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yersfel-er Tageblatt

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Reisfelder Kreisblatt'

Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfels

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Nr. 22g

Donnerstag, den 30. September 1826

76. Jahrgang

ZlinerpMsche Rintenüstlmgen.

Von besonderer parlamentarischer Seite wird uns geschrieben:

Wir befinden uns innenpolitisch in einem gewissen Stande der Ruhe, denn die Geschehnisse der Außenpolitik haben so sehr alles Interesse in Anspruch genommen, daß für parteipolitische Auseinandersetzungen wenig Neigung bestand. Hinsichtlich dieser Außenpolitik ist es ihrem Leiter gelungen, zwar nicht die Kritik an Einzelmaß­nahmen zu unterbinden, aber doch zu erreichen, daß der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und die sich dar­aus für uns ergebenden Folgerungen auch von den früheren Gegnern als vollzogene Tatsache angenommen wird. Wenn in der nächsten Woche der Auswärtige Aus­schuß des Reichstages wieder Zusammentritt, wird er sich weniger mit jenem Geschehnis als mit dem beschäftigen, was man als das Geheimnis von Thoiry immer noch bezeichnen muß, außerdem natürlich, durch die Vor­gänge in Germersheim dazu veranlaßt, mit der ganzen Frage derRückwirkungen".

Ob der gegenwärtig in Köln abgehaltene Parteitag der Deutschen Volkspartei innenpolitisch eine Änderung bringen wird, ob man sich namentlich mit einem Weg beschäftigen wird, auf dem diese Partei in die Preußenregierung, die Sozialdemokratie in das Reichs- kabinelt gelangt, diese Fragen sind bislang ungeklärt. Die Beziehungen zwischen der Deutschen Volkspartei und den Deutschnationalen sind nicht ganz klar; gewisse Äußerun­gen Dr. Stresemanns, der neben seinem Ministeramt Führer der Volkspartei ist, haben bei der Rechten ver­stimmt wie bei der Deutschen Volkspartei manches Wort deutschnationalerseits gegen die Außenpolitik. Auf der anderen Seite scheint aber in der Sozialdemokratie immer mehr die Abneigung gegen die Deutsche Volkspartei, besser gesagt, gegen den früher abgelehnten Eintritt in die Re­gierung überwunden zu werden, besonders da gesetzgebe­rische Aufgaben wichtigster Natur den Reichstag im Winter beschäftigen werden. Natürlich zeigt man sich in Preußen noch hartköpfig, weil man dort die Volkspartei entbehren zu können behauptet; aber es ist anzunehmen, daß man schließlich doch mit sich reden lasten wird, sonst hätte schon das Zentrum dafür gesorgt, daß von den schon |T ~«^e^^ meyn bj^ ,&f^

Eine solche Änderung der deutschen Innenpolitik würde vielleicht auf der Rechten zu einer heftigen Oppo­sition führen, die um so schärfer werden würde, weil von den Deutschnationalen der Kampf gegen die deutsche Lo- carno-Völkerbundpolitik ausdrücklich abgebrochen worden ist. Eine Opposition, die aber bei den bevorstehenden gesetzgeberischen Arbeiten zu schweren parlamentarischen Konflikten führen könnte. Um nur ein Beispiel zu nennen: die immer noch schwebende Fürsten abfin- dungssrage, dann was wohl noch kritischer ist der Entwurf des Reichsschulgesetzes, wo die Weltanschauungsgegensätze besonders stark aufeinander­stoßen, wie eine mehr als fünfjährige vergebliche Be­ratung ausgiebig bewiesen hat. Gehen doch hierüber die Ansichten schon der Volkspartei und des Zentrums er­heblich auseinander, während die Deutschnationalen ge­gebenenfalls sogar einen Volksentscheid und damit die Lösung der so viel umstrittenen Frage herbeiführen wol­len. Und schließlich fängt es auch an nicht zuletzt wegen der Zahlungen aus dem Dawes-Plan mit unseren Reichsfinanzen ebenso kritisch auszusehen wie mit denen der Kommunen und Länder; man munkelt von Steuerreformplänen kurz, an Stoff zu innerpoli­tischen Auseinandersetzungen fehlt es für die Folgezeit durchaus nicht, wobei man auch an die Frage der Er­werbslos enfürsorge denken mag.

