langt. Die Aussprache ergab, das; in nächster Zeit mit einer Vermehrung der Notstandsarbeiter zu rechnen ist. Im weiteren Verlaufe der Aussprache forderten die Gewerkschaften eine sofortigeBerlängerung der U n t e r st ü tz u n g s d a u e r, damit den ausgesteuerten Erwerbslosen der weitere Fortbezug der Erwerbslosen- unterstühung gesichert bleibt. Der Plan der Reichsregie- rung, die Fürsorge für die ausgesteuerten Erwerbslosen der Armenfürsorge zu überlassen und den Gemeinden unter bestimmten Voraussetzungen die Hälfte der Kosten aus Reichsmitteln zurückzuerstatten, wurde einmütig als völlig unzureichend abgelehnt.
. Es muß im Zusammenhang hiermit darauf hinge- wiesen werden, daß in den letzten Monaten eine erhebliche Verminderung der Zahl der Notstandsarbeiter eingetreten ist: während im Mai 170105 Notstandsarbeiter beschäftigt wurden, waren es im Juli nur noch 143 695.
Die Verminderung der SesatznogStruppen
Frankreichs Gegenforderungen.
Von zuständiger französischer Seite wird die Meldung, daß der deutsche Botschafter in Paris, von H o e s ch, dem Außenminister Briand ein Memorandum über die Herabsetzung der Besatzungs stärke im Rheinlande überreicht habe, dementiert. Richtig sei, daß die Verhandlungen über diese Frage bereits seit vielen Monaten schweben und daß der Botschafter mit den zuständigen Pariser Stellen fortlaufend in Unterhandlungen hierüber steht.
Briand hat, wie der „Petit Parisien" mitteilt, bei der letzten Unterredung mit dem deutschen Botschafter darauf hingewiesen, daß Frankreich bereit sei, die Stärke feiner Besatzungstruppen von 60 000 auf 50 000 herabzu- setzen; man wünsche aber, daß Deutschland sich gleichfalls vom Geiste von Locarno leiten lasse, und daß die Kundgebungen, die im Rheinlande gegen die Franzosen veranstaltet würden (!), ein Ende finden.
Mehrere Blätter behaupten, daß gegenwärtig im Rheinlande nicht 85 000 Mann Besatzungstruppen stünden, sondern nur 75 000, und zwar außer den 60 000 Franzosen noch 15 000 Engländer und Belgier.
potiiische Almdschau.
Deutsches Mich. > - -
Verordnung über das Luftwesen. -
Die Reichsregierung hat vier Verordnungen über das Luftwesen erlassen. Nach diesen Verordnungen ist untersagt, Luftfahrzeuge zu bauen, zu halten oder in Verkehr zu setzen, die in irgendeiner Weise gepanzert oder geschützt oder die mit Einrichtungen zur Aufnahme von Kriegsmaschinen jeder Art versehen sind. Führerlose Flugzeuge sind untersagt. Ausbildungen im Fliegen, die einen militärischen Charakter haben, sind verboten. Fabriken, die Luftfahrzeuggerät herstellen, haben dies dem Neichsverkehrsministerium anzuzeigen.
Zollerhöhungen im Saargebiet.
__WiedäL^Saarbrücker Handelskammer mitteilt, trat am 10/ AügüstAMr AÄMMNMNg he/ f-äNZöfffchen hgM- behörde eine allgemeine Zollerhöhung von 30 % aus Grund der neuen französischen Zollgesetze auch im Saargebiet in Kraft. Diese ohne vorherige Benachrichtigung in Kraft gesetzte Maßnahme bedeutet eine weitere empsindliche Belastung der deutschen Einfuhr ins Saargebiet und bringt eine starke Verteuerung der deutschen Waren mit sich.
Mexiko.
X Der mexikanische Kirchenstreit. Laut einer Verfügung des mexikanischen Innenministeriums werden alle in katholischem kirchlichen Besitz befindlichen Wertobjekte und aller Kirchenzubehör im gesamten Lande bis zur Beilegung des Konflikts unter Siegel gelegt, mit einziger Ausnahme der Andachtsstätten selbst. Die Regierung ließ mitteilen, daß sie die p r o t e st a n t i s ch e n Pfarrer auffordern werde, sich in amtliche Listen einzutragen und den Kommunalbehörden eine Ausstellung des gesamten kirchlichen Vermögens zu übergeben, - ••
Aus In- und Ausland.
Berlin. Reichskanzler Dr. Marx ist von seinem Erholungsurlaub nach Berlin zurückgekehrt.
Uom Leben gehetzt
Roman von I. Schneider-Foerstl.
3) (Nachdruck verboten.)
Sie hatte auf „einen" vergessen.
Auf den „einen", auf den es allein ankam.
