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Hersselöer Tageblatt

Hersfelöer Kreisblatt'

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfels

Anzeigenpreis für die einspaltige Petiizeile 15 Pfg. die Reklamezelfe 50 Pfg. (Grundsdirifi Korpus). Bei Wiederholungen Dachtal. + Für die Schrift- letiung oeranirnoritidi Franz Funk in ßersfeld, Fernlpredier Dr. 8.

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Nr. 216

Mittwoch, den 15. September 1926

76. Jahrgang

Die Vewegwig in der VeamienWaß

Es kriselt in der Beamtenschaft, die Kongresse der ver­schiedenen Verbände jagen einander und es fallen bis­weilen sehr harte und schroffe Worte. Am meisten Auf­sehen hatte die Meldung erregt, daß zwischen dem Deut­schen Beamtenbund und dem Allgemeinen Deutschen Beam- tenbund Verhandlungen eingeleitet worden seien, um beide Verbände zu verschmelzen oder doch mindestens zu einer engen Arbeitsgemeinschaft zufammenzuführen. Das ist jetzt gescheitert, in der Hauptsache wohl daran, daß der Deutsche Beamtenbund sich weigerte, der in jenem andern Bunde obwaltenden mehr gewerkschaftlichen Richtung nachzugeben, die auf eine gemeinsame Front der Beamten, Arbeiter und Angestellten abzielt. Bei der Einstellung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsverbandes (ADGV.) und des Ausschusses für Angestelltenverbände (Afa) hätte die Zustimmung zu diesem Verlangen des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes (ADV) ungemein weittragend für die Beamtenbewegung sein können.

Verschärft wird die Lage noch durch die vor einigen Tagen erfolgte Erklärung des Reichsfinanzministers Dr. R e i n h o l d, der sehr erhebliche Abbaumaßnahmen ankündigte. Die finanzielle Wirkung dabei ist insofern eine nicht sehr erhebliche, weil der Abgebaute sein Warte­geld weiterbezieht. Nun haben aber im Etat des Reiches und der Länder der P e n s i o n s f o n d s und die-Summe der Wartegeldszahlungen eine gewaltige Höhe erreicht; außerdem ist ja die Anstellungssperre vielfach durchbrochen worden. Weiter kommt hinzu, daß infolge der Änderung der Staatsform zahlreiche an sich arbeitsfähige Beamte besonders höheren Grades ausscheiden mußten und müssen, an deren Stelle wieder andere traten, die jetzt Beamten­charakter haben und bei einer etwaigen Änderung der Re­gierungskonstellation auf wohlerworbene Rechte Hinweisen können.

Es ist aber nicht zu verkennen, daß gerade diese wohl­erworbenen Rechte mittlerweise sehr stark ins Schwanken gekommen sind. Bei manchen Pensionierungen ist recht freigebig verfahren worden und andererseits gibt es Fälle, wo es den Pensionierten jeder Art dank ihrer KKigketzen ßclunacn äst, M andere.M 5zahlte, Stel­lungen zu verschaffen, daß bet ihrem Einkommen die Pen­sion eine verhältnismäßig geringe Rolle spielt diese Pension aber, wie zugestanden werden muß, doch ein Recht bleibt, das nicht so ohne weiteres entzogen werden kann. Verständlich ist aber natürlich, daß jene früheren Beamten, denen es nicht gelungen ist, im wilden wirt­schaftlichen Kampf der Gegenwart solche Stellungen zu erringen, von Bitterkeit erfüllt sind, noch mehr jene, die gerade jetzt aus Ersparnisrücksichten abgebaut werden sollen.

