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tzersfelöer Tageblatt

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mit den Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und W ffen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

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Nr.ZO0 Mittwoch, den 22. Dezember 1926 76. Jahrgang

Stresemanns Hamburger Rede.

Man hat den Reichsaußenminister Dr. S t r e s e - mann alsden ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht" bezeichnet, weil er Mitglied einer jeden Regie­rung war, seit mit der Einstellung des Ruhrkampfes die deutsche Politik sich umstellte. Niemand zweifelt daran, daß er auch im neuen Ministerium die alte Stelle wieder einnehmen wird. Mit Recht kann Dr. Stresemann dar­um auch sagen, wie er es in einer Rede im Hamburger Senat getan hat, daß trotz der Schwankungen der inneren Politik sich an der Kursrichtung der äußeren nichts ändere, besonders da die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes dahinterstehe.

Man konnte etwas gespannt sein auf die erste Rede, die ein Mitglied des gestürzten Kabinetts nach den Er­eignissen der letzten Wochen halten würde. Aber Dr. Stresemann hat sich gänzlich auf die schwebenden außen­politischen Fragen beschränkt. Nach dem Hinweis aus unseren Erfolg in Genf, wo zwei fchwierige Fragen wenigstens grundsätzlich geregelt werden konnten, also die Entwaffnung und Militärkontrolle einerseits, die Völker­bundüberwachung andererseits, bezeichnete es Dr. Strese­mann als einen weiteren, allerdings vorläufig nur ide­ellen Fortschritt, daß die Entwaffnungsaktion in Deutsch­land allseitig als durchgeführt betrachtet und anerkannt wird. Daraus ergebe sich nun für uns, doch immer ener­gischer auf die Unmöglichkeit hinzuweisen, daß allein wir voll entwaffnet sind, während alle anderen «Staaten rüsten können, so sehr sie wollen; das vertrage sich doch auch wirk­lich nicht mit-der Gleichberechtigung im Völker­bund. Also: allgemeine Abrüstung ist die nächste Frage, die nächste Etappe unserer Außenpolitik.

Auch in der Methode unserer Außenpolitik soll der Kurs der bisherige bleiben. Stresemann betrachtet als Voraussetzung für jedes Vorwärtskommen in der heutigen Weltpolitik die offene Aussprache zwischen den Staats­männern als das einzig Mögliche. Aber auch als etwas, -d«' sichfryrm tmt^rr'WTr ~W

zartes Pflänzlein unddie leitenden Staatsmänner sollen dem Vertrauen der Völker auf jene Entwicklung so oft als möglich durch sichtbare Ereignisse neue Nahrung ge­ben". Der Ausgangspunkt für diese Methode ist die Er­kenntnis, daß die Interessen der europäischen V ö l - l e r solidarisch sind, solidarisch im ganzen genommen aber auch mit den übrigen Völkern der Welt.

Ja, aber die Wirklichkeit, die Tatsachen und Gescheh­nisse? Wie vertragen sie sich mit jener politischen Metho­denlehre, die nur ein Wunsch bleiben kann?Die ge­schlossenen Verträge würden ein toter Buchstabe bleiben, wenn es nicht dazu käme, im großen Geist der Verständi­gung darauf weiterzubüue n." Das zielt ab auf die Frage der R h e i n l a n d r ä u m u n g und man hat das in Paris auch ganz richtig verstanden. Denn Wirklichkeit werden die Verträge erst durch ihre Ausführung und man spürt es in weiten Kreisen Frankreichs deutlich genug, daß sich Locarno mit der Besetzung deutschen Bodens nicht verträgt. Ein friedliches Nebeneinanderwohnen und Mit­einanderarbeiten wird aber erst ganz allmählich den Völkern durch diese Art der Politik ermöglicht, wenn Tat­sachen, entsprechende Geschehnisse für das gemeinsam sie alle überwölbende Haus als Bausteine geschaffen werden, wenn also jene Grundlagen der Politik von heute, die Vertrüge also, ihre praktische Auswirkung in dem Sinne finden, in dem jene abgeschlossen wurden.

