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Hersftlöer Tageblatt Hersfelöer Kreisblatt' Amtlicher /lnzeiger für Sen Kreis Hersfels

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Nr. 221

Dienstag, den 2ll September 1926

76. Jahrgang

Arbeilssragen vor Mnterbegmn.

Von volkswirtschaftlicher Seite wird uns geschrieben:

Die Freien Gewerkschaften veranstaltenzur­zeit eine sehr rege Werbetätigkeit, um ihre Reihen aufzu- füllen; denn auch in Arbeitnehmerkreisen ist man sich dar­über klar, daß der Rückgang derErwerbslosenziffer nicht etwa einem Abstellen der Wirtschaftskrise zu verdanken ist, sondern in der Hauptsache von uns die Früchte der eng­lischen Streikbewegung geerntet werden, diese Ernte aber sehr bald zu Ende sein wird.

Auch der Deutsche S t ä d t e t a g hat ja in seinen soeben beendigten Verhandlungen der Frage der Arbeits­losigkeit die größte Aufmerksamkeit gewidmet und sie für lösbar, zum mindesten aber für der Milderung möglich erklärt nicht auf dem Wege von Notstandsarbeiten, son­dern auf dem einer fördernden Handels- und Wirtschafts­politik. Die großen Überschüsse, die aus den beiden letzten Steuerjahren stammen, haben das Reich, die Länder und die Kommunen in den Stand gesetzt, die in Wirklichkeit ja außerordentlich unwirtschaftlichen Notstandsarbeiten durchzuführen; aber wir sind jetzt finanziell am Ende unserer Kraft. Dabei kann damit gerechnet werden, daß die Zahl der Erwerbslosen nicht mehr weiter sinkt, son­dern ein Umschwung in dieser Entwicklung eintritt, weil die Landwirtschaft die von ihr aufgenommenen Arbeits­kräfte jetzt allmählich wieder abzustoßen beginnen wird. Die Aussichten sind also keineswegs rosige für den kom­menden Winter.

Der englische Bergarbeiterstreik hat der deutschen Kohlenwirtschaft über die ja immer ziemlich stille Som­merzeit hinweggeholfen, hat außerdem dazu geführt, daß die Vorkriegsförderung mengenmäßig wieder erreicht worden ist. Aber leider ist der deutsche Inlandsbedarf an Kohlen nur wenig erheblich gestiegen. Und die bessere Konjullktur der Kohlenindustrie hat sich rückwirkend kaum bemerkbar gemacht in den anderen deutschen Industrie­zweigen. Vielmehr klagt besonders die deutsche Ma- schinenindustrie über die große Zurückhaltung der Berg­werke hinsichtlich Bestellung neuer Maschinen. Die Zu­rückhaltung ist aber verständlich, weil ja noch damit zu rechnen ist, daß über kurz oder lang ein eiottierter Kampf mit der englischen Konkurrenz ausbrechen wird, für den man deutscherseits alle finanziellen Mittel bereitstellen

muß.

