Einzelbild herunterladen
 

SersMer Tageblatt

Anzeigenpreis Jür die einspaltige PelOzeile 15 Plg. die kemaMWslle 50 Pfg, (Grundsdirifi Korpus). Bei Wiederholungen fiatiab. + Für die Schrifi- lellung 'Deraulwortlfdi Franz Funk in Bersfeld. Fcrnlpredier Nr. 8.

yersfelüer Kreisblatt'

Amtlicher Mzeiger Mr den Kreis yersfelü

Der Bezugspreis belrfigl durch die Pols bezogen monatlich I Mk., aussddW. Beltellgeld, kür ßersfdd L ffife. bei freier Zustellung, Abholer biidEOiq Funks

--.80 M° ^ 8mck und Verlag non budwiq Funk 8nckSwch«M w Berefsid, (httgSed des wZV.

Rr. 173

Zwischen zwei Völkern.

Eine sehr interessante Mitteilung kommt aus dem Elsaß: in Schlettstadt hat der Stadtrat beschlossen, alle nach dem Waffenstillstand den Straßen gegebenen franzö­sischen Namen abzuschaffen und durch die früheren deut­schen Namen zu ersetzen. Dort wie in anderen elsässischen Städten hatte man ja, als 1918 dieBefreier" einrückten, nichts Eiligeres zu tun, als eine ganze Reihe von Straßen nach französischen Generalen oder französischen Schlacht- orten umzubenennen. Überall tauchte der Name der Ge­nerale Foch und Joffre aus, wurde in Reims und Verdun verewigt aber auch die Franzosen selbst sorgten dafür, daß die alten deutschen Namen verschwanden, genau so, wie ja auch die deutschen Denkmäler überall im Elsaß, selbst auf den Schlachtfeldern von 1870, zerstört wurden.

47 Jahre hindurch hat man alljährlich den Statuen des Elsasses und Lohringens in Paris Huldigungen darge­bracht, bis sich das Sehnen 1918 erfüllte, bis dieuner- lösten Provinzen" an Frankreich kamen, aber man ist dieses Geschenkes nicht recht froh geworden. In Frank­reich bezeichnet man den Lothringer alstete carree", zu deutsch als Q u e r k o p f, und die Dickköpfe haben nun auch unter französischer Herrschaft bewiesen, daß sie genau so starrsinnig geblieben sind, wie sie es unter deutscher Herrschaft waren. Der Beschluß von Schlettstadt bedeutet geradezu einen offenen Konflikt.

Schon feit Monaten geht der u n v e r h ü l l t e K ainpf zwischen der Pariser zentralistischen Regierung und den Autonomisten im Elsaß. Die meisten der Protestier und Eigenbrötler, die wir aus der deutschen Zeit her kennen, wenden sich jetzt mit großer Schärfe gegen die Französierungspolitik von Paris, wollen sich das Eigenleben des Elsasses nicht ersticken lassen. In diesem Lande ringen aufs heftigste deutsches Volkstum gegen französische Propaganda. Wir wollen nicht vergessen, daß im Elsaß erst unter Napo­leon III. die Hinneigung nach Frankreich in das Volk hrn- eindrang, daß dieses Land 180 Jahre hindurch fast ab­solut deutsch dachte und fühlte, bis es durch die Fürsorge- tätigkeit der Pariser Regierung gewonnen wurde.

Man hat fifl ia..&raiarfcü^^

der franzosenfreundlichen Bewegung im Elsaß, die ja be­sonders dadurch gestärkt wurde, daß dieses Land ganz besonders unter dem Kriege zu leiden hatte, weil es un­mittelbarer Kriegsschauplatz war. Da kamen die Franzosen als Erlöser aus diesem Leiden und wurden als solche gefeiert. Doch als es nun wieder Alltag wurde, da wollte das Elfaß nicht einfach zur französischen Pro­vinz werden, während man doch in Paris glaubte, daß das Elsaß nichts heißer ersehne, als französisch zu werden. Frankreich ist das Land des Zentralismus, Paris ist alles, die Provinzen sind nichts, sind nur Verwaltungsbezirke ohne Eigenleben. Ein anderes kam dazu: das ist das Verhältnis von Kirche und Staat, wie es in Frankreich seit Anfang des 20. Jahrhunderts bestand und nun auch auf das Elsaß übertragen werden sollte. Bekannt ist, daß aud) in neuester Zeit wieder einmal ein besonders heftiger Konflikt mit dem Vatikan ausgebrochen ist, und infolgedessen war eine der Quellen, die zu der jetzigen Autonomiebewegung führten, die Ein­führung der antikirchlichen französischen Gesetzgebung im Elsaß. Bezeichnend ist, daß in dieser Bewegung daher die katholischen Geistlichen eine sehr erhebliche Rolle spielen, wie sie übrigens in der deutschen Zeit gleichfalls politisch führend gewesen sind.