Und dieser „eine" ritt dort drüben über die Stoppeln, wo zwischen den Aeckern ein schmaler Rain lief, und schalt mit den Knechten, die arbeiteten, und drückte seinem Braunen soeben die Stiefelabsätze in die Weichen, daß er sich hoch aufbäumte.
Trude Rommel kauerte sich ganz eng in die Ecke des Wagens und blickte verstohlen hinüber, ob er wohl ihr Gefährt erspäht hatte.
Es schien nicht der Fall zu sein, denn er wandte das Tier und galoppierte dem kleinen Gehölz zu, das sich hinter den abgemähten Wiesen erstreckte.
Das junge Mädchen atmete auf. Jeden andern konnte sie in dieser Stunde ertragen. Ihn nicht!
Sie schauderte bei dem bloßen Gedanken, daß sie am Abend bei Tisch ihm gegenübersitzen müsse, weil es so Tradition war und auch der Vater es so gehalten hatte, daß der Verwalter des Gutes mit am Tische aß.
Heute konnte sie ihm ja allenfalls bestellen lassen, sie fühle sich zu angegriffen und nicht in der Lage, in das Eßzimmer zukommen. Aber dem Heute folgte der Morgen, und das Jahr hatte dreihundertfünfund- sechzig Tage, von denen es keinen übersprang. Und alle diese Tage mußten durchlebt sein! — Durchlebt mit ihm! —
Der Wagen bog in die breite, weißgekieste Auffahrt ein. Im Glänze des Spätnachmittags lag der prachtvolle Bau des Herrenhauses. Es war in rein venezianischem Stil gehalten, der sich trotzdem dem
Berlin. Der"Generalbey ollmächtigte des ehemaligen preußischen Königshauses teilt mit, daß er in Beantwortung des Schreibens des Ministerpräsidenten Brauns vom 21. Juli der preußischen Regierung baldige kommissarische Besprechungen zur weiteren Klärung der Ver- gleichsmöglichketten vorgeschlagen habe.
Berlin. Die Film oberprüf st elle wird erneut über Zulassung des Filmstreifens „Panzerkreuzer Potem- kin" beraten.
Berlin. Wie in hiesigen russischen Kreisen verlautet, ist der Handelskommissar Kamenew seines Postens enthoben worden. Herr Mukojan, ein Freund Stalins, ist zu seinem Nachfolger bestimmt.
Paris. Der nunmehr unterzeichnete französisch- rumänische Freundschafts- und Garantievertrag ist auf Grund ähnlicher Bestimmungen abgeschlossen wie Frankreichs Verträge mit Polen und der Tschechoslowakei. Die Blätter bezeichnen ihn als einen Defensivvertrag zur Aufrechterhaltung des status quo auf dem Balkan.
Paris. Das französische Oberkommando in Marokko plant in der Gegend nördlich von Wessan in Verbindung mit den Spaniern einen Vormarsch gegen die noch nicht unterworfenen Stämme der Dscheballah.
Rom. Zwischen Italien und Spanien ist ein Freundschaftsvertrag abgeschlossen worden. Die beiden Länder sichern sich für den Fall eines nicht provozierten Angriffes gegenseitige Neutralität zu.
London. Die Verbindung zwischen Peking, in dessen Umgebung wieder schwere Kämpfe stattfinden, und der Außenwelt ist von neuem vollkommen unterbrochen.
Angara. Die Ratifikationsurkunden des im Jahre 1925 abgeschlossenen türkisch-bulgarischen Freundschafts- und Niederlassungsvertrages sind jetzt hier ausgetauscht worden.
Englisches WÄd gesunken.
Fünf Todesopfer.
Wie die englische Admiralität bekanntgibt, ist das Unterseeboot H. 29 in Devon-ort bei der Rückkehr von einer Kreuzerfahrt gesunken. Fünf Mann der Besatzung werden vermißt.
Die Ursache des Unterganges des U-Bootes, das sich in Reparatur befand, ist in geheimnisvolles Dunkel gehüllt. Ein Augenzeuge erklärt, daß das U-Boot bald nach Wiederaufnahme der Arbeiten im Dock zurückgekehrt sei. Bevor das Schiff an seiner Ankerstelle haltgemacht hatte, kippte es plötzlich um und sank fast sofort. Alle seine Luken waren offen. Die Klasse, zu der das gesunkene Unterseeboot gehört, die sogenannte H-Klasse, ist erst gegen Ende des Krieges in England gebaut worden. Die britische Flotte besitzt 52 Schiffe dieser Klasse. Aber das Vaupro- gramm war schon ein Jahr nach dem Waffenstillstand fertiggestellt worden. Die H-Boote haben den Ruf, die schnellsten Tauch- und sichersten Unterseeboote der britischen Flotte zu sein. Dies ist das sechzehnte englische Unterseeboot, das seit dem Jahre 1904 in Friedenszeiten gesunken ist.