Die Zweckmäßigkeitseinstellung der deutschen In­dustrie, ihre Zusammenballung zu großen Konzernen, Ar­beitsgemeinschaften, Syndikaten, Trusts hat im Laufe des Sommers neue große Fortschritte gemacht. Wenn man von einer leichten Besserung der deutschen Wirtschafts- aussichten sprechen will, so muß man dabei erwägen, das sich diese Besserung nur sehr wenig in einer Mehrbeschäf­tigung von Arbeitskräften äußert, weil im Wesen der Be­strebungen nicht zuletzt eine Herabminderung der Arbeiter­zahl liegt. Wenn beispielsweise im Kohlenbergwerk du Fördermenge der Vorkriegszeit erreicht ist, so geschieht das mit Hilfe stärkster Verwendung maschineller Kräfte, geschieht das mit rund 150 000 Arbeitern weniger als 1913. Die Elektrifizierung der deutschen Reichsbahn des weiteren würde, wie man berechnet hat, zu einer Per­sonalersparnis von etwa 40 % der gegenwärtigen Kopf­zahl führen. Ob also mit einer wesentlichen Herab- drückung der Erwerbslosenziffer noch wird gerechnet wer­den können, ist mehr als zweifelhaft; wahrscheinlicher ist, daß wir mit dem Herbst wieder ein Heraufgehen dieser verhängnisvollen Zahl erwarten müssen, falls nicht ein Wunder geschieht. Ein solches Wunder ist ja nicht ausge­schlossen, denn bisher ist es noch keiner volkswrrtschaft- lichen Wissenschaft oder Praxis gelungen, das Auf und Ab weltwirtschaftlicher Krisen zu ergründen oder festzu­stellen, warum solche Krise ausbrachen und warum und wann sie dann wieder dem Aufstieg wichen. Vielleicht stehen wir wieder vor einer günstigeren Entwicklung, weck doch manche Hemmungen und Wirrnisse aus dem Wege geräumt sind und außerdem die Erkenntnis sich Bahn bricht von dem Bestehen weiterer ganz bestimmter Hem­mungen dieser Art. Vielleicht wird diese Erkenntnis fördernd wirken.

Man muß sich freilich darüber keine Illusionen machen, nunmehr beginne ein Zeitalter friedlichen wirt­schaftlichen und politischen Zusammenarbeitens innerhalb der europäischen Völker. Man kann hoffen, darf aber nicht damit rechnen. Gerade für Deutschland wird ab. r darum im kommenden Winter die Frage der Erwerbs- losensnrsorge in den Vordergrund treten; es Ware sehr zu wünschen, daß man nicht wie im vergangenen Früh­jahr sich scheut, sie energischanzupacken.

Schluß -es Hindenburg-Manövers.

Rückkehr des Reichspräsidenten.

über den Verlauf des Manövers bei M e r 6 e n t - h e iM ist zu berichten, daß Reichspräsident von Hinden- burg mit großem Interesse der Kritik folgte und feilst wiederholt das Wort nahm. Nach Beendigung der Kritik hatten die Truppen der 7. Division Gelegenheit, an der Straße PoppenhausenUnterwittighausen den Reichs­präsidenten zu sehen.

Am Sonntag brachten die Mergencheimer Gesangve - eine und das Kurorchester dem Reichspräsidenten em Ständchen vor dem Kurhaus. Als der Reichspräsident

1200 MWn ölirdj

Sturmkatafirophe in Florida.

1200 Tote, 6000 Verletzte.

Eine ungeheure Sturmkatastrophe hat Miami und Palmbcach im Staate Florida heimgesucht. Der Schaden ist unübersehbar. Der DralMerkehr ist fast völlig unter­bunden. Frühmorgens arbeitete eine einzige Linie der Westernunion, so daß bruchstückweise Nachrichten dnrch- kamen. Miami allein hat Zerstörungen erlitten, die einen Schaden von hundert Millionen Dollar ausmachen. Die Hafanlagen mit allen Schiffen sind vernichtet. Zwei­tausend Häuser sind zerstört. Kein Haus ist ganz. In Palmbcach und Miami steht das Wasser fünf Fuß hoch. Nach den vorliegenden Meldungen beträgt die Zahl der Toten 1200, die der Verwundeten mehr als 6000.

Der Sturm ist der schwerste, der jemals über Amerika hinweggegangen ist. Er riß eine 60 Meilen breite Bresche in die Küste Floridas und ließ überall Zerstörung und Elend zurück. Der Orkan brach, von Westindien kommend, über die Bahamainseln nach Florida ein. Das Baro­meter erreichte einen nie gekannten Tiefstand. Der Sturm dauerte neun Stunden und erreichte zeitweise 140 Meilen Geschwindigkeit. Miami wurde in zwei Flutabständen Heimgesucht. Die zweite Flutwelle vernichtete in der Stadt alles, was die erste verschont hatte. Die meisten Wolken­kratzer sind eingestürzt, sämtliche Häuser sind vernichtet oder wenigstens schwer beschädigt. In Miami sind

40 000 Menschen obdachlos.

