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Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher /lnZeiger für den Kreis Hersfelö

MonatlicherBezugspreis: Durch diepost bezogen 1.00 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Sersfeld 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 0.80 Reichs-Mark. Druck und Verlag von Ludwig Kunks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VVZV.

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mit den Beilagen: Seimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung unb Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 275

Dienstag, den 23. November 1926

76. Jahrgang

Britische Anpassung.

Zu den jüngsten Beschlüssen der in London stattge- fundenen Britischen Reichskonferenz, in denen manche fchon die sich ankündigende Auflösung des Britischen Weltreiches, mindestens aber eine erhebliche Schwächung der Londoner Zentralgewalt sehen wollen, wird uns von sachkundiger Seite geschrieben:

Nach außen hin mag es so scheinen, als führten die veröffentlichten Beschlüsse der beendeten Britischen Reichs­konferenz zu einer weiteren Lockerung des Bandes, das das Mutterland und die Dominions, die bisher schon halb selbständigen Einzelländer über See, miteinander verknüpft. Die Verpflichtung, die England für eines oder mehrere Dominions übernimmt, soll nur dann Rechtsgültigkeit haben, wenn von dorther Zustimmung erfolgt oder eine gemeinsame Zustimmung sämtlicher großen Kolonien erfolgt.

Man gibt im Englischen Weltreich wenig auf For­meln, verleiht lässig Rechte, behandelt die Dominions als fast selbständige Staaten, weil man in London genau weiß, daßBlut dicker ist als Wasser". Daß die Angli- sierung in Kanada und in Südafrika ebenso rest­los durchgeführt ist wie in dem von vornherein englischen Australien, daran änderten die Hunderttausende der zugewanderten Ausländer, der einheimischen Anders- stämmigen nicht das geringste; der Kanadier mit seiner starken französischen Blutbeimischung schlug sich für das Mutterland ebenso wacker wie die erst 13 Jahre zuvor annektierten Buren. Dieses Band ist viel fester, diese Zusammenhänge weit tiefer verankert als äußere Fesseln und Bänder, die in kritischen Augenblicken doch nur brechen. Das Wesentliche bleibt auch nach außen hin da­durch betont, daß die Reichskonferenz Wert legt auf die Herstellung engerer Beziehungen zwischen der Londoner Regierung und denen der Dominions. Und diese Be­ziehungen sind persönlicher Art, nicht in Formen feierlicher Verträge gebunden. Ausdrücklich wird daher auch erklärt, daß " Politik fürs erste immer noch London vorbehalten bleiben soll. Schwierigkeiten besonderer Art, die hierbei bestanden, sind verschwunden; Australien ist sehr damit einverstanden, daß sich das Verhältnis Englands zu Japan beträchtlich abgekühlt hat, und die kanadischen Liebenswürdigkeiten den Vereinigten Staaten gegenüber sind einem verschärften wirtschaftlichen Wett­bewerb gewichen. Die eigentlichen Fragen der eng­lischen Außenpolitik liegen zurzeit in Europa und um das Mittelmeer herum, außerdem im Fernen Osten also interessieren sie die großen Domi- nons nicht; denn auch das jüngste von ihnen, nämlich das jetzt so friedfertig gewordene und zufriedene I r l a n d, be­schäftigt sich lediglich mit inneren Fragen; überlaßt alles andere vertrauensvoll der Londoner Regierung. Und diese hat nichts dagegen einzuwenden, daß Kanada nach Washington einen Gesandten schickt, daß stch Südafrika eine eigene Flagge zulegt man ist eben großzügig m London, weil man auch weiß, daß man stch auf diese fast ganz selbständigen Dominions nicht bloß im kriegerifchen Ernstfall, sondern auch im wirtschaftlichen Krieg verlassen kann. Der Wirtschaftsverkehr zwischen dem Mutter­land und den Kolonien erführt ja weitgehende Bevor­zugungen im Zoll- und Frachttarifwesen, freilich nur, so­lange man nicht gegeneinander konkurriert. Daß ein der­artig heftiger Kampf möglich ist, tote er seit Zähren zwischen der indischen und der englischen Textil­industrie tobt, beweist gerade, daß diese wirtschaftlichen Gegensätze ausgekämpft werden können, ohne das Gesuge des Reiches zu lockern.

