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hersfelöer Tageblatt

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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Nr. 182

Freitag, den 6. August 1926

76. Jahrgang

ErleWierms der GAerverleiluag.

Von besonderer Seite wird uns geschrieben:

Nicht bloß die Weltproduktion jeder Art stößt aus Hemmungen, wird in ihrem ruhigen Ablauf gestört, er­leidet Erschütterungen durch sortdauernde Krisen, sondern auch der Träger der Verteilung dieser Produktion ist in keiner besseren Lage: der Kaufmann. Vielleicht sind diese Hemmungen und Störungen, diese Erschütterungen und Krisen bei ihm und seiner Arbeit noch weit stärker zu verspüren als bei der Produktion selbst. Das gilt beim großen Kaufmann genau so wie beim kleinen. Snd bei jenem die zwischen den Völkern errichteten Schlag- bäume gegenüber dem Zustand der Vorkriegszeit geradezu zahllos geworden, so verspürt nicht minder der kleine Kaufmann überall Einengung feiner Betätigung wie nie zuvor. Bei den letzten Handelsverträgen Deutsch­lands ist Rücksicht darauf genommen worden, we­nigstens einen Teil der Schranken zu beseitigen, die der Wirksamkeit des deutschen Kaufmanns imAusland ge­setzt sind. Doch sind diese Versuche ziemlich schüchterner Art geblieben. Und im Inland sorgen auch die zahl­losen Steuergesetze, vor allem aber ihre Ausfüh­rung durch die Finanzverwaltung dafür, daß der Kauf­mannsstand in einer geradezu gefahrvollen Lage ist. In­ternationale Beziehungen anzubahnen ist vorläufig erst tu beschränktem Maße geglückt. Von der internationalen Handelskammer hat man bisher einige kluge Reden ge­hört, aber praktische Erfolge hat sie herzlich wenig erzielt. In ihr ist es nun besonders das am er i k aNi sich e K o mitee, in dem anerkannte Größen der amerikanischen Wirtschaft sitzen, und das z. B. neulich über die weltwirt­schaftliche» Auswirkungen des Dawes-Planes bemerkens­werte Ansichten entwickelte. Jetzt hat dieses Komitee jener internationalen Handelskammer den Vorschlag unter­breitet, durch ihre Vermittlung sollte eine Vereinigung der Kaufleute der ganzen Welt herbeigeführt werden. Hierfür hat das Komitee auch schon Richtlinien ausge. arbeitet, die auf die Herstellung einer gerneinsamen Grund­lage der Wirtschaftsbeziehungen, der Rechts- und Wäh- - unAuch y t wieder äußert sich das Komitee in nüchtern verständiger Weise uoer die Haupthindernisse, die einem ruhigen Ablauf des inter­nationalen Güterverkehrs entgegenstehen. Das Nachlassen der Kaufkrast und die Entwertung der Währungen, zu­mindest das Schwanken der Wechselkurse spielen dabei eine besonders wichtige Rolle. Das ist ja auch klar; denn gerade der Kaufmann, der die Produkte dem Verbraucher übermittelt, ist in erster Linie abhängig von der Kaufkrast des Verbrauchers, von der qualitativen und quantitativen Art dieser Nachfrage. Daß gerade hierbei die schwankende Währung mit ihrem Hinüberkippen in die Inflation jedes klare Kalkulieren unmöglich macht, haben wir lange genug schaudernd erlebt. Dabei beißen den Letzten immer die Hunde, und dieser Letzte ist der Kaufmann.

