hersfelöerTageblatt
Kersfelöer Kreisblatt isewä
AmtlicherMnzeiger für den Kreis Hersfel-
mit den Beilagen i"SeimaLschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen. _________________
Nr. 277 Donnerstag, den 25. November 1926 76. Jahrgang
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Außenpolitische EmheiWovt.
Von parlamentarischer Seite wird uns geschrieben: Hatte der Vorsitzende der D e u tschn ati o n a len V o l k s p a r t e i, Graf W e st a r p, bereits auf der Kölner Tagung seiner Partei erklärt, daß der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund als vollzogene Tatsache zu betrachten sei, an der nicht mehr gerührt werden könne, so wurde diese Erklärung anläßlich der außenpolitischen Debatte am Dienstag im Reichstag auch von dem deutschnationalen Redner Professor Hoetzsch ausgenommen und außerdem noch hinzugefügt, daß seine Partei in dieser Tatsache auch eine Bindung internationalen Rechtes sehe. Es hat ja schließlich auch gar keinen Zweck, an Dingen herumzumäkeln, die abgeschlossen sind, sondern es gilt jetzt nur, aus ihnen herauszuholen, soviel nur möglich ist. Professor Hoetzsch, dessen außenpolitisches Wissen bekanntlich auch vom Auswärtigen Amt immer beachtet wird, obwohl er Mitglied der gegenwärtigen Opposition ist, hatte vor einiger Zeit einen nicht unerheblichen Zusammenstoß mit dem Außenminister, was um so mehr Aufsehen erregte, weil er in seiner Partei und draußen als der Vertreter einer dem Andersdenkenden gegenüber stets verbindlichen Tonart gilt. Seine jetzige Rede wurde daher mit besonderer Spannung erwartet. Auch politische Gegner geben zu, daß die gehaltene Rede durchaus in den Grenzen einer sachlichen Opposition blieb. Der Redner ging von derselben Tatsache aus wie die amtliche deutsche Außenpolitik, nämlich dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Er faßte es als eine Ausgabe der Oppositionsführer auf, die Regierung in der Öffentlichkeit des Parlaments auf Forderungen hinzuweisen, die sich als Folgerungen aus jener Tatsache von selbst ergeben. Wenn er manches nicht billigte, so etwa die Flaggenhissung am Waffenstillstandstage bei der deutschen Botschaft in Washington, so hat das mit seiner parteipolitischen Einstellung wenig zu tun. Wenn Hoetzsch darauf hinwies, daß die großen Hoffnungen, die an Thoiry geknüpft wurden, nicht restlos er- sAt wurden, so Wird ihmMahrscheiulich . innerlich nicht jeder Anhänger der Regierungsparteien widersprechen. Wenn er des weiteren beklagte, daß die R ä u m u n g d e r R h e i n l a n d e, die man als Folgeerscheinung von Thoiry erwartete, unterblieben sei, so muß man die Berechtigung dieser Klage anerkennen, ebenso die Forderung zur Aufhebung der Militärkontrolle. Das fand später in den Ausführungen des Reichsaußenministers Dr. S t r e s e- m a n n ein Echo und darum hatte Hoetzsch ein Recht zu sagen, der Reichsaußenminister nehme die Einigkeit des Reichstages nach Genf darin mit, daß die Einrichtung ständiger Kontrollorgane des Völkerbundes völlig u n - annehmbar sei. Ebenso fand es ein Echo bei Dr. Stresemann, wohl ein gewalltes Echo, daß die unbedingte Ablehnung einer deutschen Garantie für unsere Ostgrenzen namentlich Polen gegenüber ausgesprochen wurde.
Eine derartige Stellungnahme der parlamentarischer Opposition ergibt des weiteren eine unleugbare Festigung für die -Haltung, die Dr. Stresemann bet seinen bevorstehenden Verhandlungen in Genf wirr einnehmen müssen. Man kann daran erinnern, daß bit außenpolitische Geschlossenheit des Reichstages, die allgemein gebilligte Aufstellung gewisser Mindestsorderum gen bei der Reise der deutschen Delegation zur Aufnahm« in den Völkerbund eine so starke Wirkung hatten, das die Deutschen in Genf es einfach unterlassen hätten, fid in den Völkerbund aufnehmen zu lassen, wenn dies« Forderungen nicht erfüllt wurden. Es ist auch außenpolitisch nicht bedeutungslos, wenn Professor HoetzsH namens seiner Partei sich grundsätzlich mit dem Ziel bei gegenwärtigen deutschen Außenpolitik, nämlich eine: deutsch-französischenVerständigung, ebenso einverstanden erklärte, wie mit der Ablehnung eines Revanchekrieges. Seine Partei sieht als politische Methode einzig und allein die Anbahnung vor Verhandlungen über notwendige Abänderungen, namentlich des Versailler Vertrages. Darum ist zu begrüßen, daß in einem Augenblick wichtigster Verhandlungen gerade über einen wesentlichen Punkt dieses Vertrages im Deutschen Reichstage eine Einheitsfron! hergestellt ist.