Entscheidendes für eine parteipolitische Umbildung ist aber für die nächste Zeit wohl nicht zu erwarten, weil das Zentrum seinen Reichsparteiausschuß erst für Ende Oktober einberufen hat; auch in dieser Partei hat man mit allerhand innerpolitischen Fragen zu tun, kurz­um, es ist dafür gesorgt, daß im Winter eine partei­politische Langeweile nicht obwalten wird.

DiedeM-sranzösischenZezschungen

Erklärungen des preußischen Ministerpräsidenten.

Der preußische Ministerpräsident Braun gewährte dem Außenpolitiler desMatin" eine Unterredung. Er betonte hierbei, daß die junge Preußische Republik nichts mit Reaktion und Militarismus zu tun habe. Der Mi­nisterpräsident erklärte weiter, seiner Ansicht nach mußten die wohlverstandenen Interessen der Völker ans srie d- H di e m Wege gelöst werden könne,r. Das komme besonders für Frankreich und Deutschland in Frage. Es sei in letzter Zeit mit Recht betont worden, daß die mate­riellen Interessen der beiden Völker sich rngwcklichcr Weise ergänzten. Eine weitgehende Angleich ng auch der geistigen Grundstkmmungen der berden Nationen werde nicht unmöglich fern, wenn man guten Willen habe und wenn man auf beiden Seiten sich nicht scheue, die alten Irrtümer auszurotten. Frankreich und Deutschland könnten den Frieden Europas sichern, wenn sie eine P o l i t i k d e r A n u ä h e r u n g und der Ver­söhnung betriebe«. Die historische Epoche besiegen-

Die Tragödie vonGermersheim

Verhaftung des Leolnants Rouzier.

Germersheim in Erregung.

Der französische Unterleutnant Rouzier, durch dessen Revolver in Germersheim friedliche deutsche Bürger ge­tötet oder verletzt worden sind, ist en d li ch in Haft genommen worden und befindet sich im Militärge­fängnis von Landau. Die Erregung in der Stadt ist noch immer sehr groß und dadurch gesteigert worden, daß von französischer Seite der Versuch gemacht wurde, die Schuld an den letzten blutigen Vorgängen den Opfern in Germersheim zuzuschieben. So verbreitet das offiziöse französische Havasbureau über die blutigen Vorfälle folgende Schilderung:

Nach den in Mainz eingegangenen Erkundigungen über den zwischen einem französischen Offizier und meh­reren Deutschen in Germersheim entstandenen Streit er­gibt sich, daß im Laufe des Sonntags französische Soldaten mehrfach von diesen Deutschen provoziert worden sind. Am 27. September gegen 1 Uhr früh hätten sechs Deutsche einen Offizier am Stadttor angegriffen. Der bedrohte und geschlagene Offizier habe in Notwehr einen feiner Angreifer verwundet, nachdem er zuvor einen Schreckschuß ! abgegeben habe. Aus dem Heimwege sei er erneut ange- < griffen worden; er habe sich ein zweites Mal verteidigen ^' müssen und dabei einen Deutschen getötet und einen an­deren verwundet. Vom französischen Militärgericht sei eine Untersuchung eingeleitet worden.

Hierzu bemerkt das offiziöse deutsche Wolffbureau: Daß die französische Telegraphenagentur in ihrer Darstel­lung des Vorfalls versuchen würde, den Deutschen die Schuld zuzuschieben, kann nicht überraschen. Die in Gang befindliche Untersuchung, an der deutsche Stellen be- K teiligt sind, wird Klarheit über den tatsächlichen Sachver- R halt bringen.