Das Komitee nennt als ein weiteres Haupthindernis die politische Unsicherheit. Daß gerade diese namentlich auf dem Gebiete der Kreditpolitik unheilvollen Einfluß ausübt, ist unumstößliche Tatsache, und hier ist es auch wieder der Kaufmann, der das am meisten verspürt, weil bei ihm der Umschlag des investierten Kapitals ein be­sonders schneller sein muß, er infolgedessen in stärkster Abhängigkeit vom Kapitalmarkt ist. Dann nennt das Komitee als letzte, vielleicht aber schlimmste Hindernisse eines ruhigen Güteraustausches die Errichtung zahl­reicher Zollschranken durch dre Schaffung neuer poli­tischer Gebilde und schließlich die Einmischung der Regie­rungen in die Gebiete der Produktion und Wiederverteilung, die eigentlich der privaten Unternehmungslust zu über­lassen sind. Jeder Kommentar zu diesen Selbstverständ­lichkeiten erübrigt sich wohl. Billiger ist der Güteraus- tausch namentlich in Europa dadurch auch nicht gerade ge­worden, daß der Vertrag von Versailles nicht bloß die unmöglichsten Staatengebilde schuf, die unmöglichsten Grenzziehungen veranlaßte, sondern diesem vulkanisierten Europa auch handelspolitisch die größten Un­möglichkeiten auferlegte. Und was das zweite betrifft, die Eingriffe der Regierung, so bezieht sich dieser Vorwurf nicht bloß auf die überall stark verbreiteten Tendenzen, von Staats wegen sich an der Produktion zu beteiligen, möglichst auch an der Verteilung der produzierten Guter, oder gar dort sich Monopole zu schaffen, sondern diesen Tendenzen entsprechen auf der anderen Seite die tausend­fachen Versuche, in die Produktionregulierend" einzu- greifen, den Handel in Zwangsbahnen zu pressen und den sich Sträubenden durch Machtmittel gewaltsam zum Ge­horsam zu zwingen. Diese Eingriffe bleiben in der Regel erfolglos, weil sie zwar im legitimen Handel den ehr­lichen Kaufmann treffen können, nicht aber jenen, der gewitzt und listig durch die Maschen der Gesetze und Ver­ordnungen zu schlüpfen versteht. .

Anregungen sind es nur, Vorschläge, die jenes amerr- kanische Komitee macht, sie sind von großer Sachlichkett und von vernünftiger Selbstverständlichkeit. Aber tote selten haben im Treiben der Welt Sachlichkeit und Vernunft gesiegt! ___________

Professor Rosse seines Amtes enthoben.

Urteil im elsässischen Heimatlandprozeß.

Gegen den bekannten Vorsitzenden der elsaß-lothrin Nischen Beamtenschaft. Prof. Bossö. ist jetzt das Urteil

«Oe ehemaliger deMer Gebiete?

Land für Geld.

Deutsche Angebote an valutaschwache Länder?

Wie dasEcho de Parrs" zu melden weiß, hat sich die Berliner Regierung in den letzten Tagen lebhaft für die Sch wierigkeiten Belgiens interessiert. Un terstützungsangebote seien unter der Bedingung formuliert worden, daß Eupen und Malmedy an Deutsch- landzurückfallen. Schon im November 1925 hätte D'r. Schacht das Terrain abgetastet. Er habe Belgien an­geboten, die sechs Milliarden deutscher Mark aufzuwerten, die in Belgien zurückgeblieben und die die Ursache der bel­gischen Inflation gewesen seien. Schon damals habe er Eupen und Malmedy verlangt. Das Blatt verweist weiter auf einen Artikel der englischen Zeitschrift Fourtnightly Review", wonach auf dem Umwege über einen Beamten des B ölkerbundsekretariates Deutschland der polnischen Regierung die Beteiligung an einer An­leihe angeboten haben soll. Zur Bedingung sei gemacht worden, daß die nördliche Eisenbahnlinieimpol- Nischen Korridor dem Gebiete von Danzig zuge­sprochen werde. Dr. Schacht habe versucht, den ameri­kanischen Sachverständigen Kemmerer, der der polnischen Regierung zur Seite stehe, für seine Bemühungen zu ge­winnen. Auch Frankreich sei nicht vergessen worden. Das Blatt behauptet, daß Dr. Schacht über eine deutsche Anleihe für Frankreich gesprochen habe, aus Grund deren Deutschland Kamerun oder eine andere jetzt französische

gefällt worden. Es lautet auf Amtsentheb ü n g. Neun Zehntel seiner gesetzlichen Pension werden Pro­fessor Rossö auf die Dauer von fünf Jahren ausbezahlt; dann erhält er keine Pension mehr.