General Heye in München.
Eine Ansprache an die Truppen.
Der Chef der Heeresleitung, General Heye, ist auf einer Inspektionsreise in München eingetroffen, wo er einige militärische Anstalten besichtigte. General Heye hielt an die vor der Kaserne der Nachrichtenabteilung ausgestellten Truppen eine Ansprache, in der er einleitend der großen Verdienste seines Vorgängers, des Generals von Seeckt, gedachte, der die Reichswehr sechs,Jahre lang geführt habe und dem sie es verdanke, daß sie nach so kurzer Zeit in der Welt anerkannt und geachtet dastehe. Der General sprach seine Freude darüber aus, daß er einen Teil der tüchtigen 7. Division in ihrer bayerischen Heimat begrüßen könne. Die Armee möge treu z u - sammenhalten in der Hingebung an den Dienst für die Heimat und das deutsche Vaterland. General He^ brächte sodann ein dreifaches Hurra auf die Heimat u*b das deutsche Vaterland aus.
toe MemdW HM-Mud
Die devffch-franMche Aussprache.
Vorverlegung der Saarabstimmung?
Der deutsche Botschafter in Paris, v. Hoesch, hat eine neue eingehende Unterredung mit dem französischen Außenminister Briand gehabt. Die Aussprache hat außer dem Fragenkomplex, der seit Thoiry den Gegenstand der deutsch-französischen Aussprache bildet, vor allem der Abberufung der Interalliierten Militärkommission und im Zusammenhang damit der Frage der Organisation der künftigen Kontrolle durch den Völkerbund gegolten.
Briand hat, wie im Zusammenhang hiermit von Interesse sein dürfte, vor dem Auswärtigen Ausschuß der Französischen Kammer die Hauptprobleme der französischen Außenpolitik dargelegt. In einem Kommunique, das über die vertraulichen Verhandlungen ausgegeben wurde, heißt es: „Die Verhandlungen dauern im Rahmen der Vertrüge an. Beide Regierungen bemühen sich, in Einzel- abmachungen wirtschaftlicher und finanzieller Art eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen.* Nach der Sitzung äußerte sich Briand, daß seiner Meinung nach die Politik von Locarno die Lücken der Versailler Vertrages in der Sicherheitsfrage ausfülle. Der Völkerbund werde berufen sein, eine große Rolle als Hüter des europäischen Friedens $ u »spielen.
DsuischLanö und Italien.
Eine Unterredung mit Mussolini.
Italiens Diktator, Mussolini, hat einem deutschen Journalisten eine Unterredung gewährt, in der er darauf hinwies, daß infolge einer ganzen Reihe von Verbrechen und Attentaten die Schaffung st r e n g e r Maßnahmen notwendig War, die aber nur Ausnahmegesetze varstellen, die ourcy oie imgeroöymuy erregten Zeiten gerechtfertigt und auch zeitlich auf fünf Jahre beschränkt seien. Mussolini beschwerte sich darüber, daß die ausländische Presse der faschistischen Regierung gegenüber diejenigen Höflichkeitsformeln bermiffen lasse, die im internationalen Verkehr üblich seien.
Die politischen Beziehungen zu Deutschland bezeichnete der Diktator als durchaus freundlich. Auch die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern nähmen einer« immer größeren und erfreulicheren Aufschwung. Mussolini verwies im Zusammen-
Musiolini.
Hang hiermit aus ein in den letzten Tagen zum Abschluß gekommenes A b l S s u n g s a b k o m m e n für den deutschen Besitz in Südtirol, durch das die Freigabe einer Anzahl deutscher Besitzungen in Südtirol erfolgt sei. Was die Militärkontrolle anbetrifft, so glaubt Mussolini, daß man auch in dieser Angelegenheit zu einer Verständigung kommen könne.
Am Schluß der Unterredung betonte Mussolini, daß sich Italien für die epochemachende E r f4 n d u n g des deutschen Gelehrten Bergius über die Verflüssigung der Kohle in außerordentlichem Maße interessiere, da Italien reiche Braunkohlenlager habe, die viel intensiver ausgenutzt werden könnten. Die Völker sollten sich überhaupt in ernster Arbeit kennen und gegenseitig schätzen lernen und sich nicht durch die Brille der Verhetzung betrachten.
