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Hersfelöer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt'

Amtlicher Mzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 184

Montag, den 9. August 1026

76. Jahrgang

Hellisch-frünzösischer Handel.

Viele Monate haben die Verhandlungen gedauert, in denen wir mit Frankreich handelspolitisch endlich zu ver­tragsmäßigen Zuständen kommen wollten. Nach den kleinen Provisorien und Abmachungen ist nun ein neues Provisorium zustande gebracht worden, nicht aber ein endgültiger Handelsvertrag. Doch nicht bloß bei einem Provisorium ist es geblieben, sondern in dieses vorläufige Abkommen sind große Wirtschaftszweige nicht hineingenommen worden, so die gesamte Schwer­industrie und die T e x t i l i n d u st r i e. Das erstere ist erklärlich, weil hierüber demnächst besondere. Abmachungen zwischen den Interessenvertretungen ab­geschlossen werden sollen. Daß man die Textilien nicht in das Provisorium aufnahm, wird damit begründet, daß Deutschland für den künftigen endgültigen Handelsver­trag noch ein paar Trümpfe in der Hand behalten wollte. Denn das Provisorium dauert nur sechs Monate. Schon aus diesem Grunde wird das Abkommen auf mannig­fachen Widerspruch stoßen, wenngleich es immerhin ein gewisser Trost ist, daß wir jetzt doch wenigstens teilweise aus dem bisherigen vertragslosen Zustande herausgekom- men sind. Die Schwierigkeiten bei den Verhandlungen sind ganz außerordentlich große gewesen, weil sie nicht bloß technischer, sondern auch wirtschaftlicher, vor allem aber w äh run g sp'o lilisch e r Art sind. Die fran­zösische Zollgesetzgebung kennt nicht bloß einen Maximal-, sondern auch einen starken Minimaltarif; das heißt, daß unter einen bestimmten Zollsatz franzöfischerseits nicht heruntergegangen werden kann. Wir aber haben den au­tonomen Tarif; das heißt, daß bei den Verhandlungen die deutfche Regierung an einen bestimmten Satz über­haupt nicht gebunden ist.

Die bisherigen Klagen über die früheren Provi­sorien richteten sich besonders gegen die starken Vergün­stigungen, die deutscherseits der sranzösischen Einfuhr von landwirtschaftlichen ErzeugNissen, beson­ders von Gemüsen, Obst und Wein, gemacht worden sind. Auch jetzt wieder erklärt die deutsche Regierung, daß es nicht möglich gewesen sei, Frankreich als fast reinem ügrananu ura^ «oazejstone« zu vermv^eru, ungesehen vom Wein, wo Frankreich seine Absichten nicht ganz durchgesetzt hat. Ebenso ist die französische Luxuswaren- industrie in dem Abkommen recht bevorzugt, was man wirtschaftspolitisch vom deutschen Standpunkt aus nicht gerade als erfreulich bezeichnen muß. Und unerfreulich ist des weiteren, daß die Zollsätze auf der Grundlage des Papierfranken festgesetzt sind, die Ausführung des Abkommens also an diese überaus schwankende fran­zösische Währung geknüpft wurde.

Auf der anderen Seite soll aber nicht verkannt werden, daß durch den Vertrag eine ganze Reihe von Benachteili­gungen, denen bisher die deutsche wirtschaftliche Betüti- gung in Frankreich unterlag und die Ausnahmemaßregeln uns gegenüber darstellten, nunmehr beseitigt worden sind. Die uns schon früher von Frankreich zugesicherte, Meist­begünstigung, die also hier nur den Genuß der Minimal­zölle bedeutet, wird damit erst wirklich durchgeführt. Be­grüßenswert ist, daß auch die verkehrspolitisthsn Beziehun­gen zwischen uns und Frankreich in diesem Sinne geregelt sind, daß also die deutschen Schiffe genau wi^-vor dem Kriege sämtliche französischen und Kolonialhäfen anlausen können, während es bekanntlich bisher vor allem für K a - m e r u n und Togo verboten war. Ebenso ist ein nor­males Verhältnis wieder hergestellt in der Frage des Niederlassungsrechtes deutscher Gesellschaften in Fraur- reich und seinen Kolonien; auch hier sind die Ausnahme­maßregeln gegen uns beseitigt worden.

Ein Provisorium konnte es auch nur deswegen sern, weil die währungspolitischen Verhältnisse immer noch sehr schwankende sind und man die kommende Entwicklung bey Franken angesichts der unsicheren innerpolitischen Lage Frankreichs nicht voraussehen kann. Immer wieder muß ja betont werden, daß wir Deutsche an der Stabilisierung der französischen Währung das allergrößte Interesse haben, daß aber natürlich ein endgültiger Handelsvertrag erst nach gelungener Stabilisierung geschaffen werden kann, weis bei einer Entwertung des Franken nun wiederum die Gefahr einer Valutaunterbietung entsteht, die durch ein- für allemal festgelegte Zollsätze dann nicht mehr bekämpft werden kann. Nun sollen ja die Unter­händler in kürzester Frist wieder zusammentreten, um einen endgültigen Vertrag zu schaffen. Bis dahin wird es dann wohl auch gelungen sein, die größte Schwierig­keit, nämlich die Auseinandersetzung über die gegenseitigen schwerindustriellen Beziehungen, zu regeln. - ? Ausfindling her Leiche Kitcheners? In Norwegen angeblich angeschwemmt.

