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Hersfelöer Tageblatt

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Rr. 174

Mittwoch, den 28. Juli 1926

76. Jahrgang

Das Fehlurteil der Welt.

Wir wollen und werden uns darüber keiner Täu­schung hingeben: selbst wenn von der Entente zugestanden würde, daß von einer Alleinschuld Deutschlands nicht die Rede sei, daß vielmehr auch Ententestaaten an der Herbei­führung des Krieges beteiligt waren; selbst wenn von der Entente zugestanden würde, daß die Schuld am Kriegs­ausbruch vor allem auf russischer und französischer Seite lag, so würden selbst solche Eingeständnisse an dem Vertrage von Versailles, der durch die angebliche deutsche Schuld am Kriege seineBegründung" erhält, nicht das geringste ändern. Jetzt weniger denn je, da die wirtschaft­lichen Bestimmungen dieses Vertrages international ver­klammert sind durch den Dawes-Plan.

Darüber geben wir uns also keinerlei Illusionen hin; aber unser Kampf der ein selbstverständlicher Kamps aller Parteien und Stände sein müßte geht eben nur aus ein moralisches Ziel los. Nicht bloß uns selbst von unserer Schuldlosigkeit zu überzeugen nur partei- mäßige, aber leider nicht ganz seltene Verranntheit wird sich nicht belehren lassen, sondern auch das Urteil der Welt abzuändern, umzugestalten. Darum ist es zu be­grüßen, daß der amerikanische Professor B a r'n e s in Berlin soeben mehrere Vorträge hält, die ein unumwundenes, klares Bekenntnis enthalten: DeutschlandsSchuld am Kriege" ist eine Büge. Nicht erst heute hat er so gesprochen; als es in Amerika noch gefährlich war, solches überhaupt auch nur zu denken, hat er diesem Bekenntnis in seinem BucheDie Ursachen des Weltkrieges" freimütig Ausdruck gegeben.

Gewiß, politische Fehler hat Deutschland gemacht, so führte Barnes aus, aber nicht mehr als die andern Staaten; seit 1912 setzte die zielbewußte Politik Jswolskis und Poincaros ein, die klaren Auges aus den Krieg hinsteuerten, weil sie nur so ihre Wünsche Konstantinopel und Elsaß-Lothringen erreichen konn­ten. Serbien war dann schuld an der Mordtat von Sera- jcwo und Österreichs scharfes Vorgehen war berechtigt. Kaiser Wilhelm hat alles getan, um den Frieden zu er­halten, hat Österreich zurückzuhalten versucht aber die russische Mobilmachung begann schon am 24. Juli, ehe nie M'vyche 'Antwort auf Österreichs Ultimatum eiutraf. Dadurch wurde der Krieg unvermeidlich und Frankreich rührte keinen Finger, den Ausbruch zu ver­hindern; England war untrennbar an Frankreich gekettet, Mn blieb keine Wahl mehr. Belgiens Besetzung w u r d e nur zum V o r w a n d genommen. Und Amerika selbst? Dort schaffte es die Ententepropaganda, vor allem aber die Bindung der Großfinanz an die Entente. Schaffte es zwangsmäßig, und der verschärfte U-Boot-Krieg hat nichts mit diesem fast ersehnten Ein­tritt Amerikas in den Krieg zu tun.

Von allen beteiligten Ländern hat Deutschland die weitaus geringste Schuld am Kriege so saßt Barnes seine Darlegungen zusammen, und daher sei d e r be­rüchtigte S ch u l d p a r a g r a p h des Versailler Ver­trages ohne jede Grundlage; er ebenso wie der Dawes- Plan beruhen aus völlig falschen Voraussetzungen, weil demgemäß eine deutsche NeparationsVerpflichtung moralisch überhaupt gar nicht bestehe. Wir wissen, daß derartige Ausführungen in Paris und London, in Rom, Warschau und Washington ungehört verhallen, aber wir wollen das F e h l u r t e i l d e r W e l t n i ch t st u m m h i y n e h in e n, damit es nicht zu einem Urteil der Welt­geschichte werde. Wir freuen uns aber, daß auch in den Ententestaaten Männer aufstehen, die den Mut haben, auf unsere Seite zu treten in dem Kampf gegen die Lüge von Versailles- ____________

Ein neuer Bölkerbundpalast.

