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Hersfelöer Tageblatt

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Nr. 214

Montag, den 13. September 1926

76. Jahrgang

Austritt Spaniens ans dem Bölderbuud

Spanien kündigt in Genf.

Madrid im Schmollwinkel.

Der spanische Konsul in Genf erschien aus dem Gene- ralsekretariat des Völkerbundes, um eine Note seiner Re- qierung zn überreichen, in der Spanien seine Müglied- si>M im Völkerbund kündigt. Nach den Satzungen des Völkerbundes bleibt Spanien noch zwei Jahre lang Mit- glrrd des Bundes, wird aber selbstverständlich während dieser Zeit nicht an den Arbeiten des Bundes teilnehmen, falls nicht vorher eine neue Annäherung an den Bund erfolgt. ,

Mit diesem Schritt hat Spanien die Konsequenzen seiner Haltung gezogen, die es in der letzten Zeit dem " ölkerbund gegenüber an den Tag gelegt hat. Es zieht sich in den Schmollwinkel zurück, da ihm sein Wunsch, -inen ständiges Sitz im Völkerbundrat, in dem vornehm­lich die Großmächte vertreten sind, zu erhalten, nicht er­füllt worden ist! Allerdings war für Spanien die Zu­teilung eines nichtständigen Ratssitzes in Aussicht genom­men aus den Spanien freilich aus Prestigegründen verzichtete. In Völkerbundkreisen hat der Schritt KpMiens großes Bedauern hervorgerufen, zumal man noch immer hoffte, daß die Regierung von Madrid ihre AustritNdrohungen nicht wahr machen und sich wie andere Völker bundmitglieder den Beschlüssen des Völkerbund- rates fügen würde.

LeLLgrümmGechse^ Zwischen Marx undGirssemann

Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat namens der deutschen Delegation in Genf an den Reichskanzler folgendes Telegramm gerichtet:An dem Tage, an dem der Eintritt in den Völkerbund vollzogen ist, gedenken wir in aufrichtiger Dankbarkeit Ihrer führenden MU-

ut der yutuu, Die zu Diesem Ziele führte, und übermitteln Ihnen in diesem Sinne die herzlichsten Gruße. Namens der deutschen Delegation gez. Stresemann."

Reichskanzler Dr. Marx sprach in dem Antworttele- grammdem erfolgreichen Führer der gegenwärtigen deutschen Außenpolitik" feine Glückwünsche aus. In dem Telegramm heißt es sodann weiter:An diesem Wende­punkt der Geschicke der Völker flehen wir zu dem gött­lichen Lenker aller Dinge, daß er die vom deutschen Volke in seiner überwältigenden Mehrheit an den Ein­tritt in den Völkerbund geknüpften Hoffnungen und Wünsche zum Segen unseres Vaterlandes baldigst in Er­füllung gehen lassen möchte." Auch an den früheren Reichskanzler Dr. Luther sandte Reichskanzler Dr. Man ein Telegramm, in dem erder verdienstvollen Arbeit seines Amtsvorgängers" gedachte, diedie Grundlage zu dem für Deutschland so bedeutsamen politischen Ereigme geschaffen hat".

Die nichtständigen Ratösiße.

Stresemann bei Chamberlain.

Die Verhandlungen über die Wahl der nichtständi­gen Ratsmitglieder werden hinter den Kulissen mit un­vermindertem Eifer fortgesetzt. Im Vordergründe stehen zur Stunde die Kandidaturen folgender Staaten: Polen, Belgien, China, drei südamerikanische Staaten Uruguay, Kolumbien, San Salvator, Rumänien, Holland und Portugal, über die Kandidaturen kann natür­lich eine Entscheidung vor Annahme des Reformprojektes be« Rates nicht fallen. Daher ist es möglich, daß noch verschiedene Abänderungen erfolgen. So wird von eng­lischer Seite der Standpunkt vertreten, daß es im Inter­esse der Kontinuität der Arbeiten des Völkerbundrates wünschenswert fei, drei der alten nichtständigen Rats- mitglieder noch ein weiteres Jahr Mitglieder des neuen Völkerbundrates sein zu lassen. Für eine derartige Über­gangszeit käme die Tschechoslowakei, Schweden und als südamerikanischer Staat Uruguay in Frage. In Pol» nischen Delegationskreisen besteht der Wunsch, Polen vor. läufig nur auf ein Jahr zum nichtständigen Ratsmitglied wählen zu lassen und gleichzeitig auf die Wiederwählbar« keitserklärung zu dringen, so daß Polen damit für vier Jahre in den Rat einziehen würdig,und die Aussicht hätte, noch weitere drei Jahre, also im ganzen sieben Jahre, im Rat zu verbleiben.