Will man das Wesentliche dieser neuen Entwicklung mit einem besonderen Wort bezeichnen, so kann man sagen: das englische Weltreich modernisiert sich. Die politischen und wirtschaftlichen Spannungen rings um den Erdball sind andere geworden, verwickeltere vor allem Da hat es sich eben als notwendig herausgestellt, daß auch die Mittel, diese Spannung zu bewältigen, dezen­tralisiert werden. Hat man doch in London die Gewiß­heit, daß auch jenseits der Meere gesamtenglische Politik gemacht wird."

Außenpolitik im Reichstag.

Sitzung des Auswärtigen Ausschusses.

Der Reichstag tritt nach einwöchiger Pause wieder sich vor allem mit der Lage der auswar-

tigert Politik zu befassen. Bei diesen Debatten, die Reichs- außenminister Dr. Stresemann durch ein längeres Referat einleitet, wird auch die Frage der Militär- kon t r o l l e, die in der letzten Zeit die politrfche Öffent­lichkeit aller Länder außerordentlich interessiert hat, eine hervorragende Rolle spielen. Als Auftakt zu diesen außenpolitischen Beratungen des Reichstages kann eine Sitzung des Auswärtigen Ausschusses gelten, die am Montag abend im Reichstag tagte. Ern -eil dieser .lus- schußberatungen war der Frage der Beziehungen des Reiches und Preußens zu dem m Berlin erfcheinenben Blatt Deutsche Al l g e m e i n e Z e 'tun.8 gewidmet die bekanntlich bis zu ihrem Ankauf durch Stinnes häufig als Sprachrohr der deutschen Regierung benutzt wurde.

Unwetter über ganz Europa

Unwetter und Zerstörungen.

Seit Sonnabend wütete über ganz Mitteleuropa und namentlich auch an der Nordsee- und Kanalküste ein schwerer Sturm, der vielfach von Regen abgelöst wurde. An vielen Stellen ist außerordentlich großer Sachschaden angerichtet worden, während die Verluste an Menschen­leben erfreulicherweise verhältnismäßig gering sind.

In Bayern.

Aus verschiedenen Gegenden des bayerischen Hochlandes laufen Nachrichten über schwere Sturmschäden ein. Am Königs­see wütete ein heftiger Wirbelsturm, der vielerlei Schaden an den Häusern anrichtete, manche Dächer ganz abdeckte und Bäume entwurzelte. Die Straße nach Berchtesgaden und Ramsau wurde durch umgelegte Bäume gesperrt. Auch in der Gegend des Kochelsees richtete der Sturm schwere Ver­wüstungen an. Am Mondsee entstand durch den Sturm ein Waldbrand, dem Hochwald und viel geschlagenes Holz zum Opfer sielen. Der Sturm war zeitweise so stark, daß Züge an der Weiterfahrt gehindert wurden.

In Schlesien.

In Reichenbach ist u. a. an einem mehrstöckigen massiven Wohnhaus der ganze Dachstuhl losgerissen und in die dahinter fließende Peile geworfen worden. Eine Feldscheune mit dem gesamten Inhalt wurde fortgeführt und einem auf dem Haupt- bahnhof in Reichenbach stehenden Güterzuge, der mit Brettern beladen war, die ganze Ladung entführt und weit ins Feld getragen. An verschiedenen großen Fabrikgebäuden wurde er­heblicher Schaden angerichtet. In Königsfelde deckte der Sturm das Haus eines Stationsmonteurs zur Hälfte ab und ver­ursachte an den Bahnanlagen gleichfalls erheblichen Schaden. Auch aus Neiße und Umgebung wird vielfach durch den Sturm angerichtetes Unheil gemeldet. Die großen Flachsscheuern der Kaunsdorser Flachswerke wurden vollständig abgedeckt. Aus ötieuvuetg um Ouets wird Ortanschaven in der ganzen Iser- gebirgslandschaft gemeldet. Die Spitze des Rathausturmes wurde hier in einer Länge von vier bis fünf Metern abgerissen und durchschlug das Dach des Rathauses.

Kälteeinbruch im Schwarzwald.

Im Schwarzwald ist ein plötzlicher Kälteeinbruch erfolgt. In den Berglagen herrscht anhaltender Schneesall. Aus dem Feldberg war die Tagestemperatur 2 Grad. Die Schnee­höhe beträgt dort sieben Zentimeter.

Eisenbahnunglück infolge des Sturmes.

