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Hersfelöer Tageblatt

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hersfel-er Kreisblatt'

Amtlicher Anzeiger für öen Kreis Hersfel-

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Nr. 193

Donnerstag, den 19. August 1926

76. Jahrgang

Englands Bergar-eiterfrage.

Die englischen Bergarbeiter haben sich endlich dazu entschließen müssen, ihren dreieinhalb Monate währenden Kampf als zusammengebrochen zu erklären; denn die Kon­ferenz ihrer Delegierten hat die Mitglieder des Vollzugs­rates ermächtigt, sich um die Wiederaufnahme der Ver­handlungen mit den Arbeitgebern und mit der Regierung zu bemühen. Allerdings hat man sich vorläufig noch nicht bedingungslos für besiegt erklärt, denn die schließliche Regelung wir würden es als einen Tarifvertrag bezeichnen soll sich auf das gesamte England er­strecken, nicht etwa bezirksweise erfolgen. Praktisch ist da­mit der Kamps zu Ende; denn daß es bei Ablehnung dieser Bedingung zu einem Neuaufflackern des Streiks sommert würde, ist kaum anzunehmen angesichts der Notlage schwerster Art, in der sich die streikenden Bergarbeiter befinden.

Aber gerade die bezirksweise Regelung der Arbeits­und Lohnverhältnisse ist eine Hauptsorderung der eng­lischen Grubenbesitzer, die gleichfalls mit einer geradezu unglaublichen Zähigkeit diesen Kampf geführt haben. Der zweite Streitpunkt war die Frage der Arbeitszeit. Durch die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit ist auch dieser mit einer Niederlage gesetzgeberischer und tatsäch­licher Art auch den Bergherren gegenüber entschieden. Unterlegen ist man auch im Kampf gegen den Versuch der Bergherren, die Arbeitslöhne mindestens bezirksweise her- unterzusetzen. Man sieht, daß die Bergarbeiter mit ihrer jetzt noch aufgestellten Bedingung gerade den Kernpunkt getroffen haben, weil die bezirksweise Regelung der Arbeitszeit und des Arbeitslohnes das Entscheidende ist.

Dieser Bergarbeiterstreik hat England furchtbare Wunden geschlagen; die seit Jahrzehnten bewährte Soli­darität der vier großen Gewerkschaften ist zertrümmert. Die Dockarbeiter schaufeln ohne Widerstand die aus dem Ausland eintrefsenden Kohlen aus den einlaufenden Schiffen und die Eisenbahner befördern sie gleichfalls ohne Widerstand. Die Gewerkschaftsinternationale hat versagt und wenn Moskau nicht finanziell so freigebig »M»&^ gekommen wäre was aber a«.ch nur ein paar Tropfen auf dem heißen Stein bedeutete, so wäre der Streik längst beendet, denn die Zuschüsse, die man aus anderen Ländern erhielt, waren geringfügig. Versagt hat die internationale Solidarität. Ob politisch von all dem der Kommunismus den Rahmen abschöpfen wirb, weiß man nicht; jedenfalls macht die Arbeiterpartei unter Führung Macdonalds alle nur denkbaren Anstren­gungen, um die Ernte einzuheimsen, und wie die letzte Neuwahl beweist, nicht ohne Erfolg. Die Konservative Partei unter Führung von B a l d w i n hatte bei der letzten Wahl viele Arbeiterstimmen hinter sich, dürfte wohl aber in Zukunft in dieser Hinsicht ziemliche Verluste erleiden.

Ebensowenig läßt sich ermessen, wie groß die augen­blicklichen, aber auch die zukünftigen wirtschaftlichen Ver­luste Englands im Gefolge dieses Streiks sind. Daß es Deutschland gelungen ist, einen großen Teil seiner Kohlen- bestände abzustoßen und die Förderung wegen der ge­stiegenen Absatzmöglichkeiten auf fast 100 % der Vor- kriegsförderung zu steigern, ist erfreulich; es bleibt abzu- warten, ob e^ gelungen ist, auch auf die Dauer frühere englische Absatzgebiete zu erobern. Ziel des Widerstandes der englischen Bergherren ist aber vor allem eine Herunter­drückung der Produktionskosten; kommt ihnen die eng­lische Regierung in irgendeiner Form verschleierter Sub­ventionen zu Hilfe, so kann Deutschland sich auf einen überaus scharfen Konkurrenzkampf gefaßt machen, der sich jedoch nicht von heute auf morgen zeigen wird, weil na­türlich die Instandsetzung der solange stillgelegten eng­lischen Bergwerke Zeit und vor allem Geld erfordert. Auch bei den anderen Industrien hat der Streik verheerend ge­wirkt, auch dort werden sich seine Folgen nicht in kurzer Frist beseitigen lassen. Doch ist auch hier damit zu rechnen, daß die englische Regierung diesen Wiederaufbau etwa durch zollpolitische Maßnahmen eifrig unterstützt und auch sonst seiner schwer bedrängten Industrie zu Hilfe kommen wird.