In der Begründung des Disziplinarurteils gegen Professor Rosse wird ausgeführt, ein Beamter dürfe jede beliebige Meinung haben, er müsse sich aber als Diener des Staates bei deren Bekundung eine gewisse Zurückhal­tung auferlegen. Die Kundgebung des Heimatbundes bilde einen heftigen Ausfall gegen das fran­zösische Regime und wenn seine Unterzeichner auch behaupteten, daß es keinen antinationalen Charakter trage, so könne doch nicht bestricken werden, daß seine Veröffent­lichung den Zweck verfolgte, die Bevölkerung zur Unzu­friedenheit aufzureizen und damit eine Bewegung hervor- zurufen, die zu einer Lockerung der Bande zwischen Frank­reich und dem Elsaß sühren könnte. Diese Bewegung habe um so leichter in rein separatistischem Sinne ge­deutet werden können, als die Öffentlichkeit sie instinktiv mit den autonomistischen Bestrebungen, die sich in der Vorkriegszeit gegen das Reich und den deutschen Einfluß richteten, in Zusammenhang gebracht habe.

Professor Rosse, eine führende Persönlichkeit in der Heimatbewegung, hatte bekanntlich das Manifest des Elsaß-lothringischen Heimatbundes mitunterzeichnet, dessen Hauptforderung nach Autonomie Elsaß-Lothringens im Rahmen Frankreichs von der französischen Regierung als Gefährdung der nationalen Einheit bezeichnet wird.

Die Elsässer für Rosse.

Die elsässische Lehrergewerkschast hat als Protest wegen des Urteils gegen Professor Rosse diesen zu ihrem Generalsekretär ernannt. Rosse ist aus Grund eines früheren deutschen Gesetzes verurteilt worden, das von der Würde der Staatsbeamten außerhalb ihrer Berufspflichten spricht und von den Franzosen nun auf ihre Art aus­gelegt worden ist.

Strafmaßnahmen gegen spanische Beamte

Wegen Kritik der Regierung.

Eine amtliche Bekanntmachung der spanischen Regie­rung erklärt, daß gegen alle Beamte und alle übrigen Per­sonen, die in der Öffentlichkeit in heftigen Ausdrücken ge­gen die Maßnahmen der Regierung Stellung nehmen oder Mitglieder der Regierung verleumden, schärfste admini­strative Strafmaßnahmen ergriffen werden, ohne daß da­mit ein etwaiges gerichtliches Verfahren ausgeschlossen würde.

Der Ministerrat hat, wie in der Bekanntmachung mit- geteilt wird, bereits beschlossen, wegen des angeführten Vergehens einen Telegraphenbeamten, einen Gemeinde­beamten und den Gesandtschaftssekretär Pegullal ihrer Posten zu entheben. Gegen Pegullal wird außerdem ge­richtlich vorgegangen werden. Im Schluß der Bekannt­machung heißt es, daß Personen, die ihre Interessen oder Rechte durch irgendwelche Regierungsmaßnahmen verletz; glauben, die Möglichkeit haben, vor den Gerichten oder un­mittelbar bei der Regierung Nachprüfung zu verlangen.

Der Kirchenstreii in Mexiko.

Eine kostbare Goldkrone verschwunden.

Nach Meldungen aus Mexiko ereignete sich ein schwerer Zusammenstoß in Guadalajara. Die erregte Menge bewarf Regierungstruppen mit Steinen, als sie das Innere der Kirche der heiligen Junairau von Guada-

rrokome zugesprochen werden solle. Erst vor kurzer Zeit sei eine ähnliche Idee aufgetaucht. Frankreich sei eine finanzielle Unterstützung des Reiches unter der Bedingung angeboten worden, daß die zweite und dritte Rheinland­zone geräumt würde. Es sei möglich, daß Frankreich, um seine Währung zu stabilisieren, genötigt fei, sich unter das kaudinische Joch des Auslandes zu beugen. Aber Gott möge es davor bewahren. Die Buße, die Frankreich viel­fach aus politischem Gebiete zu zahlen habe, sei sehr beacht­lich. Wie aus Brüssel gemeldet wird, erwartet man auch in dortigen offiziellen Kreisen deutscherseits die Initiative zu Verhandlungen über die Rückgabe Enven-Malmedys an das Reich. Wenn Deutschland der belgischen Regierung ein günstiges Angebot machen würde, dürften nach Ansicht dieser Kreise die Rückgabeverhändlungen erfolgreich ver­laufen können.

