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Hersfelöer Tageblatt Hersfelöer Kreisblatt Amtlicher Mzeiger für den Kreis Hersfelö mit den Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anterhattungsblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurrwei! / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Anzeigenpreis: Die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, ; die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grunöschrist Korpus). : Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- : Nachlaß gewährt. Zür die Schristleitung verant- wörtlich: Kranz Kunk in Hersfelö. Kernsprecher Nr. 8 :

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Nr. 252

Mittwoch, den 27. Oktober 1926

76. Jahrgang

Keine Kohlennot.

Es ist ja gar nicht wahr, wie einige Ängstliche behaup­ten, daß wir eine Kohlennot haben, daß wir deswegen Gefahr laufen, bei Einbruch des Winters frierend am kalten Ofen zu sitzen! Wenn die Belieferung deutscher Fabriken mit Kohlen schleppend geworden ist, so liegt dafür der Grund darin, daß der größte Kohlenproduzent Euro­pas, England, seit fast sechs Monaten ausfällt aber das hat doch mit dem Hausbrand nur herzlich wenig zu tun. Namentlich bei den Braunkohlenproduzenten Mittel­deutschlands sind Riesenlager aufgestapelt und die Erzeu­gung bewegt sich in einem Tempo, daß alle Ansprüche rasch befriedigt werden können. Also nicht aus Kohlennot leben wir in einigen Gegenden von der Hand in den Mund, sondern der Kapitalmangel beim Verbraucher eben­so wie beim Groß- und Kleinhändler hindert vielerorts am Aufstapeln von Vorräten; wir wollen daher von Glück sagen, wenn die Abbeförderung der Kohlen von der Grube in die Verbrauchergebiete immer gut klappt. In manchen Großstädten sind keine Kohlenreserven vorhanden, aber wenn man nur bezahlen kann Kohlen erhält man, soviel wie man verlangt. Erzeugen wir doch an Braun kohle jetzt beinahe das Doppelte der Vorkriegsförderung.

Bei der Steinkohlenförderung haben wir diese ebenfalls erreicht, finden aber für sie nur für die jetzige Zeit des englischen Bergarbeiterstreiks den vollen Absatz, übrigens hat dieser Streik noch etwas anderes zur Folge gehabt, was der deutschen Kohlenwirtschaft eine gewisse Erleichterung verschafft hat: die Preise zogen etwas an und durch die Ausschaltung des englischen Grubenpreises als Maßstab für den Preis der Repara- tionslieserungskohlen wurde es möglich, bei diesen Repa­rationslieferungen, wie bekannt, ein anderes Verfahren als bisher einzuführen. Es sollen keine Zwangskieferungen mehr stattfinden die bisher auf dem Wege über das Kohlensyndikat erfolgten und zu ständigen Preisstreitigkeiten sMrter^^^ckondLrn anes vollzieht sich auf dem Wege freier Verein­barung zwischen dem betreffenden französischen Ab­nehmer und dem deutschen Lieferanten. Daneben hat der englische Streik ja schon längst die Wiederöffnung der belgischen und der französischen Grenze für die Deutsche Einfuhr erzwungen und diese Errungenschaft bleibt vorläufig, ohne daß wir bei Wiederkehr normaler Zustände an ein großes Kohlenausfuhrgeschäft nach jenen beiden Ländern glauben können. Leider bleibt daneben ruch die lästige Maßnahme, daß auf die deutsche Kohlen- rusfnhr in Frankreich der 26prozentige Zuschlagszoll ge­legt ist und gelegt bleibt. Der Ertrag dieses Zolles wird uns ja freilich genau so wie der der Kohlenlieferungen nur auf Reparationskonto verrechnet.

