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Hersfelöer Tageblatt hersfelüer Kreisblatt' Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfel-

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tteeiqenpreis kür die elnipaillge Petitzeile 15 Pfg. die Reklamezelle so Pfg. (Grundschrift Korpus). Bei Wiederholungen Dachfah. + Für die Sdirljt- leteng uerantoorilldi Franz Funk In Bsrsfeld. Ferniprecher Dr. 8.

Nr. 1SS

Gonnabenv, den 14. August 1926

76. Jahrgang

Schuld und Schulden.

In Frankfurt am Main wird ein angesehener Arzt in mittleren Jahren von einer auch nicht mehr ganz jugendlichen Krankenschwester über den Haufen geschossen. Sie war in blinder Leidenschaft für ihn ent­brannt, ohne Gegenliebe zu finden, und griff in der Ver- Wirrung ihres Herzens zur Mordwaffe, als sie vernahm, daß der Gegenstand ihrer Neigung sich mit einer anderen, jüngeren und Wohl auch reizvolleren Frau fürs Leben zu verbinden gedachte. Zwischen Heringsdorf und Ahlbeck wird abermals ein Arzt, in einem Berliner Vorort beheimatet, nächtlicherweile von jungen Burschen mit einer Latte niedergeschlagen und kann nur noch als Leiche geborgen werden. Dort, in der großen Mainstadt, eine Tragödie menschlicher Leidenschaft, die schließlich auch vor berufenen Helfern der Kranken und Schwachen nicht haltmachen kann; hier, an der sommerlichen Ostsee- küste, ein brutaler Roheitsakt schlecht oder gar nicht er­zogener Dorsjugend, der das glänz- und geräuschvolle Wochenendtreiben dieser sogenannten Erholungsstätten Wohl allzusehr zu Kopfe gestiegen war. Das Opfer in beiden Fällen Männer ärztlichen Standes, den man gerade gegen Roheitsverbrechen besser als andere Berufe geschützt glaubte. Der Frankfurter Fall hat seine gericht­liche Sühne bereits gefunden. In erster Instanz zum Tode verurteilt, wurde die Täterin nach nochmaliger Ver­handlung mit sieben Jahren Zuchthaus bestraft und rs geschah das Merkwürdige, daß auch diese Strafe noch auf Widerspruch stieß, daß Kritik an ihr geübt wurde, weil üe voll der Todesstrafe nicht sehr weit entfernt sei, wäh­rend der anfgedeckte Seelenzustand der Mörderin es habe zweifelhaft erscheinen lassen, ob sie die Tat überhaupt bei wacher Geistesverfassung begangen habe, ob sie ihr als schuld anzurechnen sei. Man wird es trotzdem hoffent­lich nicht auch noch zu einer dritten Gerichtsverhandlung kommen, sondern den Dingen endlich ihren gerechten Bäuf lassen. Die Vernichtn n g > i ^ g M e n f ch e u -

> v ' v ^ r-i, i^fmnutu lucbralS ungeschehen betrachtet werden dürfen aus bloßem Mitleid mit dem Verbrecher oder mit der Verbrecherin. Wenn selbst der humane Strafgesetzentwurf, der jetzt dem Reichsrat zur Beschlußfassung vorliegt, an der Todes­strafe festhält, genau so wie es auf Bismarcks entschie­denstes Verlangen hin das noch heute in Kraft befindliche Strafgesetzbuch aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts getan hat, so wiegt diese Tatsache schwer gegenüber den bekannten Bedenken, die gegen den Grund­satz der Vergeltung auch bei Kapitalverbrechen seit alters her" vorgebracht worden sind.