Ein Preisaus schreiben für den Neubau.

Der Völkerbund will sich für seine Arbeiten in Genf ein neues Gebäude errichten, da die ihm bisher zur Ver- sügung stehenden Räumlichkeiten sehr primitiv waren und nur als Notbehelf dienen konnten. Vom Volkerbundraf ist daher für die Errichtung eines Völkerbundpalastes ein Preisausschreiben angesetzt worden, dessen Frist Januar 1927 abläuft. Bewerben dürfen sich Architekten aller Völkerbundstaaten, einschließlich Deutschlands, Dan- zigs und des Saargebietes. Der für den Bau zur Ver­fügung stehende Raum liegt knapp nebem dem gegenwär­tigen Sekretariatsgebäude (ehemaliges Hotel National) und mißt 66 406 Quadratmeter. Vorgesehen sind zwei Hauptgebäude, ein Gebäude für die Versammlungssale und ein weiteres für die Sekretariatsbureaus. Die An­lage ist den Architekten freigestellt. Die Baukosten dürfen 13% Millionen Schweizer Franken nicht ubersteigen. Die, Preise betragen: ein erster Preis 30 000 Franken, ?,wer zweite Preise je 25 000 Franken, ein dritter Prers 20 000 Franken, eine vierter und fünfter Preis ze 15 000 Franken, ein sechster und siebenter Preis je 5000 Schweizer Franken. Weitere 25 000 Schweizer Franken werden vorausstaMch in zehn Trostpreise von je 2500 Franken eingeteilt. Die Preisrichter sind je ein Holländer, Engländer, Spam^r, Österreicher, Belgier (Präsident), Franzose, Schweizer- Italiener und Schwede. Es gibt für reden von ihnen einen Ersatzmann- aus dem aleichen Staate. Der-otter-

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-oinrares Appell an fleW und Vaterland.

Die Regierungserklärung, die Ministerpräsident Poin- care in der Kammer und Justizminister Barthou im Senat verlesen haben, lautet wie folgt: Das Kabinett ist im Geiste nationaler Versöhnung gebildet worden, um der Gefahr, die gleichzeitig unsere Währung, die Freiheit un­seres Schatzamtes und das Gleichgewicht unserer Finanzen bedroht, begegnen zu können. Jeder der Männer, die sich einmütig zusammengetan haben, um an diesem Werke des öffentlichen Wohls zu arbeiten, ist der Ansicht gewesen, daß er die Pflicht hat, in diesem Augenblick diesem Werke alle seine Gedanken und seine Kräfte zu widmen. Später werden andere Fragen auftreten, über die diese Männer verschiedener Ansicht sein werden. Heute jedoch sind sie vollkommen einer Meinung über die dring­liche Notwendigkeit der Finanzsanierung und über die dabei anzuwendenden Mittel.

Nach aufmerksamer und gewissenhafter Prüfung der Lage haben wir die feste Überzeugung gewonnen, daß es möglich ist, schnell den Stand der französi­schen Finanzen zu bessern und den Kurs des Franken zu heben. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine sofortige und entschlossene Zusammenarbeit zwischen Regierung und Parlament unbe­dingt notwendig. Deshalb bringt die Regierung einen Gesetzentwurf zur Erschließung von den Ausgaben ent­sprechenden Einnahmequellen ein. Um jede neue Inflation zu vermeiden, wird die Regierung die Bewilligung dieser unerläßlichen Zusatzeinnahmen beantragen unter Beob­achtung des Sparsamkeitsgrundsatzes. Wenn auch ent­sprechend den Anregungen der Sachverständigen die Regierung gezwungen ist, unverzüglich zu diesem Zwecke auch gewisse indirekte Steuern zu er = agaassa^s^

reichische Preisrichter heißt Joseph Hoffmann, sein Ersatz­mann Eugen Steinhof. Beide leben in Wien. Von den Schweizern ist der eine ein Deutschschweizer und heißt Karl Moser aus Zürich. Das Preisrichterkollegium ist souverän und ohne Berufung.