Die deutsche Untersuchung, die mit peinlichster Ge­wissenhaftigkeit durchgeführt worden ist, hat unzweideutig festgestellt, daß Leutnant Rouzier nicht provoziert wurde und nicht in Notwehr gehandelt hat. Rouzier ist als Deutschenfresser und Deutschenhasser schon seit langem bei der Bevölkerung bekannt und gefürchtet. Er soll suM der Rädelsführer bei den Ausschreitungen während des in Germershcim abgehaltenen KriegerfesteS gewesen sein, die zu einem unliebsamen diplomatischen Nachspiel geführt haben.

Von bayerischer Seite ist mit Rücksicht auf die blutigen Ereignisse in Germersheim gegen die Abhaltung eines

fettigen jahrhundertelangen Sichzerfleischens müsse für immer abgeschlossen sein.

Wir leben, so erklärte der Ministerpräsident zum Schluß, in einem Jahrhundert, das wir mit Stolz das der Technik nennen; wir wollen, daß es gleichzeitig ein Jahrhundert der Kultur ist. Aber alle Reden über Kul- tur und zivilisierte Menschheit werden nur Phrasen und Lüge sein, solange die Möglichkeiten und Vorbereitungen zu blutigen Auseinandersetzungen bestehen. Wir, Deutsch­land und Frankreich, sollten dafür sorgen, daß die Technik sich nicht gegen ihre menschlichen Urheber richtet in der Form fürchterlicher Waffen und Zerstörungsmittel.

Geheimrai Duisbera.

Professor Dr. C. Duisberg vollendete am 29. September sein 65. Lebensjahr. Als Leiter der Farbenfabriken vorm. Friedrich Bayer und Co., Lever- biien, schloß er 1916 die gesamte deutsche Farbenindustrie

zu einer Interessengemeinschaft zusammen, und infolge seiner Anregung erfolgte vor einem Jahre die Grün­dung der I. G. Farbenindustrie A.-G., die die gesamte deutsche Teerfarbenindustrie umfaßt. Seit fast zwei Jahren steht Geheimrat Duisberg an der Spitze des Reichsverbandes der Industrie, in dem er eine hervorragende Rolle spielt. Sieben Universitäten haben ihm die Ehrendoktorwürde verliehen.

Baues, der von den französischen Truppen geplant war, Einspruch erhoben worden. Der Ball wurde daraufhin abgesagt. Weiterhin wurde der Garnison von Ger­mersheim das Verlassen der Kasernen nach 9 Uhr abends verboten. , . .

Der Reichskommissar für die besetzten rherni- schen Gebiete, Botschafter Freiherr Langwerth von. Sum­mern, ist zu Besprechungen für kurze Zeit in Berlin em- getroffen.

Angenügende Räumungsmaßnahmen.

Zurückziehung von nur 3000 Mann.

Wie Wagners Südwestdeutscher Nachrichtendienst von gut unterrichteter Seite erfährt, bestätigt es sich, daß bie seinerzeit angegebene Zahl von 50006000 Soldaten, bie das besetzte Gebiet räumen sollten, nicht den tatsächlich in Aussicht genommenen Räumungsplänen entspricht. Die Rheinlandbesatzung beabsichtigt, im Laufe der nächsten Woche 25003000 Mann zurückzuziehen. Der Abtransport dieser Truppen ist seit einigen Tagen in die Wege geleitet. Man hat damit begonnen, kleinere Truppenkontingente aus der Umgebung von Mainz und Koblenz zurückzu- ziehen. Ein Teil der französischen Truppen wird direkt in die französischen Garnisonen abtransportiert, wahrend es sich bei dem anderen Teil nur um eine Verschie­bung handelt. m

Wie verlautet, wird das Artillerieregiment Nr. 311, das durch die Germersheimer Vorfälle bekanntgeworden ist, ebenfalls zurückgezogen und durch das Artillerieregi- ment Nr. 312 aus Mainz ersetzt. Der Beginn der Frei­machung rechtsrheinischen Gebietes hängt wohl damit zu­sammen, daß beabsichtigt ist, noch im Laufe dieses Jahres- dasrechlsrheinischbesetzteGebietinweit- möglichstem Maße zu räumen.