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Run hat auch endlich Frankreich Ruhe. Für Kammer und Senat sind, vier Wochen später als sonst, Die Sommerserien gekommen, nachdem sie ihrem alt-neuen Herrn und Meister P o i n c a r e in unbegrenzter Will- ährigkeit schier alle seine Wünsche erfüllt haben. Plötz- ich ist die französische Parlamentsmühle wieder wie geölt über die Räder gelaufen, Gesetze und Verordnungen schnurrten nur so aus ihren Tiefen heraus, und wenn nicht der Lärm der sozialistischen Opposition gewesen wäre, hätte auch die Sondertagung der Nationalversamm­lung, die noch rasch, zur höheren Ehre des Herrn Poin- :are zusammengetrommelt wurde, einen ganz glatten und ganz imposanten Verlauf genommen. Aber das dicke Ende wird nun erst natürlich nachkommen für die Fran­zosen, die ihre Schulden bergehoch haben wachsen sehen. Schon hat der Oberste Verwaltungsrat der Eisen­bahngesellschaften Tariferhöhungen von 24 bis 30 Pro­zent beschlossen, um so, abgesehen von der Deckung des eigenen Defizits, auch die Gehälter und Löhne seiner An­gestellten und Arbeiter der Wirtschaftslage entsprechend aufbessern zu können. Dann soll den Ausländern Die Freiheit ihres Aufenthalts in Frankreich durch Auf­erlegung möglichst ergiebiger Fremdensteuern beschränkt werden; man glaubt es eben nicht mehr nötig zu haben, Den Angehörigen von Ländern mit hoher Valuta die schätze und Schönheiten Frankreichs sozusagen kostenlos sarzubieten.. Und der Pariser Polizeipräsident hat sich entschließen müssen, an die Spitze eines Ausschusses zu treten, der sich die Bekämpfung des Preiswuchers zur Aufgabe machen will. Auch in Frankreich wiederholt sich nämlich jetzt die leidige Erfahrung, daß die Preise der Lebensmittel zwar sehr eilig den steigenden Devisen nach­klettern, in der umgekehrten Richtung aber sich der Kunst des Nachlaufens durchaus abhold zeigen. Vorläufig hat Der höchste Polizeigewaltige nur ein Mittel zur Abhilfe gefunden: er hat den Geschäften die Aushängung von Preisverzeichnissen zur Pflicht gemacht. Das wird, nach unseren Erfahrungen zu urteilen, nicht viel, das wird nicht einmal etwas helfen; wie es überhaupt fehr zweifel­haft erscheint, ob der erste stürmische Prestige-Erfolg des starken Mannes an der Spitze der gegenwärtigen Regie­rung auch nur bis zum Wiederzusammentritt der Kammer vorhalten wird.

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Aber das sind, im wesentlichen, französische Sorgen. Für uns ist wichtiger, daß die deutschen Reichs mini st er ihre Sommerferien been­det haben und nun mit neuen Kräften an die Arbeit gehen können. Die Veranstaltungen zur Verfassungs­feier sind überall im Reich ohne Störung verlaufen, die ersten Anzeichen einer Besserung des A r b c i t s -

dessen Wtoio der ReWmzen

ReichMe 1926 ohne Alerbilanz?

Die Hoffnungen des Finanzministers.

Über den gegenwärtigen Stand der Reichsfinanzen gab der Finanzminister Dr. R e i n h o l d Freitag einen überblick vor einer Versammlung von Presseleuten. Dr. Reinhold bezeichnete die Lage der Finanzen als günstig unter zwei Voraussetzungen, daß nämlich der Reichstag nicht überraschend neue Ausgaben bewillige und daß die bisherigen Ansätze zu einer Besserung der Wirtschafts­lage nicht durch einen Rückschlag abgelöst werden. Der Minister sprach bei Jnnehaltung dieser Bedingungen die Hoffnung aus, daß das laufende Jahr ohne Defizit ab­schließen werde.

Die Gesamteinnahmen im Juli betrugen 708 Mil­lionen Mark und sind damit erheblich höher als die Ein­nahmen früherer Quartalsmonate; so betrugen die Ge- samteinnahnren im April 584, im Januar 660, im Oktober 674 Millionen Mark. Diese Steigerung ist eingetreten trotz der Steuermilderungen. Von den Eink o m men - st e u e r n weist der Lohnabzug steigende Erträge aus. Im März wurden eingenommen 78,6 Millionen, April 79,4 Millionen, Mai 82,5 Millionen, Juni 88,7 Millionen, Juli 93,3 Millionen Mark. Insgesamt bleiben die Lohn­steuereinnahmen zwar hinter dem Etatsansatz zurück, und

Eiienbahnkataftrophe in Bayern

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Zwölf Personen tot.