Gegenüber der güten Konjunktur in der festländischen Kohlenwirtschaft bedeutet es einen fast unheimlichen Ge­gensatz, wenn man in England den Verlust, der durch den Streit hervorgerufen worden ist, auf rund sechs Milliar- ven Goldmark beziffert. Das wäre ungefähr das Zwölf- lache dessen, was die Bergwerksbesitzer vom August 1925 bis zum 1. Mai 1926 an staatlichen Zuschüssen erhalten gaben. Und man weiß in England auch ganz genau, daß iber die Gesamtverlustsumme das letzte Wort noch längst richt gesprochen ist; noch währt der Streik, wenn er auch richt mehr den gewaltigen Umfang der vorigen Monate gat, und noch weiß man nicht, wann und wie man aus Dieser schweren, allen Industriezweigen furchtbare Wun­den schlagenden Krise herauskommen soll. Wohl finden wieder einmal Verhandlungen statt, aber die Erbitterung ist doch auf beiden Seiten so riesenhoch gewachsen, daß es fast so aussieht, als komme es nicht mehr auf ein Biegen, sondern nur noch auf ein Brechen an.

DieBelga".

Die neue belgische Währung.

Belgien hat zur Stabilisierung seiner Währung eine Ausländsanleihe in Höhe von 100 Millionen Dollar ab­geschlossen. Dem Namen nach bleibt der Frank bestehen. Als Währungseinheit jedoch ist er zu klein, um bei der Abrechnung, insbesondere mit dem Ausland, verwendet zu werden. Daher wird vornehmlich für den Auslands- verkehr eine besondere Rechnungseinheit, dieBelga", ge­schaffen, die den Wert von 75 Goldcentimes = 5 stabilk- sierten Goldfranl darstellt. Wird diese Neuerung durch­geführt, so verschwindet der belgische Frank aus dem inter­nationalen Wechselkurszettel; mit dem französischen Frank und dem Schweizer Franken hat der belgische nur noch den Namen gemein, der wohl nur aus Prestigegründen im Inland beibehalten wird. .

Der Stabilisierungskurs wird 174,31 für die Parität des Pfundes Sterling betragen. Was die Statuten der Nationalbank anbetrifft, so wird man die Deckung in Gold oder goldgleichwertigen Devisen auf 40 % festsetzen, da­von drei Viertel obligatorisch in Gold. An der Eröffnung der Kredite haben sich neun Emissionsinstitute beteiligt, nämlich die R e i ch s b a n k, die Bank von England, tue Bank von Frankreich, die Federal Reserve Bank, die Kai­serlich Japanische Bank, die Niederländische Bank, die Bank von Schweden, die Österreichische Nationalbank und die Bank von Ungarn.

WeidW weilt da

Ä Mjtle-GedächtllWlumer im ReichSillnenmillisteriml.

Hindenburgs Mahnung an die Jugend.

In den Räumen des früheren Großen Generalstabs, die jetzt vom Reichsinnenministerium benutzt werden, wurde in Anwesenheit des Reichspräsidenten, des Reichswehr­ministers, Generalleutnats Heye und anderer Offiziere der Moltke-Gedächtnissaal mit einer kurzen Feier eingeweiht und der Öffentlichkeit übergeben. Reichsinnen­minister Dr. K ü l z ergriff als erster das Wort und sprach allen denen, die diese Stätte haben errichten helfen, vor allem dem Reichspräsidenten, seinen Dank aus. Er schil­derte in kurzen Zügen Generalfeldmarschall v. Moltkes unvergängliche Verdien ste um das deut­sche Volk und wies auf die Mahnung hin, die aus Moltkes Lebenswerk zu uns spreche, daß des deutschen Mannes wahre Rede die Tat sei. Denn die beste Idee könne ohne die Tat nichts werden. Von Moltke sei

Das Moltke-Zimmer.

manche gewaltige Idee ausgegängen, aber seine ganze Arbeit sei immer auf die Tat eingestellt gewesen. Das solle allen, die für Volk und Vaterland sich einzusetzen berufen seien, als Vorbild leuchten. Generalleutnant Heye dankte im Namen der Reichswehr dem Reichsmi­nister des Innern für die Schaffung des Moltke-Gedächt- niszimmers, des Mannes, der niemals für seinen Ehr­geiz, sondern stets nur für einen höheren Zweck gearbeitet und gekämpft habe. Im Sinne dieses Schweigers der Tat werde die Reichswehr erzogen, um befruch­tend zu wirken am deutschen Volk und den Wiederauf­stieg Deutschlands au fördern.

