Hersfelöer Tageblatt
Hersfelöer Kreisblatt f==B»agS
_ r 0.80 Reichs-Mark.-:- Druck und Verlag von Ludwig :
MmtKchsrMzergsr für den Kreis HeesfeiS i8”^”^ mit den Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach FeierabenS / Herd und Scholle / Unterhaltung undIWissen _____________ Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
Nr. 282 (Erstes Blath Mittwoch, den 1. Dezember 1926 76. Jahrgang
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Am die deutsche Abrüstung
EngW-ftMzvfische Zesprechmg.
Der Stand der A b r ü st u n g s v e r h a n d l u n g e n.
Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt, es sei ein beinahe täglicher Meinungsaus- lausch über das Problem der deutschen Abrüstung zwischen London und Paris im Gange. Von den Engländern werde weniger Wert auf die deutschen „Geheimorganisa- tionen" gelegt als von den Franzosen. Das gleiche gelte von den Festungen Königsberg und Glogau.
über die Möglichkeit einer „V i e r m ä ch S e k o n s e ° r e n z" im Anschluß an Genf sagt der Berichterstatter, London und Rom würden in der künftigen Zusammenarbeit der vier großen Westmächte eine Art Erneuerung des alten europäischen Konzerts in einer veränderten und verbesserten Form erblicken, durch das auf Frieden und Ordnung bei den kleineren Nationen hingewirkt werden könnte. Solche Gedanken fänden allerdings bei vielen der letzteren keinen Anklang, da sie in ihnen einen Widerspruch zu dem Prinzip der Gleichheit erblicken, das die Grundlage des Völkerbundes bilde.
Auch der offiziöse „Petit Parisien" spricht von einem sehr zufriedenstellenden Stand der englisch-französischen Verhandlungen über die noch ungeregelten Punkte der deutschen Abrüstung. Aus alle Fälle werde die Unterredung, die Chamberlain Donnerstag und Freitag mit Briand und Poincars haben werde, dazu dienen, dir noch bestehenden Auffassungsunterschiede über die Tragweite der einzelnen von Deutschland noch nicht erfüllten Forderungen zu beheben.
Nach Londoner Meldungen soll die Zusammenkunft der Außenminister von England, Frankreich und Italien nunmehr endgültig festgesetzt sein. Als Ort der Zusammenkunft «#^
Zusage von der Entscheidung des Völkerbündrates über die Abrüstung abhängig gemacht habe.
Vorspiel zu Genf.
In der nächsten Woche tritt nun wieder der Völkerbundrat in G e n f zusammen, ohne daß wir damit rechnen können, die Frage der M i l i t ä r k o n t r o l l e sei vorher in Ordnung gebracht. Leider hat die Politik Poincares auch hierin wieder einen Sieg errungen; war sie doch darauf gerichtet, die Völkerbundkontrolle über Deutschland erst einmal endgültig festlegen zu lassen, ehe die Kontrolle der Entente aufhört. Zu diesem Zweck ist nun außer den bisher schon vorgebrachten Beschwerdepunkten schon wieder etwas Neues aufgetaucht, was angeblich gegen die deutsche Entwaffnung verstoße und daher erst beseitigt werden müsse, ehe an die Aufhebung der Militärkontrolle zu denken sei. Mag man auch in London bestreiten, daß die Veröffentlichung einer angeblichen Denkschrift Cham - b e r l a i n s in den „Times" tatsächliches Material bringe, so steht doch fest, daß englischerseits kein großes Interesse an der Aufrechterhaltung der bisherigen Militärkontrolle besteht. Der einzige Punkt, dem man in London noch einige Wichtigkeit beimißt, ist bezeichnenderweise die Erzeugung und die Ausfuhr von Kriegsmaterial, wobei man nicht etwa aus Entwaffnungsgründen, sondern lediglich zum Zweck der Ausschaltung jeder deutschen Konkurrenz ein möglichst weitgehendes Verbot dieser deutschen Erzeugung anstrebt.
Run ist in jener Denkschrift Chamberlains als eine der vier Mindestforderungen die „Zerstörung neuer Befestigungen an der deutschen Ostgrenze" verlangt, von denen die deutsche Öffentlichkeit jetzt zum erstenmal erführt, gleichzeitig aber mit der regierungtzoffiziösen und durchaus glaubhaften Versicherung, daß es sich hierbei
Der de»W-amer!kgmsche
Stubentemmstausth.
„Königinnen des Frieden s."
Im Colony Club in Newyork fand ein Empfang zu Ehren der deutschen Austauschstudenten statt. Dr. Friedrichs, der Leiter des Studentenaustausches, teilte mit, daß im Studienjahr 1927/28 50 deutsche Studenten für amerr- kanische und 20 amerikanische Studenten für deutsche Universitäten erwartet werden.