Reichsminister des Äußern Dr. Stresemann stattete Sonnabend abend dem englischen Hauptdelegierten Sir duften Chamberlain einen Besuch ab.

I

3m Plauderwinkel der Aatisnen.

(Von unserem besonderen Mitarbeiter.)

Gens, im September.

Satzungsgemäß sollen sich die Völkerbundversamm­lungen in voller Öffentlichkeit vollziehen. Aber in Wirk­lichkeit läßt sich das aus Raumgründen nicht durchfuhren. Von den vielen Fremden, die zur Zeit der Bundes- und Ratstagungen nach Genf kommen, ziehen die meisten wieder wea. ohne kick. dem Verbandlunasaebaude aus

mehr als den Äereich der polizeilichen Absperrung ge­nähert zu haben. Denn, bei der im Verhältnis zu der Bedeutung der Versammlung geradezu lächerlichen Enge des Raumes können immer nur ganz wenige Kar­ten ausgegeben werden, und um eine davon zu erhalten, muß man sich lange Zeit vorher an einen Delegierten, an ein Mitglied der Bureaus oder an einen einflußreichen Journalisten gewendet haben.

Aber wer dann doch so glücklich war, eine Karte zu ergattern, der ist meist sehr enttäuscht. Er hat von einer hohen Tribüne in einen dicht mit langen Reihen schmaler Schulbänke besetzten Saal hinabgeblickt, wo allerhand würdige Leute sehr verschiedenen Aussehens einem eng­lisch oder französisch sprechenden Redner oder Übersetzer zuhören. Da die Übersetzung die Verhandlungen sehr verschleppt, versteht der Fremde nur in seltenen Fällen den Zusammenhang der Vorgänge. Gesprochen darf auf den Tribünen nicht werden, so daß er sich von niemand er­klären lassen kann, wer die Mitglieder der da unten ver­sammelten Delegationen von etwa 50 Völkern aller Erd­teile und Breitengrade sind. Darum hat man als Un­eingeweihter von so einem Besuch im Genfer Weltparla­ment meist noch weniger als von einer Sitzung des Deut­schen Reichstages oder irgendeines anderen Abgeord­netenhauses.

Wer aber unter kundiger Führung und guter Pro­tektion in den Völkerbund hineinkommt, der hält sich nicht lange im Sitzungssaale auf, sondern begibt sich zum Plauderstündchen der Rationen". Das fin­det während der Sitzungen in dem Raume statt, der hier die Wandelhalle anderer Parlamente ersetzen muß, einem ganz engen, unscheinbaren Saal, wo früher die Gäste des Hotels, welches zusammen mit der anstoßenden Kirche das vorläufige Asyl des Välkervuny -8 höbet, ihren Morgen­kaffee getrunken haben. Hier findet man auf wenige Quadratmeter zusantmengedrängt diegute Stube" manches Bürgerhauses ist geräumiger als dieseErsatz- wandelhalle", wo niemandwandeln" kann mehr Weltberühmtheilen, als je an einer anderen Stelle der Erdkugel zusammenkommen. Dort steht z. B., die eine Hand wie gewöhnlich in der Hosentasche und das Mo­nokel vor das spitzblickende Auge geklemmt, Englands Außenminister Sir Austen Chamberlain im Ge­spräch mit einem schlanken Riesen, dessen prächtigen Cha­rakterkopf jeder aus den illustrierten Zeitungen kennt: es ist F r i t h j o f R a n s e n , einst kühner Nordpolfahrer, heute das wachsame Gewissen der Rechte der neutralen Staaten im Völkerbund. Dort steht Briand in einer

Gruppe mit dem löwenmähnigen P a u ! - B o n c o u r und dem französischenStinnes", dem Großindustriellen L o u ch e u r . Briand, die unvermeidliche Zigarette in den hend, läßt es gmmütig-wehrlos über sich er- ün halbes Dutzend Zeichner sich auf ihn stür-

Fingern drei

gehen, daß ei , . ........