Psincare an Nr Arbeit.

Die Sparmaßnahmen der französischen Regierung.

Poincare ist von einem kurzen Landaufenthalt nach Paris zurückgekehrt, um an den Kabinettssitzungen, in denen die Regierung sich eingehend mit dem Kampf gegen die Teuerung und mit den geplanten Sparmaß­nahmen befassen wird, teilzunehmen.

Der Kampf gegen die Verteuerung der Lebenshaltung soll durch eine Politik der Einfuhr beschrankun - gen und durch eine Preispolitik geführt werden. » die Ersparnisse in der Verwaltung angeht, so will man sich an die Einpfehlungen von zwei Sparausschussen, die be­reits von den früheren Ministerien eingesetzt worden waren, halten. Die Ersparnisse sollen auf dem Verord­nungswege durchgeführt werden. Die Regierung will die Zahl der Steuerbeamten nicht verringern, sondern sogar erhöhen, um eine bessereKontrolleder Steuer­eingänge zu ermöglichen. Auch das Telephon- und Telegraphenpersonal soll verstärkt werden.. Dagegen sollen in anderen Verwaltungen alle Stellen, die durch Pensio- nicrung der Inhaber frei werden, eingezogen werden.

Amerika wünscht Weltabrüftung

KMg für allgemeine Entwaffnung

Im Gegensatz zu den von amerikanischen Blättern verbreiteten Nachrichten erklärte der amerikanische Staats­sekretär Kellogg, daß er sich nicht mit Rücktritts­absichten trage. Der Staatssekretär hat sich nach Pitts - b u r g h begeben, wo er anläßlich der Enthüllung eines Denkmals über Amerikas Politik im Verhält­nis zu Gens sprach.

Das Thema der Rede war die Gesamt- abrüstungsfrage, die es den einzelnen Nationen ermöglichen soll, sich von der Besorgnis vor Angriffen durch ihre Nachbarn zu befreien. Die En t w a f f n u n g der Völker, so führte der Staatssekretär aus, müsse schleunigst von Grund auf begonnen werden. Man dürfe nicht warten, bis allgemein anwendbare Formeln, die für alle Welt paßten, gefunden seien. Besondere Aufmerksam­keit widmete Kellogg einem Abkommen über die Ma - rineabrüstung, dessen dringende Notwendigkeit er betonte. Er stellte sich aus den deutschen Stand­punkt, daß man sich in erster Linie an die greifbaren und sichtbaren Rüstungen halten müsse. Die Regierung der Vereinigten Staaten wünsche, daß Genf zu einer Beschränkung der Rüstungen in aller Welt führen möge.

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ebenso das zahlreiche Hilfspersonal. Man hofft, auf diese Weise etwa 500 Millionen jährlich zu erspa - r e n. Außerdem soll so schnell wie möglich das Budget für 1927 fertiggestellt werden, damit die Parlamentsaus­schüsse bald mit der Prüfung beginnen können.

Dr. Leib;.

'chaft in der Tschechoslowakei bekannt ist, wuroe ein Straf­verfahren wegen Gefährdung der Sicherheit der Tschecho- stowakischen Republik eröffnet.

Sie StudiMkoMmWon des Völkerbundes

Keine Vermehrung der Ratssitze.

An der zuständigen Berliner Stelle ist jetzt die be­stimmte Mitteilung eingegangen, daß die Studien- komMission des Völkerbundes zur Be­ratung einer SiatSreform am 30. August zu- sammentreten wird. Die formale Einladung, deutsche Vertreter zur Studienkommission zu entsenden, liegt aller­dings noch nicht vor, doch kommt dieser Verzögerung keine besondere Bedeutung zu; denn auch die Einladung zur Maitagung der Studienkommission lief erst wenige Tage vor dem Zusammentritt ein. Die deutsche Regierung wird in der Studienkommission durch ihren Botschafter in Paris, Dr. v o n H o e s ch, vertreten werden.

Der amtliche englische Funkdienst meldet, daß die britische Haltung bei der kommenden Sitzung der Studien­komntission immer noch die sei, daß der E i n t r i t t Deutschlands in den Völkerbund und der st ändige Ratssitzfür Deutschland allen andern Erwägungen vorgehen müsse. Durch Deutschlands Ein­tritt in den Völkerbund würden der Einfluß und die Autorität des Völkerbundes in der ganzen Welt außer­ordentlich vergrößert und man hoffe, daß aus diesem Grunde Spanien bemüht sein werde, an der Lösung der Weltprobleme und des Wiederaufbaues Europas,mit-

Verdis über Krankreich.