Hinzu kommt noch der Reflex gewisser Bewegungen in Frankreich, die man als sogenanntenRegionalismus" bezeichnet rinb die eine stärkere Betonung des Eigen­lebens der Provinzen im Auge haben. Diese Bewegung grundsätzlicher Art hat auch in der Deputiertenkammer recht zahlreiche Befürworter gefunden, und dabei ist es gerade die Linke, die diese Bestrebungen unterstützt. Das haben sich die Elsässer zunutze gemacht und daher für die Autonomiebewegung in der Kammer manche Unterstützung gefunden.

Die Stärke dieser Bewegung ist so erheblich, daß sie von den Franzosen gar nicht mehr geleugnet wird und bereits zu scharfen Gegenmaßnahmen geführt hat. Aufrufe sind erschienen, die eine e l s ä s s i s ch e Heimatbewegung proklamierten, Zeitungen, wie z. B. die in Zabern erscheinendeZukunft", haben sich in Den Dienst dieser Sache gestellt. Von französischer Seite wurden, wo es nur irgend möglich war, jene Beamten deutscher Abstammung, die sich an dieser Bewegung be­teiligten, disziplinarisch bestraft. Dieses Land hat eben das Schicksal zwischen zwei Kulturen gestellt, zwischen zwei Völker, und hat dieses Schicksal als eine Aufgabe be­trachtet. Jetzt zeigt sich die herbe Seite dieser Bestimmung. Gegen Deutschland hat man sich gewehrt, jetzt muß man sich auch gegen Frankreich wehren.

*

Das Manifest -es Keimatbundes für Elsaß-Lothringen In einem Manifest, das der Heimatbund für Elfaß- Lothringen verteilen läßt, heißt es nach einer Depeiche des Journal" aus Straßburg u. a.: Elsaß-Lothrrngen den Elfässern und Lothringern! Andernfalls würden wir nur noch als Fremde in unserem eigenen Lande betrachtet werden. Unsere Sprache, unser Geist, unsere Gewohn­heiten und selbst unsere Architektur beweisen dre große Verschiedenheit zwischen dem französischen und dem elsaß- lotbrinaifdien Volke.

Dienstag, den 27. Juli 1826 76. Jahrgang

Sriiheil mnB

pointarSs Ganierungspläne.

Vorläufig keine Frank stabilifierung.

Ministerpräsident Poincard hat fortlaufend Beratun­gen im Finanzministerium über die neuen Finanzpläne Der Regierung. An Einzelheiten wird über diese Pläne setzt bekannt, daß die Regierung eine Erweiterung des Budgets um vier bis fünf Milliarden Frank beantragen wird. Dieser Betrag soll zur Ausgleichung des Budgets sowie zur Amortisierung der Schulden verwendet werden.

Weiter wird die Legierung von der Kammer die Boll- macht verlangen, auf dem Berordnungswege weitere Ein- schränkungsmaßnahmen der öffentlichen Verwaltung onrchzuführen. Es wird darauf hingewiesen, daß es sich hierbei nicht um SpezialvMmachten für die Regierung handeln könne, wie sie Caillaux gefordert habe. Ferner wird die Regierung der Kammer die Ratifizierung des englisch - französischen Schuldenabkommens vorschlagen. Das amerikanisch-französische Schulvenabkommen wird jedoch von der Regierung zunächst gar nicht erwähnt werden. Im Gegensatz zu den Finanzplänen Caillaux' wird in den Plänen der Regierung eine sofortige Stabilisierung des Franken nicht vorge­sehen sein. Der Ministerpräsident steht auf dem Stand­punkt, die in den letzten Tagen eingetretene Besserung des Frankkurses werde eine Fortsetzung erfahren, auch ohne daß die Finanzpläne der Regierung von der Kammer an­genommen worden seien. Nach den letzten Vereinbarungen zwischen der Bank von Frankreich und dem Finanz­ministerium steht der Regierung ein weiterer Betrag von 30 Millionen Dollar aus der Morgan-Anleihe zur Franl- stützung zur Verfügung. Ferner wird der Regierung die Absicht zugeschrieben, Krediwerhandlungen mit der hollän­dischen und der englischen Regierung aufzunehmen.

Aus der Umgebung des Ministerpräsidenten wird darauf jfeOiif^H^ yi ouf neuen Fütanzplüneu tu keiner Weise von einem Moratorium ober einer sofortigen Konsolidierung die Rede sei. Die Regieruna sei bestrebt,

Der Parteitag der Wirifchaßspariei.

Die Partei das Zünglein an der Wage im Reichstag.

