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kersfelöer Tageblatt

Anzeigenpreis: Sie einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, ; die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grundschrist Korpus), r Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- i Nachlaß gewährt.: Zür die Schristleitung verant- wörtlich: Zranz Zank in Hersfeld.: Kernsprecher Nr. 8

mit den Beilagen:" Seimalschollen

hersselöer Kreisblatt

MtlicherMzeiger für den Kreis HersfelS

«HH*»HH*»HltM»H«»«H»*«H4«**H4»H«»**«H**H*»»HHt*< : Monatlicher Bezugspreis: Durch diepost bezogen 1.00 ;

Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld 1-00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Hbholer : 0.80 Reichs-Mark. druck und Verlag von Ludwig ; Zanks Buchdruckerei in Hersfelö, Mitglied des VdZV. '

/ Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagessragen.

Nr. 274

Montag, den 22. November 1926

76. Jahrgang

Oel statt Kohle.

Von den Volks-, vor allem aber den weltwirtschaft­lichen Folgen der deutschen Erfindung, aus Kohle, und zwar aus St e i n k o h l e, aber besser noch aus Braun­kohle, jetzt erstklassige Brenn-, Schmier- und Heizöle herzustellen, kann man sich vorläufig nur in großen Strichen ein Bild machen.

Setzt man den Kohlentonnenpreis mit 15 Mark an, so hat das Ol, das aus dieser Tonne Kohle gewonnen werden kann, gerade den dreifachen Wert. Welches Verfahren es gibt deren zwei bei der Verflüssigung der Kohle das rentablere sein wird, läßt sich im Augen­blick noch nicht sagen. Das eine aber steht fest: bei der reinen Steinkohlenfeuerung war es bisher nur möglich, die Heizkraft dieses Brennkörpers zu etwa einem Viertel nutzbar zu machen; der Rest gingzum Schornstein hin­aus". Das kann jetzt anders werden, derBrennwert" steigt bei Verflüssigung in Ol und entsprechender Um­wandlung der Feuerungsanlage auf das Dreifache.

Unterschiede derSorten" sind bei der Verflüssigung der Kohle nicht von großer Bedeutung; gerade die billigsten und schlechtesten Sorten, nämlich die Feinkohle und Kohlengrus, eignen sich, am besten, weil sie sich am leichtesten vermahlen lassen. Daß die Braunkohle sich so­gar noch besser eignet, hat gleichfalls allererste volkswirt­schaftliche Bedeutung, da das Vorkommen dieses Roh­stoffes besonders in die Norddeutsche Tiefebene fällt; während z. B. England darin sehr benachteiligt ist. Aus allem ergibt sich eine gewaltige Wertsteigerung der deut­schen Gesamtkohlenschätze, wenn die Arbeit, die mit ihnen geleistet wird, auf das Dreifache gesteigert wird.

Binnenwirtfchaftlich hat aber die neue Ent­deckung auch sehr erhebliche Folgewirkungen nach der Transportseite hin. Die Kohle ist einsperriger" Rohstoff, d. h. die Transportkosten stehen in keinem guten, also billigen Verhältnis zum Wert der Wagenladung. Bekanntlich konnte der deutschen Kohle die englische Kohle transport von England nach Hamburg wert billiger ist als aus dem deutschen Kohlenrevier. Tritt nun das Öl au die Stelle diesessperrigen" Transportgutes, so ver­schiebt sich die Kostenfrage radikal, weil sie dann überhaupt kaum noch eine Rolle spielt angesichts der Hochwertigkeit des transportierten Gutes; bei geschickter Anlage der neuen Fabriken für Qlherstellung werden sie sich noch weiter herunterdrücken lassen. Außenwirtschaftlich ist daran zu denken, daß die Kohle neben dem Kali der einzige Rohstoff ist, den wir in so nennenswerten Massen besitzen, daß wir ihn a u s s ü h r e n können. Vor dem Kriege haben wir darin ja auch England überholt, dem wir noch jetzt in der betriebstechnischen Ausgestaltung der Kohlenförderung weit überlegen sind. Jetzt ließe sich statt diesessperrigen" Ausfuhrgutes das leicht trans- portierbare, aber dreifach wertvollere Fertigfabrikat, das aus diesem Rohstoff gewonnen wird, ausführen. Welch' weltwirtschaftliche Folgen das haben kann, läßt sich Nicht einmal andeutungsweise wiedergeben, namentlich, da wir einen gewaltigen Vorsprung gewonnen haben.