Der Leipziger Aiesenbeirug.
Eine hal bo M.il l i o n ungedeckte Schul.dsn.
Die Verhaftung des Großkaufmanns Paul Voigt und seines Prokuristen Rudloff hat in Leipzig erhebliches Aussehen erregt. Es handelt sich dabei um einen ungewöhnlich umfangreichen Kreditschwindel. Die Verhafteten hatten in 50 Fällen Darlehen für die Firma Max Noske Rachf. ausgenommen und dabei die Geschäftseinrichtung mehrfach verpfändet. So waren schließlich Einrichtung und Lager für zusammen 400 000 Mark verpfändet, während ihr wirklicher Wert sich auf höchstens 160 000 Mark beläuft. Die Darlehensgeber sind um mehr als eine Viertelmillion Mark geschädigt. Ein Zufall brächte das schwindelhafte Gebaren Voigts und Rud- loffs ans Tageslicht. Zwei Leipziger Kapitalisten, die der Firma größere Darlehen gegen die Verpfändung des Geschäftsinventars und Warenlagers gewähren wollten, trafen sich gleichzeitig in den Räumen der Firma und erfuhren auf diese Weise von dem gegen sie praktizierten Trick, worauf sie die Strafanzeige erstatteten.
Damit scheint der Zusammenbruch des Hauses Max Noske Nachfolger unabwendbar. Man schätzt die ungedeckte Schuldenlast auf etwa eine halbe Million.
Hochwaldgelände, das ihm als Rückenkulisse diente, in schönster Harmonie anschloß.
Das helle Holz leuchtete wie Stein. Wunderbares Schnitzwerk zierte wie Spitzengewebe die Altanen. Eine Terasse sprang gegen die Südostseite breit nach vorne und überdachte den Eingang mit der mächtigen Flügeltüre. Aus dem runden Steinbassin spie ein Schlangenkopf kristallhelle Wasser hoch über die Baumkronen der Blutbuchen und Douglastannen, welche zwischen den verschlungenen Wegen standen.
Kein Laut klang auf. Es schien alles mit dem Toten gestorben zu sein.
Als der Wagen hielt, war der erste, der zur Begrüßung der Herrin erschien, ein mächtiger Bernhardiner.
Trude Rommelt strich gedankenverloren über den klobigen Kopf, der sich an ihr schwarzes Kleid schmiegte.
Mit verweinten Augen begrüßten die Köchin und das Zimmermädchen sie im schmalen Flur, hinter dem sich die große Halle auftat.
Armes Tier! Nun hatten sie beide niemand mehr.
Eine breite, von Schnörkelgitter umfaßte Treppe, die einer Wendeltreppe gleich sich emporwand, führte nach den oberen Räumen.
Sie trat zuerst in das Zimmer des Vaters. Hier hatte sie ihm die Augen zugedrückt, hier hatte er ihr vor Monaten seine Sorgen anvertraut, hier hatte sie ihm den Schwur geleistet, dem Bruder, der noch ein Knabe war, die Heimat zu erhalten, für ihn zu schaffen und zu arbeiten, bis seine Hände selbst die Zügel des Betriebes ergreifen, seine Schultern selbst die Last des Lebens zu tragen vermochten.
Ein Stapel von Briefen lag auf dem großen, Lunker gebeizten Diplomatenschreibtisch.
Lauter Kondolenzkarten mit breiten, schwarzen Trauerrändern. Und zu oben auf ein Telegramm. Sie riß das Siegel ab und überflog die Zeilen:
Saalenstand im Reich Anfang Anglist.
Man rechnet mit befriedigender Mittelernte.
Das Statistische Reichsamt berichtet über den Saaten- stand im Deutschen Reich Airfang August 1926 wie folgt: Die ungewöhnlich großen Niederschlagsmengen im Juli, die zumeist als schwere Gewitterregen — von Sturm und vielfach auch Don Hagel begleitet — niedergingen, haben stellenweise auf den Feldern unb Wiesen größeren Schaden angerichtet und damit die Ernteaussichten herabgemindert. Das Getreide ist infolge der fcud)ten Witterung zwar kräftig im Halm, hinsichtlich des Körnerertrages wird jedoch im Durchschnitt nicht die gute Ernte des Vorjahres erreicht. Im allgemeinen wird man mit einer befriedigenden Mittel- ernte rechnen können, wenn nicht außergewöhnliche Witterungseinflüsse deren Bergung beeinträchtigen. Von ben Wintersaaten ist die Gerste fast ganz, der Roggen erst teilweise ein* geerntet, während der Weizen heranreift. Für die Sommer- faaten, insbesondere Gerste und Hafer, stehen etwas bessere Erträge in Aussicht.
