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Kersklöer Tageblatt

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Anzeigenpreis für die einspaltige Petlizelle 15 Ph. die Relilarsezelle 50 Pfg, (Grundschrift Korpus). Bei Wiederholungen DädM. + Für die Schriff- : leitung Dsrantecrtlid; Franz funk in Bersieid.

Ferolpredier Nr. 8.

yersfel-er Kreisblatt'

Amtlicher /tauiger für den Kreis Hersfelö

Der Bezugspreis beträgt durdi die Poä bezogen tnonailidi 1. Mk., ausscbliey'. Bestellgeld, für ßersfeld 1. MK. bei freier Zultellung, Abholer .80 MK. * Druck und Verlag non hudmig Funhs KuckürucksrÄ in Bersfeld, fflitgfied des VDZV.

Rr. 172

Montag, den 26. Juli 1926

76. Jahrgang

Kleinigkeiten!

Von einem politischen Mitarbeiter wird uns zum Abrüstungsproblem geschrieben:

Nun soll dasNein" doch einJa" fein, jenes Nein" nämlich, das der britische Außenminister aus- sprach, als er befragt wurde, ob der Stand der deut­schen Entwaffnung ein befriedigender sei. Jetzt versichern nämlich amtliche Auslassungen und offiziöse Zeitungen in London, das wäre alles nicht so gemeint, Chamberlain habe nur Kleinigkeiten im Auge gehabt, während im großen und ganzen einJa" als Antwort hätte erfolgen können. Also: im allgemeinenJa", im besonderenNein".

In der großen Komödie,Abrüstung" überschrieben ist dieser Vorgang nur ein kleines lustiges Intermezzo. Die deutsche Regierung sprach durch die Zeitungen ihr Erstaunen und ihr ernstes Befremden über diese englische Erklärung aus, und da wurde die Regie­rung in London etwas bedenklich ob ihrer Offenherzig­keit, die in einem recht unglücklichen Augenblick zutage ge­treten war. Außerdem hatte man deutscherseits verlangt, zu wissen, inwiefern und wieso denn diesesNein" be­rechtigt sei. DieTimes" betonen jetzt in einem Leit­artikel selbst, es handele sich nur um Kleinigkeiten wo­bei und wodurch übrigens gleichzeitig die in Deutschland viel verbreitete Meinung endgültig zerstört wird, die eng­lische Regierung sei über das jüngste Vorgehen des Generals Walch nicht unterrichtet gewesen; denn die in derTimes" herangezogenenKleinigkeiten" decken sich inhaltlich mit den Forderungen jenes Vorsitzenden der Interalliierten Kontrollkommission. Man hat nämlich in London zuerst versucht, um diese Tatsache einen ziemlich dichten Nebel zu verbreiten, nicht ohne Erfolg. Aber jetzt ist durch das unvorsichtigeRein" dieser Nebel z e r st r e u t worden.

Inzwischen ist ja auch ein anderes Kapitel der Ab­rüstungsfrage sang- und klanglos zu Ende gegangen, die Arbeit des Unterausschusses nämlich, der seit langen Wochen in Genf die Abrüstungsfrage behandelte. Vor- fichtigerweise war von vornherein betont worden, daß er nur zur Vorbereitung einer späteren offiziellen Bearbei- tung dieser Frage eingesetzt sei um, wir haben ja er» lebt, was dabei herauslam. mengte, loeiut.M^t noch «ee? niger, die Feststellung nämlich, daß sich auf diesem Wege wohl überhaupt nie etwas wird erreichen lassen. Die Entente begnügt sich damit, ihr Kriegsziel mili­tärische Ohnmacht der Mittelmächte er­reicht und verewigt zu haben. Alle deutschen Anträge werden abgelehnt; gleichzeitig wird erklärt, daß zu den Kriegsrüstungen die militärisch ausgebildeteu Reservisten nicht gehören; aber in Deutschland wird das Vorhandensein angeblicherWehrverbände" als Verstoß gegen die Ver- sailler Bestimmungen getadelt, also als heimliche Kriegs­rüstung betrachtet. Nicht in Deutschland, wohl aber in den Ententeländern wird das Vorhandensein einer Kriegsindustrie als unerheblich bezeichnet; uns aber wirft man immer noch vor, daß es bei uns Fabriken gäbe, die sich umgehend auf die Verfertigung von Kriegsmaterial umstellen könnten: dasbeweise" ja die deutsche Lieferung von Torpedobootsdampfkesseln an irgendeinen füdameri- kanischen Staat.

