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Hersfelöer Tageblatt Hersfelöer Kreisblatt Amtlicher Mnzeiser für öen Kreis Hersfel-

mit den Beilagen: Heimalfchollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

MonatlicherBezugspreis: Durch dielest bezogen 1.00 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfelö 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 0.80 Reichs-Mark. Druck und Verlag von Ludwig Zanks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VVZV.

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Nr. 237 fErftes M) Sonnabend, den 0. Oktober 1926 76. Jahrgang

Herbstkrisen.

Langsam sinken die Blätter, gelb und braun gefärbt, von den Bäumen, als wären sie es müde geworden, noch mehr des herbstlichen Sonnenscheins in sich aufzunehmen, der wieder einmal an die Vergänglichkeit alles irdischen Werdens und Reifens erinnert. Mit der gleichen Püukt- lichkeit, wie wir so vom Sommer Abschied zu nehmen ge­mahnt werden, stellen sich auch diesmal wieder in der hohen Politik die Krisen ein, die den Übergang zum Winter nun schon seit Jahren anzukündigen pflegen. In der Kaiserzeit war es nachgerade sprichwörtlich geworden: Mit den Herbststürmen gerät nicht nur die Natur noch einmal in Aufregung, gibt es nicht nur draußen in Wald und Flur noch ein letztes Aufbäumen gegen winterliche Erstarrung und Fesselung, auch in Staat und Gesellschaft begann es zu rütteln und zu schütteln, und was den Sommer über sich an ungelösten Problemen, an persön­lichen Reibereien und Unstimmigkeiten in den hohen Stellungen und Ämtern angesammelt hatte, das drängte, sobald die Tage kürzer und kürzer wurden und die groß­städtischen Salons mitsamt den Parlamentsstuben sich wieder füllten, zum Austrag, und wo es nicht anders ging, zu Konflikten. Mit dieser Überlieferung hat die neue Zeit nicht gebrochen; der Wechsel der Jahreszeiten ist eben doch wohl mehr als ein bloß für die leblose Natur bedeutungsvoller Vorgang. Jedenfalls haben wir es des öfteren nun auch schon in der Republik erlebt, daß Sommersende sich als gleichbedeutend erwies mit Krisen- anfang. Herbststimmungen in der Politik.

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Immerhin ein seltener Vorgang, wie der Rücktritt des preußischen Innenministers S e v e r i n g und das Abschiedsgesuch des Chefs unserer Heeresleitung, Gene­ralobersten von Se e ck t, an ein und demselben Tage die Öffentlichkeit überraschten. Die bloße Zufälligkeit des Zusammentreffens der freiwilligen Amtsniederlegung desjenigen sozialdemokratischen Ministers, der als der besondere Träger des republikanischen Staatsgedankens in Preußen gefeiert wurde, mit dem Rücktritt der höchsten ^WWjMMMWWMWW in Deutschland besonders begierig folgende Ausland möchte zum Teil zu gern beweisen, daß hier Zusammen­hänge vorliegen, deren Deutung der unbegrenzten Er­findungsgabe mancher restlos tätigen Spürnase weitesten Spielraum läßt. Wir wehren uns mit vollem Recht da­gegen, daß hinter einem Vorgang, der an unabänderlichen Grundsätzen der Disziplin seine hinreichende Erklärung finden kann, Beweggründe anderer, insbesondere außen­politischer Art gesucht werden. Wenn wir es dabei nicht verhindern können, daß jenseits unserer Grenzen, in erster Reihe sicherlich in F r a n k r e i ch, der Rücktritt des Herrn von Seeckt mit dem Thoirygespräch der Herren Strese- mann und Briand in irgendeine Verbindung gebracht wird, so läßt sich bei der Eigenart der Franzosen eben nichts ändern. Der Reichspräsident wäre gewiß der letzte, einen solchen Rücktritt des Chefs der Heeresleitung aus anderen als zwingenden Gründen zuzulassen; wie er um­gekehrt auch unter keinen Umständen eine Einflußnahme militärischer Kreise auf wichtige politische Entscheidungen dulden würde. Wenn er also das Abschiedsgesuch des Herrn von Seeckt genehmigt hat, so sollte damit auch für das Ausland der vollgültige Beweis erbracht sein, daß wir es hier lediglich mit einem innerdeutschen Vorgang zu tun haben, genau ebenso wie beim Rücktritt des Ministers S e v e r i n g in Preußen.