Das neue Jahr wird den Beweis zu erbringen haben, ob diese politische Methode, dieser Kurs uns zum er­wünschten, heißersehnten Ziele führen wird. Daß in Frank­reich, in England noch längst nicht alle Hindernisse aus dem Wege geräumt sind und viele Klippen in dem neuen Kurs liegen, dürfen wir uns freilich alle nicht verheim­lichen. Immerhin sind wir doch schon ein gutes Stück vorwürtsgekommen.

der Feldzug gegen den Alkohol.

Eine amerikanische Bilanz.

Die amerikanische Prohibitionsbehörde veröffentlicht über das abgelaufene Jahr Einzelheiten über das Er­gebnis des gegen die Alkoholschmuggler geführten Feld- zuges. Wegen Verletzung des Volstead-Gesetzes, das die Herstellung und den Besitz von alkoholischen Getränken verbietet, wurden insgesamt 72 700 Personen verhaftet, denen Werte von etwa 13 Millionen Dollar abgenommen wurden. Unter den beschlagnahmten Dingen befinden sich 6000 Automobile und 187 Boote. Besonders ener­gisch sind die Behörden den Geheimbrennereien gegen­über gewesen. 12 000 Destillationen wurden ausgehoben und 1 250 000 Hektoliter alkoholischer Getränke beschlag­nahmt. Den ungeheuren Ausgaben, die der Beamten- apparat zur Durchführung der Prohibitionsgesetze ver­schlingt, stehen nur 5,75 Millionen Dollar gegenüber, die als Strafen von Übertretern eingegangen sind.

Dreizehn Rumschmuggler und sechs Beamte sipd den Alkoholkämpfen zum Opfer gefallen. Der Küstenwach- dienst, der über 9919 Offiziere und Mannschaften verfügt, kaperte 223 Schiffe, die versuchten, Alkohol in die Ver­einigten Staaten hineinzuschmuggeln. Er rettete außer­dem 2000 Schiffe aus Seenot. Für geistliche Zwecke, für die das Alkoholverbot nicht gilt, sind 5,8 Millionen Gallo­nen Wein hergestellt worden.

Blutige Kämpfe in Litauen

polnische Truppen an der litanWen Grenze.

Kampf der Linksparteien gegen Smetona.

Im Gegensatz zu den offiziösen litauischen Meldun­gen, die die Lage im Lande als ruhig hinstellen, wissen Warschauer Nachrichten davon zu berichten, daß sich die Anhänger der bisherigen Regierung Slesevicius mit den Kommunisten zu einem gemeinsamen Kamps vereinigt haben, dessen Führung der Kommunist Anga- rekis und der Innenminister in der Slesevicius-Regie- rung, Pozelo, übernommen haben. In der Nähe von Mariampol haben Kämpfe stattgefunden. Weiter be­richten Warschauer Zeitungen aus Wilna, daß die Lage an der polnisch-litauischen Grenze zu ernsten Besorg­nissen Anlaß gebe, da sich auf beiden Seiten starke Militärabteilungen zufammenzögen. Jeglicher Grenzverkehr zwischen Polen und Litauen wäre gesperrt und Grenzscheine würden nicht mehr ausgestellt. Den pol­nischen Informationen zufolge hätte die litauische Regie­rung in einem Armeebefehl und in besonderen Befehlen an die Schützenverbände und die Polizeibehörden den Soldaten, Polizisten und Schützen befohlen, sich an der Grenze ruhig zu verhalten und Zusammenstöße mit dem polnischen Grenzschutz zu vermeiden. In Wilna selbst ist es zu keinen Zwischenfällen gekommen. Die polnischen Regimenter befinden sich weiter in Alarmbereit­schaft.

Wie aus Memel verlautet, hat der Gouverneur des Memelgebiets, Shalkauskas, der Regierung in Kowno schau" in Kowno hat ihr Erscheinen vorläufig eingestellt.

Die AusmndSpoliiik der neuen Regierung.

Der litauische Ministerpräsident Woldemaras hat einem Journalisten gegenüber erklärt, der mit Rußland abgeschlossene und ratifizierte Garantievertrag bleibe in Kraft. Die neue litauische Regierung werde ihn aufrecht­

Portugal gibt deutscher Eigentum frei.

Die Mißwirtschaft in Amerika.