Und vor einem verschließt die Beamtenschaft nicht die Augen; sie ist sich klar darüber, daß die schwere wirt­schaftliche Lage der Gegenwart mit ihren anderthalb Millionen Erwerbslosen einen starken Druck ausübt, nach der Richtung hin nämlich, daß die Rechte der wirt­schaftlich gesichert dastehenden Beamten Angriffen ausge­fetzt sind, neuen Forderungen schärfster Widerstand ent- gegensteht. Das ist eine Tatsache, unbelastet von jeglichem Werturteil. Gerade bei der Reichsbahn z. B. hat man die beste Illustration für die Entwicklung, die diese Dinge nehmen können. Gewiß: der Not gehorchend, nicht dem eig'nen Triebe und ob immer in richtiger Form, darf auch bezweifelt werden.

Auf der anderen Seite versteht man aber auch die Unruhe, die sich in den Beamtenkreisen immer stärker regt und daher leicht zu einer Bewegung führen kann mit schweren innerpolitischen Folgen. Die letzte Ursache liegt ja leider außerhalb des Bereichs der Änderungsmöglich- keit: Deutschland ist nicht frei, hat Lasten zu tragen, die aus die Schultern eines jeden Volksgenossen geladen sind und unter deren Gewicht wir alle seufzen und zu leiden haben.

Die abgebrochenen Verhandlungen.

Der Deutsche Beamtenbund teilt mit:

Die Einigungsverhandlungen zwischen dem Deut­schen Beamtenbund und dem Allgemeinen Deutschen Be­amtenbund wurden am Montag fortgesetzt. Schon bte erste Besprechung, die in manchen Punkten zu einer Übereinstimmung führte, ließ die Schwierigkeiten erken­nen, die durch die sogenannten gemischten Verbände der organisatorischen Einigung der Beamtenschaft entgegen­stehen. Es standen sich hier zwei unvereinbare Auffassun­gen gegenüber. Während der Deutsche Beamtenbund den Grundsatz der reinen Beamtenorgamsation vertritt und diesen Grundsatz für den neu zu bildenden Bund an­erkannt wissen wollte, verlangte der Allgemeine Deutsche Beamtenbund die Anerkennung der gemischten Ver­bände als gleichberechtigte Organisatlonssorm. Der Deutsche Beamtenbund war bereit, für eme gewisse Über­gangszeit Zugeständnisse zu machen. Da eine Einigung nicht erzielt werden konnte, wurden die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen."

Rnegsgen'chisurieile in Spanien.

Die Volksabstimmung für die Diktatur.

Das Kriegsgericht in Segovia verurteilte den Leiter der dortigen Artillerieladettenschule, einen Obersten, wegen

Loramoverträge in Kraft

Me Locamo-Monden beim Völkerbund.

Unterzeichnung besonderer Protokolle.

Die an den Verträgen vonLocarno beteiligten Mächte, nämlich Deutschland, England, Frankreich, Italien, Bel- zien, die Tschechoslowakei und Polen, haben im General- sekretariat des Völkerbundes die Ratifikationsurkunden zu diesen Verträgen niedergelegt. An dem Akt, der sich im Arbeitszimmer des Generalsekretärs Sir Eric Drnm- Mond vollzog, nahmen teil: für Deutschland Reichs­minister des Äußern Dr. Stresemann, für England Staatssekretär des Äußern Sir Allsten Chamberlain, für Frankreich Minister des Äußern Briand, für Italien Der Erste Delegierte Senator Scialoja, für Belgien Se­nator de Brouquere, für dir Tschechoslowakei Minister des Äußern Benesch und für Polen Minister des Äußern Zaleski, die alle von ihren juristischen Sachwaltern be­gleitet waren. Nach Prüfung der verschiedenen Urkun­den wurde über deren Niederlegung für jeden einzelnen Vertrag ein besonderes Protokoll angefertigt und von dem jeweils beteiligten Vertreter unterzeichnet. Nach Abschluß der Formalitäten richteten die Delegierten gemeinsam ein Telegramm an den Bürgermeister von Locarno. Mit der Niederlegung der Ratifikationsurkun­den sind die Verträge endgültig in Kraft gesetzt worden.

Der Kamps um die Ratssitze,

Annahme eines französischen Antrages.