Auf der anderen Seite sind wir Großabnehmer für alle Produkte, die aus dem ausländischen Erdöl gewonnen werden, also vor allem Petroleum, Benzin und Schmieröle. Diese lassen sich nun durch das neue Ver­fahren im eigenen Lande in gleicher Güte herstellen; Prof. Bergius behauptet, daß das aus der Verflüssi­gung der Kohle gewonnene Gasolin besser sei als das bisher erzeugte, und das Klopfen des Motors verhindert. Und dem Motor, nicht der Dampfmaschine gehört die Zu­kunft. DerKampf um das Ql" hat ja die Politik der großen Staaten in den letzten Jahrzehnten entscheidend bestimmt, die Weltpolitik spielte sich ab auf diesem welt­wirtschaftlichen Hintergrund und wir hatten dabei nichts mitzirreden; unfern Vorstoß mit der Bagdadbahn in das persisch-mesopotamische Olgebiet hinein zerschlug der Aus­gang des Weltkrieges.

Jetzt haben wir mitzureden, sehr gewichtig mitzu- reden; freilich nicht mit Hilfe der Gewalt, sondern durch Geist und deutsches Entdeckergenie. Dr. Ze.

Kroßere Sicherheit im Eisenbahnverkehr.

Neue Maßnahmen der Reichsbahn.

Die Reichsbahn hat die Vorarbeiten für die Ein­richtungen zur Beeinflussung fahrender Züge derart ge­fördert, daß die Lösung des Problems der Übertragung der Signalstellung auf den fahrenden Zug unter auto­matischer Einwirkung aus die Bremse der Verwirklichung naherückt. Mit den Übertragungsmitteln, die den Magne­tismus zur Übertragung benutzen, wurden gute Erfah­rungen gemacht. Nach eingehenden Vorversuchen, ver­bunden mit Probefahrten zwischen Zehlend ors und Neubabelsberg, läßt die Reichsbahn längere, be­sonders aber nebelreiche Strecken, wie z. B. Hamm O b e r h a u s e n (Emschertalbahn) mit derartigen Ein­richtungen ausrüsten. Sollten diese Versuche einen günstigen Verlauf nehmen, so ist damit zu rechnen, daß Ende nächsten Jahres die planmäßige Ausrüstung aller Reichsbahnstrecken mit Borrichtungen gegen das uber- sahrcn der Haltesignale in Angriss genommen wird.

Poliisih-

stimt deutsch

Der deutsche Sieg in Oderschleflen.

Das Ergebnis der Gemeindewahlen.

Über das Ergebnis der Gemeindewahlen in Polnisch- Oberschlesien sind von polnischer und von deutscher Seite widersprechende Nachrichten verbreitet wor­den. Nachdem nunmehr aus den Landgemeinden Mel­dungen vorliegen, stellt sich das vorläufige Ge­samtergebnis folgendermaßen dar: Unbestrit­ten ist der deutsche Sieg im gesamten Industrie- revier. In Kattowitz-Stadt betrügt die deutsche Mehr- Heit 25 513 gegen 16 090 polnische Stimmen, in Königs­hütte 21247 gegen 8744, in Bismarühütte 6660 gegen 4348, in Laurahütte 9932 gegen 5485, in Chorzow 3172 gegen 1321. Im Landkreis Kattowitz stehen 42 717 deutsche 38 243 polnischen Stimmen, im Kreis Schwien- tochlowitz 41493 deutsche 35 238 polnischen gegen­über. Polnische Mehrheiten sind auf dem platten Lande der Kreise Rybnik und Pleß zustande gekommen. Aller­dings ist hier zu beachten, daß polnischer Terror hier nicht nur, wie im ganzen Abstimmungsgebiet, die deutsche Wahlagitation aufs äußerste erschwerte, sondern

Waliraf über deutschmtionale Politik.

Reichsschulgesetz und Wehrhaftigkeit.

