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Vom Pulsschlag der Heimat.

Schnurrpfelfereien.

Wegen der Mserschaumspitze.

i§r wohnte in der Sisgelhütte bei Machtlos und war in feinen jungen Jahren tüchtig in der Welt herumgewirbelt worden. Als Andenken an dieses Zigeunerleben brächte er eine Meerschaum- spitze mit in die Heimat. Die hätte der Dörnbergische Dsvierförster gar zu gern gehabt. Wie aber sollte er in ihren Besitz gelangen? Geduld!

Als der Besitzer der schönen Meerschaumjpitzs wie jedes Jahr wieder fein Deputatholz in der Dörnbergijchsn Waldung ange­wiesen wünschte, stellte sich der Herr Devierförstsr bei ihm ein, und beide gingen in den Wald, das Holz aufzusuchen. Der Mann aus der Sisgelhütte hatte, wie stets bei solchen Anlässen, seine aus der Fremde mitgebrachte Meerschaumjpitzs im Munds.

Die beiden wanderten bis zum Eichberg ohne Erfolg. Dann ging's bis zum Ottersbach, das war zusammengerechnet eine gute Wegstunde, und der Siegelhüttenmann fragte deshalb etwas verwundert:Wo steht denn eigentlich das Holz?" Der Herr Devierförstsr antwortete mit größter Seelenruhe:Wir sind noch lange nicht dabei." Wieder verging eine halbe Stunde, und die Geduld des gsnasführten Dauern war am Ende, er jagte: Wo in aller Welt soll denn das Holz fein, Herr Devierförstsr?" Mit einem vielsagenden Seitenblick auf die Meerschaumjpitzs snt- gsgnst der:Dort auf der Gibges-Kuppe."

Da hujchts Verstehen über des Dauern Gesicht, mit fchmsrz- licher Gebärde nahm er feine geliebte Mesrjchaumfpitzs aus dem Munde, streckte den Arm gegen den Devierförstsr aus und sagte: Da haben Sie sie." Kalt lächelnd bemerkte der:Warum denn nicht gleich!"

Das Hol; aber stand hernach ganz nahe bei der Siegelhütte. Grand.

Evedort.

Evedort (Eva Dorothea) wäre längst völlig vergessen, wenn sie nicht im Gedächtnis einer Drsiundachtzigjährigsn lebte, die mir von ihr erzählte. Evedort war vor etwa sieben Jahrzehnten Magd im Pfarrhaus eines niederhefsifchsn Dorfes, fleißig und wetterfest war sie, und zum Kornjchneiden ging sie nicht anders als barfuß. AIs das die Frau Pfarrer sah, entsetzte sie sich über die Massen. Aber Evedort", rief sie,wie kannst du nur so gehen! Denk doch an die spitzen Stoppeln! And wenn du dich nun in die Füsse schneidest l"Och, ech schnisde mech net", meinte Evedort. Den­noch mußte sie ihrer wohlmeinenden Frau folgen und Schuhe an- ziehen. And wirklich, auf einmal hatte sie sich in den Schuh ge- schnitten. Heulend kam sie zur Frau Pfarrer.Siehste nun!" sagte diese.Wie gut war's, baß du Schuhs anhattestl Sonst wär's doch in den Fuss gegangen!"^o, swwer nu sinn de Schuh kaputt!" heulte Evedort weiter,un ds kosten doch so veels Geld! Dsc Fust, der wär schon von jelwer werrer gehselt!" s.

Er muß dran glauben.

Es war um die Seif, als die ersten Herings auskamen. 3erg hatte in der Stadt so einen für sechs Heller erstanden und dabei

Auf der Heimatwarte.

Prof. Dr. Bremer f.

In Dublin (Irland) starb der Kurator des irischen National- mufsums, Prof. Dr. Walter Bremer, der nach dem Kriegs Privat- dozent der prähistorischen Archäologie und Assistent am archä­ologischen Seminar zur Marburg war und 1922 zum außerorbenf- lichen Professor ernannt wurde. Er wurde von der Caffeler Stegierung mit der Pflege der vorgeschichtlichen Altertümer Kurhejjens betraut und erwarb sich Verdienste um die Erfocjchung chattifchsr Wohnstätten. (G. Heimat-Schollen Nr. 16 1926: Aus dem hessischen Geschichtsverein.) In der Hersfelder Segenb deckte er (1920) bei Anterweijenborn eine germanische Siedlung und ein Arnenseld auf. Ausgrabungen bei Niederjofja erbrachten den Beweis, baß auf dem SaunrücB schon im 14. Jahrhundert v. Ehr. Hirtenvölker hausten. Im Gebiet des Eisenbergs, das schon im 3. Jahrtausend v. Chr. von Hirten besiedelt war, grub er ein Hünengrab und fünf Hügelgräber aus. Die dabei gemachten wert­vollen Funds werden im Hersfelder Museum aufbswahrt. Im Herbst 1925 folgte Prof. Dr. Bremer einem ehrenvollen Stuf nach Dublin, wo seiner wissenschaftlichen Forfcherarbeit durch Malaria leider ein vorzeitiges Siel gesetzt wurde, und zwar gerade in dem Augenblick, als die Bemühungen seiner hessischen Freunde, seine Rückkehr zu ermöglichen, dem Abschluss nahe waren. Die letzte

dumm gefragt, wie der denn zurecht gemacht werde, ob man ihn backen oder sieben müsse. Dem Kaufmann kam diefs Frage etwas närrfch vor, und darum antwortete er lächelnd:Was das anbstrifft, so darf der nuriwest" ein bißeften Feuer fehsn."