Der Stand der Hackfrüchte ist trotz der allzufeuchten Witterung im ganzen noch befriedigend. Der erste Schnitt der Futterpflanzen und Wiesen ist bis auf geringe Reste geborgen. Der Ertrag an Klecheu war zumeist gering, an Wiesenheu dagegen reichlich. Der Nachwuchs steht üppig, sa daß mit einer guten Grummelernte zu rechnen ist.
Unter Zugrundelegung der Zahlennoten 2 — gut, 3 = Mittel, 4 = gering ergibt sich im Reichsdurchschnitt folgende Begutachtung: Winterweizen 2,7 (im Vormonat 2,6), Sommerweizen 2,8 (2,7), Winterspelz 2,5 (2,6), Winterroggen 3,0 (2,9), Sommerroggen 2,9 (2,8), Wintergerste 2,9 (2,7), Sommergerste M (2,5), Hafer 2,5 (2,6), Kartoffeln 3,1 (2,9), Zuckerrüben 2,8 (3,0), Runkelrüben 2,8 (3,0) Klee 2,8 (3,1), Luzerne 2,5 (2,7), Bewässerungswiesen 2,4 (2,5), andere Wiesen 2,5 (2,7).
z ....... /j
Richard Wagner,
mit deffen Festspieltrilogie „Der Ring des Nibelungen" in den Tagen vom 13. bis zum 17. August 1876 in Anwesen
heit Kaiser Wilhelms I. sowie des Königs Ludwig von Bayern und anderer deutscher Fürsten das Festspielhaus in Bayreuth eröffnet wurde. Anläßlich des fünfzigjährigen Jubiläums der Festspiele finden in diesen Tagen in Bayreuth große Festlichkeiten statt.
WeA und Wissen.
w. Wer hat den verregneten Sommer vorhergesagt? In der Tagespresse war vielfach die Rede davon, daß der amerikanische Gelehrte Pros. Brown das Jahr 1926 als ein solches „ohne Sommer" vorausberechnet habe. Inzwischen wurde sestgestellt, daß schon im Herbst 1924 der Dresdner Astronom Dr. H. K. Kritzinger auf Grund periodologischer Studien die Nieder- schläge für den Sommer 1926 als übernormal angegeben hatte.
w. Frühhistorische Funde in Pommern. Bei Ausschach- tungsarbeiten in der Nähe der Altstädter Kirche in Pyritz in Pommern stieß man auf eine alte wendische Opferstätte. Außer menschlichen Skeletten fand man auch die Knochen eines Auerochsen. Das Alter der Funde wird auf 1000 ^ahre geschätzt.
„Sei tapfer, mein Lieb — ich teile Dein Leid, Komme im Sommer zurück. In Sehnsucht — Bernhard."
Trude fuhr über ihre Schläfe und fiel in den Stuhl neben dem Schreibtisch.
Sie hatte des Verlobten vollkommen vergessen. Nur flüchtig hatten sich in den letzten Tagen ihre Gedanken mit ihm beschäftigt. Es gab so viel anderes zu sorgen und zu denken, so daß keine Zeit mehr für Liebe und Träume blieb.
Beide Hände vor das Gesicht gedrückt, weinte sie lautlos.
Das mußte nun auch zu Ende sein wie alles, alles andere.
Und war doch so gottvoll schön gewesen, dieses kurze Glück, diese knappe Spanne Zeit voll Sonne und bräutlichem Glückseligsein.
Im Frühling des verflossenen Jahres hatte sie ihn zum erstenmal gesehen. Er war unten in der kleinen Stadt bei Verwandten zu Besuch gewesen. Vollwaise war er wie sie jetzt.
Wie tausend andere Offiziere, so hatte auch ihn der unglückselig verlorene Krieg aus seiner Laufbahn geschleudert. Mit Mut und Selbstvertrauen hatte er sich dem Studium der Medizin zugewandt. Ein entfernter Onkel streckte ihm die Mittel dazu vor.
Er hatte das Examen glänzend bestanden und eine Stellung als Schiffsarzt erhalten. Während seines Urlaubs hatten sie sich kennen gelernt, sich einander verliebt. Der Vater hatte seinen Segen gegeben. Wenn er wiederkam, wollten sie Hochzeit machen.
Damit war es nun endgültig vorbei. Was sollte der unbemittelte Arzt mit einer Braut, die ihm nichts in die Ehe brächte. Und wenn sie auch kein Drohnen- * dasein führte, wenn sie mit und für ihn arbeitete wie eine Magd, es würde nicht reichen. Sie würden in Schulden sitzen, wie sie es jetzt durchzukosten hatte. Ueber kurz oder lang würde er bereuen, sich an das mittellose Mädchen gebunden zu haben. Forts, folgt.