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Als einen willkommenen Ausgleich gegen diese plötz­lich aufgetauchten Konflikte kann auf der anderen Seite der neue Vertrag begrüßt werden, den die preußische Staatsregierung soeben mit dem Hohen- zollernhause über dessen vermögensrechtliche An­sprüche abgeschlossen hat. Nach so schweren Irrungen und Wirrungen auf diesem heiklen Gebiet scheint sich jetzt mit einem Male alles sozusagen in Freundschaft und Ver­ständigung auflösen zu wollen. Der Staat soll im wesent­lichen 'erhalten, was er verlangt, das frühere Königshaus doch aber noch so gestellt bleiben, daß von einer restlosen Enteignung nicht entfernt die Rede sein kann. Man möchte auf atmen bei dem Gedanken, daß damit endlich dieser im höchsten Grade unerfreuliche Streitgegenstand ein- für allemal aus der öffentlichen Diskussion verschwinden soll. Die maßgebenden Parteien des Landtages scheinen der jetzt vorgeschlagenen Lösung zustimmen zu wollen, und da sich auf der Rechten doch wohl niemand finden dürfte, der kaiserlicher wird sein wollen als der frühere Kaiser, dessen Beauftragter dem Vertrag zugestimmt hat, so darf man die -Aussichten für den neuen Vergleich wohl als günstig bezeichnen. Um die Fürstenenteignung haben wir ja wirklich genug Krisen im Lande gehabt. Drei Kreuze hinter der Sache, wenn sie endlich aus der Welt geschafft sein wird.'Dr. Sy.

Verschärfung im englischen

Vergarbeiterflreik.

EineRed^eBaldwinsinScarborough.

Der mit überwältigender Mehrheit gefaßte Beschluß der Konferenz der Bergarbeiterdelegierten, die Vermitt- lungsvorschlüge der Regieruna zu verwerfen und den

Seedsts Rückfritisgeiucfi genehmigt

Generaloberst v. SeeÄ entlasten.

Reichskanzler Marx bei Hindenburg.

Reichspräsident von Hindenburg hat das Abschieds­gesuch des Generalobersten von Seeckt unter wärmster Anerkennung der von dem General in Krieg und Frieden dem Vaterlande und dem Heere geleisteten her­vorragenden Dienste genehmigt. Der Reichspräsident hat Generaloberst von Seeckt erneut empfangen und ihm die Anerkennung und seinen Dank persönlich zum Ausdruck gebracht.

Vor seiner Entscheidung hat Reichspräsident von Hindenburg den Reichskanzler Dr. Marx zu einer ein­gehenden Aussprache empfangen. Der Kanzler ließ den Reichspräsidenten nicht darüber im Zweifel, daß er, in Übereinstimmung mit der Auffassung des Reichswehr­ministers und aller übrigen Mitglieder der Reichsregre- rung, keine Möglichkeit sehe, den Konflikt bei zulegen. An der Besprechung zwischen dem Reichskanzler und dem Reichspräsidenten nahmen auch Staatssekretär Dr. Meißner sowie der Staatssekretär der Reichskanzlei, Dr. Pünder, teil. Später erschien dann noch einmal der Reichswehrminister Dr. Geßler beim Reichskanzler Marx, um sich über das Ergebnis der,Aus­sprache zwischen Kanzler und Reichspräsident zu infor­mieren. Nach der Unterredung mit Dr. Marx hat dann der Reichspräsident das Abschiedsgesuch des General­obersten von Seeckt genehmigt. Wie es heißt, sollen auch Vermittlungsversuche unternommen worden sein, die dar­auf hinausgingen, sowohl Reichswehrmiuister Dr. Geßler wie auch General von Seeckt zum Verbleiben im Amt zu

Sie Aeamteneiniglmg endgültig vollzogen.

. , . . Berlin, 8. Oktober.