Botschafter v. Maltzan gab in einer Ansprache der tiefen Dankbarkeit Deutschlands für alles, was Amerika in den letzten Jahren für Deutschland getan habe, Ausdruck. Er erwähnte die Lebensmittelsendungen und die amerikanische Unterstützung zur Aufrechterhaltung der deutschen Bildungs- und Wohltätigkeitsanstalten und erklärte, von den amerikanischen Frauen werde jetzt eine neue Phase in dem amerikanischen Werk für Deutschland ^eröffnet. Aber während Amerika in den beiden ersten Perioden nur gegeben und Deutschland nur empfangen habe, bedeute diese neue Phase einen Güteraus-
lediglich um Verteidigungsmaßnahmen handelt, die sich gegen Polen richten. In Paris ist man freilich anderer Ansicht, doch ist alles dieses ja überhaupt nicht das Entscheidende. Was man dort will, ist nichts anderes, als jenes berüchtigte „Jnvestigationsprotokoll" vom September 1924 zu einer dauernden Vorschrift zu machen, obwohl es zustande kam, ehe Deutschland in den Völkerbund eingetreten ist. Das Protokoll bedeutet eine Kontrolle, die noch weit hinausgeht über die Art, wie bisher die Ententekommissionen in Deutschland gewirkt haben. Der deutsche Außenminister hat nach dem Zustandekommen dieses Protokolls sofort Protest dagegen eingelegt; man war in Genf nämlich so „gütig", uns von dem Protokoll Mitteilung zu machen.
Die Aussichten für diö Genfer Tagung sind also nicht sehr erfreulich, weil wieder einmal in Paris ausdrücklich betont wird, die N h e i n l a n d b e s e tz u n g sei nicht etwa bloß als ein Faustpfand für die prompte Zahlung Der deutschen Reparationsverpflichtungen anzusehen, sondern ebensosehr auch als eine Sicherungsgarantie für Frankreich. Angesichts solcher Mitteilungen muß man sich fragen, wozu denn nun eigentlich das Abkommen von Locarno abgeschlossen worden ist, wenn Frankreich nach wie vor auf dem Standpunkt steht, nicht in Verträgen, sondern in solchen Zwangsmaßnahmen wie der Besetzung deutschen Bodens seine Sicherheit zu suchen! Offenbar hat man in Paris damit gerechnet, bei dieser Politik nach wie vor die Unterstützung aller Ententemächte, namentlich Englands, zu finden und ist daher jetzt sehr wenig erbaut davon, daß man nun in London die Tatsache schon ziemlich langdauernder Verhandlungen in die Öffentlichkeit gebracht hat. Die vier „Beschwerdepunkte" sind ja derart unwichtig, daß man nun wirklich die Behauptung, Deutschland habe die Entwaffnungsbestimmungen des Versailler Vertrages nicht erfüllt, beim besten Willen nicht mehr auf-
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Verhandlungen erreichen wollte, hat er doch durchgesetzt: die deutsche Delegation geht nach Genf, ohne daß die Kontrolloffiziere der Entente Deutschland verlassen haben, ohne daß die Art der künftigen Völkerbundkontrolle auch nur andeutungsweise geregelt ist, und schließlich auch, ohne vaß über die Gültigkeit oder Nichtgültigkeit jenes Jnvesti- gations- oder Verschärfungsprotokolls auch nur das geringste entschieden wurde. Daher wird in Genf hinter den Kulissen gerade diese Frage die Hauptrolle spielen; leider aber werden die bisherigen englisch-französischen Verhandlungen noch ergänzt und vielleicht zu einem gewissen Beschluß gebracht werden durch eine Konferenz, die Chamberlain auf seiner Reise nach Genf in Paris mit Briand und Poincaro abhalten will. Wir müssen daher dainit rechnen, daß man sich dort einigt und der englische ebenso wie der französische Außenminister mit gebundener Marschrichtung in Genf eintreffen werden. Aus vielfachen trüben Erfahrungen wissen wir aber, daß eine derartige Einigung immer auf Kosten Deutschlands erfolgte.