Die Frage der MititarkoKirstle.

Frankreichs Wünsche beim Völkerbund.

Wie derDaily Telegraph" erfahren haben will, über­läßt die Botschafterkonferenz es dem Ermessen des Ge­nerals Walch und seiner Kollegen von der Interalliierten Kontrollkommission, irgendwelche weiteren Ermahnungen an das Reichswehrministerium in der Frage von Ver­stößen gegen die Entwaffnungsbestimmungen des Ver- sailler Vertrages zu richten. Man hofft durch diese Methode, das Aufsehen und die Erbütterung z u v e r m e i d e n, die eine formelle Note der Botschafter- konferenz in Deutschland und anderswo erregen würde.

Der Korrespondent meldet weiter: Der wirkliche Grund für die Abneigung der französischen Regierung ge­gen eine baldige Übertragung der Kontrolle an den Völ­kerbund sind weniger die fraglichen Verstöße als vielmehr die Entschlossenheit Poincares und der französischen Heer­führer, kein Nachlassen der ständigen Kontrolle, die die Übernahme durch den Völkerbuni^weifellos mit sich brin­gen würde, zu gestatten, bis die genauen Bedingungen der Völkerbundkontrolle in einer Frankreich befriedigenden Weise festgesetzt sind. Die Franzosen.verlangen in dieser Beziehung eine alliierte Mehrheit in dem Völkerbund­kontrollausschuß, häufigere und regelmäßigere Inspek­tionen, als bisher ins Äuge gefaßt wurden, eine schärfere Kontrolle über die entmilitarisierte Rbeinlandzone als über das übrige Deutschland und die Befugnis für den Völkerbundrat, Sanktionen durch Mehrheitsbeschluß und nicht nur durch einstimmigen Beschluß anzuordnen.

Das Urteil im ersten

Lan-sberger Aemeprozeß.

Das Schwurgericht in Landsberg sprach das Urteil über Thom und Genossen. Thom wurde wegen versuchter Tötung zu zwei Jahren, Rathsmann wegen Beihilfe eben­falls zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, Buchholz . dagegen wegen Bedrohung zu einem Monat Gefängnis.

! Mentaler ein

Sodann ergriff der Reichspräsident v. Hindenburg das Wort und begrüßte es mit Dank, daß diese Stätte, die für chn voll vieler und schwerer Erinnerungen fei, dem treiben des Tages entzogen, der Erinnerung und der Mahnung an das deutsche Volk geweiht werde. In den gleichen Räumen habe er über zehn Jahre unter Moltke gearbeitet und in dem zur Gedächtnisstätte bestimmten Saum dem Generalfeldmarschall des öfteren Bortrag gehalten. Hier habe er auch in den Jahren 1914 big 1918 gewohnt, wenn er zu schwerwiegenden militäri­schen Beratungen nach Berlin kam. So sei dieser Raum für ihn erfüllt von vielen, zum Teil schweren Erinnerun­gen. Der Reichspräsident schloß mit dem Wunsche, daß vor allem unsere Jugend in der Erinnerung an den großen schweigsamen Denker die Kraft und die Fähigkeiten ge­winnen möge, am Wiederaufbau unseres Vaterlandes uitzuwirken. Der Reichspräsident dankte dem Jnnen- ninister als dem Schöpfer der Erinnerungsstätte.

Die Ausstattung des Moltke-Zimmers

Über die Gestaltung des Moltke-Zimmers erfaßten Mir, daß es dieselben Räume sind, in denen Moltke nach >em Kriege 1870/71 gearbeitet hat, in denen e.r auch nach >em Jahre 1888 nach seiner Verabschiedung gewohnt hat rnd am 24. April 1891 gestorben ist. Im Jahre 1919, lach dem Weltkriege, wurde das Gebäude bekanntlich von >em Reichsinnenministerium bezogen. Die Anregung zur Einrichtung des Moltke-Gedächtniszimmers stammt von >em Reichsinnenminister Dr. Külz. Das Arbeitszimmer,ein ünfacher und würdiger saalartiger Raum, zeigt in meh­reren Küsten h ist arische Dokumente, beginnend nit der Entlassung Moltkes aus dem dänischen Heeres- .jUnü aniM ny»n " '»oimi^ywi^WWMWMMHWW^