Freitag früh 9,28 Uhr entgleiste der beschleunigte Personenzug 858 RegensburgMünchen bei der Einfahrt in die Weiche auf Bahnhof L a u g e n b a ch (Oberbayern). Mehrere Personenwagen stürzten um. Dabei wurden 12 Reisende getötet, sieben schwer und 20 leicht verletzt. Das Unglück ist durch Dammrutsch infolge des Regen­wetters entstanden. Nach einigen Nachrichten soll die Zahl der Toten sich auf 15, die der Verletzten aus 25 be­laufen. Auster den 12 Toten und 27 Verwundeten waren in den Trümmern eines Personenwagens noch zwei Personen eingeklemmt. Ministerpräsident Dr. Held hat sich sofort nach Bekanntwerden des Unglücks an die Un­fallstelle begeben.

marktes, dank der beginnenden Ausführung der Juit- beschlüsse unserer Zentralbehörden, werden sichtbar. Bleibt als große Frage zunächst das Ergebnis der be­vorstehenden Septembertagung des Völkerbund­rates, in der abermals über Deutschlands Aufnahme in den Bund der Nationen entschieden werden soll. Das Reichskabinetts wird es an sich gewiß nicht fehlen lassen, um eine Wiederholung des beschämenden Schauspiels vom letzten Frühjahr zu verhindern. Dr. Sy.

Deutsch-französische Sisesverhandlimgen.

Drei Hauptpunkte.

In den Räumen desComite des Forges" in P a r i s begannen die Verhandlungen von Vertretern der deutschen, französischen, belgischen und luxemburgischen Eisenindustrie zur Herbei­führung eines Abkommens zwischen den eisenerzeugen- den Ländern Europas. Von deutscher Seite nehmen an den Verhandlungen teil: Fritz T h y s s e n, General­direktor Klotzbach von der Firma Krupp, Generaldirek­tor P ö n s g e n und andere. Das Abkommen würde erst nach Billigung durch die betreffenden Regierungen in Kraft treten. Die Besprechungen beziehen sich auf folgende Hauptpunkte:

1. Frankreich produziert 12 Millionen Tonnen Roh­eisen, verbraucht aber nur fünf Millionen Tonnen. Es soll daher ein Abkommen über dieAussuhrvonRoh- eisen aus Lothringen und dem Saarge­biet nach Deutschland getroffen werden. 2. Man will einen inncreuropäischen Rat für die Regelung der Produktion errichten. 3. Es sollen internationale Kartelle für den Absatz der Produktion in d e n Ländern errichtet werden, die selbst Roheisen produzieren. Auf diesem Wege würde man die erste Etappe zur wirtschaft­lichen Einigung Europas zurücklegen.

Die französischen Blätter weisen darauf hin, daß England den Verhandlungen bisher ferngeblieben sei, halten es aber für wenig wahrscheinlich, daß England den in Bildung begriffenen kontinentalen Eisen- und Stahltrust bekämpfen werde, zumal es bereits dem Schienenkartell angehöre. Dagegen sei die Rivalität Ame­rikas gewiß. In englischen Zeitungen aber wird be­hauptet, daß einflußreiche amerikanische Interessenten in enger Fühlung mit der neuen Entwicklung blieben

zwar zum Teil auch deshalb, weil in den ersten Monaten erhebliche Rückzahlungen zu leisten waren. Dafür hat sich die freie Einkommensteuer besser entwickelt, als ursprüng­lich geschätzt war, trotz Stundungen auf vielen Gebieten. Ansteigende Erträgnisse brachten die Zolleinnahmen, die Börsenumsatzsteuer, die Tabaksteuer und das Branntwein­monopol. Der Gesamtertrag der verpfändeten Steuern hob sich auf einen Höchststand von 227 Millionen Mark.

