Hersfelöer Tageblatt Reisfelder Kreisblatt Amtlicher Mnzeiger für den kreis Hersfel- mit den Weilagen: Heimatschollm / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach FeibrabenS / Aerd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
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Nr. 304
Dienstag, den 28. Dezember 1626
76. Jahrgang
Ein Stück weiter.
Wieder sind ein paar Streitpunkte aus der Welt geschafft worden, die aus dem Gebiete der deutschen Entwaffnung liegen und über die man schon seit vielen Monaten ergebnislos verhandelt hatte. Ein ganz besonders großer Stein des Anstoßes war der Entente die deutsche Schutzpolizei gewesen, in der man den Kern eines künftigen Heeres mutmaßte. In der ganzen Zeit, seitdem die Sicherheits-, dann die Schutzpolizei bestand, konnte sie nicht zu einer wirklichen Ruhe kommen, weil fortwährend neue Eingriffe der Entente erfolgten, Umänderungen verlangt wurden, Zahl, Ausrüstung, Art der Ausbildung und Verwendung und die Organisation im allgemeinen nicht die Zustimmung der Botschafter- konferenz fanden. Jetzt hat man sich endlich zu einer Schlußregelung entschlossen und dabei die Gesamtzahl der Polizeikräfte aus 155 000 festgelegt. 105 000 davon umfaßt die staatliche Polizei, 35 000 die städtische; dazu kommen 15 000 Mann Hilfskräfte. Man weiß allerdings vorläufig noch nicht, wieweit die deutsche Regierung den Forderungen der Botschafterkonferenz nachgegeben hat, bei Der Organisation der Schutzpolizei die Kasernierung größerer Trupps aufzugeben und dafür eine weitgehende Verteilung in kleine und kleinste Wachen zuzusagen. Die Entente wird sich wohl auch davon überzeugt haben, daß Die Erzählungen über Die militärische Durchbildung der Schupobeamten nichts als Märchen sind. Freilich verlangt Der moderne Polizeidienst eine beträchtlich andere Ausbildung, als es bei der früheren Polizei der Fall war.
Das wesentliche dabei ist, daß die Schutzpolizei nun endlich einmal von der Entente in Ruhe gelassen wird. Diese ständigen Eingriffe in innerdeutsche Angelegenheiten sind immer untragbarer geworden; wir können verlangen, daß man auf unsere Zusagen vertraut, nachdem man die Streitfragen schon jahrelang geradezu an den Haaren herbeigeführt hat, weil man wirkliche Angriffspunkte eben nicht mehr fand. Das gleiche gilt von -XlLaL-Hwsitinr Vrrlangon- der Entonts;—Dtt—fagctrcttinim Weh rv'er bände aufzuheben. Die deutsche Regierung hat sofort bei Austauchen dieser Forderung darauf ver- wiesen, daß die Behandlung dieser Verbände eine inner- deutsche Angelegenheit im Rahmen Der deutschen gesetzlichen Bestimmungen hierüber sei. Diese gesetzlichen Bestimmungen resultieren aus dem Versailler Friedensvertrag und Die deutsche Regierung hat praktisch bewiesen, paß sie dort, wo nach ihrer Ansicht ein solcher Verband militärischen Charakter hatte oder erhalten hatte, zugriff und sofort mit einem Verbot einschritt. Gerüchte wollten wissen, daß in Thoiry der deutsche Außenminister Die Auflösung der politisch rechtsstehenden Wehrverbande zugesagt habe; dies war nicht der Fall, denn es wäre bei einer entsprechenden deutschen Gesetzesvorlage zu scharfen innenpolitischen Auseinandersetzungen gekommen. Jetzt bat sich die Entente mit Dem bestehenden gesetzlichen Zustand einverstanden erklärt, außerdem wohl ein deutsches Versprechen erhalten, wenn nötig, zu einer Ausdehnung der betreffenden Gesetzgebung zu schreiten.