In G ö r l i tz begann der sechste öffentliche Parteitag der Reichspartei des Deutschen Mittel standes (Wirtschaftspartei). Zahlreiche Parlamentarier, darunter auch Abgeordnete aus Österreich und den sudetendeutschen Ländern, sowie Delegierte aus allen Teilen des Deutschen Reiches hatten sich eingefunden. Der Parteivorsitzende, Reichstagsabgeord­neter DreWitz-Berlin, nahm bald nach der Eröffnung des Parteitages das Wort zu einem Vortrag über das Thema

Deutschlands Wiederaufbau

in wirtschaftlicher, kultureller und nationaler Beziehung. Der Redner wies darauf hin, daß die Reichspartei seit ungefähr 1% Jahren im Reichstag eine Fraktion geworden sei und als Zünglein an der Wage ausschlaggebende Bedeutung gehabt habe. Der Wiederaufstieg Deutschlands sei nicht möglich ohne einen zahlungsfähigen Mittelstand. Wenn es Deutschland nicht gelinge, das deutsche Volk vom Ausland in wirtschaft­licher Beziehung unabhängig zu machen, würden wir die Fesseln des Versailler Vertrages nie abschütteln können. Der Redner forderte dann die Aufhebung der staatlichen Zwangswirtschaft. Nicht foziale Fürsorge, sondern nur Belebung der Wirtschaft könne helfen, und diese Belebung könne nur eintrelen, wenn die Zwangswirtschaft und die übergroße steuerliche Belastung beseitigt seien. Besonders scharf wandte sich der Redner gegen die Um­satz st euer; an Stelle der vielen Steuerarten von heute müsse eine Einheitssteuer treten, dann werde auch der teure Verwaltungsapparat verkleinert werden. Weiter be­handelte der Redner die Stellung der Partei zur heutigen Staatsform. Die Deutsche Wirtschaftspartei, so betonte er, stehe auf dem Boden der Weimarer Verfassung, ohne dabei anzuerkennen, daß dieser Staat das Ideal sei; zu erstreben sei ein wirklicher Volksstaat. Zu erstreben sei ferner die Arbeitsdienstpflicht. Erst wenn alle wirtschaft­lichen Nöte beseitigt seien, könnte man sich auch einmal darüber streiten, welche Flagge die richtige sei, denn es komme nicht auf die Farben an, sondern aus den Fahnenträger, der die Flagge hochzuhalten habe. Nach der Rede des Parteivorsitzen­den behandelte

Reichstagsabgeordneter Pros. Dr. Bredt-Marburg

das Thema des deutschen Wiederaufbaus von der nationalen und kulturellen Seite. Die Mittelstandspartei, erklärte er, sei eine noch junge Partei, für die ein Zusammenschluß mit irgendeiner anderen Partei in dieser Stunde nicht in Frage kommen könne. Das Streben müsse darauf gerichtet sein, die führende Partei in einem großen Bürgerblock, der auf dein Boden des Privateigentums und der Privatwirtschaft stehe, zu werden. Die Wirtschaftspartei müsse den gesunden Gedanken einer Änderung der Weimarer Verfassung er­halten, namentlich den Gedanken, aus dem Parlamen­tarismus herauszukommen. Was die Flaggenfrage angche, so sei mit einer Volksabstimmung der Flaggenstreih in keiner Weise zu lösen. Die schwarz-weiß-rote Handelsflagge müsse geschützt werden. Der Red- ner setzte sich dann sehr warm für den Anschlutzgedanken ein und wies darauf hin, daß sich die Wirtschaftspartei liierst auf das jetzige Deutschland zu beschränken brauche, sie müße vielmehr an das gesamte Deutschtum Mitteleuropas den: a, au den Zusammenschluß mit den Deutschen t n Österreich, der Tschechoslowakei und Polen. Er begrüßte darauf die anwesenden österreichischen Vertreter sowie die beiden Abgeordneten des Präger Parlaments und betonte, daß der internationale Zusammenschluß vollzogen fei.

fidl selbst helfen

durch eine Politik des Vertrauens die ausgewanderten Ka­pitalien wieder zurückzuführen, ferner werde eine Neuaus- gabe von Bonds der nationalen Verteidigung zu erreichen sein, wodurch die Regierung die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt bekäme.

Reorganisation der französischen Amee.

Eine Rede Fochs.

Auf einem Bankett anläßlich des Kongresses der fran­zösischen Reserveoffiziere in Lille hat Marschall Foch eine Rede über die Organisation der künftigen französischen Armee gehalten und darin folgende-Grundsätze aufgestellt:

1. Das Friedensheer wird viel kleinere Effektiv- bestände besitzen als 1914, die Zahl der Armeekorps wird verringert werden, größte Sparsamkeit soll Platz greifen.