zen und ihn karikieren. Daneben hat sich eine Gruppe von Herren im Straßenanzug zusammengefunden, die niemand kennt, denen man aber ansieht, daß es Deutsche sind. Wie man bald erfährt, sind es Dan - z i g e r Senatoren und Delegierte der Parteien des Saarlandes, die gemeinsame Not hier zum Aus­tausch ihrer Erfahrungen veranlaßt. Wer mag der dicke Herr sein, der durch ein paar Negerlippen und die große Zahl seiner Orden auffällt? Das ist ein altbekannter tätiger Arbeiter im Völkerbund, der Vertreter der Neger­republik L i b e r i a , der Baron von Lehmann. Und dort slitzen in eifrigem Flüstern zwei kleine bewegliche Männer zwischen den Gruppen hindurch und man erfährt leicht ihre Namen: Benesch, der tschechische Außenminister, und der Pariser Gesandte von Kuba, Aguero de Bethancourt, zwei Männer, ohne deren Geschäftig­keit man sich die bisherige Beilegung mancher kleiner in­nerer Konflikte im hohen Völkerbünde nicht vorstellen

kann.

Jetzt wird eine Same in Schwarz, unbestimmten Alters, von allen Seiten begrüßt: die Witwe Wil- s o n s, die in eigener Mission bei jeder der letzten Ta­gungen zu sehen ist. Eine neue Gruppe wird uns tuschelnd gezeigt: der listig blinzelnde, quecksilberige griechische Re­volutionär Venizelos im Gespräch mit Dr. Adler, dem Wiener Sozialistensührer. Und jetzt erleben alle Fremden eine Sensation: da schreiten zwei stolze Gestalten in ausländischen Trachten durch das Gewühl, ein kassee- brauner, turbangeschmückter indischer Maharadscha und ein tiefschwarzer Prinz von Abessinien in blen­dend weißer Toga. Das alles mischt sich zwanglos im dicksten Gedränge durcheinander und der Fremde kommt aus dem Fragen nicht heraus, bis die Saalglocke zu einer Abstimmung läutet und die Delegierten schnell zu ihren Plätzen eilen.

Wenn einmal das neue Völkerbundpalais fertigge­stellt sein wird, wird man eine riesige Wandelhalle bauen von einer Ausstattung, so prächtig, wie sie kein anderes Parlament der Erde besitzt. Aber der eigenartige Reiz des Plauderstündchens der Rationen, wie es sich hier so­zusagen in der Zwanglosigkeit einer Wohnstube abspielt, wird unwiederbringlich dahin sein, wird dann einer steifen Feierlichkeit weichen. W.

Höflichkeit bei Behörden.

Der Gegensatz zwischen dem einzelnen Staatsbürger und der Behörde ist so uralt wie die Menschheit. Trotz­dem der Staat schließlich weiter nichts ist als die Ge­meinschaft aller Staatsbürger, so hat sich doch schließlich der Staat als ein besonderes Wesen herausgebildet, das kraft der Universalität seiner Zusammensetzung zum Besten der Allgemeinheit Eingriffe in die freie Selbstbe­stimmung des einzelnen vornehmen muß, die dieser meist übel empfindet. Daher erscheint vielfach zwischen diesen beiden Faktoren eine gewisse Spannung, die noch dadurch vermehrt wird, wenn der Äusüber der Staatshoheit, der Beamte, dem einzelnen Bürger gegenüber eine überheb­liche Haltung einnimmt. Man spricht deshalb auch von einem Obrigkeitsstaat im Gegensatze zu dem Staat, in dem auch der Beamte sich als Bürger fühlen und demnach seinen Mitmenschen, dem er als Beamter gegenübertreten muß, nicht als Untergebenen behandeln soll. Leider ist dieser bisher fast überall nur ein Ideal geblieben. Auch aus den so sehr gepriesenen alten bürgerlichen Staaten kommen dieselben Beschwerden über den Befehlshaber­ton der Beamten wie bei uns.

Die Berliner Polizeibeamten sind jetzt durch einen Erlaß erneut an die Beobachtung angemessener Höflich­keitsformen, besonders im schriftlichen Verkehr mit dem Publikum, erinnert worden. Da diese Vorschriften schon immer bestanden, so müssen doch wohl viele Beschwerden aus dem Publikum vorgelegen haben, die eine solche Wiederauffrischung nötig machten. Worin diese Beschwer­den bestanden, kann man aus dem Erlaß erfahren, der unter anderem darauf aufmerksam macht, daß wohlge­meinte Vorschläge aus dem Publikum über Verbesserung der polizeilichen Einrichtungen und Maßnahmen nicht mit Überlegenheit abzuweisen sind, selbst wenn solche Vor­schläge als überflüssig oder zwecklos erscheinen sollten. Weiter wird empfohlen, abgelehnte Beschwerden immer mit einem Ausdruck des Bedauerns zu versehen.