In B r e g e n z hat der Sturmwind den Frühzug der Linie BenzauBregenz aus den Gleisen geworfen, wobei sechs Wagen entgleisten. Zwei Reisende wurden leicht verletzt. Die elektrische Zuleitung der Arlbergbahn ist zwischen den Bahn­höfen Hintersasse und Dalaäs infolge Absturzes von Gesteins­massen und Baumstämmen in einer Länge von 500 Metern herabgerissen und beschädigt worden. Der Zugverkehr ist unterbrochen. Im Semmering- und Schneeberggebiet wüteten drei große Waldbrände, die enormen Schaden an- richteten. In allen drei Fällen mußte Militär eingreifen, um das Feuer einzudämmen.

Überschwemmungen in der Schweiz.

Infolge der heftigen Regengüsse der letzten Wochen auf dem Südfuß der Alpen, die noch durch einen Schirokko verstärkt wurden, sind im Kanton Tessin an verschiedenen Stellen große

Die Deutsche Allgemeine Zeitung ist dann nach dem Zu- sammenbruch des Stinneskonzerns an ein Konsortium verkauft worden, während die Druckerei des Blattes von Preußen erworben worden ist. In der Öffentlichkeit sind nun in letzter Zeit Nachrichten darüber aufgetaucht, daß die Deutsche Allgemeine Zeitung aus öffentlichen Mitteln Unterstützungen bekommen haben soll. Die Be­ziehungen der DAZ. zu Reich und Preußen sind aber vor- läufig so in Dunkel gehüllt, daß ein Außenstehender sich hiervon zunächst kein klares Bild machen kann, so daß die Erklärungen des Reichsaußenministers Dr. Strese­mann zu dieser immerhin bemerkenswerten politischen Angelegenheit klärend wirken können.

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Die ReiOsregierung im Besitz der

Deutschen Allgemeinen Zeitung.

Bevor der Auswärtige Ausschuß des Reichstages in die Tagesordnung eintrat, gab Reichsaußenminister Dr. Strese­mann folgende Erklärung ab:

In einer Reihe von Zeitungen sind Mitteilungen übet die Beziehungen der Reichsregierung zur Deutschen Allge­meinen Zeitung verbreitet worden, die in ihren Einzelheiten nicht richtig sind. Im Einvernehmen mit dem Reichs­kanzler stelle ich darüber folgendes fest: Von dem gesamten Berlagsunternehmen der Deutschen Allgemeinen Zeitung, das seinerzeit von der preußischen Regierung im August 1925 er­worben wurde, ist im April d. J. die Zeitung aus daS Reich übergegangen, soweit die Minderheit der Anteile nicht im Privatbesitz sind. Die durch diese Veränderung für das Reich entstehenden Ausgaben werden aus dem Dispositionsfonds des Reichskanzlers und des Reichsanßenministers gedeckt, dir etatsrechtlich zur Verfügung des Reichskanzlers und des Außenministers stehen. Zwischen dem früheren und dem jetzigen Besitzer sind Verabredungen über die allgemeine Haltung des Blattes getroffen worden, die der allgemeinen Tendenz des Blattes entsprechen.

Überschwemmungen hervorgerufen worden. Am Sonntag ging bei Bellinzona der Tessin über die Ufer. Nördlich der Stadt stehen weite Felder und Wiesen unter Wasser. Ebenso trat der Tessin in der Nähe von Biasca über die Ufer. Auch der Lange See ist bei Locarno über den Kai hinausgetreten. Bei Lugano hat der gewaltige Südsturm die Ziegel von den Dächern geschleudert und in den Parks großen Schaden ange- richtet. Der Kai wurde überschwemmt.

Ein gewaltiger Sturm raste durch das Rheintal. Fast kein Dach blieb unversehrt. Hunderte von Bäumen wurden entwurzelt, taufende andere haben schwere Beschädigungen erlitten. Der Sturm endete mit einem gewaltigem Regen- Wetter. Im unteren Tessintal erreichen die Regenmengen seit dem 1. November strichweise fast 600 Millimeter. Der dies­jährige ist also einer der regenreichsten November seit langen Jahren. Die Pässe vom Gotthard bis zur Bernina haben viel Schnee erhalten. Am Simplon und am Gotthard beträgt die Neuschneedecke etwa einen Meter.

Schwere Schäden in der Tschechoslowakei.

