Reisfelder Tageblatt
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Ri. 188
Freitag, den 13. August 1936
76. Jahrgang
Fragen der Giunde.
Man kann nicht gerade sagen, daß die Ferien unserer Diplomaten und Regierungsleute sehr ungestört gewesen sind. Sie sind auch nicht gerade sehr kurze gewesen, denn das Reichskabinett hat es mit Recht für notwendig befunden, sich einmal vor allem über die vorliegenden außenpolitischen Fragen auszusprechen. Da ist vor allem Gens, also die Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund, etwas, was sorgfältig vorbereitet werden muß. Von manchen wird behauptet, daß dieser Eintritt überhaupt erst einmal eingeleitet werden muß.
Ein klein wenig Berechtigung fehlt diesem Einwurf nicht, denn vorläufig ist immer noch in der Schwebe, welche Gestalt der Völkerbundrat annehmen soll. Die deutsche Regierung steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß ihre Zusage, in den Völkerbund einzutreten, unter der Voraussetzung gilt, daß wesentliche Säuberungen an der Struktur dieses Völkerbundes und seiner Organe, vor allem des Völkerbundsrates, nicht vorgenommen werden dürfen. An dieser Haltung Deutschlands ist ja auch der erste Versuch gescheitert, Deutschland in den Völkerbund hinein- zubskommen unter wesentlicher Änderung dieser Struktur. Inzwischen hat man nun versucht, die Klippen, an denen im März das Schiff gestrandet ist, dadurch zu sprengen, daß man zwar Spanien und Polen keine ständigen Ratssitze einräumen will, Wohl aber bei der Tagung des Völkerbundes, die im September erfolgen soll und auf der eine Neuwahl der Inhaber nichtständiger Rats- sitze erfolgen muß, jene beiden Mächte von neuem in den Völkerbundrat hineingewählt, so daß diese beiden Mächte praktisch doch zu ständigen Mitgliedern des Völkerbundrates würden. Die deutsche Regierung wird Stellung dazu nehmen müssen, ob sie diese Umgehung ihres eigenen Standpunktes nun annehmen will oder ob sie sich nicht darüber klar werden muß, daß gerade das Ziel einer jeden deutschen Politik, im O st e n eine Gesundung der Verhältnisse herbeizuführen, durch die Beteiligung Polens bei den Sitzungen des Völkerbundrats und durch eine entscheidende Stellungnahme dabei unmöglich gemacht wird.
Ende August beginnen. auch wieder die Sitzungen jener S tudie nkommisf i o n, die zu dem, Zweck eingesetzt war, über eine Änderung der
. zu verateo. Auch hier handelt es sich vor allen! darum, den Völkerbundrat anders zusammenzusetzen, jene Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, die bei der Märztagung offensichtlich geworden waren. Selbstverständlich ist, daß die bevorstehenden Beratungen gleichfalls endlich die Entscheidungen bringen müssen über die künftige Gestaltung des Völkerbundes.
Doch nicht bloß außenpolitische Fragen haben die Re- gierung zu eingehender Beratung genötigt, sondern auch in der I n n e n p o l i t i k liegt so manches vor, was das Kabinett zu einer Besprechung zwang. Kurz vor dem Auseinandergehen des Reichstags hatte die Regierung ein Programm aufgestellt, um etwas in der besonders brennenden Frage der A r b e i t s l o s e n f ü r s o r g e zu tun. Dieses Programm auszuführen, war Sache der Länder und Kommunen. Darüber hinaus ist mit erschreckender Deutlichkeit klar geworden, daß wir in Deutschland mit einer ständigen Arbeitslosigkeit in Höhe von mindestens anderthalb Millionen Arbeitsloser rechnen müssen. Daraus erwachsen Probleme, entstehen Forderungen, mit denen die Staatsleitung sich eingehend beschäftigen muß.
