HersfelSer Tageblatt
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1 hersfelöer Kreisblatt
j Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
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mit den Beilagen: Heimatfchollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach FeierabenS / Aerd und Scholle / Anterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
Rr. 305
Mittwoch, den 29. Dezember 1926
76. Zahrgang
Unsere Vottssrnähmng.
Vor ein paar Tagen sind die Ertragsziffern der deutschen Landwirtschaft für 1926 veröffentlicht worden; zu einer Enttäuschung geben sie keinen Anlaß, da man von vornherein mit einer beträchtlichen Bernnude- runa der Ernteerträgnisse rechnen mußte. Gegenüber der Rekordernte des Jahres 1925 sind denn auch die Ergebmpe um durchschnittlich 15 % geringer.
Wie unerfreulich das ist, braucht nicht besonders her- vorgeboben zu werden, weil ein derartig hoher Produktionsausfall nicht bloß ungünstig auf unsere Handelsbilanz wirkt, sondern uns wieder einmal von dem Ziel entkernt hat, soweit wie nur irgend möglich die Ernährung unseres Volkes aus eigener Kraft sicherzustellen. Reichsernährungsminister Dr. H a s l i n d e hat nun jetzt das modernste aller Propagandamittel, den Rundfunk, dazu verwandt, um vor einer Schar von Millionen Zuhörer darauf hinzuweisen, daß wir, um unsere politische und wirtschaftliche Selbständigkeit wiederzugewinnen, in erster Linie darum besorgt sein müssen, uns aus dem Gebiete der Volksernährung von der Macht und von der Spekillation des Auslandes möglichst unabhängig zu machen. Auch hat der Minister erfreulicherweise gesagt: Bei den öffentlichen Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft handelt es sich nicht so sehr um die Rettung eines bestimmten Gewerbezweiges, sondern um das volkswirtschaftliche Ziel der Erhaltung und Sicherung unserer Er- uübrungsgrundlage — hat aber doch darauf hingedeutet, daß die Landwirtschaft auch das größte deutsche „Gewerbe ‘ ist' Wissen doch selbst gebildetere Volksgenossen nicht bas geringste davon, daß die landwirtschaftliche Produktion den Wert der in deutschen Fabriken entstehenden Erzeug- Nisse weit übertrifft.
Manches läßt sich für die Selbständigmachung unierei f Ernährung erreichen, auch dann, wenn Witterung, Steuer- und Kreditnot das Ernte- und Betriebsergebnis des Land- ntiHbern—Set-Minister-derwies sSr allein auf du Förderung des Verbrauchs von Erzeugnissen der deutscher I Hochseefischerei, deren Erträgnisse so überreich!:« sind, daß wegen mangelnden Absatzes in Deutschland sc mancher deutsche Dampfer mit seinem Fang nach Holland oder England fährt. Dann erwähnte der Minister and die Bestrebungen, die sich gegen den geradezu Unheimlick anschwellenden Weizenmehlverbrauch in Deutschland richten, während wir in günstigen Jahren ohne weiteres in weniger günstigen aber bis auf einen geringen Ref unseren Roggenmehlverbrauch decken und uns dadurch von der übermäßigen W e i z e n e i n f u h r beträchtlich entlasten können.
Aber noch eine andere, wichtigere Frage im Kren der Agrarfragen berührte der Minister in seiner Runs funkrede: Nicht bloß der Arbeiter, sonden auch der Baue: hat das Recht, für seine Arbeit einen gerechten L o h l zu fordern. Harte Mühe, Sorgen und Enttäuschungei stecken gerade in der Arbeit des Landmannes. Allzu schnel ist der Städter mit dem Vorwurf des „Agrarwuchers' zur Hand, wenn der Landmann das Erzeugnis seine: Arbeit als Ware betrachtet, für die er halbwegs rentierende Preise verlangt, außerdem für seine Arbei Schutz vor dem übermächtigen, von Natur, Lage und , sonstigen Glückszufällen begünstigten Auslandswettbe werd. Aber es bleibt ein Rest dabei, nicht ganz und n u i Hz Ware ist die landwirtschaftliche Erzeugung, sondern hie: spricht die Verantwortung mit, die der Nährstand zr tragen hat. Das ergibt Pflichten besonderer Art.
Stadt und Land — ein Problem wichtigste: Art ist deren inneres und äußeres Verhältnis zueinander : - Stehen sie gegeneinander, so leiden beide, und wenn in neuen Jahre der Wunsch des Muisters, daß Erzeuge: und Verbraucher, Bauer und Arbeiter, Industrie unt Handel ihre wirkliche Jnteressenwahrung nur in eine: Arbeitsgemeinschaft finden können, als richtig erkannt wird wenn die Gegensätze sich mindern, dann wird nicht blos der Bauer, sondern auch der Arbeiter, nicht bloß der Er- K zeuger, sondern auch der Verbraucher die Früchte dieser gemeinsamen Vorwärts- und AnfwÄrtskomOens bei deutschen Gesamtproduktion pflücken.