Der drei Tage dauernde Sturm hat ungewöhnliche Stärke angenommen. Die elektrischen Bahnleitungen wurden zer­rissen und dadurch der Verkehr der Schlesischen Landesbahn und der OstrauKarwiner Bahn bedroht. In Städten und Dörfern des Ostrauer Gebiets wurde großer Schaden ange­richtet. Dächer wurden abgedeckt, Fensterscheiben eingedrückt und in Gärten und Wäldern Bäume entwurzelt. 22 Telephon­leitungen wurden unterbrochen. In der Elektrizitätszentrale der Wilkowitzer Gruben warf der Sturm einen sechs Meter hohen Kühlturm um. Personen sind nicht verletzt worden.

In Frankreich.

Der Sturm, der seit einigen Tagen über ganz Frankreich wütet, hat überall schwere Schäden verursacht. Im Innern des Landes haben die ununterbrochenen Regengüsse das An­schwellen zahlreicher Flüsse zur Folge gehabt, die über ihre User traten. Im Verlaus mehrerer Gewitter schlug der Blitz ein und verursachte Brände. Sowohl aus dem Mittelländischen sind in Gefahr und verlangen drahtlos Hilfe. Die Rettungs­station in Marseille fing den Hilferuf des englischen Dampfers Altworth" aus. Der Dampferdienst zwischen Frankreich und England erleidet beträchtliche Verspätungen.

An der englischen Küste.

Großbritannien ist von schweren Stürmen heimgesucht worden. An verschiedenen Stellen der Küste sind kleinere Fahrzeuge gestrandet, deren Mannschaften gerettet werden konnten. Der französische SchonerAnne Marie" mußte in der Nordsee von der Mannschaft verlassen werden. Der eng­lische DampferCarlbeath" hat die Bemannung übernommen Im Kanal hat die französische KetschRosalvnne" Schiffbruch erlitten. Die Mannschaft wurde von einem englischen Ret­tungsboot geborgen. Auf dem Atlantischen Ozean ist der DampferAldjorth", ein Schiff von 3500 Tonnen, in Seenot geraten. Verschiedene Schiffe, darunter der Cunarddampser Andania", sind dem Schisf zu Hilfe geeilt. Nach einer Mel­dung derAndania" ist der DampferAldworth" schwer be­schädigt und der Schiffsraum überflutet. Der Kapitän hofft, das Schiff noch zu retten.

In Spanien.

In Spanien sind schwere Unwetter niedergegangen. Fast alle Flüsse sind über die Ufer getreten. Es werden zahlreiche Unfälle gemeldet. Viele Fischerboote werden vermißt. Neun Fischerboote zerschellten an den Uferfelsen vor Sanlucar. Mehrere Menschen sind ertrunken.

Erkrankung des ehemaligen Kaisers.

Widersprechende Gerüchte.

Wie eine amerikanische Nachrichtenagentur zu mel­den weist, ist der frühere Kaiser in Dooru seit einigen Tagen bettlägerig, nachdem er am Freitag bei einem Spaziergang von einem Unwohlsein befallen worden war. Obwohl von der Umgebung des Kaisers erklärt wird, daß es sich nur um eine unbedeutende Indis­position handele, erhält sich hartnäckig ein Gerücht, daß die Erkrankung ernster Natur sei.

Von der Generalvertretung des ehemaligen r . ,s- Hauses in Berlin wird demgegenüber mitgeteilt, c , ryr von einer ernsthaften Erkrankung des Kaisers nicht das mindeste bekannt sei. Der Kaiser verspüre seit einigen Tagen lediglich leichte rheumatische Beschwerden, die aber sein Allgemeinbefinden nicht beeinträchtigen würden.

Wege zum sozialen Volksstaai.

Eine Rede des Reichsarbeitsministers.

Der Gewerkschaftsring der Christlichen Gewerkschaften hatte den Reichsarbeitsminister Dr. Brauns zu einem Vortrag überWege zum sozialen Volksstaat" eingeladen. Der Minister ging in seinem Referat zunächst auf die Ent­wicklung des christlichen Gewerkschaftskampfes in den letzten Jahrzehnten und auf die Entwicklung des sozialen Rechts in der Nachkriegszeit ausführlich ein. Der Leit­gedanke des neuen Arbeitsrechts sei die An­erkennung der Persönlichkeit des Arbeiters. Dieses Recht verlange die Mitwirkung der Arbeiter bei der Regelung der Arbeitsbedingungen und bei der wirtschaftlichen und sozialen Gesetzgebung. Die Gewerkschaften seien heute das Fundament der ganzen Arbeitsver. tatf una. Ein wicktiaer Fortschritt auf sozialrechtlichem