Das Hauptinteresse in Genf konzentriert sich gegen­wärtig auf die Beratungen des Nechtsausschusses, dem die Frage der Neuordnung des Völkerbundrates anver­

Der letzthin gemeldeten tNeyorwmÄyerwetgerungen sum Tode. Das Urteil wurde vom tommandierettden General des Armeekorps bestätigt, dann jedoch vom König und auch aus Vorschlag der Regierung in lebenslängliche Festung umgewandelt. Außerdem verhängte das Gericht über 45 weitere Artillerieoffiziere lebenslängliche Hilft.

Nach einer Meldung desJournal" aus Madrid über den Verlauf der V o l k s a b st i m m u n g hat die Zahl der Unterschriften für das Regime Primo de Riberas bereits fünf Millionen erreicht. Aus einer Anzahl von Distrikten stehen die Ergebnisse noch aus; man rechnet mit sechs Millionen Ja-Stimmen als Gesamtergebnis. Die Mitglieder der Regierung gaben im Ministerium des Äußern ein Essen zu Ehren Primo de Riberas aus Anlaß des dritten Jahrestages seines Amtsantritts.

Tagore spricht in Berlin.

i Empfang bei Hindenburg.

A.H. Berlin, 14. September.

Freunde!" ruft Rabindranath Tagore den Tausenden zu, die die festlich erleuchtete Philharmonie füllen und seinen Worten lauschen, ergriffen von der Schönheit dieses Künders des geistigen Ostens. Und Tagore fühlt: er spricht zu Freunden, Menschen, die ihn lieben und verstehen. Eine Brücke führt von indischer Denkart zu deutschem Geistesleben, tiefe Freundschaft verbindet Tagore mit deutschen Erkenntnissuchern. Mir versieben beim Erleben

dieses Dichterphilosophen, denn er ist, wie viele Führer des Orients, Philosoph und Dichter zugleich daß die Inder diesen Geistesfürsten wie einen Heiligen verehren.

Tagore spricht von der Befreiung vom egoistischen Selbst, von der Versenkung in die Erkenntnis der Wahr- heit,. Ziel des gläubigen Hindus itt die mvstische Eins-

traut ist. Der Ausschuß nahm einen von Loucheur-Frank- reich eingebrachten Antrag an, wonach bei der Abstim­mung über die Wiederwählbarkeit von nichtständigen Ratsmitgliedern weiße Stimmzettel überhaupt nicht ge­zählt werden sollen. Nach dem Abstimmungsbrauch des Völkerbundes bedeuten die weißen Stimmzettel weder ja noch nein, hätten aber, wenn sie nach dem An­trag der Unterkommission gezählt würden, die Erlan­gung der erforderlichen Zwetdrittelmehr- heit erschwert. Im übrigen sind in dem nunmehr vorliegenden Plan folgende Bestimmungen von In­teresse:

1. Im Falle des Ausscheidens von Mitgliedern aus dem Rat vor Ablauf ihrer Mandatsdauer hat in der nächsten Völkerbundversammlung eine Nachwahl zu er­folgen, und zwar nur für die Laufzeit des freigewordenen Mandats.

2. Während normalerweise einer nicht begrenzten Zahl von Mitgliedern die Wiederwählbarkeit mit Zwei­drittelmehrheit verliehen werden kann, von denen jedoch nie mehr als drei gleichzeitig dem Rat angehören dürsen, wird in den Übergangsbestimmungen für 1926 bestimmt, daß die Wiederwählbarkeit im höchsten Falle drei Mit­gliedern verliehen werden darf. In allen Fällen ist die Zahl der erlangten Stimmen entscheidend, dergestalt, daß die Mitglieder mit den wenigsten Stimmen, auch wenn sie Zweidrittelmehrheit erlangt haben, ausfallen.

Weiter wird in den Übergangsbestimmungen sestge- stellt, daß die Versammlungen von 1927 und 1928 ganz ausnahmsweise die Wiederwählbarkeit weiteren Mitglie­dern verleihen können, auch wenn schon 1926 die vorge­sehene Höchstzahl von drei Mitgliedern diese Eigenschaft erlangt haben sollte. Die übrigen Bestimmungen ent­sprechen den Vorschlägen der Studienkommission für bis Ratsreform.