Sörgerbloö ^«ReWtagsauflösung.
Die Frage der Regierungsbildung.
In der Öffentlichkeit hat man sich in den letzten Tagen wieder mehrfach mit der Frage der Regierungsbildung beschäftigt, wobei natürlich allerlei Kombinationen aufgetaucht sind. Gegenüber einer Darstellung des Demokratischen Zeitungsdienstes, wonach die Bestrebungen rechtsgerichteter Kreise darauf gerichtet seien, mit Hilfe der Deutschen Volkspartei ein Beamtenkabinett der verschleierten Rechtsregierung oder aber ein rechtsgerichtetes Minderheitskabinett zu bilden, schreibt die Tägliche Rundschau, der gute Beziehungen zum Reichsaußenminister Dr. Stresemann nachgesagt werden: , Tatsächlich liegen die Dinge so, daß voraussichtlich ein
! Mann der Rechten mit der Regierungsbildung beauftragt wird und daß man versuchen werde, ein Kabinett sämtlicher bürgerlichen Parteien zu bilden. Sollte dieser
AmMs Sitteroention in MeM
Große Erregung in Mielamerika.
Schwere Kämpfe in Nikaragua.
Berichte aus verschiedenen Teilen Südamerikas besagen, daß das Eingreifen nordamerikanischer Truppen in Nikaragua große Erregung gegen die Vereinigten Staaten ausgelöst habe. Das Staatsdepartement betont demgegenüber erneut, daß die amerikanischen Truppen lediglich auf den Schutz von Leib und Leben der in Nikaragua ansässigen amerikanischen Bürger (etwa 1000) bedacht seien. Die amerikanische Regierung ergreife weder für die eine noch für die andere der sich bekriegenden Gruppen Partei. Der Washingtoner Berichterstatter der „Times" meldet, alle zentral- und südamerikanischen Vertreter in Washington, mit denen er über die Landung amerikanischer Seestreitkräfte in Nikaragua gesprochen habe, hätten den Schritt der Vereinigten Staaten als „einen Fehler ersten Ranges" bezeichnet, der alles Gute, was in
gegenüber den Vereinigten Staaten wieder anwachsen lasse und den mexikanischen Einfluß in gewissen, am Karaibi-
Versuch und der Versuch, gegebenenfalls ohne Demokraten ein Kabinett zu bilden, mißlingen, fo werde wahrscheinlich wieder die Mitte mit der Neubildung der Regierung betraut werden müssen. Scheitere ein Kabinett auf diefer Grundlage im Reichstag abermals, bliebe wohl nichts weiter übrig als die Auflösung des Reichstags.
Interessant ist noch, daß Dr. Luther als die Persönlichkeit genannt wird, die die Leitung des vielumstrittenen Reichswehrministeriums erhalten soll.
Die Aufbahrung des Mikados.
Beisetzung Mitte Februar.
Die Leiche des Kaisers von Japan wurde in feierlichem Zuge aus dem Schlosse Hayama nach dem Palast in Tokio übergeführt. Eine unübersehbare Menschenmenge erwartete in der Hauptstadt ent- blößten Hauptes, zum Teil kniend, den Trauerzug. Die Leiche wird bis zur Beisetzung Mitte Februar im kaiserlichen Palast bleiben. Durch kaiserlichen Erlaß sind sechs Tage lang in ganz Japan alle Musikveraustaltungen verboten. Sämtliche Läden in Tokio sind geschlossen.
Aus Anlaß des Ablebens des japanischen Kaisers hat der it a l t e n i s ch e König ein 15tügige Hoftrauer an- Leordnet,
Heeresverstarkung um 135 Mann!
Der Heereshaushalt für 1927.
Der Heereshaushalt für das Rechnungsjahr 1927 hat die Zustimmung des Reichsrates gefunden und geht nun an den Reichstag. Er übertrifft den Haushalt von 1926 um 7,2 Millionen Mark. Ein sehr großer Teil der Mehrausgaben ist bedingt durch die seit dem 1. Juli 1925 (dem Ausstellungstage des Haushaltes 1926) eingetretene Erhöhung der Löhne und durch Preissteigerungen, sv daß der Haushalt 1927, an der realen Kaufkraft gemessen, hinter seinem Vorgänger zurückbleibt. Von den 7,2 Millionen Mark Mehrkosten entfallen allein 6,2 Millionen Mark auf Unterkunft, Bekleidung, Sanitäts- und Veterinärwesen, so daß für alle übrigen Zweige des Heereswesens nur ein Mehr von einer Million Mark zur Verfügung steht. Infolgedessen müssen sich viele Titel nicht t nur mit denselben Zahlen wie für 1926, sondern teil-
schen Meere liegenden Ländern nicht nur nicht ver ^Vern, sondern noch vergrößern werde. Auch der Berichc statter der „Morning Post" meldet, daß die Gesandten der zentralamerikanischen Republiken in Washington besorgt seien und die Ansicht verträten, daß die Vereinigten Staaten sich anschickten, wenn nicht dem Namen nach, so doch tatsächlich ein Protektorat über ganz Zen- tralamerika zu erlangen. Sie sähen darin eine flagrante Verletzung des Washingtoner S rages von 1923 mit den zentralamer-ionischen Staate .