In letzter Zeit war dann noch auf Grund angeblicher oder übertriebener Vorkommnisse von der Entente behauptet worden, in der Reichswehr erfolgten Em- ttellungen von Zeitfreiwilligen, also ohne Jnnehaltung der Verpflichtung zu der vom Versailler Vertrage und demgemäß durch deutsches Gesetz vorgeschrrebenen zwölfjährigen Dienstzeit. Der offizielle Bericht, bei über Die etzige Einigung mit der Botschafterkonferenz herausge- geben worden ist, berührt auch diese Frage der Einstellung in die Reichswehr, ohne aber sich näher darüber auszu- lassen, welche Zusagen seitens der deutschen Regierung erfolgt sind. Näheres darüber wird man erst erfahren, wenn in der ersten Januarwoche die entsprechenden Noten veröffentlicht werden. . . ^ ••
Bleiben nun noch einige schwierige Fragen, nämlich die der O st b e f e st i g u n g e n und der Ausfuhr von sogenanntem Kriegsmaterial. Immerhin ist es erfreulich daß wir ein Stück auf dem Wege vorwartsge- kommen sind, ohne daß wir anscheinend dabei allzu große Zugeständnisse haben machen müssen Am 31. Januar soll ja die Kontrolle über die deutsche Entwaffnung in der bisherigen Form abgebaut werden; noch aber ist nicht zu übersetzen, wann diese Einrichtung endlich ganz beseitigt fein wird.
Cin vorgeiäuschier AeHersall.
Französische Tendenzberichte.
zum
Die französische Agentur Havas verbreitete _ Weihnachtsfest eine Meldung, nach der zwei französische Soldaten beim Verlassen der Messe in der Mainzer Garnisonkirche von sieben betrunkenen Deutschen ohne Anlaß überfallen wurden, wobei der eine zu Boden geworfen, der andere leicht verletzt worden wäre. Diese Nachricht entbehrt indessen jeder Begründung.
Deutscherseits ist festgestellt worden, daß ein französischer Soldat, der in der Trunkenheit fernen Revolver verloren hatte, seinen Vorgesetzten, um einer Bestrafung zu entgehen, einen Überfall vorgetäuscht habe Es konnte bisher noch nichts festgestellt werden, was du französischen Behauptungen über einen Zwischenfall bestätigen könnte.
Die französische Meldung erinnert an einen ähnlichen
weckinW Trugen in MmW
Verschärfte Lage zwischen
Amerika und Mexiko.
Eine Gegen regierung in Nikaragua.
Das schon seit langer Zeit zwischen Amerika und Mexiko bestehende getrübte Verhältnis hat von neuem eine Spannung erfahren. Amerikanische Marinesoldaten sind in dem zu Nikaragua gehörenden Hafen Puerto Cabezas gelandet worden mit der Begründung, daß dort Leben und Eigentum amerikanischer Staatsbürger in Gefahr seien. Das Hasengebiet ist von dem amerikanischen Kommandanten als neutrale Zone erklärt worden. Nach einer Meldung der „Chicago Tribune" soll es bereits zwischen amerikanischen Matrosen und nikaraguanischen Soldaten zu einem Feuer- gefeit gekommen sein, bei dem zwei eingeborene Soldaten verwundet wurden.
Der Landungsort Puerto Cabezas ist das Hauptquartier einer gegen die konservative Regierung Diaz bestehenden liberalen Gegenregierung, an deren Spitze Dr. Sacasa steht. Während General Diaz von den Vereinigten Staaten anerkannt und unterstützt wird, hat Dr. Sacasa die Gunst der mexikanischen Regierung, an deren Spitze General Calles sieht. Wie es heißt, soll General Calles auch dem Gegenpräsidenten von Nikaragua Waffen und Munition zur Verfügung gestellt haben. Die mexikanische Regierung soll sogar Dr. Sacasa die Entsendung mexikanischer Truppen in Aussicht
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französischen Tendenzbericht, de^ aleich nach dW MMMm -nr-e>erntn heun verbleites worden war und demzufolge zwei französische Unteroffiziere durch einen deutschen Radfahrer angeschossen sein sollten. Auch damals konnte nichts ermittelt werden und die französische Besatzung mußte
den deutschen Behörden nach einiger Zeit mitteilen, hätte „an der Aufklärung des Falles kein Interesse"".
sie
Chma den Chinesen.