In diplomatischen Kreisen Berlins hält man diese In­formation für nichts weiter als die Wiedergabe von d i - plomatischen Privatunter Haltungen ohne ernste fachliche Bedeutung und glaubt auch nicht, daß die Unterredung Dr. Schachts mit beut Amerikaner Strong mit den vomEcho de Paris" berührten Fragen oder mit der Frage Eupen-Malmedy irgend etwas zu tun hat. Auf französischer Seite hält man Dinge für in Fluß befindlich, die in Wirklichkeit noch gar nicht begonnen haben, und ee ist nicht anzunehmen, daß in der nächsten Zeit auf den be­rührten Gebieten irgend etwas Abschließendes vor sich | gehen wird.

lupe besetzten. Die Soldaten feuerten, zwei Menschen

wurden getötet, zehn verwundet.

Weitere Meldungen besagen, daß die berühmte, mit Perlen und Edelsteinen besetzte Krone der Jungfrau von Guadalupe im Werte von 400 000 Dollar vermißt wird. Mexikanische Meldungen rechnen mit langer Dauer der Krise, da keine Möglichkeit gesehen wird, eine K »ns promifftormrl zu finden.

Die Katholiken konzentrieren ihre ganze Kraft auf

den Wirtschaftsboykott. Eine Bankiersgruppe er­klärte sich deswegen nach übereinstimmenden Meldungen bereit, als Vermittler aufzutreten, und will der Re­gierung folgende Forderungen des Episkopats unter­breiten: Erstens soll die Durchführung der Regierungs- maßnahmen verschoben werden, zweitens soll der Epi­skopat vorläufig das Recht auf die Kirche zurückerhalten, drittens soll am Jahresende eine Volksabstimmung über alle Konfliktsfragen stattfinden.

In einer Unterredung mit dem Vertreter derAsso­ciated Preß" erklärte Bischof Diaz, die Kirche werde nie­

mals einen bewaffneten Aufstand gegen die Regierung billigen, sondern, wenn es nicht anders sein könne, den ihr gereichten bitteren Kelch des Duldens trinken.

Das mexikanische Kriegsministerium hat etwa tausend Offiziere aus dem Heeresdienst entlassen, da sie verdächtig schienen, im Kulturkampf gegen die Regierung zu re­bellieren.

politische Rundschau.

Deutsches Reich.

Thüringen und das Reichsehrenmal.

Der thüringische Staatsminister Dr. Leutheußer hat in der Frage des Reichsehrenmals an den Reichskanzler einen Brief gerichtet, in dem das Land Thüringen leb­haften Einspruch dagegen erhebt, daß der Platz für das Gefallenenmal gemeint ist damit Berka, für den sich der von der Reichsregierung eingesetzte Ausschutz ausge­sprochen habe und der dem Wunsche der großen Front­kämpferverbände entspreche, wegen eines aus zweifellos wirtschaftlichen Belangen verfolgten Einspruches verlassen werden solle. Der Gedanke der Gefallenenehrung darf, so sagt das Schreiben, nicht nach wirtschaftlichen Gesichts­punkten entschieden werden. Die Landesregierung gibt der Bitte Ausdruck, daß es unter Würdigung dieser Gründe bei dem einmal gefaßten Beschluß endgültig ver­bleibt.

Begnadigung Dr. Stratil-Sauers.

Der König von Afghanistan, Aman Ullah, hat dem deutschen Gelehrten Dr. Stratil-Sauer, der in diesen Tagen von dem zuständigen afghanischen Gericht wegen der Tötung eines Afghanen zu vier Jahren Gefängnis ver­urteilt worden war, durch einen spontanen Gnadenakt die Strafe erlassen. Dr. Stratil-Sauer ist bereits der deut­schen Gesandtschaft in Kabul übergeben worden und wird in den nächsten Tagen die Rückreise nach Deutschland an­treten. Dieser Akt des Herrschers von Afghanistan wird, so wird von einer Berliner offiziösen Stelle hinzugefügt, als ein neuer Beweis für feine freundschaftlichen Gefühle für Deutschland mit Befriedigung und Dankbarkeit be­grüßt werden. . v ^ ^"v'

Frankreich.

X Französische Unterstützung für rheinische Separatisten. Wie die ZeitungLa Lanterne" mitteilt, ist in Paris eine neue Liga, genanntLa Halte", gegründetworden, die sich