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Protest Aöessimens an den Völkerbund.

Englisch-italienisches Jnteressenabkommen in Abessinien.

Der Unter-staatssekretär im Londoner Auswärtigen Amt, Locker Lampson, erwiderte im Unterhause auf die Frage nach den englisch-italienischen Verhandlungen über Abessinien, daß die englische Regierung am 24. Juli vom Generalsekretär des Völkerbundes die Abschrift einer Mit­teilung erhalten habe, in der die abessinische Regierung die Aufmerksamkeit des Völkerbundes auf die kürzlich zwischen England und Italien ausgetauschten Noten lenkt. Der Abgeordnete Buxton fragte'darauf, welche Vor­teile sich die englische Regierung neben dem Rechte des Baues des Tfana-Staubeckens sichern könne, als Gegen­leistung für die der italienischen Regierung in Süd- und Westabessinien gemachten Konzessionen.

Locker Lampson erwiderte, die englische Regierung suche keinerlei Vorteile für England, fondern die Verbesse­rung der Wasserversorgung für den Sudan und Ägypten, wovon die künftige Prosperisift jener Länder abhänge. Das Tfana-Staubecken fei ein wesentliches Element für diese Verbesserung, und der einzige Zweck des kürzlich ab­geschlossenen Abkommens bestünde darin, die italienische Unterstützung bei den bevorstehenden Verhandlungen mit der abessinischen Regierung zu gewinnen, die allein den Bau des Tsana-Staubeckens autorisieren könne. England hoffe, in der Lage zu sein, der abessinischen Regierung zu zeigen, daß dieser Bau den Interessen Abessiniens ebenso sehr dienen werde, wie denen des Sudans und Ägyptens.

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GUEier? ratifiziert.

DieReorganifierungdesVölkerbundrats

Die spanische Regierung hat ihren Gesandten bei der schweizerischen Eidgenossenschaft angewiesen, die bereits 1921 von der zweiten Völkerbundversammlung be­schlossene Abänderung des Artikels IV der Völkerbund­satzung zu ratisizieren. Die jetzt nach der Ratifizierung durch Spanien in Kraft tretende Abänderung des Ar­tikels IV der Völkerbundsatzung stellt eine Wahlordnung für den Rat dar, indem sie Zusammensetzung, Mandats­dauer und Wahlmodus für die nichtständigen Sitze regelt.

Die erste Versammlung 1920 war in ihrer über­wiegenden Mehrheit der Meinung, sie sei ohne Abände­rung der Satzung befugt, eine solche Wahlordnung zu er­lassen. Spanien widersprach, indem es den Artikel IV des Paktes so auslegte, daß die Wahl der nichtständigen Rats­mitglieder in das freie Ermessen der jeweiligen Ver­sammlung gestellt und daß somit eine feste Regelung der Wahl nicht zulässig sei. Die Wahlordnung wurde daher als Satzungsänderung behandelt^ die der Ratifi-

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yo ^ en, so wiro ste gtenyzemg euren Direkte Besteue­rung des erworbenen Vermögens für die gerechte Vertei­lung der Lasten sorgen.

Ein Teil des Ertrages wird jährlich zur Speisung einer Amortisationskasse für die Bons der nationalen Verteidigung dienen. Außerdem müssen Maßnahmen ge­troffen werden, um das Vertrauen aufrechtzuerhalten und es der Regierung zu ermöglichen, künftig alle Ver­pflichtungen des Staates einzuhalten, die Produktion im Mutterlande und in den Kolonien zu för­dern und die Lebenskraft des Landes zu steigern. Wir behaupten nicht, in einigen Wochen oder auch nur in einigen Monaten die gesamten Wirtschasts- und Finanz- probleme lösen zu können, die die beinahe überall in der Welt herrschende wirtschaftliche Depression vor uns hat erstehen lassen. Die Hauptsache ist aber ohne Zweifel, das Dringlichste ohne Umschweife und ohne Winkelzüge in Angriff zu nehmen. Ebenso wie wir selbst, haben die Gläubigernationen Frankreichs, die Frankreich fest ent­schlossen ist, im Rahmen seiner Möglichkeit zu bezahlen, ein Interesse daran, daß wir vor allem die Wäh­rungskrise beheben, die auf vielfache Ursachen zu- rückzuführen ist, die jedoch sehr wohl beschwichtigt und deren gefährliche Auswirkungen vermieden werden kön­nen. Frankreich hat ernstere und schmerzlichere Stunden als diese erlebt. Es hat sich seinerzeit durch Einigkeit und Energie gerettet. Auch heute sind diese die Bedin­gungen des Sieges. Die Regierungserklärung schließt mit den Worten: Meine Herren! Gehen wir sofort an unsere schwere Aufgabe für die Republik und das Vater­land.