Die portugiesische Regierung hat offiziell der Reichsregierung mitgeteilt, daß das deutsche Eigentum auf Mosambik freigegeben wird. Es handelt sich um Werte von rund einer Million Pfund Sterling. Soweit beschlagnahmtes Eigentum bereits verkauft sein sollte, wird eine Entschädigung nach Maßgabe der Finanzlage Portugals erfolgen.

DieAssociated Preß" bestätigt in einer Meldung aus Washington, daß der Bericht des Generalkontrol­leurs MacCarl über die Verwaltung des beschlagnahm­ten ehemals feindlichen Eigentumsdie übelste syste­matische Ausplünderung enthüllt, die Ame­rika je erlebt habe". Senator Borah kündigte an, daß der Senat nach den Weihnachtsferien eine genaue Un­tersuchung der Angelegenheit anordnen werde. Der Senat hat bereits den Gedanken einer Untersuchung ge­billigt, hat aber noch nicht die nötigen Geldmittel an­gewiesen. Senator Borah hat die Absicht, nach den Weih­nachtsferien im Senat darauf zu drängen, daß der Betrag von 50 000 Dollar für diese Untersuchung bewilligt wird.

Das Wahlergebnis in Ungarn.

Sieg der Regierungsparteien.

Die ungarischen Wahlen, die sich über längere Zeit hingezogen haben, sind nunmehr beendigt. Sie haben mit einem großen Sieg der Regierung geendet, wobei aller­dings zu betonen ist, daß etwa vier Fünftel der Wähler ihre Stimmen öffentlich abgeben mußten und nur der Rest der Stimmen geheim wählen konnte. Von 245 Man­daten erhielt die unter Führung des Grafen B e t h l e n stehende Einheitspartei 170, die unter Führung des Grafen Zichy stehende Christlich-Soziale Wirtschafts­partei 35, die parteilosen Regierungsfreundlichen vier, die rechtsstehende Opposition, in mehrere Gruppen zer­splittert, zehn, die Sozialdemokraten 14, die Vereinigte Linkspartei neun, die parteilosen Linksorientierten drei Mandate, regierungsfreundlich insgesamt 209 Mandate (85,2 %), die Opposition insgesamt 36 Mandate (14,8 %). Bei den vorigen Wahlen wurden 167 Regierungsfreund­liche (68,4 %) und 77 Oppositionelle (31,6 %) gewählt.

In den Bezirken mit geheimer Abstimmung erhielten die regierungsfreundlichen Kandidaten 46,9, die Rechts­opposition 5,8, die Sozialdemokraten 28,8, die bürgerliche Linksopposition 18,6 % aller abgegebenen Stimmen. Die extreme legitimistische Andrasfygruppe, die in der ver­flossenen Nationalversammlung 11 Mitglieder zählte, er­hielt diesmal bloß ein Mandat, die Rasseschützler, ine in der Nationalversammlung acht Mandate hatten, zählen jetzt bloß vier, die Vereinigte Linkspartei statt 13 neun, die Sozialdemokraten statt 25 jetzt 14 Mandate. Die Bürger- lich-Radikalm erhielten ein Mandat.

erhalten. In der litauischen Politik gegenüber Polen seien keine Änderungen zu erwarten. Mit Polen habe man keinerlei Verbindung und es hänge nicht von Litauen ab, solche anzuknüpfen. Jedermann weiß, worin die zu lösende Frage bestehe.Wir können," so fuhr Wol­demaras fort,sie nicht mit Gewalt entscheiden, und eine solche Lösung wird Litauen niemals versuchen. Die Ini­tiative liegt in den Händen Polens. Die neue litauische Regierung wird jeden Schritt Polens begrüßen, der auf die Beendigung des Konflikts ' nd die Schaffung freund­schaftlicher Beziehungen zu Lianen gerichtet wär '.

Deutschland und Litauen.

Nach dem Memeler 2 npsboot hat sich r eifte, Präsident und Minister des Äußeren, Woldemaras, über die künftigen Beziehungen Litauens zu Deutschland da­hin geäußert, daß die Umwälzung, die vor allem einen innenpolitischen Sinn hätte, den weiteren Beziehungen zu Deutschland nur förderlich sein werde, da diese Um­wälzung die Ordnung der »inneren Verhältnisse gestatte. Es seien im Verhältnis zu Deutschland noch viele Fragen zu regeln, so z. B. die M e m e l f r a g e und die damit zusammenhängende Reparationsfrage. Im großen und ganzen bleibe die Politik gegenüber Deutschland dieselbe wie bisher.

