»♦♦«♦♦»♦♦♦♦«♦♦♦♦«»«♦»««««♦«♦»»«♦♦♦'♦♦♦«♦♦♦♦♦♦♦«♦«•«»♦»«»»o*»«» : Anzeigenpreis: Die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, | : die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grunöschrist Korpus). : : Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- : : Nachlaß gewährt. ❖ Kür die Schriftleitung verant- ♦ : wörtlich: Kranz Kunk in Hersfelö.» Kernsprecher Nr. S :
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Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher MMgee für den Kreis Hersfel-
mit öen Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabeuö / Aerö und Scholle / Unterhaltung und Wissen ________________________ Welehrungunb^Kurrweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
Nr. 249 (erstes Statt)
GonnabenS, den 23. Gtlober 1026
76. Jahrgang
3m Wandel der Zeiten.
Dem Oberhaupt eines vormals regierenden Hauses in Deutschland ist kürzlich von der zuständigen Magistratsbehörde, nach pflichtmäßiger Prüfung seiner gegenwärtigen Vermögensverhältnisse, das Bedürftigkeitszeugnis ausgestellt worden, auf Grund dessen er bei Gericht die Bewilligung des A r m e n r e ch t s zur Durchführung eines ihm aufgenötigten Prozesses beantragen konnte. Auch von einzelnen Angehörigen anderer deutscher Fürstenhäuser wird berichtet, daß sie mehr oder weniger verarmt seien, nicht weniger von gewissen Zweigen des früheren österreichischen Kaiserhauses, innerhalb dessen die Sonderart nicht bloß immer jugendlicher Familien- mitglieder auch schon zu den Zeiten noch ungetrübten Herrscherglanzes ja manche Verheerung angerichtet hat.
Jetzt muß sich der im Schweizerlande lebende Erzherzog Eugen nachsagen lassen, daß er aus Geldnot gezwungen gewesen sei, die gesamte Einrichtung seines herrlichen Schlosses in Salzburg über den großen Teich zu verkaufen, da ihm nach Beschlagnahme seiner ertragreichsten Güter in der Tschechoslowakei keinerlei Einkünfte mehr zur Verfügung standen. Von einem anderen Erzherzog wird sogar aus Newyork gemeldet, daß er sich gegen ein stattliches Dollarhonorar verpflichtet habe, bei der Versteigerung feines alten Familienmobilars persönlich die kauflustigen Bürger der Stadt zu empfangen. Und vor einem Wiener Zivilgericht hatten sich dieser Tage zwei frühere Erzherzoginnen im Alter zwischen 25 und 30 Jahren vernehmen zu lassen — die eine davon Witwe mit einer monatlichen Pension von 140 Schilling, die andere die leibhaftige Tochter einer Prinzessin von Sizilien-Bourbon — wegen einer Miet- streitigkeit mit einem Untermieter, der die beiden Damen aus der ihm überlassenen Fünf-Zimmer-Wohnung gern ganz und gar verdrängen wollte. Vor einer Berliner Strafkammer wiederum hatten sich soeben mehrere frühere Offiziere der kaiserlich russischen Armee zu verantworten, Männer, die im Pagenkorps des Zaren erzogen wurden, im märchenhaften Glanz des Petersburger Hof- lebens groß geworden sind und ; :u^< nachdem Kriegsver- * tust und Revolution sie um alles Vermögen, um jeden Familienrückhalt und schließlich auch um ihre ganze sittliche Würde gebracht hatten, bis zur Gemeinschaft mit gewinnsüchtigen Kokainschiebern herabsanken, die sie jetzt mit mehrmonatiger Gefängnisstrafe zu büßen haben.