Nach der in London veröffentlichten Meldung eines Engländers namens Power will dieser das Grab des Lords Kitchener, der während des Weltkrieges in der Nordsee mit einem britischen Kriegsschiff versank, in einem norwegischen Fischerdorf aufgefunden haben. Die Leiche Kitcheners sei, nachdem der KreuzerHampshire", auf dem Kitchener nach Rußland fuhr, im Juni 1916 in der Nähe der Orkneyinseln in die ßnft geflogen sei, dort angeschwemmt worden. Power will den Leichnam nach London bringen, wo er unter feierlichem Zeremoniell auf- gebahrt werden soll. Amtliche Nachrichten über die Richtigkeit dieser Angaben lagen einstweilen nicht vor.

Baldwinsniederträchtige Botschaft

Die Lage der englischen Bergarbeiter.

V e r m i t t l u n g s b e r e i t s ch a st der Regierung.

Die englischen Bergarbeiter machen die angestrengte­sten Versuche, den nun schon über drei Monate dauernden Streik auch weiterhin durchzuhalten. Erst vor kurzem haben sie an die Arbeiterschaft Europas einen dringen­den Appell um Hilfe gesandt, in dem etwa 20 Mil­lionen Mark als Unterstützungsgelder angefordert tourben. Auch nach Amerika hat sich eine englische Arbeiter­abordnung begeben, um dort Unterstützungsgelder für die englischen Bergarbeiter zu sammeln. Diese sinanzielle Hilfe scheint dringend notwendig, wenn man in Betracht, zieht, daß nach einer kürzlich veröffentlichten Meldung der englische Bergarbeiter nur etwa 1,60 Mark wöchentlich als Streikhilse von seiner Organisation ausgezahlt erhält.

Anläßlich der Amerikasahrt der englischen Arbeiter- abordnung hat sich Premierminister B a l d w i n einem amerikanischen Journalisten gegenüber über die Lage der englischen Bergarbeiter geäußert. Baldwin erklärte, daß die Berichte, nach denen die englische Bergbaubevölkerung am Verhungern sei, jeder Begründung entbehren. Tat­sächlich erhielte sie in dem gegenwärtigen Konflikt mehr Hilfe, als dies je in der Vergangenheit bei ähnlichen Ge­legenheiten der Fall gewesen sei. Im Monat Juni habe sich zum Beispiel die an Frauen, Kinder und Angehörige der Bergarbeiter in England und Wales von der A r - menfürsorge überwiesene Summe auf rund eine Mil­lion Pfund belaufen. Ferner erklärte Baldwin, man müsse daran erinnert werden, daß die Erziehungsbehörden in Großbritannien berechtigt seien, im Falle der Rot den Kindern Mahlzeiten zu verabreichen. Tagtäglich würden Hunderttausende von Mahlzeiten verab­reicht. Es sei in der Tat Grund für die Annahme vor- Vanden, dasz hie Kinder in vielen Bewirken aeaettto&ttia

Der -ayerift-e Kultusminister Dr. Matt,

[ der seit einiger Zeit erkrankt ist und daher von seinem L Ministerposten zurücktreten will.

Ausstand in der Mrame.

Russische Truppen sollen meutern.

Rumänische Blätter bringen Nachrichten über angeb­lich in der Ukraine herrschende größere Verwirrungen. Die Truppen des ukrainischen Generals Lessevici weigerten sich danach zuerst, die Befehle der Regierung zu befolgen. Re­bellierende Soldaten töteten den Regierungs­kommissar Dracenco, schlugen ihm den Kopf ab imb trugen diesen auf der Spitze einer Lanze in den Straßen von Odessa umher, indem sie riefen:Nieder mit der Re­gierung des Terrors und des Zwanges!" Die Infanterie- regimenter Nr. 20, 25 und 35 hätten unter dem Kommando des Hauptmanns Potnikow, nachdem sie General Lefsevici und die anderen von der Tscheka verhafteten Offiziere be­freit hatten, den Kampf mit den regierungstreuen Trup­pen ausgenommen. Die Stadt befände sich in den Hände» der Aufständische». Nach anderen Meldungen empörten sich zuerst Pioniere und Artilleriekommanden. Man sagt den Anschluß der Schwarzen-Meer-Flotte an die Auf­ständischen voraus. Außerhalb Odessas hätten sich zwei frühere Adjutanten Budjenys an die Spitze der Empörer gestellt.

Da Rumänien der russischen Sowjetregierung wenig freundlich gegenübersteht, sind die Meldungen vorläufig mit Vorsicht aufzunehmen.

weit besser genährt würden, als es vor dem Streik der Fall gewesen sei.