Aus die Frage, ob der Umschwung den weiteren Wirtschaftsverhandlungen mit Deutsch­land förderlich sein werde, erklärte der Ministerpräsi­dent: Die bisherige Regierung war eine Koalitions­regierung, die bei jedem Schritt und Tritt erst die Partei­zentralen befragen mußte. Dieses lange Hin und Her war ersrbwerenv für He tkaiarnnj.^v°_.-<'<> .aa<s~*~tu^-- -

TF^fnSfr'lfSmw Litauens zu den

Nachbarstaaten zu regeln. Die neue Regierung dürfte leistungsfähiger sein.

Bezüglich der Memelfrage äußerte sich Wolde­maras dahin: Unser Standpunkt ist schon immer gewesen, daß unsere Beziehungen zum Memelgebiei nicht durch geschriebene Konventionen, sondern durch beider­seitiges Verständnis geregelt werden sollten.

Ende des westfälischen Scholftreiks.

Der Staatsgerichtshof soll entscheiden.

Um den Schulkonflikt in Westfalen einer sachlichen Lösung entgegenzuführen, hat der Vorstand des evangeli­schen Reichselternbundes die Entscheidung des obersten Gerichtshofes angerufen. Der Reichsminister des Innern hat sich bereit erklärt, die Angelegenheit vor dem Reichs­gericht (Staatsgerichtshof) anhängig zu machen. Im Hin­blick auf die dadurch eingeleitete Eröffnung des Rechts­weges hat der Evangelische Elternbund Westfalens be­schlossen, den Streik zu beendigen.

Der Westfälische Elternbund fordert die Elternschaft auf, die Kinder wieder zur Schule zu schicken. Der Eltern­bund lege die Waffen nieder in dem Bewußtfein, dem Gebote des Gewissens gefolgt zu sein. Das Ende des Schulkampfes ist geradezu überraschend gekommen. Noch am Montag wurde im Generalquartier der Schulstreik- agitatoren kategorisch erklärt, daß alle Gerüchte über den bevorstehenden Abbruch des Streikes auf gegnerische Machenschaften beruhten, die Aktion würde mit allen Mitteln fortgeführt werden. Einen Epilog für den Schul- streik bildet die gleichzeitig mit dem Manifest des Evan­gelischen Elternbundes veröffentlichte. Kundgebung der evangelischen Religionslehrer und -lehrerinnen Westfalens, in dem einmütig entschieden Einspruch dagegen erhoben wird, daß zahlreiche, evangelische Pfarrer, ohne daß die Rechte und Freiheiten der Evangelischen Kirche bedroht waren, in unverantwortlicher Weise einen Kampf mit dem Staat entfesselt und diese Pfarrer in geistiger und geist­licher Überhebung sich nicht gescheut haben, die Kinder des Volkes zu ihrem Machtkampf zrssmißbrauchen, um politische Zwecke zu erreichen. ___

politische Rundschau

* Deutsches Reich

Neue Mittel für bäuerliche Wirtschaftsberatung.

Die erstmalig im Haushalt des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft für das Rechnungs­jahr 1925 zur Förderung der bäuerlichen Wirtschafts­beratung und zur Einrichtung von Versuchsringen bereit- gestellten Mittel konnten infolge der verspäteten Verab­schiedung des Reichshaushaltsplanes den Länderregierun­gen erst anfangs März 1926 überwiesen werden. Da die Mittel an sich für den Bedarf eines Jahres bemessen sind, sollten die Länder damit im allgemeinen bis zum Schlüsse des Rechnungsjahres 1926 (31. März 1927) ausreichen. Um jedoch in den eingeleiteten Maßnahmen, die mit Rück­sicht auf die Notwendigkeit der Rationalisierung und In­tensivierung der bäuerlichen Betriebe gerade in der gegen­wärtigen Zeit von arökter Bedeutung sind. eine Stockung