Das englische China-Memorandum.
Die englische Regierung hat, um ihr Prestige im Fernen Osten zu retten, einen Schritt unternommen, um den Chinesen die von ihnen erstrebte Autonomie zu gewähren. Wieweit es sich bei diesem Schritt um wirkliche Absichten handelt oder ob es nur eine Geste bleiben wird, kann erst die Zukunft klären. Am 18. Dezember hat der britische Geschäftsträger in Peking den Vertretern des Washingtoner Vertrages, in dem dem chinesischen Volk die Unantastbarkeit seiner Souveränität garantiert worden ist, ein Memorandum übergeben, in dem zunächst auf das Anwachsen einer mächtigen nationalistischen Bewegung hingewiesen wird, die darauf Hinziele, China einen gleichberechtigten Platz unter den Nationen zu sichern. Es würde nicht den wahren Absichten der Mächte China gegenüber entsprechen, sagt das Memorandum, wenn man dieser Bewegung nicht das notwendige Maß an Sympathie und Verständnis entgegenbringe. Die britische Regierung schlage deshalb vor, daß die Mächte ihre Bereitwilligkeit erklären sollten, auf dieVertrags- revision und alle anderen ausstehenden Fragen hinzuarbeiten, sobald China eine verhandlungsfähige Regierung aufzuweisen habe.
Es wird ferner verlangt, daß die Mächte ihre Bereitwilligkeit erklären sollten, Chinas Anspruch auf die Zollautonomie anzuerkennen, sobald China selbst einen nationalen Zolltarif geschaffen habe. Die Mächte sollen ferner offiziell erklären, daß sie nicht beabsichtigen, China eine ausländische Kontrolle aufzu- zwingen. Die Mächte sollten ferner ihre bisherige einheitliche Haltung, die strikte Befolgung der Vertrags- Pflichten verlange, modifizieren. So sollten sie schließlich den sogenannten Washingtoner Aufzöllen zustimmen. Was die Erhebung von Zusatzzöllen durch die Kantoneser Regierung angehe, heißt es in dem Memorandum, so habe sich die britische Regierung nach vielem Zögern und lediglich zur Aufrechterhaltung der Solidarität mit den übrigen Mächten dem gemeinsamen Protest gegen die neuen Zölle angeschlossen gehabt. Es sei jedoch klar, daß diese Politik den gegenwärtigen Umständen nicht voll Rechnung trage.
Die englische Regierung will also an Stelle der bisherigen aggressiven Jnterventions- und Bevormundungspolitik eine Politik der schrittweisen Konzessionen treten lassen.
Wie in politischen Kreisen Washingtons erklärt wird, hat das Staatsdepartement das britische China-Memorandum zwar noch keiner eingehenden Prüfung unterzogen; es soll jedoch mit Besriedigung festgestellt haben, daß England ebenso wie Amerika der Ansicht fei, oatz China unverzüglich entsprechend den Beschlüssen der Washingtoner Konferenz weitere Zolleinnahmen zu überlassen sind. •
gestellt haben, woraufhin Präsident Coolidge die Landung amerikanischer Marinetruppen in dem nikaraguanischen Hafen ungeordnet hat.
Die amerikanische Truppenlandung dürfte also als eine G e st e Amerikas gegen Mexiko anzu,ehen sejn, deren Verhältnis zueinander durch eine Einschrär- kung der amerikanischen Besitzrechte in Mexiko außerordentlich getrübt ist. Jedenfalls scheinen in Amerika Kräfte am Werke zu sein, die auf einen K r i e ' in i 1 Mexiko h i n a r b e i t e n. Diesem Gedanken gab auch anläßlich der Landung amerikanischer Mariuetruppen in Nikaragua der durch sein Eintreten für die Wiedergabe des beschlagnahmten deutschen Eigentums bekanntgewordene Senator Borah Ausdruck, der betonte, daß offenbar der Versuch gemacht werde, eine amerikanische Intervention in Nikaragua herbeizuführeu, um dadurch einen Krieg mit Mexiko zu ermöglichen. A erdiNgs tritt das Staatsdepartement in Washington offiziell allen Kriegsgerüchten entgegen und erklärt, ba ; außer den Wünschen amerikanischer Staatsbürger in Nikaragua nach ausreichendem Schutz der . nerikanischen Regierung fein weiterer Anlaß zur Land ng Der Marinetuppen .bekannt sei.