Über die Stadt wurde der Belagerungszustand verhängt. In Baltimore wurde sofort ein Hilfszentrum eingerichtet, von wo aus ständig Züge mit Ärzten und Hilfsmann-

auf den Balkon heraustrat, stimmte die Menge, die sich inzwischen angesammelt hatte, das Deutschlandlied an. Nach dem Ständchen begrüßte der Reichspräsident die Dirigenten und sprach ihnen seinen DWk.Mr Me Ehrung. aus. Sodann begab sich Reichspräsident von Hindenburg zum Gottesdienst in die Schloßkirche des Deutsch-Ordens-

Hindenburg im Manövergeläude.

schlosses. Anschließend besuchte er einige Truppenunter- künfte und folgte einer Einladung des Fürsten zu Hohen- lohe-Langenburg in das Schloß nach Weikersheim.

Nachdem der Reichspräsident noch einer Flugveran­staltung beigewohnt hatte, trat er die Rückreise nach Ber­lin an.

Beamtenschaft und Giaai.

Dr. Külz bei den sächsischen Gemeindebeamten.

Gelegentlich der Tagung des sächsischen Gemeinde­beamtenbundes in Leipzig hielt bei der Eröffnung Reichs- tnnenniinifter Dr. Külz eine Rede über Wesen und Auf- gaben der Beamtenschaft, in der er über das Verhältnis von Staat und Volk und Wirtschaft zu der Beamtenschaft und über die Organisation der Beamtenschaft selbst sprach.

Die starke Wandlung seit 1918 bestand, so sagte der Minister, darin, daß Deutschland vom Obrigkeits- a a t aus den Weg zum Volks st aat gekommen sei. Das bedinge, daß sich der Beamte dem Staate innerlich verbunden fühle und das Gefühl des Verbundenseins mrt dem Staate auch bei den Volksgenossen erwecke und ausrechterhalte, und zwar bei allen Volksgenossen, denn der Beamte sei ein Diener der Gesamtheit, nicht Diener einer Partei. Daraus ergebe sich auch die Forderung, daß der Staat sich mit der Beamtenschaft verbunden fühle. Der wesentliche Inhalt des Treueverhältnisses zwischen den beiden und das Fundament des Berufsbeamtentnms sei das Bekenntnis der Beamtenschaft zu dem Staate und bau Bekenntnis des Staates zu seinen Beamten.

,. Der Minister führte weiter aus, daß die Veamten- schaft Anspruch auf ein Beamtenrechtsgesetz habe, da-, den Pflichtenkreis der Beamten nach neuzeitlichen Be­griffen regelt unb die persönlichen und dienstlichen Ver-

einen örta getötet schaffen nach dem Katastrophengevtet abgehen. M e h r e r e Ortschaften in der Nähe von Miami sind gänzlich vom Erdboden verschwunden. DieNew York Times- zählen allein in Miami 500, jn Hollywood 200 und in Fort Lauderdale 200 Tote. Mög­licherweise wird sich die Zahl der Toten noch ganz er­heblich erhöhen. Im Hafen von Miami wurden 150 Schiffe zerstört, deren Bemannung (mehrere hundert Mann) wahrscheinlich ertrunken ist. Die gesamte Ernte ist vernichtet. Präsident Coolidge beriet über Hilfsmaß­nahmen. Von überall her treffen Hilfszüge ein. Die Ver­zweiflung unter den Bewohnern ist grenzenlos.

Das Dorado Amerikas.