Damit zog 3erg befriedigt los. Die Seif, bis er nach Hause kam und den Hering verspeisen konnte, wurde ihm felches lang. Dichkig, aus der Nacht tauchte die Mühle auf, und aus dem Fen­ster floß heller Lichtschein.

Wie hatte doch der Kaufmann gejagt:Der Hering braucht das Feuer nur zu sehen, und man kann ihn essen." Jsrg wickelte den Hering aus dem Papier und hielt ihn eins Seiflang in den Lichtschein, dabei dachte er:Das wird's gewist auch tun, Licht ist doch auch Feuer, und das braucht ja der Hering nur zu sehen, um genießbar zu werden."

Gh weh, während Jerg so laut gedacht hatte, war der Hering ins Gras gerutscht. 5erg bückte sich gleich undfummelte" da auf der Erde herum, Jetzt hatte er was in der Hand. Zwar tat es laute Krisch wie ein Frosch, aber Jerg sagte mitleidlos:Kreisch oder kreisch net, du Gos, du höst Fier gesäh on mußt dro glöwe." Echtv.

Jähzorn.

Matleis (Martha Elisabeth) war ein herzensgutesMsnsch", wenn aber der Sorn über's kam, dannleuchtete kein Stern". So stand Matleis eines morgens vor dsm Herd. Darauf fauste und brauste das runde blecherne Kaffsekeffelchen. Das Wasser darin wollte heute morgen auch gar nicht ins Kochen kommen, und Hannpster, ihr Mann, wartete doch auf den Kaffes, und Maileis hatte sich jchon fertig gemacht, ihrem Nachbar, dem Eckebauer, beim Schneiden von seinem reifen Weizen zu helfen. Eben kam dessen Grossmagd, sie abzurusen. Wütend keifte, die Aatlose: Dann du net baal köchst, härnsden satte sah, bSs der balsistl" (Wenn du nicht bald kochst, nachher sollst du sehen, was dir geschieht.) Kein Erfolg, Jetzt geriet Matleis in Jähzorn, nahm einen Stecken aus der Deiserwelle in der Holzecks und hieb so lang auf den Kajfeeßefjel ein, bis der ganz verbeult da lag. Dabei stieß Matleis kurzatmig und immer kurzatmiger die Worte aus:Wette koche! Gos, wette koche!" 6*».

Sonderbar.

Der Pfarrer in Girsdorf hielt feine Predigt, die Gemeinde sang mit voller Stimme, aber sie hatte eine falsche Melodie gewählt, an jedemVers" (Strophe) blieben zwei Steiften übrig. Am Nach­mittag ging der Pfarrer nach Girsbach und gab dort dieselbe Predigt zum besten mit demselben Lied wie heute morgen in Girs­dorf. And wieder fang die Gemeinde eine verkehrte Melodie. Da wars nun sonderbarer als sonderbar: hier waren jedesmal zwei Seilen zu wenig. Nach der Kirche wollte sich einer von den Kirchenältssten entschuldigen und sagte:Herr Psarr, nehmen Sis's nicht übel, baß der Liedertextn bisschen knapp war! Wir hatten die richtige Melodie nicht erwischt." Lächelnd meinte Hochshr- würden:Da gibt's nichts weiter zu reden, geht nach Girsdorf, da waren an jeder Strophe zwei Seilen zu viel." gchw.

Sitzung des Hessischen Geschichtsvereins gestaltete sich zu einer Trauerkundgebung für den Gelehrten, der in seiner mecklenburgischen Heimat beigesetzt wurde. Der Hsjsifche Geschichtsverein war durch Geheimrat Dr. Boehlau vertreten, der die Verdienste des Heim­gegangenen feierte.

Erwin Gros t-

Ein Dichter von befonderer Volkstümlichkeit ist dem Hefjen- lands durch den Tod entrissen worden. An einem der ersten Dszsmbertage starb im Taunus, wo er feit Jahren lebte und wirkte, Erwin Gros im Alter von 61 Jahren. Gros, der Dauernpfarrer", hat in allen seinen Büchern, Predigten, Er­zählungen und Domänen, unter denenDer Dauernpfarrer" und Der Lehrer von Hartenhausen" wohl die bekanntesten sind, ein entschiedenes Christentum betätigt, dessen Praxis freilich zuweilen mit dsm evangslijchen Staatskirchsntum in Konflikt geriet. Solche Konflikts und ihre Auswirkung in der näheren und weiteren Amwelt mit all ihrer Enthüllung von Menfchlich-allzu-Msnschlichem wurden von Gros, der übrigens auch packende historische Er­zählungen geschrieben hat, zweifellos bevorzugt, aber er offenbarte dabei eine letzten Endes doch unwiderstehliche Darstsilungskraft und eine Charaktsrisisrungskunst, die seinen schlechthin romantischen Optimismus angenehm verbrämte. Er verstand es zudem aus-

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