VertrauensvoAm für poimare.

Paris. Die Kammer vertagte auf Wunsch der Regie­rung die Jnterpellationsdebatte und sprach somit dem Ka­binett Poincars mit 358 gegen 131 Stimmen ihr Vertrauen aus. Gegen die Regierung stimmten nur «Socialisten und Kommunisten.

unterliegt. Spanten weigerte sich, Diese Ranft- zierung zu vollziehen, obwohl auch die nachfolgenden Völkerbundversammlungen stets die Wahlordnung von neuem beschlossen. Im Zusammenhang mit der Krise des Völkerbundes auf der Bundesversammlung im März und dem Desinteressement Spaniens am Völkerbünde hat sich die Madrider Regierung dann dazu verstanden, den Widerspruch zurückzuziehen. Die neue Satzungsänderung wird es der bevorstehenden 8. Völkerbundversammlung im September gestatten, den Vorschlag der Studienkom- mission über die Ratssttze zum Beschluß zu erheben.

Sie Tätigkeit der SeMOs» Rothiffe.

Mehr als 10 Millionen Mark verteilt.

Der soeben herausgegebene Tätigkeitsbericht der Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Nothilfe gibt beachtliche Aufschlüsse über die Bemühungen, ergänzende Mittel zur Förderung der Wohlfahrtspflege durch freie Liebestätig­keit aufzubringen. Insgesamt sind durch die Kasse der Reichsgeschäftsstelle allein mehr als 10 Millionen Gold­mark geflossen, von denen 7 Millionen zur Linderung der Not des besetzten Gebietes gespendet worden find, über drei Millionen Reichsmark fanden zur ergänzenden Für­sorge im ganzen Reichsgebiet sowie für einige Sonder- Awecke (Dortmunder Grubenkatastrophe, ausgewiesene Optanten, Hochwassergeschädigte u. a.) Verwendung. Be­sonders bemerkenswert sind die Angaben über den nach ausländischen Erfahrungen erfolgreich organisierten Ver­trieb der Wohlfahrtsbriefmarken zugunsten der Deutschen Nothilfe, deren zwei erste Serien einen Erlös von 2% Mil­lionen Reichsmark brachten. Die Fortführung der Deut­schen Nothilfe in ihrer bisherigen Form wurde beschlossen.

pstiiische AzmKschau.

Deutsches Reich.

Vollendung des Mittellandkanals.

. Eine Besprechung zwischen dem Reich und den am Mittellandkanal beteiligten Ländern hat zu dem Ergebnis geführt, daß alle Beteiligten über einen im Rahmen des Arbeitsbefchaffungsprogramms auszu- führenden Bauplan einig geworden sind. Die sog. Mittel­linie, die in ziemlich gerader Linie von Hannover bis Magdeburg führt, soll vollendet werden. Es sind verschiedene Seitenkanäle nach Braunschweig, Bern­burg, Staßfurt und eine Abzweigung nach Riegripp be­schlossen worden. Mit dem Bau des Mittellandkanals ist bereits 1904 begonnen worden; der Plan wurde jedoch in letzter Zeit durch Geldmangel in der Durchführung ge­hemmt.

Das Ehrenmal im Rhein.

Bei einer Besichtigung der Rheininseln bei L o r ch, zu der die Landeshauptleute und Oberpräsidenten der Weinprovinz erngeiaven hatten und an der-sich die Ver-