Florida hatte sich im Laufe der letzten Jahre zur ame­rikanischen Riviera entwickelt. Das milde, halbtropische Klima, die herrliche Seeküste und die günstige Verkehrs­lage Floridas zogen feit jeher zahlreiche Gäste an, die dem strengen nordamerikanischen Winter entgehen wollten. So entstanden hier Bäder und Luxusstätten, die an ausge­suchtestem Komfort bald alles in der Welt übertraf. Echt amerikanischer spekulativer Sinn schuf an der Floridaküste beinahe über Nacht mit den Mitteln der vollendeten Tech- nik und Zivilisation eine Anzahl Vergnügungs- und Er- holungsstätten, deren überreichliche Pracht auf den ver­wöhntesten Geschmack zugeschnitten war. Die erlesenste amerikanische Gesellschaft, Dollarkönige und andere Größen, pflegte sich dort in der jüngsten Zeit ein Stelldich- ein zu geben und suchte sich gegenseitig im verschwende­rischen Lebensstil den Rang abzulaufen. In diese Welt des Lebensgenusses ist plötzlich eine Naturkatastrophe von unerhörtem Ausmaße hineingebrochen.

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yatimsse der Beamten durch klare Rechtsansprüche sichert. Dieses lang erwartete Gesetz fei im Reichsministerium des Innern fertiggestellt und in einem fortgeschrittenen Sta- - DisnsfftrLftuxtziiuug und das Be- amtenvertretungsgeseh. Minister Külz sprach sodann über v 11 f d) e n Strömungen der Beamtenschaft und stellte die Grundforderung auf, daß die Organisation der Beamten von jeder einseitigen Parteipolitik freiqe- halten werde. Die berufspolitische und staatspolftische Be- tatigung der Beamtenschaft müsse ihre Zusammenfassung in einer einheitlichen, allumfassenden, geschlossenen Spitzen- 'Organisation finben. .

Neue Zufamluenkunst

Strefemann-Snand?

Die Haltung Poincarös.

Nach Pariser Zeitungsmeldungen wird binnen kur­zem eine neue Zusammenkunft zwischen Briand und Strefemann stattfinden. Als Ort der Begegnung soll Paris in Frage kommen. Diese Reise würde, wie der Excelsior" zu melden weiß, schon Anfang Oktober aus- geführt werden, falls der französische Ministerrat die in Thorry zwischen Briand und Stresemann getroffenen Ab achungen ratifizieren sollte.

Allerdings ist die Zustimmung des französischen Mi­nisterrats noch sehr fraglich, da, wie derQuotidien" mitteilt, im französischen Kabinett schwere Mei­nungsverschiedenheiten bestünden. Mehrere Minister, zu denen auch Poincars gehören soll, stehen nach Meldung dieses Blattes der Politik Briands durchaus feindlich gegenüber. Wie scharf die Gegensätze im Kabinett seien, gehe schon daraus hervor, daß Minister Marin noch vor kurzem die Politik Briandseine irrsinnige Preisgabe aller französischen Pfänder" und einegrößen- wahnsinnige und kindliche Wortspielerei" genannt habe.

Thoiry als Sehenswürdigkeit.

Hunderte von Teilnehmern an der Völkerbundver- fammlung, Presseleute und viele Gensex Bürger sind nach Thoiry hinausgewandert, dem kleinen, wenige Kilo­meter hinter Genf gelegenen Juradörfchen, um die histo­rische Stätte der Unterredung zwischen Briand und Strese- mann zu besichtigen und dem kleinen Landgasthaus einen Besuch abzustatten. Der Wirt des kleinen Hotels Löger hat denn auch wohl richtig spekuliert, als er das Zimmer» in dem die Unterredung der beiden Minister im Beisein eines einzigen Dolmetschers stattgefunden hat, gänzlich un­verändert ließ. Bis auf die Zigarrenreste und die Wein- flaschen ist auf dem weißgedeckten Tisch in dem im ersten Stock des Gasthauses gelegenen Zimmer alles unver- ändert geblieben. Man kann noch feststellen, daß es nicht sieben Flaschen Wein waren, die die drei Herren beim Mittagessen ausgetrunken haben, sondern nur zwei Fla­schen weißen Landweins und eine Flasche roter Bor­deaux, von dem noch die Hälfte vorhanden ist.

Qualitätsleistunaen in der Wißenschast.

Eine Rede des Kultusministers Becker.

Aus der 89. Versammlung der Gesellschaft -^^r Naturforscher und Ärzte ergriff, der preußische Minister