. Da von einem Ausstecken der Haare in diesen Kriegsberichten nichts erwähnt wird, wäre dies also die Rückkehr zur Schmachtlocke. Es bleibt abzuwarten, ob 1

diese Mode, die bisher nur für junge Mädchen in Frage kam, so allgemein wird, daß auch die reifere Frau mit , wallenden Locken herumspazieren kann.

' KröhUcher Zahreshegmu.

Gereimte Zeitbilder von Gotthilf.

In der Früh' am ersten Januar

Denkt kein Mensch mehr an das alte Jahr, Und du sagst verkaterten Gesichts:

Nee, für das Gewes'ne geb' ich nichts!" Wie das so in diesem Leben ist, Daß man das Vergang'ne rasch vergißt, Denn der Mensch ist schrecklich wetterwend'sch Ehrenwort! Jawohl, so ist der Mensch!

Nein," so trumpft er auf,ich bin kein Schaf, Heut' raubt keine Sorge mir den Schlaf Und mit ungeheurer Heiterkeit

Fang' ich heute an die neue Zeit.

Sagt mal selber, Kinder, steht's dafür, Daß man täglich kehrt vor andrer Tür? Daß man sich, dieweil man gräßlich flucht, Gegenseitig Kummerläuse sucht?

Blöd und salsch ist alles, wie man's macht, Ob man weint und greint und ob man lacht, Und man hat zuletzt nur einen Wunsch: Kellner, eine neue Lage Punsch!" Zwar Silvester, lieber Kronensohn, War denn das nicht gestern abend schon?

Schön! Dakapo! Feiern wir's nochmal, Schließlich ist das alles ganz eejal!

Lustig, Kinder, trinket Zug um Zug, 's graue Elend kommt noch früh genug, Ist es nötig, daß man grade steht, Wo sogar sich doch die Erde dreht?

In der Früh' am ersten Januar

Ruft man froh noch:Prosit, neues Jahr!* i Doch am zweiten wird der Kopf schon schwer » * Wenn doch bloß schon achtundzwanzig wär)

Das Rätsel von Hloltenbeeg.

13) Von fp von Vtumenthal.

Ich habe sie holen lassen, Herr Francois. Ich hatte am 9?ad}mittag entdeckt, wo die Juwelen waren. Es muß gegen sechs Uhr, kurz nachdem Sie Herrn Grenier aus der Terasse gesprochen hatten, gewesen sein, denn er war ins Haus gekommen und hatte sich in seine Studierstube eingeschlossen. Ich hatte, wie Sie wissen, überall nach den Juwelen gesucht, und plötzlich war mir die Idee gekommen, daß oben auf dem Büffet im Speisezimmer hinter dem Schnitzwerk viel Raum sei für alle Etuis. Ich versicherte mich, daß der Herr in seiner Studierstube mit Papieren hantierte, kletterte auf das Büffet und griff mit d'er Hand hinter das Schnitzwerk. Ich glaube, daß der ganze Schmuck dort war; jedenfalls berührte ich mindestens ein halbes Dutzend Etuis. Ich war natürlich in Angst, der Herr könne kommen und mich oben sehen und sprang wieder herunter, sobald ich mich überzeugt hatte, daß die Juwelen oben waren. Und was war nun zu tun? Obwohl der Herr kein Wort darüber gesprochen hatte, dachten wir alle an eine bevorstehende Verhaftung und nahmen an, er werde eines Tages durchgehen. Ich wußte, daß er selbstverständlich die Juwelen mitnehmen wolle, und schrieb Ihnen, Herr Francois, ein paar Zeilen, die ich dem Laufburschen einhändigte, um damit nach Virloine zu radeln Ich hatte mich gescheut, die gnädige Frau zu beunruhigen, weil ich wußte, daß sie nicht wohl war, aber alle Anzeigen deuteten auf eine rasche Abreise des Herrn, und da ich selbst nicht gerne die Juwelen berühren wollte, schrieb ich ihr doch und schickte den Brief durch Robert nach den: Pfarrhaus. Der Bursche brächte keine Antwort von ihr. Vermutlich wußte sie selbst noch nicht, was tun. Aber ich fühlte, daß sie kommen werde, und schaute nach ihr aus. Und kurz vor zehn Uhr kam sie. Sie war in großer Eile den ganzen Weg zu Fuß gegangen, um noch vor des Herrn Abreise einzutreffen. Er war noch in seiner Arbeitsstube, und während sie in das Speisezimmer ging, stand ich ihn der Halle ®^