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Alles das Begleiterscheinungen einer Zeit, die in orkanartigen Stürmen das Unterste zu oberst gekehrt hat und nun nicht recht weiß, wie die entfesselten Gewalten der Natur und der Menschenseele wieder zu einigem Ruhestand zurückgebracht werden sollen. Billig zu sagen, daß die Welt im ganzen an der zugrunde gerichteten Aristokratie der Vorkriegszeit nicht viel verloren habe, daß es vielmehr nur darauf ankommen könne, sie durch gleich- oder höherwertige Elemente aus den neu zum Bewußtsein ihrer Menschenwürde erwachten Volksschichten zu ersetzen. Bis zu einem gewissen Grade wird man sich, gern oder ungern, auch hier schon auf den Boden der gegebenen Tatsachen stellen müssen, denn daß die verschwundenen Zeiten mit ihrer Gesellschafts-, ihrer Vermögens- und ihrer Bildungs- gliederung nicht mehr wiederkehren werden, steht Wohl so ziemlich außer Zweifel. Dennoch aber sollte es in einzel- nen Fallen doch nicht unmöglich sein, zu prüfen, ob die vom Untergang bedrohten Kreise der Vergangenheit nicht auch für die Gegenwart noch wertvoll genug erscheinen, um ihnen Halt und Hilfe angedeihen zu lassen. Wenn die Königin von Rumänien jetzt eine Amerikareise unternimmt, sich drüben wie eine erstrangige Sehenswürdigkeit aus irgendeinem europäischen Zoologischen Garten feiern läßt und so nebenher gegen fürstliches Verlegerhonorar Reisebeschreibungen anfertigt, die sie vielleicht, wenn es soweit sein wird, von einem ihrer Günstlinge abfassen läßt, so möchten wir diese Art einer allzu modernen Herrscherin allerdings nicht als besonders anbetungswürdig bezeichnen. Aber unter den vielen wirklichen Aristokraten von ehedem wäre gewiß mancher zu sinden, dessen Untergang auch vom Standpunkt der heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung aus einigermaßen zu beklagen wäre. $
Die Wandelbarkeit der Volksstimmung macht sich neuerdings auch in Ländern bemerkbar, die jenseits des großen Krieges und seiner tiefgreifenden Folgeerscheinungen verblieben sind. So hat sich in Norwegen die Mehrheit, die vor einigen Jahren das Land in bestimmten Grenzen t r o ck e n z u l e g e n für richtig befand, jetzt in eine Minderheit verwandelt und in eine recht erhebliche sogar. Wie es dort zu diesem Umschwung der Meinungen gekommen ist, läßt sich von außen her nicht so leicht feststellen. Es wird aber vermutlich nicht viel anders gewesen sein als in Schweden, wo gleichfalls beschrankte Alkoholverbote in Kraft sind und sich nach ziemlich allgemeiner Überzeugung nicht bewährt haben, oder gar ru den Vereinigten Staaten, wo eine Volksabstimmung heute aller Wahrscheinlichkeit nach mit dieser gutgemeinten, aber ihren Wirkungen nach völlig verfehlten Gesetzgebung gründlich aufräumen würde. Man kann den Kampf um die Trinkunsitten für noch fo berechtigt, für noch so notwendig halten, die Art aber, wie er in diesen Fallen ws- her gehandhabt worden ist, hat nicht nur nicht zum Siel
Kmsmnzeu Dr. H»W in Piris
Neue Aussprachen Wer Hsiry.
Versicherungen Dr. v. Hoeschs über den Kaiser.
Der deutsche Botschafter in Paris, Dr. V. H o e s ch, bei zur Herstellung seiner Gesundheit längere Zeit in Deutsch land weilte, hat wieder die Amtsgeschäste in der Parisei Botschaft übernommen. Sofort nach seiner Rückkehr hatte er eine längere Unterredung mit dem Generalsekretär irr französischen Außenministerium, Berthelot, der in polb tischen Kreisen große Bedeutung beigemessen wird. Allerdings ist über die Aussprache zwischen den beiden Staatsmännern keine amtliche Nachricht ausgegeben worden, so daß man auf die Meldungen einiger Pariser Blätter angewiesen ist, wenn man sich über den Inhalt der Besprechungen zwischen dem deutschen Botschafter und Berthelot informieren will.