Von dem 5. Bundestag des Deutschen Beamtenvundes wurde, nachdem noch bekanntgegeben worden war, daß sich auch der Beamtenring grundsätzlich zu Einigungsverhand­lungen bereit erklärt habe, folgender Antrag, der den Zu­sammenschluß anerkennt, angenommen:Dke am 8. Oktober in Berlin versammelten gewählten Vertreter der im Deutschen Beamtenbund und dem Gesamtverbande Deut­scher Beamtengewerkschasten organisierten Mitglieder konstituieren sich als Gründungsversgmmlung des durch den Zusammenschluß der vorgenannten Spitzenorganisa- tionen entstandenen neuen gewerkschaftlichen Beamten­bundes und geben diesem den NamenDeutscher Beamten­bund".

Der zweite Verhandlungstag brächte eine große Kund­gebung zu dem Zusammenschluß des Deutschen Beamten­bundes und desGesamtverbandesdeulscherBeamtengewerk- schaften. Unter den Erschienenen bemerkte man u. a. den Reichskanzler Dr. M a r x, den Reichsminister des Innern, Dr. K ü l z, den Reichspostminister S t i n g l, den preußi­schen Ministerpräsidenten Braun, den preußischen Finanzminister H ö p k e r - A s ch o s f, den Volkswohl­fahrtsminister Htrtsiefer und den Landwirtschafts­minister Dr. Steiger. Im Verlauf der Kundgebung nahm nach der Begrüßung durch den Bundesvorsitzenden, Flügel-Berlin, das Wort

Reichskanzler Dr. Marx.

Er führte u. a. aus: Unsere staatliche Geschlossenheit, unser deutscher Volksstaat, hat wiederum einen bedeutenden Schritt vorangetan zu seiner Festigung und zu seiner Stär­kung. Die Reichsregierung hat alle Veranlassung, den heuti­gen Tag ganz besonders frohen Herzens zu begehen und allen denen, die zur Vereinigung dieser großen Beamten­organisationen beigetragen haben, den allerherzlichsten Dank auszusprechen. Der Herr Vorsitzende hat einen Gesichtspunkt berührt, der mir so ganz aus dem Herzen gesprochen ist. Er hat als Ziel des Deutschen Beamtenbundes die

politische Neutralität

ohne Rücksicht auf Konfessionen, ohne Rücksicht auf die einzel­nen Bestrebungen, die wir in unserem Lande zu verzeichnen haben, nur im Interesse der Überparteilichkeit und des Volks­ganzen betont. Dieses Ideal soll erstrebt werden auch aus

Kamps fortzüsetzen und zu verschärfen, verursacht eine sehr ernste Lage, besonders die Entscheidung zu­gunsten einer Zurückziehung der Sicherheits­leute aus den Gruben. Eine solche Maßnahme war von dem Verbände bisher stets abgelehnt worden. Der Beschluß wird von den Bergarbeiterführern als eine Er­klärung dafür angesehen, daß der Verband jetzt zu schärferen Kampfformen übergehen werde. Mi­nisterpräsident B a l d w i n erklärte authem konservativen

veranlassen. Dr. Geßler hat indessen darauf bestanden, daß General von Seeckt aus seinem Amt zu scheiden habe, da er andernfalls seinen Ministerposten niederlegen würde.

Eine Entscheidung über den Nachfolger ist noch nicht getroffen. In unterrichteten Kreisen nimmt man all­gemein an, daß Generalleutnant Hasse zum Chef der Heeresleitung ernannt werden wird.

Geeckis glänzende Laufbahn.

Der jetzt aus seinem Amte scheidende Generaloberst von Seeckt wurde im Jahre 1866 als Sohn eines Offiziers in Schleswig geboren. Nach den üblichen Kompagnie- und Bataillonskommandos rückte er im Jahre 1913 zum Chef des Stabes des 3. Armeekorps auf. In dieser Eigenschaft zog er auch ins Feld und nahm zunächst am Vormarsch des Generals von Kluck in Nordfrankreich teil. Im Jahre 1915 wurde er nach dem östlichen Kriegsschau­platz kommandiert, wo er dem GeneralvonMacken- s e n als Stabschef zur Seite stand und zahlreiche Kämpferfolge erwarb. Nach dem Kapp-Putsch im Jahre 1920 wurde er zum Chef der Heeresleitung ernannt. Mehr als sechs Jahre hat er auf diesem Poston ausgehalten und die neue Deutsche Reichswehr oft unter den schwierigsten Verhältnissen organisiert.

