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Hersfelöer Tageblatt

Hersfelöer Kreisblatt-

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 215

Dienstag, den 14. September 1926

76. Jahrgang

Annäherungen.

Die österreichischen und jugoslawischen Vertreter benutzten während der Völkerbundtagnng in Gens die günstige Gelegenheit, um die schwebenden Ver­handlungen über einen gegenseitigen Vertrag zu been­den. Ob es ein reiner Handelsvertrag ist oder ob dieser zu einem Schiedsgerichtsvertrag erweitert werden soll, da­von steht noch nichts fest. Aber es ist Wohl anzunehmen, daß die Entwicklung sich in der letzteren Richtung be­wegen dürfte. Gleichzeitig hören wir, daß auch die Ver­handlungen zwischen Italien und Rumänien sehr weit fortgeschritten sind. Das mag Wohl Jugoslawien dazu bewogen haben, neben einem Ausgleich der Gegen­sätze mit Griechenland, namentlich in der Salonikifrage, auch einen solchen mit Österreich zu suchen. Letzten Endes richtet sich der italienisch-rumänische Vertrag, wenn man es auch nicht zugibt, gegen Südslawien, das ja ein gefährlicher Konkurrent Italiens in der Adria ist. Die italienische Haltung gegenüber den slowenischen Minder- heften hat zudem in Belgrad arg verschnupft. Wie groß das Interesse Italiens an Rumänien außerdem ist, er­kennt man schon daraus, daß Italien trotz seiner eigenen gerade nicht rosigen Finanzlage doch für Rumänien Geld übrig hat und ihm dazu noch bereitwilligst Kredit für den Ausbau seiner Flotte gewährt. Allerdings spielen dabei noch andere Momente mit. Rumänien besitzt Petroleum und die Nebenprodukte daraus, die für die Kriegführung und für das wirtschaftliche Leben so nötig sind. So kann sich Italien in Rumänien den nötigen Anteil daran sichern.

Was uns in Deutschland am meisten angeht, ist die es Stellung Österreichs zu Jugoslawien, nicht etwa, weil wir eine Annäherung mißbilligen. Dazu haben wir keinen Grund. Haben wir doch trotz des Krieges zu Jugoslawien gar keine Gegensätze. Es sei hier nur an die frühere deutsch-serbische Freundschaft erinnert, die lei­der durch den österreichisch-serbischen Gegensatz getrübt wurde. Wenn sich jetzt Österreich und Jugoslawien zu­sammenfinden, so ist es ein Beweis, daß dieser Gegensatz nun endlich geschwunden ist.

An Österreich hat der Völkerbund lange herumge­doktert. Es war ein schier aussichtsloses Unterfangen, diese kttnMicbe Staatsform zu einem selbständigen poli­tischen und wirtschaftlichen Wesen zu machen. Das harre nur den einen Vorteil, daß Österreich im Gegensatz zu uns in Reparatiönsfragen von der Entente nicht zu sehr miß­handelt wurde. Österreich bekam einfach einen Vormund, der dafür sorgen mußte, daß die Finanzen, nachdem man dem Lande eine Völkerbundanleihe gegeben hatte, in Ord­nung kamen. Das wurde bis zu einem gewissen Grade auch erreicht. Aber die Tatsache selbst hat eigentlich nir­gends Befriedigung hervorgerufen, da Österreich weder politisch noch wirtschaftlich auf einen grünen Zwerg kom­men kann. r ,

Mit der Hauptgrund der Samerungsversuche war das Verlangen, die Österreicher davon zu überzeugen, daß sie gar keinen A n s ch l u ß a n D e u t s ch l a n d brauchten. Man wandte dabei das System von Zuckerbrot und Peitsche an. Das Zuckerbrot waren die angeblichen Wohl­taten, die Peitsche die heftigen Reden, die von allen Seiten gegen den Anschluß gehalten wurden. Man denke nur an M u s s o l i n i und auch an die verschiedenen An­sprachen von Staatsmännern der sogenannten Nachfolge- staaten. Auf italienischer Seite hat man aber noch vor etwas anderem Furcht. Das ist das Wiedererstehen eines Gebildes, das dem alten Österreich, wenn auch nicht poli­tisch, so doch wirtschaftlich, ähnlich ist. Deshalb bürste man in Italien für eine österreichisch-jugoslawische Annäherung wenig Verständnis oder Vorliebe haben. Denn wenn jetzt die Nachfolgestaaten mit Österreich Fühlung suchen, so geschieht das vielfach aus dem Empfinden heraus, daß die Friedensverträge eine große Wirtschaftseinheit zerschlagen haben, die bei der Buntscheckigkeit des in Betracht kommen- Völkergemischs Notwendigkeit war.