Die Forderungen der Kontrollkommission
Wie zu der Frage der Befestigungen im Osten (Königsberg, Küstrin, Glogau) bekannt wird, hängt diese mit dem Artikel 189 des Versailler Vertrages zusammen, nach dem die Befestigungen im Süden und Osten bestehenbleiben. Während die Auffassung der Kontrollkommission dahin gehe, daß an diesen Befestigungen nichts geändert werden dürfe, vertrete Deutschland die Ansicht, daß zu dem Be- stehenbleibcn einer Befestigung auch ihre Instandhaltung gegebenenfalls durch kleine Neubauten gehöre. Bei den Gebäuden handele es sich nicht u m 2000, sondern u m 200. In der Frage des Kriegsmaterials wolle Deutschland zugestehen, was der Versailler Vertrag verlangt, aber nichts darüber, vor allem nichts, was eine Schädigung der deutschen Industrie bedeuten würde.
tausch. Der Austausch von Studenten sei eines der beste,r Mittel, um zu einem besseren Verständnis zwischen den beiden Ländern zu gelangen, und überhaupt eines der besten Mittel zur Förderung des Friedens, des guten Willens und der Versöhnung unter den Völkern. Deshalb sei die Welt den amerikanischen Frauen, die durch die Förderung des Gedankens des Studentenaustausches der Sache des Friedens und der internationalen Verständigung dienten und die diesen Gedanken auch in anderen Ländern zu entwickeln bemüht seien, zu tiefster Dankbarkeit und Bewunderung verpflichtet und sie verdienten, Königinnen des Friedens genannt zu werden.
David Hunter Miller, der darauf das Wort ergriff, erwähnte die Beiträge des deutschen Volkes zu Kunst, Wissenschaft und zum Kulturfortschritt im allgemeinen sowie seinen Beitrag zur Entwicklung Amerikas. Wenn es auch hieße, daß niemand zwei Herren dienen könne, habe Botschafter v. Maltzan bewiesen, daß es mit der Hingabe an die Interessen des eigenen Landes nicht nur vereinbar sei, sondern geradezu ein Bestandteil dieser Hingabe sei, daß man die Interessen einer großen befreundeten Nation würdige und ihren Gefühlen Rechnung trage.
Vriand zur Außenpolitik.
Debatte in der Französischen Kammer.
In der Kammersitzung, auf deren Tagesordnung der Etat des Ministeriums des Auswärtigen stand, griff der Minister des Äußeren, Briand, mit Zwischenbemerkungen mehrfach in die Debatte ein. Als der der Partei Marin angehörende Abgeordnete Soulier die Behauptung auf- stellte, Deutschland habe E u p e n und M a l m e d y zu- rückgefordert, erklärte Briand: Sie können genug andere Argumente bringen, Sie brauchen nicht unrichtige Tatsachen anzuführen. Es ist f a l s ch , daß Deutschland nach Locarno eine Grenzabänderung gefordert hat.
Als hierauf ein Abgeordneter die Bemerkung macht, in der französischen Presse sei etwas Derartiges behauptet
Sir Eric Orummond in Berlin.
Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, traf in Berlin ein zu Besprechungen wegen der bevorstehenden Ratsberatungen. Er hatte mit dem
Reichskanzler und mit dem Reichsaußenminister sowie mit den zuständigen Herren des Auswärtigen Amtes eingehende Beratungen und verließ nach zweitägigen Aufenthalt wieder die Reichshauptstadt.
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worden, erwidert Briand: Wenn Sie auf Grund von Pressepolemiken Diplomatie treiben wollen, so werden Sie nicht zu wirkungsvollen Ergebnissen gelangen. Als am Schluß seiner Rede Soulier an Briand die Frage richtet, wer denn recht habe, der Auswärtige Ausschuß der Kammer, der auf Grund Briands Erklärungen erklärt habe, die französische Politik halte sich im Rahmen der Friedensverträge, oder die französische Presse, die ebenfalls auf Grund einer Erklärung Briands die Ansicht vertritt, die französische Politik halte sich im Rahmen der Locarnopaktes, erwidert Briand: Ich habe nach per Ausschußsitzung keinem Journalisten meine Ansichten dargelegt. Wenn Sie eine internationale Politik auf Grund von Redereien von Journalisten .eiben wollen, so sind Sie nicht ernst zu nehmen.
Das Reich ur $ die D. A. £♦
Erörterungen im Haushaltsausschuß.
Im Haushaltsausschuß des Reichstages fand eine Aussprache über den Ankauf der Deutschen Allgemeinen Zeitung durch das Reich statt. In Verbindung hiermit wurde ein kommunistischer Antrag besprochen, diesen Ankauf mit sofortiger Wirkung rückgängig zu machen.
Reichsminister des Äußern Dr. Stresemann wiederholte seine Erklärungen über den Ankauf der A. D. Z., die er seinerzeit im Auswärtigen Ausschuß abgegeben hatte. Der Minister fügte hinzu, daß bereits das erste Reichskabinett Dr. Luther den allerdings vergeblich gebliebenen Versuch gemacht habe, das Unternehmen zu erwerben. Damals sei Preußen dem Reiche zuvorgekommen. Im Interesse der Förderung der Reichspolitik sei dann M das zweite Kabinett Dr. Luther aus preußi-