.Reinhardt kW ab.

Wie eine Korrespondenz erfahren haben will, soll Ge­neral Reinhardt gebeten haben, von seiner Berufung als Nachfolger des Generalobersten von Seeckt aus den Posten des Chefs der Heeresleitung Abstand zu nehmen.

dem parteipolitischen Boden. Es gilt immer, um das Wohl des Volkes und des Staates zu ringen. Es gibt nur ein Ziel: das Wohl der Gesamtheit, die Einheit unseres Reiches, die Wohlfahrt der Länder, die Wohlfahrt des gesamten deutschen Volkes. Es darf für einen deutschen Beamten und für den Beamtenbund

keine Frage der Staatsfo--

andes. Der

ersieht, muß

mehr geben. Die Staatsform ist da, .chtlich, moralisch un­angreifbar. Die Verfassung ist zu st.-tzen, zu achten und zu ehren. Das ist eins der Hauptziele des Beamtenfb ~ * Beamte, der ruhig die Entwicklung der Dinge übe.,...,., seinen Weg beleuchtet sehen von der großen Vergangenheit, die auch in den letzten Jahren hinter uns liegt. Ich denke mit Stolz an die schlimmen Zeiten von

Stolz an die schlimmen Zeiten von 1918 und 1919, wo man kaum einen Moment sicher war, ob das deutsche Volk erhalten bleiben würde. Unser Beamtenwesen und unser Beamtentum haben damals einzig den Gang der Staatsverwaltung ruhig und fest weitergeführt. Damals ist

das deutsche Beamtentum der Retter unseres Vaterlandes in ganz besonderem Maße gewesen. Ob man mit der Ent­wicklung einverstanden ist oder nicht, jetzt sollte jeder Beamte, dem doch in allererster Linie das Ziel vorschweben muß, dem Volke zu dienen, sich sagen: Alles andere tritt zurück. Wir müssen am Vaterlanoe sesthallen. Die Verfassung halten wir hoch in Ehren. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß unsere Republik zurzeit befestigt ist und daß abgesehen von einigen wahnsinnigen Ideen kaum mehr jemand wagt, sie anzu- greifen. Was die Reichs- und die Länderverfassungen angeht, muß unberührbar sein von jedem Hauch der Verachtung und Geringschätzung. Ob man an sich anders denkt und manches für verbesserungsfähig hält, sind Fragen, die später erörtert werden können. Eines muß feststehen:

Die Verfassung ist die Grundlage unseres Aufbaus.

Wir dürfen das nicht gezwungen oder unfreiwillig betonen, sondern müssen auch nach außen hin die Verfassung als die Grundlage achten, auf der wir zum Wohle unseres ganzen Volkes Zusammengehen wollen.

Nach der mit großem Beisall aufgenommenen Rede des Kanzlers beglückwünschte

der preußische Ministerpräsident Braun

den Bund zu seiner Tagung und unterstrich insbesondere die Worte des Reichskanzlers. Der Beamte solle künftig nicht nur mittelbar, sondern auch unmittelbar im Dienste des Volkes stehen. Die gesamte Beamtenschaft müßte zu einem wichtigen Bestandteil des Volkes werden, und nur durch die Einheit von Beamtenschaft und Volk könnten wir zu Höchst­leistungen gelangen, die wir erringen müßten, wenn wir unser schwerringendes Vaterland einer Hellen Zukunft zuführen wollen.

Es sprachen noch Vertreter des Reichstags, des Preußi­schen Landtags, der ostpreußischen und der Danziger Beamten und der Beamtenschaft der besetzten Gebiete.

Parteikongreß in Scarborough, der Staat sei seit dem Kriege niemalssostarkbedroht worden wie durch den Generalstreik. Wenn der Streik erfolgreich gewesen wäre, würde er die parlamentarische Institution vernichtet haben. Die Regierung werde die aus dem Gewerkschafts­kongreß gefaßte Entschließung einer sofortigen Prüfung unterziehen. Die Regierung sei sich der Wichtigkeit der ganzen Frage bewußt.