Wirtschaftliche Gemeinschaften lassen nun häufig poli­tische entstehen. Das alte Österreich ist aber der ganzey Sachlage nach für immer tot. Will man auf der Entente- seite und bei deren Mitläufern auch die leisesten Ansätze für einen neuen Donauzusammenschluß vermeiden, so giot es nur das eine, man gibt den Deutschösterreichern den einzig gangbaren Weg frei, das ist der Anschluß an Deutschland. Man hat durch nichts bisher ein Nachlassen des Auschlußwunsches auf beiden Seiten erreichen können. Das wird auch in Zukunft nicht geschehen. Es wurde der Welt außerdem ein neues verwickeltes fBertragSfpftem er­spart, wie es jetzt im Entstehen begriffen ist. Die jetzigen Verträge sind nur ein Notbehelf, dessen Undurchfuhrbar- keit sich früher oder später doch erweisen muß.

Eine Anschlußkundgedung in Süssewors.

Trostlose Lage in Österreich.

Der Österreichisch-Deutsche Volksbund verunstaltete in Düsseldorf eine Kundgebung für die Schaffung eines großen Deutschlands durch die Verbindung Deutsch-Öster­reichs mit dem Deutschen Reiche. Der Vorsitzende des Österreichisch-Deutschen Volksbundes, Reichstagsprastdent Löbe, legte die Ziele des Bundes dar. Österreich habe seinen ernsten Willen zur Rückkehr zum Mutterlande oft genug kundgetan und wenn heute noch Zweifel hierüber herrschten, so möge eine Volksabstimmung entscheiden. Es würde sich dann mit aller Klarheit zeigen, mit welch

9er ImSmnsWz auf Russolini

Französischer Protest in Rom.

Eine Prophezeiung für Mussolini.

Die Rede Mussolinis, die er unmittelbar nach dem mißglückten Attentat vom Balkon seines Arbeitszimmers herab gehalten hat und in der er die Warnung a n Frankreich richtete, endlich mit dem Schutz und der Protektion antifaschistischer Bestrebungen aufzuhören, hat in Paris starkes Befremden erregt, zumal auch die öffent­liche Meinung in Rom die Ausführungen des Duce weiter- spinnt. Der französische Geschäftsträger in Rom hat im Austrage der Pariser Regierung bei Mussolini offi­ziell gegen diese Ausführungen P r o t e st eingelegt.

Einer Neutermeldung aus Rom zufolge erklärte Mussolini dem Handelssekretär der britischen Botschaft, Der sich unmittelbar nach dem Attentat verabschiedete, es sei zwecklos, Anschläge auf sein Leben zu machen, da ihm oorausgesagt worden sei, daß ernichteinesgewalt- samen Todes st erben würde. Er glaube an Prophe­zeiungen und sei daher sicher, daß er eines natürlichen ungeheurer Wucht sich Österreich für den Zusammenschluß der beiden Länder aussprechen werde.

In temperamentvoller Weise schilderte darauf der frühere österreichische Bundeskanzler Dr. Renner die jetzige Lage Deutschösterreichs. Der Völkerbund habe Österreich amtlich für gesund erklärt, aber die wirtschaft­liche Lage in Österreich sei t r o st l o s , denn man habe Österreich sein Ackerland genommen. Nur wirt­schaftlicher Irrsinn habe solche Zustände schaffen können. Der Zusammenschluß fei absolut notwen­dig. Österreich habe sich zu dem guten nationalen deut­schen Gedanken bekannt, wie er aus den Schriften Fichtes hervorgehe, zu dem Gedanken der Freiheit und Einigkeit der eigenen Nation. Der Anschlutzgedanke sei keine Her­ausforderung, sondern nur die Geltendmachung eines ur- lAgsr.ften Siebtes.

