Hersfelöer Tageblatt hersfelüer Kreisblatt' Amtlicher Anzeiger Dr den Kreis Hersfels
Der Bezugspreis beträgt durch die Poli bezogen ®onatlidi l — Etc., aitssdtlieiiL Bestellgeld, für öersfeid L— ulfc. bei freier Zustellung, Abholer —,80 Mk. * Drusfe und Verlag non hudaig Funhs 8uiidru*eref in Eersfeld, (Bitg-Med des VDZV.
t Anzeigenpreis für die einspaltige Petitzetk i 5 Pfg. t die Reklamezeile 50 Pfg, (Grundsdirifr Korpus). ! Bei Wiederholungen Dodilab, + /Für die Schrift- i lePung perantoorilidh Franz rank in Eersfetd. > Fernsprecher Dr. 8.
M. ISO
Mittwoch, den 4. August 1926
76. Iahraaaa
Dsnzigs LlnabhängigkeE
Unter dem vielen Wahnwitz, den man bei den Friedensverhandlungen in Versailles produzierte, ist einer der schlimmsten die Schaffung des Freistaates Danzig, die Abtrennung der alten deutschen Stadt von Deutschland. Umklammert vom polnischen Gebiet, in starker politischer wie noch stärkerer wirtschaftlicher Abhängigkeit von Polen, besitzt Danzig so gut wie gar kein Hinterland und ist deswegen, um leben zu können, auf ein schiedlich-friedliches Verhältnis mit Polen angewiesen, das natürlich niemals die Hoffnung aufgegeben hat, sich Danzigs dereinst zu bemächtigen. Die häufigen Streitfälle mit Polen sind bekannt, bekannt aber auch, daß der Völkerbund dem Freistaat Danzig die selbstverständlichsten Wünsche versagte. Daß dadurch die Stimmung in Danzig nicht gerade Völkerbund- und polenfreundlicher geworden ist, versteht sich von selber, besonders, da der Völkerbund vor kurzer Zeit bett Holländer van Hamel als Oberkommissar nach Danzig schickte, obgleich gerade dieser Mann früher als Vorsitzender der Rechtskommission des Völkerbundes seine Gutachten immer gegen Danzigs Interessen abgegeben hatte.
Nun befindet sich Polen augenblicklich selbst in derartigen Schwierigkeiten, daß man sich auf außenpolitische Abenteuer wohl kaum wird einlassen können. Daraus sind die zurückhaltenden Erklärungen zu verstehen, die der neue polnische Ministerpräsident B a r t e l vor kurzem im Senat von sich gegeben hat über die künftige Gestaltung der polnischen Beziehungen zum Freistaats Danzig. Danzig hat einen sehr klugen Präsidenten, der es verstanden hat, seinem Staat bei den Verhandlungen mit Polen sowohl wie mit dem Völkerbünde ganz außerordentlich großen Nutzen zu bringen. Es ist der Präsident S a h m, der eifersüchtig darüber wacht, das; wenigstens nicht die enggezogenen Grenzen der Danziger Unabhängigkeit angetastet werden, die dieser Stadt belassen sind. Er hat sich soeben darüber sehr deutlich geäußert als Antwort auf die Ausführungen Bartels, aus denen hervorgehe, daß Polen jetzt einsähe, nur der Weg dauernder und sach- Znjümmvnarve» rönne zum Ziele führen, nämlich ein erträgliches Verhältnis zu schaffen; dabei solle man davon ausgehen, daß Danzig eine freie und von Polen unabhängige Stadt ist und bleibt.