Infolge strenger Ze» Maßnahmen i; s schwierig, genaue Nachrichten über • Lage in Nil an zu erhalten. Nach einer Reut neldung finden z: 'scheu dc Streitkräften der Liberal« und der Konserv K mehreren Tagen Kämpfe alt, in denen bestärke Verluste erlitt haben. Den Tru, Liberalen soll es gelunge, sein, mit Unterst hu» kanischer Freiwilliger die k o n s e r v a t i S c tröste zum Rüazug auf Bluefields zu g in- De Kommandant der Kriegsschiffe der Vereinigten Staate«, Admiral Lattimer, hat die Bezirke von Puerto Cabezas, Rio Grande, El Bluff und Bluefields zu neutralen Zonen erklärt. Innerhalb der Grenzen dieser Bezirke sind die Streitkräfte der beiden kämpfenden Parteien zu entwaffnen. Admiral Lattimer hat ferner vorgeschlagen, weitere nerrtrale Zonen einzurichten, um den Frieden in den Küstenstädten sicherzustellen. „Assveiated Preß" weiß zu berichten, Präsident D i a z habe mitgeteilt, er wünsche nicht, daß noch mehr Landsleute getötet würden. Um weiteres Blutvergießen zu verhindern, ziehe die konservative Regierung ihre Streitkräste vom Pearl . ' Lagoon zurück, wo seit mehreren Tagen ein heftiger _ Kampf im Gange war.
Abschluß eines Waffenstillstandes.
Die beiden in Nikaragua um die Herrschaft kämpfenden Parteien haben einen Waffenstillstand abgeschlossen, um die während der letzten viertägigen Kämpfe Gefallenen beerdigen zu können.
Amerikanische Miliiärflieger in Mexiko.
Reuter meldet aus Mexiko: Der Befehlshaber bet fünf amerikanischen Heeresflugzeuge, die aus ihrer Kreuzfahrt nach Südamerika hier eingetroffen sind, übergab dem Präsidenten Calles einen Brief von Präsident Coo- lidge. Der mexikanische Präsident wünschte den Fliegern Erfolg für ihr Unternehmen und sprach die Hoffnung aus, daß die freundlichen Beziehungen zwischen den beiden Nationen fortdauern möchten.
welje sogar mit geringeren Mitteln abfinden. Mit Zustimmung der Interalliierten Militärkontrollkommi m ist eine Heeresverstärkung von 135 Mann vorgeschlagen worden. Bei der Musik ist eine Vermehrung der Unteroffiziersstellen, im übrigen Heere eine Vermehrung der Obergefreiten auf Kosten der Gefreiten vorgesehen. Schließlich ist eine neue Oberleutnantsstelle geschaffen worden; die Mittel hierfür sollen durch den Verzicht aus den Staatssekretärposten gewonnen werden.
Keine Ausiveriung des Fernsprechbeitrags
Stellungnahme des Reichspostministeriums.
Das Reichspostministerium nimmt zu der Frage bes im Jahre 1920 den Fernsprechteilnehmern auferlegten einmaligen Fernsprechbeitrages, der für den Hauptanschluß 1000 Mark und für den Nebenanschluß 200 Mari betrug, Stellung. Nach den Ausführungen des Ministeriums kommt eine nachträgliche Aufwertung dieses Beitrages nicht in Frage, da sich — nach Ansicht des Reichspostministeriums — der Fernsprechbeitrag als eine Art Zwangsanleihe, die von der Aufwertung ausgeschlc"en sei oder jedenfalls als eine Art Abgabe oder Ergänz«,^s- gebühr öffentlich-rechtlichen Charakters, keinesfalls aber als Vermögensanlage im Sinne des Aufwertungsgesetzes darstelle. Den dem Standpunkte des Reichspostministeriums ungünstigen Entscheidungen des Landgerichtes Kiel und des Oberlandesgerichtes Hamm stünden zahlreiche für die Reichspost günstige Entscheidungen anderer Gerichte gegenüber. Eine Entscheidung des Reichsgerichts sei bisher noch nicht ergangen.
Schneestmm in Amerika.
Mehrere Todesfälle, große Obdachlosigkeit.
Wie ein Funkspruch meldet, ist über Newyork ein heftiger Schneesturm niedergegangen, bei dem neun Personen getötet und 20 verletzt wurden. Überschwemmungen in fast allen Staaten des Südens haben schweren Sachschaden angerichtet. Mehrere tausend Menschen sind obdachlos. Die Stadt Nash: in Tennessee ist am schwersten betroffen. Post- und Eisenbahnverkehr sind mehrfach unterbrochen. Bisher sind sechs Todesfälle zu verzeichnen. Die Negenfälle dauern fort