Gewiß sind die außenpolitischen Fragen wichtiger Natur, aber dieses innenpolitische Problem zu behandeln, ist wohl noch dringender gewesen. Droht doch Gefahr, daß die Kosten der E rw e r b s l o senfü rfo r ge das Gleichgewicht im Reichshaushalt zu stören drohen, über eine Milliarde ist hierfür bereits ausgegeben worden, irgendwelche einschneidenden Änderungen in dem System der Erwerbslosenfürsorge wurden aber nicht getroffen. Viele Kommunen stehen am Rande ihrer finanziellen Kräfte, so daß gerade jetzt, da die Landwirtschaft allmählich beginnt, die von ihr aufgenommenen Arbeitskräfte abzustoßen, wieder die Not und Sorge des einzelnen herauszieht, darüber hinaus aber auch die Pflicht des Staates, hier eine baldige soziale Fürsorge zu treffen, die andererseits den finanziellen Möglichkeiten entspricht.
Überreichung der Kowktivnole m Sofia.
Der erste Eindruck nicht ungünstig.
Der" jugoslawische und der rumänische Gesandte sowie der griechische Geschäftsträger Übergaben in Sofia dem bulgarischen Minister des Äußern die angekündigte Kollektivnote ihrer Regierungen. Sie betont den Wunsch, gute Beziehungen zu Bulgarien aufrechtzuerhalten, lenkt aber in nachdrücklicher Form die Aufmerksamkeit der bulgarischen Regierung auf die Tätigkeit der in Bulgarien unter verschiedenen Namen bestehenden revolutionären Komitees hin, der ein Ende gemacht werden müsse. Zu diesem Zweck soll die bulgarische Regierung den Grenz- schntzbehörden Weisungen erteilen, damit diese ihre Pflicht nicht nur in dem Sinne, wie es die gutnachbarlichen Beziehungen verlangen, sondern auch dem Grenz- reglement entsprechend erfüllen. Die bulgarische Regierung soll ferner strenge Maßnahmen treffen, um der Tätigkeit der revolutionären Organisationen ein Ende zu machen. Der bulsarische Minister des Äußern antwortete.
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SermindMMg der fremdenTm-pe«.
Abtransports sollen im Gange sein.
Der amtliche englische Funkdienst bestätigt die bevorstehende Herabsetzung der Truppenzahl im besetzten von französischer Seite verbreiteten Auslassungen über die rheinischen Gebiet. Es wird darauf verwiesen, daß tatsächlich schon seit einer Reihe von Tagen Truppentransporte nach Frankreich vorgenommen worden sind, ohne daß neue Ergänzungen erfolgten.
Nach einer Londoner Meldung hat sich Lord d ' Ab e r n o n, der englische Botschafter in Berlin, mit dem englischen Außenministerium (Foreign Office) in Verbindung gesetzt, um auch eine Herabsetzung der englischen Besatzungstruppen im Rheinland zu erreichen. Die englische Regierung, so heißt es weiter, gebe offen zu, daß sie gern sämtliche Truppen zurückziehen würde; sie halte das aber so lange für politisch unmöglich, als Frankreich die Besetzung des Rheinlandes aufrechterhalte. England sei bereit, eine Verminderung seiner Besatzungstruppen vorzunehmen, sobald Frankreich eine ähnliche Herabsetzung anordne.
Die Me der dMungsziffern.
Die Angaben über die Höhe der Besatzungsziffern schwanken je nach den Quellen, aus denen sie stammen, daß er die Rotezur Kenntnis nehme und ihren Text seiner Regierung mitteilen werde, die ihn prüfen und baldigst ihre Antwort erteilen werde.
Der erste Eindruck ist, wie aus bulgarischen Regierungskreisen gemeldet wird, im allgemeinen nicht ungünstig, da die Note im Ton bedeutend gemäßigter ist, als nach den ersten Belgrader Blättermeldungen erwartet werden konnte. Dies ist sicherlich auf den von den Großmächten, besonders von England, ausgeübten starken Druck zurückzuführen.
Das Wtmde UrbeLiszeiigsseh.
Neuregelung der Sonntagsruhe.