Im Schlußwort gedachte Reichstagsabgeordneter Hammacher - Köln der österreichischen und deutschen Frauen, die sich mit gleicher Liebe und Wärme für den Anschlußgedanken einsetzten. Dies beweise am besten das Wort einer österreichischen Dichterin:Durch die Lüfte geht ein Ahnen und immer stärker dringt's herein: Reicht die Hände euch, Germanen, an der Donau und am Rhein." Reue Vollversammlung

des Völkerbundes.

Die Besprechungen StresemannB riand.

Die Vollversammlung des Völkerbundes ist für Mitt­woch erneut einberufen worden. Auf der Tagesordnung dieser Sitzung steht der Bericht der Kommission für Rats­reform. Wie es heißt, wird am Donnerstag zur Wahl der nichtständigen Ratsmitglieder geschritten werden. Es ist

Stresemann, v. Schubert, Chamberlain und Briand nach der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund. noch nicht bekannt, welche LÄnder von der Kommission für die Zuerteilung von nichtständigen Ratssitzen vorge­schlagen werden.

Viel beachtet werden in Genf die Besprechungen, die in den letzten Tagen zwischen Dr. Stresemann und Briand stattgefunden haben. Wie verlautet, soll im Verlaufe dieser Besprechungen auch über die Frage des besetzten linken Rheinusers verhandelt worden sein.

Das «echt in Rot!«

Der 34. Deutsche Iuristentag.

In Köln ist der 34. Deutsche Juristentag eröffnet worden. Der volksparteiliche Abgeordnete Justizrat Dr. Kahl wurde zum dritten Male zum Vorsitzenden des Juristentages ge­wählt. Kahl ab dann in seiner Eröffnungsansprache das Ge­löbnis ab. daß der Deutsche Juristentag Schildhalter für Freiheit und Recht sein wolle.

ReicksiustiLMiniiter Dr. Bell aab auf der Veranstaltung

Todes sterben werde. Daher verschwendeten Attentäter ihre Zeit.

Wie sich jetzt herausgestellt hat, heißt der Attentäter nicht Giovannini, sondern Gino Lucetti. Er ist gebürtig aus Avenza in Toscana, aber seit acht Jahren in Frank­reich, Marseille, Nizza und Paris, ansässig gewesen, von wo er häufig geheimnisvolle Reisen nach Rom unternahm. Aus der Brust tätowiert trägt der Attentäter die franzö­sischen WorteVive la mort". (Es lebe der Mord.) In Rom hatte sich Lucetti eine Woche lang aufgehalten, um die Ausführung des Mordplanes genau vorzubereiten. In Rom wurde eine Anzahl Anarchisten verhaftet. Der oberste Polizeichef Italiens, Mondada, ist durch den Polizeiches von Genua, Bocchini, ersetzt worden» ebenso ist der Polizeidirektor von Rom seiner Stellung enthoben worden.

In allen Sätdten Italiens und in den Kolonien sind große Kundgebungen aus Freude darüber erfolgt, daß Mussolini der Gefahr entgangen ist. Alle fozialen Schichten nahmen daran teil. Die Kundgebungen sind ohne jeden Zwischenfall verlaufen.