Was biet für hie W»"L«i v", W -ut^ andere Behörden zutrestend. Deshalb wurde es nuycv schaden, wenn derartige Ermahnungen auch von anderen maßgebenden Stellen ausgingen. Im allgemeinen durfte es sich ja bei den Beschwerden nur um Ausnahmen han­deln. Aber diese werden um so unangenehmer empfun- - den. Es wäre allerdings verfehlt, wenn nun eine über­triebene Höflichkeit einreißen sollte, da auch diese manchmal unbequem ist. Was aber verlangt werden kaun, ist, daß man sich wenigstens im schriftlichen Verkehr einer Ausdrucksform bedient, die zwar knapp und kurz ist, aber doch immer die gebotene Höflichkeit erkennen läßt. Vor­bildlich können in dieser Beziehung unsere kaufmännischen Unternehmungen sein, bei denen man stets eine sachliche, bestimmte Form wählt. Viele verstehen unter Höflichkeit die Anwendung von allerlei schönen Redensarten und Floskeln. Das mag für den gesellschaftlichen Verkehr passen, aber nicht dort, wo es auf knappe Mitteilung an= kommt und man Dem Empfänger nicht unnütze Zeitein­buße zumute» will. Das ist nämlich auch ein Gebot der Höflichkeit.

Es ist nicht anzunehmen, daß solche Erlasse, wie der angeführte, nun alle Beschwerden verstummen lassen. Sie geben aber immerhin doch den davon in erster Linie Be­troffenen die Möglichkeit zum Nachdenken darüber, welche Stellung sie im Staate einnehmen. Sie müssen dann ein­sehen, daß der Standpunkt irrig ist, wonach das Publi­kum nur ihretwegen da ist, sondern daß es umgekehrt der Fall ist und sie ihr Amt nur zu dem Zwecke ausüben, um die Staatsmaschine in Gang zu halten. Das bedeutet, daß die Sicherheit von Gut und Leben des einzelnen Staatsbürgers nicht gefährdet wird und er ruhig seinen Geschäften nachgehen kann. Ist erst diese Einsicht einmal überall durchgedrungen, dann werden die Beschwerden, wenn auch nicht ganz verschwinden, so doch außer­ordentlich an Zahl abnehmen. Dann wird der Beamte, wenn er einmal energisch gegen Übeltäter einschreiten muß, immer auf die tatkräftige Unterstützung des Publi­kums rechnen können, an der es bei der Verkennung der gegenseitigen Standpunkte häufig noch fehlt.

Das ganze Höflichkeitsprinzip tommt daher letzten Endes darauf hinaus, daß sich überall im Volke der Staatsgedanke durchringt, der verlangt, daß der einzelne im gegebenen Falle seine eigene Person dem Ganzen unterordnet. Das gilt für den Bürger wie für den Beamten. Ist das erreicht, dann ist das erstrebens­werte Verhältnis da, wo alle Teile an dem großen Ziel^ des Wohles des Vaterlandes arbeiten.

Amnestieabkommen im besetzten Gebiet.

Vereinbarungen mit der Rheinlandskommission.

Von dem Reichskommissar für die besetzten rheinischen Ge­biete, Freiherrn Langwerth von Simmern, und der Rhein­landkommission ist in Koblenz ein Abkommen über Befrie- vungsmaßnahmen im besetzten rheinischen Gebiet unter­zeichnet worden.

Die deutsche Regierung sagt zu, daß sie die Anwendung von Vergeltungsmaßregeln gegen solche Personen, die im Dienst der Besatzungen gestanden oder Beziehungen zu ihnen unterhalten haben, mit allen Mitteln verhindern werde. Da­bei sind ausgenommen Handlungen, die den Tatbestand des Hochverrates, des Landesverrates oder der Spionage erfüllen. Maßnahmen mit rückwirkender Kraft, wie zum Beispiel die Einforderung von Zahlungen für die Vergangenheit, sollen