2. Das Kriegsheer wird sämtliche Hilfsquellen der Nation einfetzen und dadurch an Bedeutung gewinnen. Die Truppen der Friedenszeit werden durch Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Reserve verstärkt.

3. Sowohl das Kriegs- wie das Friedensheer werden eine den militärischen Bedingungen immer mehr und besser angepaßte vervollkommnete Waffe besitzen. Das Kriegsheer wird seinen Hauptwert durch die Reserve, ihre Quantität und Qualität erreichen.

*

Belgische Gparerlaffe.

Wie Pariser Blätter aus Brüssel melden, veröffentlicht der belgische Staatsanzeiger eine Reihe von Erlassen, dar­unter 1. Schließung der Gaststätten um 1 Uhr nachts; bei Übertretung ist eine Geldstrafe bis zu 1006 Frank vorgesehen, 2. die Regelung der Kohlen- ausfuhr, die dem Arbeitsminister überlassen werden soll; es sollen auch Höchstpreise für die Verkäufe im Innern festgesetzt werden. Die Erlasse sehen weiter einen Kosten- ausscyrag ritt Sporen ynungen vor, ferner das Verbot zwischen 2,30 und 6,30 Uhr nachmittags Mahlzeiten zn verabreichen.

Ä^iwtrcmfm^ von Mairosen.

141 leichtere Fleischvergiftungen.

Wie aus Wilhelmshaven gemeldet wird. sind auf dem LinienschiffHannover" mehr als 100 Matrosen an Ver­giftungserscheinungen erkrankt. Als Ursache wird ver­dorbenes Fleisch angenommen. Die Polizei hat eine Untersuchung eingeleitet. Nach einer weiteren Meldung beträgt die Zahl der wegen Vergiftungserscheinungen ins Marinelazarett eingelieferten Matrosen 141. Es handelt sich durchweg um Fälle leichterer Natur; von den er­krankten Matrosen haben nur etwa 20 noch Temperatur, Lebensgefahr besteht in keinem einzigen Falle, überhaupt kann die ganze Massen,Vergiftung, die auf den Genuß von rohem Hackfleisch zurückzuführen ist, als abgeklungen an­gesehen werden. Man hofft, daß schon in den nächsten z Tagen sämtliche Matrosen wieder dienstfähig sein werden.

KirchsKstreik in Mexiko.

Gegen die Kirchengesetze von Calles.

Der mexikanische Episkopat erließ einen Hirtenbrief, nach dem vom 1. August ab alle kirchlichen Handlungen, bei denen priesterliche Mitwirkung erforderlich ist, ein­gestellt werden. Der Erzbischof Moray bei Nio von Mexiko nebst 7 Erzbischöfen und 29 Bischöfen protestiert gegen die Kirchenregulative, welche ein Verstoß gegen die mexikanische Verfassung genannt werden. Der Hirten­brief legt die bisherige Haltung des päpstlichen Stuhls gegenüber Mexiko dar und betont die friedliche Haltung der Kirche trotz der schweren bisherigen Verfolgungen. Die Zuspitzung des neuenKulturkampfes" kommt mit aller Deutlichkeit in dem Hirtenbrief zum Ausdruck, in dein erklärt wird, daß jeder, der sich an der Durchführung des neuen kichenfeindlichen Gesetzes beteiligt, exkommuniziert werden soll. In erster Linie richtet sich diese Drohung gegen die Regierung und den Präsidenten Calles persön­lich, aus dessen Initiative das Gesetz zurückgeht.

Präsident Calles erließ Ausführungsbestimmungen zu dem in der Verfassung verfügten Verbot des Religions­unterrichts in Privatschulen. Danach darf kein Geistlicher Leiter oder Lehrer von Privatschulen sein. Ebenfalls ver­boten sind in solchen Schulen Kapellen, Betsäle, religiöse Bilder und andere Gegenstände religiösen Charakters. Bereits jetzt sind durch die Polizei religiöse Embleme, Heiligenstatuen und dergleichen von den Marktplätzen ent­fernt worden, da die Regierung erklärte, daß derartige Gegenstände nicht öffentlich ausgestellt werden dürfen. Der Auszug von Mönchen, Nonnen und Geistlichen aus dem Lande hält an. Teilweise planen sie die Errichtung von Schulen auf dem Boden der Vereinigten Staaten nahe der Grenze. Die zurückbleibenden Priester tragen bereits beinahe ausnahmslos Zivilkleidung. Selbst der Erzbischof von Mexiko und der Sekretär des mexikanischen Episkopats und der streitbare Bischof von Tabasco, ein Vollblut- indianer, haben die Priestergewänder abgelegt. Der Bischof, ist zur gerichtlichen Vernehmung vorgeladen, da