Nach den Mitteilungen des Ministers werden die Bemühungen um weitere Sparmaßregeln fortgesetzt. Der Plan für eine verbilligende Form der Reichsfinanz- Verwaltung ist fertiggestellt und soll demnächst durch­geführt werden. Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen und Zufchlagsempfänger hat sich gegen den Höchststand im Februar bis zum 1. August um rund 1,1 Million ver­ringert, entsprechend sind die Ausgaben für die Erwerbs­losenfürsorge zurückgegangen und dürften augenblicklich etwa 90 Millionen monatlich betragen. Reichsanleihen sind vorläufig nicht beabsichtigt. Der demnächst zu er­wartende Nachtragshaushalt wird neben einem Betrag für Erwerbslosenfürsorge auch mehrere Millionen Mark anfordern für die Ablösungsanleihe, da die Anmeldungen von Altbesitz in Reichsanleihen die Schätzungen weit überstiegen haben.

Wie-Has Unglück geschah.

Die Verwaltung der Reichsbahndirektion Berlin gab folgenden Bericht über das Eisenbahnunglück bei Freising heraus: Freitag vormittag 9 Uhr 28 Minuten ist die Loko- motive des beschleunigten Personenzuges 858 Regens­burgMünchen an einer Umbaustelle bei der Einfahrt in die Station Langenbach bei Freising entgleist. Die nachfolgenden Wagen wurden umgerissen und ineinander- geschoben. Es sind bisher 12 Tote, sieben Schwerverletzte und 20 Leichtverletzte festgestellt worden. Die Hilfs­aktion konnte in außerordentlich schneller Zeit durchgeführt werden, weil Ärzte und Sanitätsmannschaften aus Frei­sing in Kraftwagen herbeigeschafft wurden. Hilfszüge trafen ferner aus Landshut und München in kürzester Zeit ein. Die Toten und Verletzten stammen durchweg aus Regensburg und Umgebung.

politische Rundschau

Deutsches Mich.

Reichsratsveschlüsse.

Der Reichsrat stimmte der Verordnung der Reichsregierung über die vorläufige Anwendung des vor­läufigen deutsch-französischen Handelsab­kommens einstimmig zu. Die Vorlage der Reichsregie­rung, wonach Hypothekarschuldscheine der Deutschen Ren- tenbankkreditanstalt im Betrage von 360 Millionen Mark für mündelsicher erklärt werden sollen, wurde gegen die Entscheidung der Ausschüsse mit 36 gegen 30 Stimmen angenommen. Ferner stimmte der Reichsrat der Außer­kraftsetzung der Verordnung über die Mehlzölle zu. Englands Besatzungskontingent bleibt.

Mit Bezug auf die Besprechungen über die Herab­setzung der gegenwärtigen Truppen- stärken im besetzten Rheinland erfährt Reuter, daß keine Wahrscheinlichkeit für eine weitere Herabsetzung der Zahl der britischen Truppen in den besetzten Gebieten im gegenwärtigen Augenblicke bestehe. England hat zurzeit nur noch eine Division im Rheinland stehen.

Deutsche Bischöfe an den Erzbischof von Mexiko.

Die Konferenz der deutschen Bischöfe, die in F u l d a tagte, hat an den ErzbischofMora in Mexiko fol­gendes Telegramm gesandt:Die deutschen Bischöfe ge­denken teilnahmsvoll der gegenwärtigen Leiden ihrer hoch­würdigen mexikanischen Mitbrüder. Mit ihren Diözesanen beten sie inständig, daß Gott die Leidenszeit der in der ganzen zivilisierten Welt verurteilten, jeder Gewissens­freiheit hohnsprecherrden Kirchenverfolgung abkürzen und den ruhmvollen Bekennermut der Katholiken Mexikos mit dem Segen einer glücklichen kirchlichen Zukunft belohnen wolle." Das Telegramm ist von den Kardinälen Ber­tram- Breslau, v. Faulhaber - München und Schulte- Köln unterzeichnet.

Aus In- und Ausland.

Berlin. Der Generalbevollmächtigte der Hohenzollern, Herr von Berg, hat, wie verlautet, in der Frage der Fürstenabfindung neue bestimmte Vorschläge gemacht. Das preußische Kabinett wird demnächst über die weitere Be­handlung dieser Vorschläge Beschluß fassen

Berlin. Der Deutsch nationale Parteitag tritt am 9. September in Köln zufammen.