Im Reichsarbeitsministerium ist der vorläufige Entwurf eines Arbeitsschutzgesetzes, dessen Kernstück die Neuregelung der Arbeitszeit im weitesten Sinne, also einschließlich der Sonntagsruhe, bildet, fertiggestellt worden. Wie verlautet, will der Entwurf die Neuregelung der Sonntagsruhe auf folgender Basis vornehmen.
Die Einrichtung der Ausnahmesonntage soll aufrechterhalten bleibc-i. Die Ortspolizeibehörden sotten befugt sein, bis zu sechs Ausnahmesonntage zuzu- lassen. Dagegen soll das jetzige Recht der Verwaltungsbehörden, bis zu vier weitere Sonntage zu genehmigen, auf Wallfahrtsorte und andere Orte mit zeitweilig besonderem Fremdenverkehr beschränkt werden, und zwar ohne die Festlegung einer HöchWahl. Die Beschäfti- gungszeit soll von acht auf sechs Stunden herabgesetzt werden. Auch an der jetzigen Möglichkeit, für die sogen. B e d ü r f n i s g e w e r ö e für jeden Sonntag eine allgemeine Verkaufszeit zu gestatten, soll festgehalten werden. Welche Geschäftszweige als unter den Begriff „Bedürf- nisgewerbe" fallend anzusehen sind, sollen der Reichs-, arbeitsminister oder die Länder zu bestimmen befugt sein.
Neu soll die Bestimmung eingefügt werden, daß eine regelmäßige Verkaufszeit auch für nicht unter den Bedürfnisgewerbebegriff fallende Verkaufsstellen zugelassen werden kann, sofern die Ladeneröffnung infolge weitläufiger Siedlungsweise zwecks Versorgung der Landbevölkerung erforderlich erscheint.
Zur MagKeburgsr Mordsache.
Eine Erklärung des Landgerichtsdirektors Hoffmann.
Landgerichtsdirektor Hoffmann, Präsident der Reichsdisziplinarkammer Magdeburg, veröffentlicht eine längere Erklärung gegen die Vorwürfe, die gegen ihn in der Presse wegen seiner Haltung in der M o r d - s a ch e Helling erhoben worden sind. Es heißt darin u. a., Kölling sei durch die ständigen Angriffe und den gegen ihn eingeleiteten Pressefeldzug stark erschüttert gewesen. Er, Hoffmann, habe ihm durch Handschlag seine Hilfe im Kampfe um die A u s ü b u n g s f r e i - heit der Rechtspflege angeboten. Kölling habe sie dankbar angenommen, indem er hervorhob, daß ihm vom Justizministerium nicht der geringste Schutz zuteil werde. Alles, was Kölling von da an getan Habtz zum Schutze der Untersuchung gegen weitere umgriffe, sei auf seinen, Hoffmanns, Rat zurückzuführen.
Wie amtlich mitgeteilt wird, sind der Oberlandesgerichtspräsident und der Generalstaatsanwalt in Raumburg gegenwärtig mit der Prüfung der Frage befaßt, ob Anlaß vorhanden ist, ebenso wie gegen den Landgerichtsrat Dr. Kölling auch gegen andere Magdeburger Justizbeamte das Disziplinarverfahren zu eröffnen.
Anfangs des Jahres wurden von französischer Seite die Ziffern der Besatzungstruppen auf etwa 75 000 — darunter 60 000 Franzosen — angegeben. Heute bemessen die Franzosen die Besatzungsstärke auf 70 000 bis 71000, weil nach und nach etwa 4000 Mann zurückgezogen worden seien. Diese letzten Angaben stimmen mit den deutschen Beobachtungen überein.
Trotzdem besteht noch eine sehr wesentliche Differenz in der Berechnung der Gesamtzahl. Die deutschen Berechnungen kamen Mitte Juli auf 69150 Franzosen, 7400 Belgier und 8000 Engländer. Der Unterschied erklärt sich zum Teil daraus, daß die Franzosen die Neben- formationen nicht mitrechnen. Man hofft auf deutscher Seite, daß im Laufe des Septembers ein merklicher Anfang der zugesagten bedeutenden Verminderung seftzu- stellen sein wird. Davon, daß Frankreich für eine Be- satzungsherabminderung Bedingungen gestellt habe, kann keine Rede sein. Es erfüllt jetzt nur das seinerzeit gegebene Versprechen, seine Besatzungstruppen fühlbarer Herabzumindern.