Einen breiten Raum in der Unterhaltung hat, nach Pariser Blättermeldungen, die Aussprache über die deutsch-französische Verständigung und die Politik von Thoiry eingenommen. Nach dem „Petit Parisien" und dem „Matin" soll Berthclot dem Botschafter mitgeteilt haben, daß es Frankreich bei der weiteren Verfolgung der in Thoiry ausgestellten politischen Hiele wenigcreilig und den Wunsch habe, im einzelnen sowohl die technischen ;mie die wirtschaftlichen, militärischen und politischen [Seiten des Problems prüfen zu lassen, bevor man sich yn Verhandlungen weiter vorwage. Es fei an sich schon viel, wenn der Gedanke einer Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland in Frankreich so ausgenommen sey wie es tatsächlich der Fall war. Es sei wirklich nicht möglich, daß sich ein solcher Gedanke schon in wenigen Wochen zu konkreten Formen ausgestalten könne. Von Wichtigkeit ist noch die Mitteilung des „Petit Parisien", saß bei der Unterredung zwischen Hoesch und Berthelot such die Frage der Rückkehr Kaiser Wilhelms Lach De u t j ch-La yyd wLet-er ungeschLttien sei. Das Blatt behauptet, daß von dem Berliner Kabinett offizielle Zusicherringen gegeben worden seien, wonach die Rückkehr des Kaisers nach Homburrg v. d. Höhe oder anderswohin auf keinen Fall genehmigt oder geduldet werden würde.
Am Freitag ist Botschafter Dr. V. Hoesch vom französischen Außenminister, Briand, empfangen worden. Auch bei dieser Unterredung dürfte es sich vornehmlich am die weitere Behandlung der in Thoiry begonnenen Annäherungspolitik zwischen Deutschland und Frankreich gehandelt haben. i
geführt, sondern die Übelstände, die man ausrotten wollte, eher noch verschärft. Aus begangenen Fehlern sollte man lernen, wie es besser gemacht werden könnte; nur Dann wird man einen abermaligen Umsturz der öffentlichen Meinung auf diesem Gebiete nicht zu fürchten brauchen. Die Zeiten und die Meinungen wandeln sich. Dr. Sy.
Gegen das Mrischüßömanisest.
Amerika für Schutzzölle.
Gegen das vor kurzem erlassene internationale Wirtschaftsmanifest, das zunächst mit Zurückhaltung aufgenom- men worden ist, machen sich jetzt allerlei Widersprüche geltend. Der Präsident von Nordamerika, C o o l i d g e, hatte eine längere Unterredung mit dem Schatzsekretär Mellon, als deren Ergebnis eine Kundgebung der amerikanischen Regierung an die Presse Amerikas vorbereitet werden soll, in der betont wird, daß die dem Manifest zugrunde liegende Idee von Amerika zwar als gesund angesehen werde, jedoch nur soweit sie a u f e u r o p ä i s ch e Verhältnisse angewandt werde. Amerika müsse Unbedingt weiter auf Schutzzöllen bestehen, während Schutzzölle innerhalb europäischer Staaten nach Ansicht amerikanischer Regierungskreise für überflüssig gehalten werden.
Auch aus Polen, Italien und Frankreich werden Widersprüche gegen das Freihandelsmanifest taut Die französischen Unterzeichner des Manifestes haben dem Handelsministerium in Paris gegenüber erklären lassen, daß sie nicht das Manifest selbst, sondern nur oas irrtümlich als Anhang dazu bezeichnete Dokument mit ihren Namen gedeckt hätten, was eine unzweideutige Desavouierung des Haupttextes bedeutet. Aus Washington und London kommt die Nachricht, daß auch mehrere der englischen und amerikanischen Unterzeichner unter dem Vorgeben, daß ihre Namen nur durch ein Mißverständnis daruntergekommen seien, ihre Unterschriften zurückzuziehen beabsichtigen.
Hindenhurg im Krischen HerZen.
Abreise des Reichspräsidenten aus Bremen.
Den Abschluß des Bremer Besuchs des Reichspräsidenten bildete ein Festmahl im Rathaus, zu dem etwa hundert Einladungen ergangen waren. Der Präsident des Senats, Bürgermeister Dr. Donandt, wies in seiner Begrüßungs-
Mündliche Verhandlungen der Mitars.
