6 ersfelöer Tageblatt
HH»W»«Wm»»WH»W«<WHH«W«HH»W»»W»HH«*HHH*< : ^nZeigLnpreis: Die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, ; die Reklamezeile ZS Pfennig. (Grunöschrist Korpus).
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mit den Beilagen: Heimatschollen
Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis HersfelS
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/ Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabenö / Herb und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung unb Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
Nr. 238
Montag, den 11. Oktober 1926
76. Jahrgang
Mussolinis Kriegspläne.
Daß sich die Herren Mussolini und Chamber- l a i u bei ihrer Zusammenkunft in der vergangenen Woche etwa über das gute Wetter unterhalten haben, dürfte kaum anzunehmen sein. Die außerordentlichen Vorsichtsmaßregeln, die man getroffen hatte, um den Außenminister Englands und den leitenden Staatsmann Italiens von dem Lauscherohr eines neugierigen Journalisten oder eines politischen Agenten feruzuhalten, ließen ohne weiteres darauf schließen, daß Dinge von sehr erheblicher Wichtigkeit von beiden behandelt wurden. Die dürftigen Angaben, die über diese Zusammenkunft amtlicherseits gegeben wurden, bestätigen nur die Annahme, daß man wenig fagte, um viel zu verschweigen. Irgendwelche aktuellen politischen Fragen, die England wie Italien berühren, schien es ja nicht zu geben. Und nun kommt plötzlich die Mitteilung einer der größten englischen Zeitungen, des „Daily Expreß", daß stchJtalienundGriechen- l a u d darauf geeinigt haben, gleichzeitig von Kleinasien und von Thrazien aus die Türkei anzugreifen; Rumänien und Jugoslawien hätten ihre Neutralität zugesagt. England wäre für diesen Angriff zwar ursprünglich nicht zu haben gewesen, auch Amerika habe versucht, auf Mussolini in vermittelndem Sinne einzugreifen, doch sei alles vergeblich gewesen.
Ob diese Meldung des englischen Blattes auf Wahrheit beruht, muß dahingestellt bleiben. Unwahrscheinlich erscheint diese Meldung aber nicht. Man darf doch nicht vergessen, daß Italien durch die Londoner Abmachung vom Jahre 1915 Versprechungen erhalten hat, die nicht eingelöst werden konnten, weil das siegreiche Schwert der Türken dieses Dokument zerschnitt. Halb Kleinasien war darin als Siegesbeute den Italienern zugespkochen worden, und die Griechen hatten einen verbrieften Anspruch darauf, Thrazien und Konstantinopel in ihren Besitz zu bekommen. Andererseits denkt die Türkei gar nicht daran, auf den Besitz der Inseln im Ägäischen Meer zu verzichten, _____die ihr im türkisch-italienischen Krieg 1911 entrissen worden sind. Das cnguiche B-air wich wsisi-u, ^^,^±1 sich schon für alle Eventualitäten gerüstet hat, daß sie vor allem am Golf von Adana Truppen zusammen- z o g, um einem Landungsversuch der Italiener entgegentreten zu können. Dort ist nämlich der verwundbarste Punkt der Türkei und es gehört zu den größten Merkwürdigkeiten des Weltkrieges, daß die Engländer es nic- mals versucht haben, die Bagdadbahn, die dort auf Kanonenschußweite an das Meer herantritt, zu sperren. Die Adanaebene gehört zu den fruchtbarsten Gegenden, über die die Türkei überhaupt verfügt, und Adalia, der Ausfuhrhafen dieses fruchtbaren Gebietes südlich des Taurus, ist für die Türkei wichtiger als Smyrna oder ein anderer Hafen.
Schon vor einigen Monaten war die Rede davon, daß sich die Türkei gegen einen italienischen Angriff rüste und gegenüber Rhodos Truppen zusammenziehe. Andererseits wurde behauptet, daß auf dieser Insel Italien allerhand militärische Vorbereitungen treffe. Man glaubte — vielleicht nicht mit Unrecht —, daß der Gegenstand einer Unterredung, die damals gleichfalls zwischen Mussolini und Chamberlain stattfand, eine Abtastung der indischen Politik durch den italienischen Staatslenker gewesen ist, wie man sich denn in London zu den kriegerischen Absichten Italiens stelle.
Und man darf eines nie vergessen: der größte und unerbittliche Gegner der Türkei ist England und wird es bleiben; aber auch in den Augen eines jeden Türk-n flammt der Haß auf, sobald man ihm gegenüber nur das Wort Engländer sagt.
OpYOsitionskampfe in Nußland.
Verbannung Sinowjews und Trotzkis?