Als ein Kuriosum verdient erwähnt zu werden, daß unter den französischen Besatzungstruppen die neuerliche Entscheidung eine starke Bestürzung hervorgerufen hat, weil die Truppen nach ihrer Rückkehr nach Frankreich statt in Goldmarklöhnung in entwerteter Frank- l ö h n u n g bezahlt werden werden.
Politische Aundschou.
Deutsches Mich.
Eoolidge an Hindenburg.
Präsident Eoolidge hat am Verfassungstage an den Reichspräsidenten von Hindenburg folgendes Glückwunschtelegramm gesandt: „Zum heutigen Geburtstage der Deutschen Repubilk spreche ich Ew. Exzellenz im Namen der Regierung der Vereinigten Staaten und in meinem eigenen Namen herzliche Glückwünsche und aufrichtige Wünsche für ein ferneres Wohlergehen Deutschlands aus." — In der P a u l s k i r ch e in Frankfurt am Main fand im Anfchluß an die Verfassungsfeier die Enthüllung eines Denkmals für den verstorbenen Reichspräsidenten Friedrich Ebert statt.
Rückgang der Erwerbslofenziffer bevorstehend.
Die Bestandsaufnahme am Stichtage des 1. August 1926 Wird, wie verlautet, einen ziemlich starken Rückgang der Erwerbslosenziffer zeigen. Man rechnet mit einer Verminderung der Zahl der Er- werbslosen um 50 000. Die allgemeine Belebung der Wirtschaft wirkt sich zunächst in der Verringerung der Zahl der Kurzarbeiter, in der Beseitigung der Feierschichten und dann erst in der Einstellung neuer Arbeiter aus. In derselben Richtung werden die Arbeiten wirken, die R ei ch s p o st und Reichsbahn jetzt in beschleunigtem Tempo zur Vergebung bringen. Mit dem Bau der Kanüle hofft man in vier bis sechs Wochen beginnen zu können.
Keine Zollerhöhung an der Saargrenze.
Nach einer Mitteilung der Saarbrücker Handelskammer ist die von der französischen Zolldirektion angekündigte, in einzelnen Füllen auch schon erhobene dreißig- prozentige Zollerhöhung rückgängig gemacht worden, da die Erhöhung auf ein Mißverständnis zurückzuführen fei. Die Erhöhung wurde bereits am 10. August widerrufen. Die zuviel erhobenen Beträge werden zurückgezahlt.
Mexiko.
X Verschärfung der Lage im Kirchenstreit. Der Erzbischof von Puebla hat einen neuen Schritt beim Präsidenten Calles unternommen, in dem er um die Aufhebung der Religionsgesetze bis zur Einberufung des Kongresses bittet. Inzwischen hat sich die Lage im Kirchenstreit verschärft. Nach Mitteilungen des Erzbischofs Ruiz y Flores soll es in verschiedenen Teilen des Landes bei der Besetzung der Kirchen zu blutigen Kämpfen gekommen sein: an 60 Personen sollen dabei i h r L e b e n verloren haben und mehrere Führer der Menge sollen von den Truppen erschossen worden sein. Die mexikanische Regierung erklärt. daß sie von den Bluttaten keine Kenntnis habe^
Aus In- und Ausland.
Berlin. Der Handelspolitische Ausschutz des Reichstages wird in diesen Tagen zu dem deutsch-französischen Handelsprovisorium Stellung nehmen. Das Handelsabkommen soll am 21. August in Kraft treten.
Berlin. Der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei ist für den 31. August nach Berlin einberufen, um zu der gesamten Lage Stellung zu nehmen.
München. Der bisherige Propagandachef Hitlers, Otto May, ist aus der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei ausgetreten und kündigt der Partei schärfsten Kampf an.
Wien. Vom 3. bis 6. Oktober d. Js. wird hier der erste Paneuropäische K^ngre.ß.tagen. .Die Ankündigung.