Die innere Unmöglichkeit der „Ordnung" des Ver- saitter Vertrages ist auch dadurch deutlich genug geworden, daß die Finanzlage des Freistaates eine recht prekäre ist, daß daher namentlich über die Abrechnungen der ein- laufenden Zollgebühren jahrelang dauernde Auseinandersetzungen mit Polen als dem eigentlichen Danziger Hinterland erfolgten. Diese Stadt ist ja doch der Haupthasenplatz, über den die polnische Ein- und Ausfuhr geht; die polnischen Versuche, sich in Gdingen einen eigenen Hafen zu schaffen, sind in den Anfängen steckengeblieben. Die Streitigkeiten haben übrigens vor einiger Zeit sogar zu einer Grenzsperre Polens gegen das Danziger Gebiet geführt. Präsident Sahm lehnt aber jede Einmischung des Völkerbundes in die inneren, also auch in die finanziellen Angelegenheiten Danzigs ab; denn die Finanzlage sei an und für sich gesund, sie sei durch „außerordentliche Umstände" — man weiß, was er damit an- deutet — nur vorübergehend in ungünstiger Weise beeinflußt worden. Das habe sogar die Finanzkommission des Völkerbundes bestätigen müssen. Danzig muß nämlich — als früherer Teil des Deutschen Reiches — an den Reparationslasten mittragen; trotzdem will Sahm aber höchstens eine vermittelnde Tätigkeit jener Kommission dulden, die sich außerdem nur noch mit einer Neuregelung des Zollverteilungsschlüssels zu beschäftigen habe. Mehr nicht; alles andere sei ein Übergriff des Völkerbundes, und wenn der polnische Ministerpräsident nach dieser Richtung hin Andeutungen mache, so werde Danzig sich scharf gegen jeden Versuch der Finanzkommission wenden, sich in die inneren Verhältnisse Danzigs einzumischen, geschweige denn, den Freistaat gar vor vollendete Tatsachen zu stellen, wie Bartel behauptet hat. Sollte sich hier etwa schon der neue Oberkommissar „betätigt" haben?
Uns im Deutschen Reiche sind die Hände gebunden; aber aus den bisherigen Erfahrungen können wir entnehmen, daß in Danzig von dem alten Hanseatengeist noch recht viel übrigblieb, der sich beugt, sich aber nicht brechen läßt. Und wir können nur mit gesteigerter Zuversicht auf jenen Tag hoffen, an dem die Weltgeschichte auch über diesen Wahnwitz von Versailles ihr Urteil spricht; bis dahin aber möge Danzigs Schicksal in treuen deutschen Händen liegen. _
Kein Waffenstillstand in Mexiko.
Amerikanischer Einspruch gegen eineKirchenbeschlagnahme.
Nach einer Meldung der „Associated Preß" hat der amerikanische Generalkonsul in Mexiko, Weddell, beim Staatsdepartement gegen die Übernahme des Eigentums der amerikanischen Episkopalkirche San Josö de Gracia Einspruch erhoben. Die Kirche ist seit 1857 amerikanischer Besitz, wurde aber von einem mexikanischen Geistlichen verwaltet. Die Regierung hat auf den Einspruch erwidert, der Geistliche habe das Kirchenbuch nicht in der vorgeschriebenen Weife geführt.
Nach einer „Associated Prcß"-Meldung aus NogalcA
IeiüflhlMds Mit in den »rinne
(wann »er ÄWfsw.
Dr. Strese manns Rückkehr nach Berlin.
Reichsaußenminister Dr. Stresemann wird am 9. August von seinem Urlaub wieder in Berlin eintreffen und die Leitung des Außenministeriums übernehmen. In politischen Kreisen wird damit gerechnet, daß nach der Rückkehr des Außenministers die schwebenden Verhandlungen über Deutschlands Völkerbundeintritt in ihr letztes entscheidendes Stadium gekommen sind. Nach Klärung der Sachlage wird sich die Reichsregierung dann auch über die Zusammensetzung der deutschen Delegation für Genf schlüssig werden müssen. Es gilt als selbstverständlich, daß der Reichsminister des Äußeren an der Delegation wiederum teilnimmt, es ist aber noch nicht sicher, ob auch Reichskanzler Dr. Marx mit nach Genf fahren wird.