iegen historische militärische Operationsentwürfe aus, lus der Schlacht von Königgrätz ein handschriftlicher Be- chl Moltkes an den Führer der Elbarmee, Herwarth von Bittenfell), das Dokument über die Kapitulation ton Sedan, zwei Originalbriefe des alten Kaisers, lämlid) das Dokument, in dem die Erhebung Moltkes in wn Grafenstand ausgesprochen wird, und das General- eldmarschallspatent. Interessant ist auch der Entwurf üner nicht abgegangenen Beschwerde Moltkes iber B i s m a r ck aus dem Januar 1871. Besonders sistorische Kunstwerke stellen der von Menzel stammende Lhrenbürgerbrief der Stadt Berlin sowie die Ehrenbür- serbriefe der Städte München und Dresden und der in Blau gehaltene, mit Gold verzierte Feldmarschallsstab, un Geschenk der Stadt Köln, dar. Von Menzel ferner ein Porträt Moltkes und eine Zeichnung des Feldstechers )es Generalfeldmarschalls, nach der Menzelschen detail- ierten Zeichnungsweise in allen kleinen Details ausge- nbeitet. Auf dem Schreibtisch Moltkes liegen in Bronze üe von Professor Lessing abgenommene Totenmaske und fein durchgearbeitet die gefalteten Hände.

Thom werden aus die erlittene Untersuchungshaft sieben Monate, Rathsmann zehn Monate angerechnet. Buchholz hat seine Strafe durch die erlittene Untersuchungshaft verbüßt.

In der Urteilsbegründung wurde gesagt, daß, selbst wenn es richtig ist, daß Thom mit Klapproth über die Tat gesprochen hat, Thom doch auf die Tat aus eigenem Antrieb, aus Fanatismus, aber dennoch mit Überlegung gekommen ist. Die allgemeine Erregung, die im Jahre 1923 überhaupt herrschte, sowie die Erregung, die in Küstrin besonders über den Munitionsdiebstahl entstand, komme strafmildernd in Betracht; dennoch kann alle diese Erregung nicht die Überlegung ausschließen. Thom ist also wegen Mordversuchs zu verurteilen. Was Raths­mann anbelangt, so mußte er wegen Beihilfe bestraft wer­den, gleichgültig, wie die inneren Empfindungen waren, die ihn zur Tat getrieben haben. Die beiden Bestraften haben sich selbst zu Richtern gemacht und so leichtfertig die Gesetze verletzt. Sie mußten deshalb bestraft werden.

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Der zweite Fememordprozeß.

§ Landsberg a. d. W., 26. Oktober.

Vor dem Schwurgericht begann der zweite Fememord- prozeß, die Verhandlung gegen Erich Klapproth, Jo­hannes H a y n und Oberleutnant a. D. Schulz wegen Mordversuchs an dem Zeitfreiwilligen Fritz G ä d i ck e. Gegen Hayn ist nur wegen Beihilfe, gegen Schulz wegen Anstiftung Anklage erhoben. Der Antrag des Vertreters des Neben­klägers Gädicke auf Zusammenlegung des Verfahrens mit der für die nächsten Tage angesetzten Verhandlung gegen Schie- bur und Genossen wurde nach lebhafter Auseinandersetzung zwischen dem Gericht, dem Antragsteller und den Verteidigern abgelehnt. Auch der Antrag der Verteidigung aus Ausschluß der Öffentlichkeit wurde abgelehnt. Zur Begründung des ab­lehnenden Beschlusses führte der Vorsitzende u. a. aus, das deutsche Volk habe bezüglich feiner Reichs,- wehr und ihrer Leitung ein gutes Gewissen und es bestehe kein Grund, die Öffentlichkeit auszuschließen. Es begann hierauf

die Vernehmung der Angeklagten.

Zunächst Wurde der bisher unbestrafte, am 23. November