Ein Notruf Germersheims.

Das Bürgermeisteramt der Stadt Germersheim hat an den Völkerbund, an die Reichsregierung und an die bayerische «S'SifsÄi^ "L° wiesen und die sofortige Einsetzung eines unpartei- i s ch e n Schiedsgerichts zur Untersuchung der kürzlichen Vorfälle sowie die schnellste Entfernung aller fremden Truppen aus den Mauern der Stadt gefordert wird.

Tagung der Kemeausschüffe.

Das Entweichen des Oberleutnants Schulz.

Im Femeausschuß des Reichstages erstattete Abg. Levy (Soz.) Bericht über den Fall Gareis, der in der Nacht vom 9. Juni 1921 auf der Straße ,

von hinten erschossen wurde.

Der Verdacht richtete sich gegen einen ehemaligen Leutnant Schweickhardt, der am Tage vor dem Morde von Graz nach München gekommen war und am nächsten Tage wieder ver­schwand, und zwar mit einem auf den Namen Janosch Schmidt ausgestellten Paß, dessen österreichisches Einreisevisum vom L Juni gefälscht war. Es besteht der Verdacht, daß damit Schweickhardt ein Alibi verschafft werden sollte. Die Schrist- eines an die Münchener Polizei gerichteten mitJanosch" unterschriebenen Briefes stimmt in charakteristischen Zügen mit Schweickhardts Schrift überein. Im Femeausschuß des Preußischen Landtages wurde jetzt das revidierte Protokoll über die Aussagen der Zeugen Schmidt und I a h n k e ver­lesen. Aus diesem Protokoll, das in geheimer Sitzung ausge­nommen ist, waren alle Stellen entfernt, deren Veröffentlichung regierungsseitig wegen außenpolitischer Rücksichten nicht ge­wünscht wurde, so daß der Hörer nur ein lückenhaftes Bild vom Gange der Ermittlungen bekam. Es geht daraus hervor, daß der Zeuge Schmidt den deutschnationalen Abg. Jahnke beschuldigt hat, bei den Vorbereitungen zum Küstriner Putsch entscheidend mitgewirkt zu haben. Weiterhin wurde über das Entweichen des Oberleutnants Schulz aus dem Hauses des Landarbeiterverbandes berichtet. Mehrere Zeu- äinnen berichten, die damals beim Landarbeiterverband be­schäftigte Sekretärin Poguntke habe ihnen unter ehrenwört- licher Verpflichtchung zum Schweigen erzählt, daß sie dem Oberleutnant Schulz zur Flucht verholfen habe, indem sie

mit dem Absatz gegen fein Zimmer geklopft

habe. Schulz sei darauf durch einen Schränk entwichen. Fräu­lein Poguntke selbst, die im Ausschuß vernommen wurde, hielt ihre frühere Aussage im allgemeinen aufrecht, wonach ihres Wissens Oberleutnant Schulz nicht in dem bestimmten Zimmer gewesen sei, als er verhaftet werden sollte. Wenn sie den andern erzählt hätte, Schulz sei entkommen, so sei das eine Luge gewesen. Die Zeugin Poguntke erklärte auf Vorstel­lungen des Sozialdemokraten Kuttner, sie könne sich auf vieles nicht mehr besinnen und ihre Aussagen deshalb auch nicht beeiden. Sie bestritt, dem Feldwebel Klapproth zum Ent­weichen behilflich gewesen zu sein. Vernommen wurde außer­dem ein Zeuge Wurster, der früher mit Schmidt befreundet ge­wesen war. Er bezeichnet den Zeugen, dessen umfangreiche Aussagen am Dienstag verlesen worden sind, als sehr un­glaubhaft, als Mokainisten und Denunzianten.

Starke Wolkenbrüche in Slawonien.

Unwetter in Italien.

In ganz Slawonien ist infolge der in den letzten Tagen niederaeganlUnen Wolkenbrüche eine Elementarkatastrovüe