Da die Führer der Opposition ungeachtet des Redeverbots in die Arbeiter- und Parteiversammlungen weiter eindringen, hat das Zentralkomitee der Partei Sinowjew, Trotzki und Piatakow dem Parteigericht übergeben. Es kann mit der Verschickung der drei Verhafteten nach Sibirien gerechnet werden. Ein Teil der Gruppe Stalin Hai die Artsschließung Sinowjews und Trotzkis aus der Partei beantragt, jedoch soll Stalin selbst sich dagegen geäußert haben. In Leningrad, Omsk und Odessa sind über 400 oppositionelle Parteimitglieder von der GUP. (Tscheka) verhaftet worden. Sinowjew erhebt die Beschuldigung, die GUP. hetze die Arbeiterschaft gegen ihn und seine Freunde auf. In Jnwanowo-Wosnessensk ist es auf eine, Arbeiterversammlung zu Zusammenstößen gekommen, so daß die GUP. schließlich die Versammlung auflöste. Der Skandal war durch neue Forderungen eines Anhängers Stalins, Molotow, auf Verschärfung der Kampfmittel gegen die Opposition hervorgerufen worden. Als Molotow androhte, daß das Zentralkomitee auch Maßnahmen gegen die Arbeitermassen zu ergreifen entschlossen sei, falls de, Opposition noch weiter Unterstützung gewährt würde, über- fielen die Arbeiter Molotow und versuchten, ihn zu verprügeln. Die sofort herbeigeeilten GUP-Truppen verhafteten eine Reihe von Arbeitern. In Kronstadt sind zwei Marineregimenter aufgelöst worden, weil sie sich zu, Opposition bekannt und die Ernennung Sofs zum Oberbefehlshaber der baltischen Flotte verlangt hatten.
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Die militärische Laufbahn des Generals.
Reichspräsident von Hindenburg hat nunmehr den Nachfolger für General von Seeckt ernannt, den er noch durch ein an ihn gerichtetes, in herzlichstem Tone gehaltenes Handschreiben ehrte, in dem er die Verdienste des scheidenden Generals im Weltkrieg sowie bei der Re- oraanttation des neuen Heeres lobend hervorhob. Die
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Wahl des Reichspräsidenten ist auf Generalleutnant Wilhelm Heye gefallen, der bisher Kommandeur der 1. Division in Königsberg war.
Generalleutnant Heye wurde am 31. Januar 1869 in Fulda geboren. 1888 trat er vom Kadettenkorps aus als Leutnant in das Infanterieregiment Nr. 70 ein. 1901 wurde er nach Absolvierung der Kriegsakademie in den Großen Generalstab versetzt. 1906 bis 1908 machte er den Krieg bei der Schutztruppe in Südwest- ir f r i k a mit. 1913 wurde er zum Major befördert und war Bataillonskommandeur im Infanterieregiment Nr. 74 in Hannover. Im Dezember 1913 wurde er zum Oberstleutnant befördert. Im W e l t k r i e g war er vom August 1914 bis November 1917 Chef des Generalstabes des Landwehrkorps, später der Heeresgruppe Woyrsch. Im August 1916 wurde er zum Oberst befördert. Im September 1917 wurde er zum Chef des Generalstabes der Heeresgruppe Herzog Albrecht ernannt. Im September 1918 wurde er zur Ober sten Heeresleitung kommandiert. Im April 1919 war er Chef des Generalstabes der Heeresgruppe Nord. Im Juli 1920 wurde er zum
Generalsderst v. Heermgsn f.
Generaloberst Josias V. Heeringen, der frühere Pren ßische Kriegsminister und spätere Heerführer im Welt- kriege, ist im Alter von 76 Jahren in Berlin an Herzschwäche verstorben. Bei Beginn des Weltkrieges führte der Verstorbene die 7. Armee, die den linken Flügel dei deutschen Westfront bildete. Er schlug die ins Oberelsaf eingedrungeutu Franzosen bei Mülhausen zurück und er rang einen großen Sieg zwischen Metz und den Vogefen. Später übernahm v. Heeringen den Oberbefehl über dü deutsche Küstenverteidigung. Im Herbst 1918 trat er in den Ruhestand.
Köpler-AfHoff Wer den Svhevzvliern- Zertrag.
Rückkehr des Kaisers nach wie vor unmöglich.
Der preußische Finanzminister Dr. H ö p k e r - Asch off sprach im Berliner Rundfunksender über den mit dem ehemaligen Königshaus in der vergangenen Woche abgeschlossenen Vergleichsvertrag. Er erwähnte die verschiedenen parlamentarischen Regelungsversuche. Die preußische Regierung sei der Ansicht, daß auch die kommenden Verhandlungen im Reichstag zu einer Klärung noch nicht sühren würden, und begründete damit daL Vorgehen der preußischen Regierung, die auf das Angebol der Vermögensverwaltung des ehemaligen Königshauses neue Verhandlungen einging und einen Vergleich zustande brächte, der, wie der Minister erklärte, für Preußen das bestmögliche darstelle. Die Bedeutung des neuen Vertrages liege vor allem darin, daß er den Kampf um die Fürsten- abfindnng jtnb die dadurch heraufbeschluorenen Parteige- gensätze beende und mildere und die letzten besonderen Rechtsbeziehungen zwischen Staat und ehemaligem Königshaus löse. Der Minister stellte dann im einzelnen
Generalmajor und Chef des Truppenamts im Reichswehrministerium ernannt. Am 1. April 1922 wurde er unter gleichzeitiger Beförderung zum Generalleutnant Chef des Heerespersonalamtes, und am 1. November 1923 Kommandeur der 1. Division in Königsberg.