„Journal" weiß zu berichten, daß Briand nach der Sitzung, über die Frage des Anschlusses Österreichs an Deutschland gefragt, erklärt üabe, die Vereinigten Staaten von Europa seien die be" Bürgschaft gegen den Anschluß.
Briand hat weiterhin den Pi stdenten der Regie- rungskommission des SaargebieteS, ^hW ^; in Begleitung des französischen Mitgliedes der Kommission Maurice empfangen. Wenn auch die i-anzSsische Regierung in der Saarsrage noch keinerl Dnitive Beschlüsse gefaßt hat, so scheint doch der Gevu-nkenaustausch dem Wunsche Briands entsprungen zu sein, sich über die Opportunist einer eventuellen Vorverlegung der im Friedensvertrage für das Jahr 1935 festgesetzten A b - ft i m m u n g zu unterrichten.
*
Zu den Nachrichten über ie Möglichkeit einer B e - gegnung Briands, Ehambe latn d Mussolinis erklärt „Echo de Paris", da . r- lain in dieser Angelegenheit die Initiative ergriffen -aU. Er habe Briand Anfang vergangener Woche zum ersten Male hiervon Mitteilung machen lassen. Der englische Botschafter in Rom verhandele mit Mussolini, über dessen Entschließung noch nichts bekannt fei.
Krassin f.
Rußlands Geschäftsträger kn London. :
Der russische Geschäftsträger in England, Krassin, ist im Alter von 56 Jahren gestorben. Krassin war schon seit längerer Zeit schwer krank und auch eme Operation, der er sich im April d. J. unterzogen hat. hat seinem Leiden keine Besserung bringen könne«.
der Sowjetunion. Einen ieü feiner hat er
in Deutschland genossen und war auch längere Zeit bei der Firma Siemens und Halste tu Berlin als Ingenieur tätig. Im Jahre 1918 stellte er sich der Moskauer Regierung zur Verfügung und wurde von ihr in demselben Jahre als Unterhändler nach Berlin gesandt, um den deutsch-russischen Zusatzvertrag zum Brest-Litowsker Frie- densvettrag zustande zu bringen. Im Jahre 1920 wurde Krassin dann von der Sowjetregierung nach London gesandt, wo er erfolgreich die russisch-englischen Wirtschasts- Verhandlungen führte, die durch den Abschluß eines Handelsvertrages zwischen England und Rußland gekrönt wurden.
Schluß der britischen Aeichskonferenz.
Die britische Reichskonferenz hat ihre letzte Bollsttzung abgehalten. In einer letzten Entschließung wurde noch einmal die Bedeutung der Konferenz für die Reichseinheit zum Ausdruck gebracht. In einer A dreffe an den König wird betont, daß die Konferenz ihre feste Grundlage in der Überzeugung aller gehabt habe, daß die Krone das unerschütterliche Symbol der Einheit aller Teile des Britischen Reiches sei. Die Ministerpräsidenten der einzelnen Dominien würdigten noch einmal in kurzen Ansprachen die Tätigkeit der Konferenz. Nach wetteren Ausführungen der anderen DelegattonSführer betonte am Schluß Ministerpräsident Baldwin in seines Ansprache, daß die Anwesenheit der Domtutenvertreter und der Geist der Konferenz England mit neuer Kraft und H off- nung erfülle. In jedem Winkel des Britischen Reiches werde jetzt dieser Geist herrschen. Darin liege die Hauptbedeutung der Konferenz.
Das Ergebnis der britischen Reichskonferenz ist in einem Gesamtbericht niedergelegt worden. Der Bericht enthält eine Reihe von Empfehlungen, die von verschiedenen Ausschüssen gemacht worden sind, und kurze Angaben über die vertraulichen Aussprachen in der Voll- konferenz über außenpolitische Fragen und Fragen der Verteidigung. In bezug auf die Frage der Reichsverteidigung wird in dem Bericht hervorgehoben, die Kon- ferenz habe anerkannt, daß, nachdem eine erhebliche Beschränkung der Rüstungen stattgefunden hat, doch eine beträchtliche Anstrengung zur Aufrechterhaltung des Minimalstandards der Seestreitkräfte. wie er in Washington festgelegt worden ist, nämlich der Aufrechterhaltung einer der Stärke jeder anderen Seemacht gleichen Stärke notwendig sein würde. Nach den Berichten der Admiralität seien erhebliche Ausgaben im kommenden Jahr für den Ersatz veralteter Kriegsschiffe durch moderne Neubauten erforderlich.
Konflikt zwischen Amerika und MeM.
Drohender Abbruch der Beziehungen.
Das amerikanische Staatsdepartement hat eine Note rn die mexikanische Regierung veröffentlicht, in der Prüft- sent Calles darauf aufmerksam gemacht wird, daß das Inkrafttreten der Grundeigentumsgesetze, durch die nur