Meuterei it Uruguay.
Unter der Garnison von San Petrido ist eine M-"'terct ausgebrochen. Die Meuterer haben mit den unter Oberst Bartele stehenden Aufständischen gemeinsame Sache gemacht. Um die Bewegung zu unterdrücken, hat die Regierung von Uruguay ein größeres Truppenkontingent entsandt.
Eine Botschaft des neuen Mikados.
Wie aus Tokio gemeldet wird, hat Kaiser Herohito anläßlich der Thronbesteigung eine Botschaft an das japanische Volk gerichtet, in der er sich „Showa" (leuchtender Friede) nennt.
Für die Begrabnisfeierlichkeiten des Mikados hat die Regierung den Betrag von 2 980 000 Uen vorgesehen. Eine dementsprechende Vorlage wird dem Parlament zur Genehmigung vorgelegt werden. Der Mikado starb, wie noch bekannt wird, einen sanften Tod. An seinem Sterbelager, an dem die Kaiserin, der Prinzregent und die anderen Söhne anwesend waren, spielten sich rührende Szenen ab. Die Kaiserin flößte dem Sterbenden, der an großem Durst litt, ständig Wasser ein, während der Prinzregent persönlich die Temperaturmessungen vornahm.
Doumergue und Briand haben dem neuen Mikado ihr Beileid zum Ableben des Kaisers Joshibito übermittelt. In England ist anläßlich des Todes Des Kaisers von Japan eine dreiwöchige Hoftrauer angeordnet worden. Alle Schiffe der britischen Marine haben halbmast geflaggt.
politische AzmöschosL.
Deutsches Reich
Gegen die Ausweisungen aus dem Memelgebiet.
Der deutsche Gesandte in Litauen hat seiner Jnstruk- tion gemäß gegen die Ausweisung der Reichsdeutschen aus dem Memelgebiet bei der litauischen Regierung Protest erhoben. Der litauische Ministerpräsident, Professor Woldemaras, hat zugesagt, die Angelegenheit gelegentlich seines Besuches in Memel zu untersuchen.
Vizepräsident des Preußischen Landtags Garnich gestorben.
An dem Folgen einer Gallensteinoperation ist der Vizepräsident des Preußischen Landtages, Geheimer Regierungsrat Hugo Garnich, gestorben. Der Verstorbene ist 52 Jahre alt geworden. Er war Regierungsbaumeister bei den Eisenbahndirektionen Altona und Berlin sowie beim Eisenbahnzentralamt und Mitglied des Patentamtes. Als Rittmeister der Kavallerie war er während des Krieges beim Generalgouvernement in Belgien tätig. In seiner parlamentarischen Tätigkeit hat er sich besonders der Berufsinteressen der technischen Beamten angenommen. Die Gattin des Verstorbenen, die ebenfalls in der vorigen Session Mitglied des Preußischen Landtages war, ist die Tochter des früheren nationalliberalen und späteren demokratischen Abgeordneten Friedberg. Mandatsnachfolger Garnichs im Preußischen Landtag ist nach der Kandidatenliste der Berliner Justizrat und deutschvolkspartei- liche Vertreter im Staatsrat Hallensleben.
Italien.
X Die neue Armeegliederung in Italien. „Popolo d'Jtalia" veröffentlicht die neue Armeegliederung. Die Armee besteht danach aus 20 Armeekorps zu je zwei bis drei Divisionen und überdies aus den Militärkommandos von Sizilien und Sardinien. Das vierte Armeekorps von Verona mit Bozen und Venedig besteht aus drei Divisionen, das fünfte von Triest mit Udine, Görz und Pola