Das Programm der Herbsttagung des Völkerbundes, die am 6. September beginnt, umfaßt 22 Punkte. Neben der Wahl des Präsidenten, der Annahme der Tagesordnung und der Geschäftsordnung sowie der Wahl von Kommissionen und ihrer Präsidenten wird ein allgemeiner Bericht über die im letzten Jahr geleistete Arbeit des Völkerbundes erstattet werden. Alsdann wird der Rat einen besonderen Bericht erstatten über die bisherigen Versuche, internationale Streitigkeiten friedlich zu regeln. Ebenfalls wird ein besonderer Bericht über die Fragen des Schiedsgerichts, der Sicherheit und der Abrüstung erstattet werden. Als elfter Punkt der Tagesordnung ist die Prüfung des Berichts der ersten Kommission, der sogenannten Ratserweiterungskommission der außerordentlichen Märzversammlung, über die Frage der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund vorgesehen. Der zwölfte Punkt enthält den Bericht über die ^rWäff,"/.:J>er Böüsrbundrat nach Prüfung des Berichtes der Studienkommission zu erstatten haben wird. Es folgen dann weiter die Berichte der Finanz- und Wirtschaftskommissionen über die Lage Österreichs und Ungarns sowie der Bericht über die Ar
in Arizona hat der frühere mexuantsche Präsident Ovregon in einer von ihm unterzeichneten Kundgebung erklärt, er sei mit der von Präsident Calles in Mexiko befolgten Kirchenpolitik einverstanden. Die kirchlichen Würdenträger hätten den Konflikt provoziert, und der Streit werde von selbst verschwinden, wenn sie bereit seien, den Gesetzen zu gehorchen.
Wie aus Mexiko gemeldet wird, hat Prästdent-Calles den von bischöflicher Seite angebotenen Waffenstillstand abgelehnt, jedoch sind inoffizielle Besprechungen zur Einleitung einer Verständigung im Gange.
Dsershmskys BestaiiNng.
Die Beisetzung des unerwartet verstorbenen Vorsitzenden der Staatlichen Politischen Verwaltung in Rußland, Dsershinsky, eines der mächtigsten Männer im Sowjetstaate, fand in Moskau unter aroßen Feierlickkeit.cn
statt. Die Leiche wurde dabei, wie unser Bild zeigt, im offenen Sarge von führenden Leuten der Regierung getragen. Unter den Trägern befanden sich auch R y k o w und Stalin, die Chefs der.ausführenden Gewalt in Rußland.
Zehntägige Schlacht vor Samaskus.
Ausbreitung des Aufstandes in Syrien.
Nach einer Meldung aus Beirut sollen 18 000 Mann französischer Truppen eine zehntägige Schlacht in der Nähe von Damaskus geliefert haben, ohne es indessen zu einem entscheidenden Sieg zu bringen. Das Kurdenviertel in Damaskus und ein anderer Teil der Stadt, wo sich die Aufständischen verschanzt hätten, seien beschossen und eingeäschert worden. Die Aufständischen hätten einen Zug, der von Beirut nach Damaskus fuhr, angegriffen, ihn geplündert und einen französischen Offizier, zwei Soldaten und drei Armenier getötet, die übrigen Personen im Zuge jedoch nicht behelligt.
Einer „Times"-Meldung aus Jerusalem zufolge scheint sich Damaskus nach den Mitteilungen eines dort
veiten des vorbereitenden Komitees für die Weltwirt- schaftskonferenz. Weitere Berichte werden erstattet über die Arbeiten zum Schutz der Frauen und Kinder im vorderen Orient, über die Vereinheitlichung des Handels und Verkehrs, über die Arbeiten des Hygienekomitees, der Opiumhandelskommission, der Kommission für geistige Zusammenarbeit und der Kommission, die sich mit der Eindämmung des Frauen- und Kinderhandels befaßt. Als zwanzigster Punkt auf der Tagesordnung ist der Bericht der Commission zur Vorbereitung der Abrüstungskonferenz vorgesehen. Im einundzwanzigsten Punkt wird das Völkerbundbudget in Verbindung mit dem Budget des internationalen Arbeitsamts und des ständigen Schiedsgerichts im Haag behandelt, während der letzte Punkt der Tagesordnung die Nomination der nichtständigen Ratmitglieder vorsieht.
MM Uhrüstungsbesprechungen.