Der amerikanische Botschafter in Paris, H e r r i ck, ist in Washington eingetroffen. Bei einer Unterredung gab Herrick ein günstiges Bild von der französischen Wirtschaftslage. Danach hätten die Franzosen nicht nur Arbeit für sich selbst, sondern müßten außerdem zwei Millionen ausländischer Arbeiter einführen. Das indu­strielle, wirtschaftliche Frankreich gehöre zu den blühend­sten und reichsten Ländern der heutigen Welt. Die euro­päischen Länder hätten die Notwendigkeit eines wirtschaft­lichen Zufammengehens erkannt und beurteilten heute die Dinge von einem mehr internationalen Gesichtspunkte. Ob er damit eine Einflußnahme des Völkerbundes meine, ver­schwieg Herrick. Er fand auch Entschuldigung für die französischen Ausschreitungen gegenüber den Fremden, da die Erbitterung und Verärgerung über den Sturz des Franken sehr groß wäre. Berliner Auslegungen über die Besprechungen Coolidges und Kelloggs mit Herrick und Houghton, nach denen Amerika eine stärkere Annäherung an Europa wünsche, träfen keinesfalls zu. Diese Be­sprechungen müßten vielmehr im Hinblick aus den Wahl­kampf betrachtet werden, wobei die allgemeine Parole der Republikaner noch immer dasLos von Europa" sei.

zuarbeiten. Für den nurDeutschland zu gewäyrcn- Den ständigen Ratssitz hat sich auch die Nordische interparlamentarische Konferenz, die in T t o ck h o l m zusammengetreten war, ausgesprochen.

Der späte Termin des Zusammentrittes der Studien- iommission erregt allerdings einige Besorgnis, da der Völkerbundrat selbst schon am 3. September ;usammentreten soll und die Vollversammlung am 6. Sep- iember. ___________

politische Rundschau

Deutsches Mich

Konferenz der Innenminister der Länder.

Die Innen mini sterderdeutschenLänder i werden voraussichtlich Anfang nächsten Monats in Berlin zu einer neuen Arbeitstagung zusammentreten. Die Be­sprechungen dürften sich in der Hauptsache um die Gesetz­entwürfe aus dem Arbeitsbeschaffungspro- g r a m m der Reichsregierung drehen. Außerdem dient die Tagung der Behandlung der seit der letzten Jnnen- ministerkonserenz angefallenen Gesetzentwürfe innerpoli- «tischen Charakters. So dürfte u. a. auch die Neuregelung des Beamtenrechts zu den Beratungsgegenständen der Konferenz gehören.

Um Eupen und Malmedy.

Verschiedene Andeutungen der Pariser Boulevard­presse lassen vermuten, daß die französische Regierung gegen eine etwaige Absicht der belgischen Regierung, EupenundMalmedyanDeutschlandzurück- zugeben, in Brüssel Protest eingelegt hat. Es sei aller- I dings fraglich, ob Frankreich und die übrigen Alliierten auf Grund des Versailler Vertrages und der Locarno- verträge ein besonderes Abkommen zwischen Deutschland und Belgien verhindern könnten. Belgien soll, wie die französischen Blätter wissen wollen, als Gegenleistung für die Rückgabe von Eupen-Malmedy die Summe von 1,5 Milliarden Goldmark erhalten, und zwar auf dem Wege der Übernahme einer Schuldverschreibung Belgiens an Holland in dieser Höhe. Diese Zahlung be­deute zugleich die Rückerstattung bzw. Aufwertung der seinerzeit von Deutschland in Belgien ausgegebenen Bank­noten. In Berlin sind alle diese Meldungen bisher nicht bestätigt worden.

Paßerleichterunge» für Amerikaner in Deutschland.

Der Reichsminister des Innern hat im Interesse der Erleichterung des amerikanischen Reise­verkehrs nach Deutschland die Sondermaßnahme getroffen, daß bereits in Europa weilenden Angehörigen der Vereinigten Staaten die Einreise über die deutsche Grenze, und zwar über Bentheim, Aachen, Kehl und Basel auch ohne Sichtvermerk einer deutschen Vertretung im Ausland gestattet ist, und zwar bis zum 31. Oktober.

Große litauische Vergünstigungen für Deutschland.

Der Entwurf eines russisch-litauischen Handelsver­trages, der vom litauischen Kabinett genehmigt wurde, enthält neben der Meistbegünstigung auch Punkte, die in anderen Verträgen nicht enthalten sind. In die Reihe der Staaten, die g r ö ß e r e Vergünstigungen genießen können, als das Meistbegünstigungsrecht sie festsetzt, wurde auch Deutschland einbezogen.

Rußland.

X Mißerfolg der Sparkampagne. Rhkow, Stalin und Kujbyschew Weisen in einer offiziellen Kundgebung auf den sehr geringen Erfolg der Sparsamkeits- kampagne hin, deren Gründe sie mit Schärfe ausein­andersetzen. Sie erklären, daß die Befestigung und Weiter-