Auf dem Landesparteitag der Deutschnationalen Volkspartei in Hessen-Nassau sprach der zweite Vor­sitzende der Deutschnationalen Volkspartei, Staats- m i n i st e r a. D. W a l l r a f. Der Redner ging auf die Verhandlungen wegen einer Erweiterung der Regierung ein und bezweifelte es, daß diese Verhandlungen bei HWBMBWI^ S des konfessionellen Friedens in Deutschland und meinte, daß sich der Wettstreit der Konfessionen auf die Ausbil­dung wichtiger Charaktere für das Leben beschränken sollte. Schon das R e i ch s s ch u l g e s e H könne eine Be­lastungsprobe für die Konfessionen werden. Doch werde die Deutschnationale Volkspartei so verfahren, daß der Friede der Konfessionen gewahrt werde. Im Mittel­punkt der Betrachtungen über die A u ß e n p o l i t i k stand Thoiry. Weiterhin fetzte sich Wallraf mit der Rede Steg er Walds in Osterfeld auseinander. Wenn das Sch u l g e s e tz , wie Stegerwald gesagt hat, kein Eckstein der deutschen Politik sein solle, so kündige sich darin aufs entscheidenste der Wandel in der Zentrumspartei an. Wallraf kennzeichnete es als das größte Verbrechen, wenn versucht würde, dem deutschen Volke den Gedanken der Wehrhaftigkeit zu rauben.

Italiens Ausnahmegesetz angenommen.

.Mussolini spricht.

Der Senat in Rom hat das neue Staatssicherheits­gesetz mit 183 gegen 49 Stimmen angenommen. Das Ge­setz bestimmt die Wiedereinführung der Todesstrafe für Attentate gegen den König, Mitglieder der königlichen Familie, den Ministerpräsidenten und schwere Zuchthaus­strafen für alle Anschläge auf den Staat.

Grundsätzliche Bedenken gegen die Wiedereinführung der Todesstrafe sind nicht erhoben worden, auch die Not­wendigkeit eines Ausnahmegesetzes wurde in Anbetracht der wiederholten Attentate gegen Mussolini anerkannt. Dagegen wurden schwere Bedenken erhoben gegen den Paragraphen 4, der für diejenigen Zuchthausstrafen Vor­sicht, die in irgendeiner Form die aufgelösten Parteien, Vereinigungen und Organisationen wieder ins Leben zu i rufen suchen, für deren Theorien weiter Propaganda trei­ben und sich damit in einen Widerspruch zu den geltenden Gesetzen setzen. Ebenso wurden gegen die Zusammensetzung der Kriegsgerichte, die bekanntlich nur aus Mitgliedern der nationalen Miliz bestehen sollen, Bedenken erhoben. Justizminister Rocco erklärte, das Gesetz sei und bleibe ein Ausnahmegesetz. Diesen Charakter verdanke es aber der Unvollkommenheit der bestehenden Gesetze. Die Mittel des neuen Gesetzes seien Mittel des Kampfes und der Ver­teidigung. Sein Ziel aber sei die Wiederaufrichtung der Ordnung und der Befriedung des Landes.

Mussolini sagte dann, das außerordentliche Tribunal solle nur mit Personen besetzt werden, die von ihm, Mussolini, persönlich ausgewählt werden würden. Das Tribunal werde über jeden Verdacht erhaben sein. Es werde keine Rache üben, aber strenge Justiz walten lassen. ___

Englischer Kshlenstreik im Abbau.

Nur noch DistriktsverHandlungen.

Die Delegiertenkonferenz der Bergarbeiter hat den Antrag abgelehnt, den Kampf im Bergbau fortzusetzen. Die Konferenz der Bergarbeiterdelegierten nahm mit 502 000 gegen 286 000 Stimmen eine Entschließung an, worin allen Bezirken anempfohlen wird, unverzüglich mit den Grub«ibesitzern,in ihren Bezirken die Verhandlungen

jogar in vielen Sorten Die Aufstellung deutscher Listen unmöglich machte. Der amtliche Wahlzwang ist hier infolgedessen nur den polnischen Wählern zugute gekommen. In den ländlichen Kreisen Pleß und Rybnik stehen nach polnischen Quellen 90 000 polnische Stimmen 31 000 deutschen gegenüber. Selbst dieses Stimmverhält- nis bedeutet einen Rückgang der polnischen Mehrheit dieser Gebiete bei der Volksabstimmung von 1921.