Da öffnete nach wenigen Dtmuren be Herr die i Tür und schickte mich in den oberen Stock, um seinen ' Handkoffer zu holen. Ich wußte mir garnicht zu raten, aber der Herr stand und wartete, und ich mußte gehen. Als ich wiederkam und die Studierstube geschlossen fand, wollte ich schnell ins Speisezimmer schlüpfe , m die gnädige Frau zu war: jedoch bev kam plötzlich aus seinem Zimmer schickte ä, .h der Garage Ich hätte mich weigern m, weil ich wußte, daß er mich aus dem . iffen wollte, um im Speisezimmer die Juwerev zu holen. Ich hätte

Nachdruck verboten.

dableiben müssen, um der gnädigen Frau beizusteh-n. Aber nie hatte ich an eine Gewalttat gedacht. Ich glaubte, sie würden es in Worten äusserten, und mußte auch, daß der Herr das Erbgut nicht weg bringen konnte, bevor das Auto vor der Türe stand. Ich hoffte, es würde kommen, während sie stritten, und Kessel würde nicht abfahren, wenn die Herrin es ihm verböte. Aber was dann in Wirklichkeil geschehen ist, davon weiß ich so wenig, wie Sie. Als ich zur Halle zurückkam, war das Auto schon unterwegs, und als ich in das Speisezimmer kam, war der Herr tot, und die Juwelen waren weg und ebenso die gnädige Frau. Ich steckte das Taschentuch zu mir, uud konnte aber keine anderen Spuren von ihr entdecken. Hütte ich bemerkt, daß sie eines der Etuis vergessen hatte, würde ich es ebenfalls zu mir genommen haben. Ich wollte den Leichnam nicht berühren, da ich unschlüssig war, ob es besser sei, meine Entdeckung mitzuteilen oder sie andern zu überlasten, damit der gnädigen Frau Zeit zur Flucht bleibe. Deshalb schloß ich auch die Haustür ab, als ich zurückkam, trug den Handkoffer wieder hinauf und blieb ein Weilchen oben stehen, ehe ich es den Dienstboten sagte. Währenddessen hatte ich alles überlegt und mir klargemacht, daß ich zunächst zum Doktor schicken müsse. Du kannst nicht sicher sein, sagte ich mir, ob er tot ist, und wenn er gerettet werden könnte, und du hast es nicht versucht, bist du ein Mörder. Da kam Kessel zurück mit der Geschichte von einer jungen Dame in Schwarz und ich wußte wirklich nicht, was ich davon denken sollte. Halten Sie es für möglich, Herr Francois, daß das junge Mädchen es getan hat?"

Nein, sicherlich nicht."

Sagen Sie das nicht. Herr Francois," wandle flehentlich der Alte ein.Es ist die einzige Hoffnung, die uns bleibt. Sie schien falls es die gleiche ist, die hier vorgesprochen hat nicht zu der Sorte von Frauen zu gehören, denen so etwas zuzutrauen ist. Aber dann die gnädige Frau? Es muß die eine oder die andere gewesen feine"

Die eine oder die andere " wiederholte Francois stumpfsinnig. Mit äußerster Willenskraft suchte er der Uebelkeit, die wiedergekehrt war, Herr zu werden.

Sie sagten, meine Mutter sei jetzt im Besitz der Juwelen. Wissen Sie ba:> sicher, oder ist es nur eine Vermutung

Händeringend b teuerte Farne:Ich habe sie ge­sehen, Herr Francois."

Dann wissen Sie, wo meine Mutter ist?"

,Hg, Herr Francoi " versetzte der alte Hans-