Im August 1916 erhielt General Heye den Orden Pour le merite, im September 1918 das Eichenlaub hierzu. Generalleutnant Heye gilt als einer der b e f ä h i g t st e n und tüchtig stenOffiziere der Armee. Er bezeichnet sich selbst als Schüler und Anhänger des Generals von Seeckt. Wie berichtet wird, soll General Heye im Stäbe des Generals Gröner dem früheren Deutschen Kaiser gegenüber erklärt haben, daß er für eine geordnete Zurückführung des Heeres keine Garantie übernehmen könne, wenn der Kaiser nicht abdanke.
Emmnungsn in Preußen.
Neuer Staatssekretär, neue Polizeipräsidenten.
Das preußische Staatsministerium hat den Staatssekretär des Ministeriums des Innern, Dr. Meister, aus seinen Wunsch in den einstweiligen Ruhestand versetzt. An seiner Stelle ist zum Staatssekretär der bisherrge Ministerialdirektor und Leiter der Polizeiabteilung, Dr. A b e g g, ernannt worden. Zum Leiter der Polizemb- teilung des Ministeriums des Innern wurde der Mr- nisterialrat Dr. Klausener vom preußischen Wohl- sahrtsministerium ernannt. Gleichzeitig hat das Staatsministerium au die Stelle des Polizeipräsidenten von Berlin, die durch die Ernennung des bisherigen Polrzei- präsidenten Grzesinski zum Minister des Innern vakant geworden ist, den Kölner Polizeipräsidenten Zörgiebel berufen. An die Stelle des Polizeipräsidenten Zörgiebel in Köln tritt der bisherige Ministerialrat im Westreferat des Ministeriums des Innern, Bauknecht.
- "-—1*1» WA!»!!^ ^ M 11 n s h 5 r ; st f » i1 her einzelnen Persönlichkeiten ist mitzuteilen: Der neue Staatsjerrerar' A b e g g ist Demokrat. Ministerialdirektor Klaußner gehört dem Zentrum an; er war seinerzeit Landrat in Reckling- Hausen und wurde von der Besatzungsbehörde mit Gefängnis bestraft und ausgewiesen. Er kam dann zum Wohlfahrtsministerium. Der bisherige Kölner Polizeipräsident Zörgiebel gehört der Sozialdemokratischen Partei an, ebenso sein Nachfolger Bauknecht. ,t
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Deutsche Volkspartei und Große Koalition.
Der Vorstand der preußischen Landtagsfraktion der Deutschen Volkspartei trat zu einer Sitzung zusammen, die wohl als Abschluß der politischen Aussprache angesehen werden dürfte, die seit einigen Tagen die Fraktion beschäftigt hatte. Abg. Dr. v. Campe äußerte sich zu der Frage über die Erweiterung der Regierung im Sinne der Bildung der Großen Koalition und kam zu dem Schluß, daß die Deutsche Volkspartei nach wie vor zu Verhandlungen bereit ist. Der Fraktionsvorstanad stimmte dieser Auffassung zu.
dar, was Preußen erhält und was den Hoheuzollern verbleibt, und fuhr dann fort: Ich würde es begrüßt haben, wenn wir auch das Palais des alten Kaisers Unter den Linden für den Staat gewonnen hätten. Immerhin hat der Staat Vorkaufsrecht und das vormalige Königshaus ist verpflichtet, das Palais wie bisher der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dadurch ist auch verhindert, daß ein späterer Kronprätendent in den historischen Räumen des Palais Wohnung nimmt. Die Vertragsbestimmung, daß der ehemalige König und seine Gemahlin, übrigens schon durch den Vergleich des Jahres 1920 und dann wiederum durch den Vergleich des Vorjahres, das Recht haben, in dem dem Staat zufallenden Schloß Homburg vor der Höhe Wohnung zu nehmen, bedeutet für den Staat keine finanzielle Belastung, und ist ohne jede politische Bedeutung. Die Gründe, die eine Rückkehr des Kaisers unmöglich machen, bestehen nach wie Vor. Die Entscheidung hierüber liegt nicht bei Preußen, sondern beim Reich. Homburg vor der Höhe ist inzwischen als Museum eingerichtet worden.
Senior WirffchaMMrer in London.
Deutsch-englische Jndustriellenbesprechung.
Unter Führung von Geheimrat Duisberg sind ih England zehn deutsche Wirtschaftsführer zu den in Romsey stattfindenden Besprechungen mit englischen Wirtschasts- führern eingetroffen. Das Mitglied der deutschen Delegation Kastl erklärte einem Zeitungsvertreter, die Konferenz sei eine private Veranstaltung und besitze keine Ver- Handlungsvollmacht; auf beiden Seiten bestehe jedoch der aufrichtige Wunsch, eine Grundlage gegenseitigen guten Willens herzu stellen, aus der freundliche Beziehungen, sowohl in industrieller wie in politischer Hinsicht, entwickelt werden könnten. Er könnte nicht sagen, ob die Konferenz zu weiteren Konferenzen führen werde, aber es könne sein, daß die deutschen Mit-