Das unrichtige Havas-Kommunigus.
Das von der Havasagentur veröffentlichte Kommunique über den Inhalt einer neuen Note, die nach Beschluß der letzten Botschafterkonferenz der deutschen Neuerung in der Abrüstungsfrage übergeben werden sollte, ist, wie die D. A. Z. von unterrichteter Seite erfährt, soweit der tatsächliche Inhalt der Note wiedergegeben wurde, falsch. Eine Note der Botschafterkonferenz ist außerdem Der deutschen Regierung nicht übermittelt worden. Die Ausstellungen, die die Botschafterkonferenz in der Ab- cüstungsfrage noch machen zu müssen glaubt, werden mündlich dem deutschen Botschafter in Paris übermittelt werden.
Aus Quellen, die Fühlung zu interalliierten Militärkreisen haben, wird dem Rachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsverleger mitgeteilt, es fei damit zu rechnen, daß das Versailler Militärkomitee, an dessen Spitze bekanntlich Marfchall Fach steht, die Führer der siberwachnngskommission zur mündlichen Berichterstattung nach Paris beordern wird, bevor weitere Schritte in der Frage der Militärkontrolle unternommen werden. Ferner erwäge man, ob sich nicht in einer mündlichen Aussprache zwischen den leitenden militärischen Stellen der Alliierten und den maßgebenden deutschen Stellen eine schnellere, sichere Beilegung der schwebenden Differenzpunkte erreichen ließe, als dies durch eine Fortsetzung des Notenwechsels möglich wäre.
Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" ist in der Lage, Einzelheiten über die neuen Forderungen der Botschafterkonferenz an Deutschland mitzu- teilen. Danach sehen die Forderungen folgende Punkte vor: 1. Die ungenügende Reduzierung der höheren Kommandos und Stäbe, 2. die ungesetzliche zeitweilige Anstellung von Militär, 3. der Mißbrauch der früheren mili- iärischcu Mrnrichtun--- 1. ungese-ckiche Gaümkalwn und Export von Kriegsmaterial, 5. die Konstruktion aller Gebäude, die Infanterie- und beweglichen Fahrzeuge für die Festungsgeschütze innerhalb der Festung Königsberg, 6. die übergroße Anzahl der Sicherheitspolizei in den Kasernen, 7. die militärischen Übungen und Propaganda- arbeiten der geheimen nationalistischen Organisationen. Im Punkt 8 habe die Botschafterkonserenz ihrer Befriedigung über den Rücktritt des Generalobersten von S e e ck t Ausdruck gegeben, aber nichtsdestoweniger beschlossen, auch unter seinem Nachfolger auf den verbleibenden Forderungen zu bestehen.
ansprache aus die jubelnde Begeisterung hin, mit der Hindenburg in Bremen empfangen worden sei. „Der Name Hindenburg," so sagte Dr. Donandt weiter, „lebt in den Herzen und wird darin lebendig bleiben, so lange noch deutsche Herzen schlagen." Dr. Donandt versicherte darauf dem Reichspräsidenten, daß Bremen sich mit allen Fasern mit dem' Deutschen Reich verwinden fühle.
Nach einem Loch auf Hindenbura dankte der Reicks-
Hindenburg auf der Fahrt durch die Häfen.
In der Mitte der Reichspräsident, rechts der Generaldirektor S t i m m i n g Dom Norddeutschen Lloyd, links der Präsident des Bremer Senats, Dr. Donandt.
präsident für den ihm bereiteten herzlichen Empfang. Er stellte in seiner Erwiderungsrede fest, daß der alte hanseatische Geist trotz allem in Bremen weiterlebe. Hinven- burg wies weiter darauf hin, daß Bremen als Mittler zwischen deutscher Volkswirtschaft und der Welt für das Reich seine besonderen Ausgaben habe, und trank aus eine glückliche Zukunft Bremens. Vor dem Festmahl hatte Reichspräsident von Hindenburg turnerischen Darbietun-