WrrduÜZ.rollt tzrm. Ü»cr,iÄüchen, das Abstrekse» uüei jeiv« stischen Begierden, die Veredelung des Lebens. Wir ver­nehmen von der Durchdringung des täglichen Lebens mit diesen Ideen durch fahrende Sänger, die durch die Dörfer ziehen und philosophische, religiöse Gesänge dem Volke bringen. Er selbst, Tagore, will nichts anderes als solch ein Sänger sein. Auch seine Philosophie ist Dichtung. Philosophie ist in Indien nicht nur Gut einer kleinen Ge­lehrtenkaste, sondern Besitz des ganzen Volkes. Sie adelt das Leben, läutert die Beziehung von Mensch zu Mensch.

Spürte man in seinem Vortrag den Ernst und das heilige Feuer des tief religiösen Menschen, so fühlte man in seinen Versen, die er in der Ursprache, bengalisch, sprach (und die die Tagore-Verkünderin, Frau Freud-Marlö, deutsch wiedergab) den gütigen, liebenden Menschen.

Man glaubt die Worte auch in der fremden Sprache zu verstehen, wenn Rabindranath Tagore sie mit schönem Klang, fast singend, mit unendlich plastischen Gebärden spricht. Bald sind seine Verse wie ein Kampfruf, bald wie die süße Zartheit zweier Liebenden, bald wie das Spielen der Kinder.

Als er geendet, umbrauste ihn dankbarer Beifall, häuf­ten sich Rosen auf dem kleinen Vortragstisch, fühlte er die Verehrung seiner Freunde. Und gleiches wird er empfun­den haben, als er heute beim Kultusministz gefeiert wurde und wenn ihn Mittwoch R

er Dr. Becker

gefeiert wurde und wenn ihn Mittwoch Reichspräsi dent v. Hindenburg empfangen hat.

Das Amnestiesrolokoll für das Rheinland

Die Politik der Beruhigung.

Zu dem am 10. September erf^gten Austausch der Unterschriften zu dem Amnestieprotokoll für das Rhein­land veröffentlicht die Agentur Havas eine längere Aus- lassung, aus der bekannt wird, daß der französische Ober- komniissar der Rheinlandkommission Vorschläge hat zu- gehenlassen, um eine gewisseAnzahlfrühererAusweisungs- oder Absetzungsverfügungen, namentlich gegenüber Be­amten, rückgängig zu machen. Es handelt sich meistens um Fälle, wegen derer die deutschen Behörden bei der Rheinlandkommission schon vorstellig geworden sind. Für den Bereich der belgischen und der englischen Besatzungs­zone werden die übrigen Mitglieder der Rheinlandkom­mission in der gleichen Weise vorgehen. Die Vertreter der Besatzungsmächte, die auf diese Weise, so sagtHavas" weiter, diesen Maßnahmen des Wohlwollens einen mög­lichst großen Umfang zu geben geneigt sind, erwarten iin Austausch dagegen entsprechende Maßnahmen seitens der deutschen Behörden zur Erledigung verschiedener schwe­bender Verfahren, von denen einige ein besonderes Inter­esse bieten, zum Beispiel die Angelegenheit des Bürger­meisters Helferich. Dieses neue Amnestieprotokoll, heißt es weiter, bestätige die von Frankreich im besetzten Gebiet entsprechend her allgemeinen Politik der französischen Re- gierung ständig befolgte Politik der Beruhigung.

Von deutscher Seite wird bekannt, daß von dem Ab­kommen vor allem die wegen gemeiner Vergehen Ver­urteilten (Diebstahl, Körperverletzung, Spionage) und die wegen Verstöße gegen die Ordonnanzen Verurteilten (Paß­vergehen sowie Mitgliedschaft an verbotenen Organisa­tionen) betroffen werden. In Freiheit gesetzt wegen letz-