Zum Schluß seiner Erklärung betonte Baldwin noch einmal, daß eine weitere Subsidienzahlung an den Kohlen­bergbau durch nichts gerechtfertigt wäre. Man könne dem Bergbau nicht weiter Sub sidien zahlen, nur um der Kohlenkommission Zeit zu geben, sich mit den Verhältnissen vertraut zu machen. Die Lasten seien zum großen Teil von anderen Industrien des Lan­des getragen worden, von denen einige sogar in weniger günstiger Lage seien als der Bergbau und in denen die Arbeiter selbst schlechter entlohnt würden als die Berg­arbeiter. Alle notwendigen Voraussetzungen zu Verhand­lungen und schiedsgerichtlicher Regelung seien nunmehr vorhanden; es läge darum kein Grund vor, die Subsidien- Zahlungen fortzusetzen. Die englische Regierung sei nach wie vor gewillt, zu vermitteln, wenn Anzeichen dafür vor­handen seien, daß die Anstrengungen Erfolg versprechen würden. Im Prinzip habe die Regierung die Schiedst gerichtsbarkeit angenommen.

Im Lager der Bergarbeiter und der Arbeiterpartei haben diese Erklärungen Baldwins große Erregung ver­ursacht. Es müsse, so wird betont, entschieden in Abrede gestellt werden, daß die Familien der Berg­arbeiter keine große Not litten, und die Handlungsweise Baldwins könne nicht scharf genug verurteilt werden. DerDaily Herald" überschreibt die Baldwinsche Ver­öffentlichung mit den Worten:Baldwins niederträchtige- Botschaft an Amerika!" Gleichzeitig veröffentlicht das Blatt einen Leitartikel, in dem der sofortige Rücktritt der Regierung Baldwin verlangt wird. Es gebe keine Baldwinregierung, denn die englische Regierung fetze sich aus Vertretern der Finanz, des Großhandels, der land- wirtschaftlichen Interessen und der Interessenten des Alkoholhandels usw. zusammen.

Wohnungsbau zur Arbeiisbeschaffung.

Vorschüsse an die Länder.

Der Gesamtplan des Reiches für die Arbeitsbeschaf­fung enthält den Hinweis auf eine verstärkte Ingang­setzung des Wohnungsbaues, da zurzeit noch über 100 000 Vaufacharbeiter Erwerbslosenunterstützung erhalten. Die Durchführung und Finanzierung des Wohnungsbaues ist seit der Dritten Steuernotverordnung in erster Reihe Sache der Länder. Es mußten deshalb zunächst mit den Ländern Verhandlungen eingeleitet werden, um für ein zusätzliches Bauprogramm, das in erster Linie der Arbeits­beschaffung zu dienen hat, die Aufbringung der nötigen Mittel in die Wege zu leiten. Neben verstärkter Heran­ziehung der Hauszinssteuer kommt hier nur die Auf­nahme von Anleihen in Betracht. Die Verhandlungen mit den Ländern haben in dieser Richtung zu einem ge­wissen Abschluß geführt. Die Aufnahme der Anleihen kann nur allmählich durchgeführt werden. Das Reich hat sich deshalb bereit erklärt, den Ländern Vorschüsse auf die im Laufe der Zeit aufzunehmenden Anleihen bis zu einem bestimmten Höchstbetrage zur Verfügung zu stellen. Da­durch wird ermöglicht, daß mit dem zusätzlichen Baupro- gramm in aller Kürze begonnen werden kann.

WilhelmineFleffasBerurteilung.

Frankfurt a. M., 8. August.

Nach sechsstündiger Beratung wurde im Flessa-Prozetz folgendes Urteil verkündet: Die Angeklagte Wilhelmru«^ Flessa wird wegen versuchten Totschlages in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung zu 7 Jahren Zuchthaus unter Anrechnung von 9 Monaten Untersuchungshaft verurteilt.

In der Urteilsbegründug wurde ausgeführt: Die Glaubwürdigkeit der Flessa sei objektiv zu bezweifeln. Es handle sich um eine Affekthandlung. Nach den Ansichten vieler Wissenschaftler müsse die Tat beurteilt werden, wie sie beabsichtigt sei, auch wenn sie in der Form nicht mit der Absicht übereinstimmen. Trotzdem sei versuchter Tot­schlag angenommen worden. Der Vorsitzende führte aus, daß die neun Monate Untersuchungshaft voll angerechnet werden, weil für die Angeklagte ihrer ganzen Konstitution nach ein Monat Untersuchungshaft soviel bedeute, wie für andere ein Jahr Gefängnis.

Als der Vorsitzende der Angeklagten den Inhalt der Urteilsbegründung mitteilen will, schreit sie:Ich will nichts mehr hören. Es ist egal, ob es S0 oder sieben Jahre sind. Führt mich doch gleich wieder ab."

Die Magdeburger Affare.

Veröffentlichungen des Untersuchungsrichters.

Nachdem der Oberstaatsanwalt die Aufhebung bet Haftbefehle gegen Haas, Reuter und Fifwer be­antragt hat, die Geliebte des Beschuldigten Schröder, Hildegard Götze, aus der Hast entlassen ist und Unter- suchungsrichter K ö lt^n a seinen reauläten Urlaub an-