im Auftrage der Reichsregierung und des Reichskanzlers eine programmatische Erklärung ab, in der er betonte, daß Gesetz­gebung und Rechtsprechung im Volksleben kein Fremdkörper sein dürften. Dr. Bell hob weiter hervor, daß die Frage der künftigen Gestaltung der parlamentarischen Untersuchungs­ausschüsse, der Reform des Aktienrechts und des Strafrechts aus dem Juristentag eine eingehende Erörterung erfahren mußten. Der Redner führte dann weiter aus: Tiefer Schmerz erfüllt alle an der Rechtspflege beteiligten Organe angesichts der Vertrauenskrise, die unsere Rechtspflege bedroht. Aus lebhaften und zum Teil leidenschaftlichen Erörterungen klingt der Ruf: Das Recht in Not! Alle Mann an Bord! Wenn diese Sorge berechtigt ist, wenn Wunden am Rechtskörper zu heilen sind, so liegen hier Ausgaben, an deren Lösung jeder deutsche Jurist sein Bestes setzen soll. Im vaterländischen In- teresse gebietet sich aber die beschwörende Mahnung, bei aller und sich vor verallgemeinernden Schlußfolgerungen zu Huten. Verhängnisvolle Ungerechtigkeit würde es vor allem sein, den deutschen Richterstand für Verfehlungen und Mißgriffe einzelner, die uns mit ernster Sorge erfüllen, ver- antwortlich zu machen. Mit Freude haben wir es daher auch begrüßt, daß die Organisationen des deutschen Richterstandes den Richtern dringend aus Herz gelegt haben, rückhaltlos Selbstzucht und Selbstkritik zu üben und dadurch zur Festigung des Vertrauens in unsere Rechtspflege beizutragen. In die Gewissensfreiheit der deutschen Richter darf nicht eingegriffen werden. Vor ihre Unabhängigkeit werden wir uns nach wie vor schützend stellen. Denn wir wissen alle, daß den deutschen Richtern ihre Unabhängigkeit nicht als ein- fettiges Vorrecht gewährt ist, sondern als Mittel zur Erfül­lung ihrer höchsten richterlichen Ausgabe, nämlich des gleich­mäßigen Schutzes aller Staatsbürger und der unparteiischen und gerechten Rechtspflege. Treue Hingabe zum Staat und zur Reichsverfassung muß den Richter, der im Namen des Staates Recht spricht, an erster Stelle auszeichnen und ihm die Staatsverbundenheit zur Gewiffenspflicht wachem In der Brust des deutschen Richters liegen

die Gchicksalssterne der deutschen Justiz.

Unsere Parole soll lauten, und das fei auch des Juristenlages Losung: Wir müssen ringen um die Seele des Volkes.

Der Vorsitzende, Professor Kahl, vertrat die Meinung, daß es feige wäre, wenn der Juristentag von der größten Sorge, die alle Juristen betrifft, der Krise d e r R e ch t s - pflege, nicht sprechen sollte. Der reine Geist von Recht und Gerechtigkeit müsse Gemeingut aller Juristen sein. Alle Diener des Rechts hätten die sittliche Pflicht zur Selbstzucht und zur Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber dem Staat.

Die Teilnehmer des Juristentages verteilten sich nunmehr aus Vier Abteilungen, in denen die sachlichen Beratungen statt- finden. Eine von ihnen beschäftigte sich mit der Frage der Parlamentarismen Untersuchungsausschüsse.

politische Rundschau.

Deutsches ireich.

Hindenburg Ehrenbürger von Dietramszell und Schönegg.

Die vereinigten Gemeinden Dietramszell und Schönegg ernannten den Reichspräsidenten von Hinden­burg in feierlicher Weise zum Ehrenbürger. Die Bürger­meister sowie Mitglieder des Gemeinderates überbrachten dem Reichspräsidenten die Eyrenbürgerrechtsurkunde, zu­gleich mit einem Gemälde des Schlosses Dietramszell. Der Reichspräsident erklärte in herzlicher Weise, wie sehr ihm der Aufenthalt in Dietramszell gefallen habe. Er habe den Wunsch, im nächsten Jahre wiederkommen zu können.

Um die Große Koalition im Reich.

Auf der Dresdener Tagung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie hatte der rheinische Großindustrielle Dr. Silverberg an die Sozialdemokratie die Aufforderung gerichtet, sich an den Regierungsgeschäften wieder aktiv zu beteiligen. Während bisher die sozraldemokratische Parteileitung eine klare Antwort auf diese Aufforderung nicht gegeben hat, hat jetzt der Vorsitzende des Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbundes, Leipart, erklärt, daß die verantwortlichen Führer der Gewerkschaften in ihrer über­großen Mehrheit für die praktische Mitarbeit in der Re-