Alles in allem kann das Gesamtergebnis der Abstim­mung, das in der polnischen Presse Bestürzung hervor­gerufen hat und das Korfanth ein Volksgericht nennt, nur als großer deutscher Erfolg bezeichnet wer­den. Es hat in überraschender Weise die Stärke der deut­schen Minderheit und den nach wie vor überwiegend deutschen Charakter des Industriegebietes bewiesen. Dieses Ergebnis ist doppelt hoch zu veranschlagen, wenn man bedenkt, daß bei der Volksabstimmung im Jahre 1921 noch die Auswärtigen mitstimmen durften, daß seit­her eine starke Verdrängung des deutschen Elements statt- gefunden hat und daß die jetzigen Gemeindewahlen unter einem starken polnischen Terror gestanden haben.

wegen ves Avscyiuffes neuer Lohnverträge zu eröffnen, doch soll kein Bezirk eine endgültige Regelung annehmen, bevor nicht eine nationale Konferenz abgehalten worden ist. Damit ist der Streik als geschlossene natio­nale Kampfhandlung wohl zu Ende.

Immerhin ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß in dem einen oder anderen Bezirk der Streik noch etwas an­dauern wird. Am nächsten Freitag wird die Delegierten­konferenz erneut zufammentreten, um die Berichte der gegenzunehmen. Von dem von der Regierung vorgeschla­genen Schiedsgericht ist im Augenblick keine Rede mehr. Die Frage wird Anfang nächster Woche vom Kabinett er­örtert werden. Ein Teil des Kabinetts soll der Auf­fassung sein, daß eine Regierungsintervention noch immer notwendig fei, damit den Bergarbeitern vernünftige Be­dingungen unterbreitet würden. Andere Regierungs­mitglieder sind dagegen der Auffassung, daß die Berg­arbeiter, nachdem sie beschlossen haben, die Gewerkschaft als Appellationsgerichtshof einzusetzen, nicht erwarten könnten, daß die Regierung noch ein Schiedsgericht bilden werde.

Die Exekutive der Bergarbeiter befchloß, die Ein­ladung des Allrussischen Gewerkschaftsbundes zu dem im Dezember stattfindenden russischen Gewerkschaftskongreß anzunehmen und den Sekretär C o o k als Gastdele­gierten nach Moskau zu entsenden.

Selbständigkeit der bn'tffKen Kolonien.

Ergebnisse der Reichskonferenz.

Die soeben verkündeten Beschlüsse der seit Wochen tagenden Britischen Reichskonferenz verleihen jedem selbständigen Glied des Weltreiches volle Autonomie. Der Generalgouverneur hört auf, Vertreter der englischen Re­gierung zu sein und wird der Träger der Personalunion zwischen England und dem beteffenden Dominion nur als unmittelbarer Vertreter des Königs. Die Dominions er­halten das Recht, Verträge über alle ihnen geeignet er­scheinenden Fragen der inneren, äußeren und der Wirt­schaftspolitik abzuschließen. Kein Vertrag, den England oder ein Dominion abschließt, hat irgendwelche verbind­liche Kraft für einen nicht am Vertragsabschluß beteiligten Teil des Reichs. Die Dominions erteilen in Zukunft den fremden Regierungen die Zustimmung zur Konsul­ernennung, und die Reichskonferenz erkennt das Prinzip an, daß die Dominions besondere diplomatische Vertreter in Ländern unterhalten dürfen, mit denen sie besondere Interessengemeinschaften zu regeln haben.

Die Miliiärkonirolle.

Dr. Stresemann bei Hindenburg.

Reichspräsident v. Hindenburg hat den Reichsaußen­minister empfangen. Dr. Stresemann hielt dem Reichs­präsidenten Vortrag über die schwebenden Fragen der künftigen Umgestaltung der Militärkontrolle und gab einen eingehenden Bericht über den Stand der Pariser und Berliner Besprechungen.

Die französische Regierung läßt offiziös erklären, daß sie die Forderung auf Einrichtung einer ständigen Mili- tärkontrolle durch die Jnvestigationskommission des Völkerbundes niemals erhoben habe und auch nicht er­heben werde. Eine solche Forderung würde den Ver­trägen nicht entsprechen. Dagegen wünscht die französische Regierung, daß Mittel und Wege gefunden werden, um eine gewisse Stabilität der Militärkon­trolle auch nach ihrem Übergang an den Völkerbund zu gewährleisten. Was sie unterStabilität" versteht, wurde auch auf Anfrage nicht mitgeteilt.