Die deutsche Delegation zu den Arbeiten der Unterkommission der Abrüstungskonferenz hat sich wieder nach Genf begeben. Bei den kommenden Beratungen muß eine Reihe noch unerledigter Probleme aufgearbeitet werden, «im besonderen wird eine Klärung über den Begriff der Rüstungseinschränkungen geschaffen werden müssen. Weiterhin stehen zur Beratung die Methoden für die Rüstungsbeschränkung und die Frage der offensiven und defensiven Rüstung. Alsdann gilt es, eine Unterscheidung von Zivil- und Militärflugzeugen zu finden. Bei der Erörterung des Zusammenhanges der Abrüstung mit der Frage der Sicherheit werden die Frage der allgemeinen Abrüstung bzw. der regionalen Abrüstung und die Fragen, die mit Artikel 16 (Durchmarschrecht) des Völkerbundstatuts zusam- menhüngen, eine Rolle spielen. Weiterhin soll noch behandelt werden die Frage der Umstellungsmöglichkeit der Industrie von der Friedens- auf die Kriegswirtschaft und hierbei wird die Gasfabrikation und die Flugzeugherstel- lung eingehend erörtert werden. ■ Schließlich soll sich die Kommission noch mit der Kontrolle der Rüstungsbeschränkung befassen.
befindlichen Amerikaners in einer so schlimmen Lage zu befinden, wie sie seit der großen Beschießung im Oktober vorigen Jahres nicht mehr eingetreten ist. Es wird gemeldet, daß sich alle Kurdenstämme den Aufständischen angeschlossen hätten.
UolLiische 'RsmSfchE
Deutsches I^eich
Die Berfassungsfeier der Reichsregierung. '
Die Form, in der die Reichsregierung ihre Ver- fassungsfeier halten wird, steht nunmehr fest. Die Feier im Reichstag wird eingeleitet durch den Chorgesang des Staats- und Domchors unter Leitung von Professor Rüdel: „An die deutsche Nation", Volkslied um 1540. Daran schließt sich die Rede des Reichsinnenministers Dr. Külz. Dann folgt wieder ein Chorgesang, „Bundeslied" von Mozart. Die Feier klingt aus in eine Ansprache des Reichskanzlers Dr. Marx, der das Hoch auf die Deutsche Republik ausbringt. Der gemeinsame Gesang der ersten und dritten Strophe des Deutschlandliedes wird den Festakt beschließen. Der Reichspräsident begibt sich darauf vor die Rampe des Reichstagsgebäudes, wo er die Parade der Ehrenkompagnie abnimmt. . ,
Für eine geschlossene Rechte. < .
Die süddeutsche parlamentarische Arbeitsgemeinschaft der Deutschnationalen Volkspartei, der die deutschnationalen Parlamentarier aus Bayern, Württemberg, Baden und Hessen angehören, kam in einer in München stattge- fundenen Versammlung zu der Überzeugung, daß die unheilvolle Lage der Reichsfinanzen und der deutschen Wirtschaft sowie die dadurch begünstigten offensichtlichen Bestrebungen, die Revolution weiterzutragen, unbedingt die gemeinsame Abwehrarbeit aller staats- und Wirtschaftserhaltenden Kräfte verlangt. Die Arbeitsgemeinschaft begrüßt den mit der Überzeugung weitester nationaler Kreise sich deckenden Aufruf der Herren Freiherr v. Gayl und Dr. Jarres und verlangt, daß das für Staat und Volk lebensnotwendige Ziel einer geschlossenen starken Rechten weder an parteipolitischer Engherzigkeit noch an persönlichen Interessen scheitern dürfe,
' Türkei.
X Der neue Hochverratsprozeß in Angora. Vor dem Unabhängigkeitsgerichtshof, der diesmal in Angora tagt, begann der Prozeß gegen 60 Mitglieder des Komitees für Einheit und Fortschritt, die beschuldigt werden, die Verschwörung gegen den Präsidenten Mustapha Kemal Pascha eingeleitet unb einen Staatsstreich geplant zu haben. Der Staatsanwalt beantragte lebenslängliches Zuchthaus für die 16 Führer und zehn Jahre Zuchthaus für die übrigen Angeklagten, falls sie für schuldig befunden würden.
Aus Zu- und Ausland.
. Bochum. In einem Schreiben des englilÄerr^Beraarbetter-