Wir betrachten diese Dinge mit einem gewissen Gal­genhumor, weil wir ja wissen, daß das alles Komödie­spielen ist, dieser Hinweis aufvertragliche Bestimmun­gen". Weil wir wissen, daß doch nur die brutale Macht es ist, die auf uns lastet. Und wenn in London plötzlich aus dem Nein ein Ja wird, wenn man z. B. auch die Ent­scheidung jenes Ausschusses in Genf, der bei der letzten Völkerbundtagung die Frage nach der deutschen Abrüstung bejahte, hiernach wieder alsnicht entscheidend" bezeich­nete, so paßt das alles recht gut zusammen. Die Inter­alliierte Kontrollkommission wird schon dafür sorgen, daß Kleinigkeiten" immer vorliegen, wird so lange dafür sorgen, bis auch die allgemeine Abrüstung einsetzt, also bis zum St. Nimmermehrstage! ^.^

Die deutsche Abrüstung.

Offiziöse Auslassungen.

Nach einer Meldung des Londoner Havasvertreters ist man in gut unterrichteten englischen Kreisen der Mei­nung, daß die deutsche Regierung der Jnteralluerten Miü- tärkontrollkommission über gewisse Punkte noch keine be­friedigende Erklärung abgegeben habe, wenn auch die deutsche Abrüstung auf gutem Wege fet. Der Havasver- treter will wissen, daß die Beanstandungen sich insbeson­dere auf folgende vier Punkte beziehen: .

1. Alls die Effektivstärke der Polizei, die sich auf 150 000 Mann belaufe und die Deutschland gern erhöhen möchte. .. ,

2. Auf das Kriegsmaterial, soweit es die Emfuhr und Ausfuhr von Waffen und Munition betreffe. In diesen Punkten habe Deutschland sich noch Nicht dem Standpunkte der Alliierten ««geschlossen.

3. Auf die Rekrutierung. Dw Alliierten wünschten mehr Garantien bezüglich der Bildung von Reserve- regimentern. -

4. Auf die Zusammensetzung des Generalstabes.

Der Havasvertreter fügt hinzu, daß diese Haupt- fragen Gegenstand der Besprechungen zwischen der -vSit.ft.er-

Ir. Bei iia das deseM Sediet

Kritik und Forderungen.

Der Reichsminister für die besetzten Gebiete äußerte sich einem Pressevertreter gegenüber über die aktuellen politischen Fragen seines Ministeriums ungefähr wie folgt:

Im besetzten Gebiet sind heute gewisse Fortschritte er­zielt. Namentlich ist in dieser Beziehung die restlose Be­seitigung des Delegiertensystems hervorzuheben. Auch die Zulassung des Rundfunks möchte ich nicht unerwähnt lassen. Schließlich ist auch das Reichskommissariat für die besetzten rheinischen Gebiete in Koblenz seit Dezember 1925 wieder in Tätigkeit.

Ich will keinen Zweifel darüber lassen, daß ich, wie jeder Politiker der Verständigung, die baldige gänzliche Beseitigung der Besetzung als eine logische Folgerung der neuen Politik vertrete.

In förmlicher Weise hat uns die Botschafterkonferenz im November 1925 eine wesentliche Herabsetzung der Be­satzungsstärke auf annähernd die normalen Ziffern zu­gesagt. Der Begriff der normalen Ziffern hat nur den Sinn, daß die deutsche Friedensorganisationsstärke in dem betreffenden Gebiet zugrunde gelegt wird, d. h. eine Stärke von höchstens 50 000 Mann. Diese Auslegung hat die französische Regierung widerspruchslos hingenommen. Tatsächlich stehen aber im besetzten Gebiet heute noch rund 85 000 Mann.

Die Handhabung der Militärjustiz hat sich in manchen Fällen gebessert. Die Einschränkungen der Ver­sammlungsfreiheit, der Vereinsfreiheit und der Presse­

alliierten Militärkontrollkommission und der deutschen Regierung sei. Man betont in London, daß die Verfeh­lungen nicht schwerer Art seien und daß man hoffen könne, über kurz oder lang eine befriedigende Regelung zu erzielen.

Von offiziöfer deutscher Seite wird zu diesen Aus­lassungen bemerkt: Die Auffassung, daß es sich in der Frage der deutschen Abrüstung jetzt lediglich noch um die Abwicklung technisch-militärischer Angelegenheiten handle, entspricht auch der hiesigen Ansicht. Über die wenigen «och mu«

Note der Botschafterkonferenz vom 4. Jum v. I. wird zur­zeit sowohl in Paris als auch zwischen der I. M. K. K. und den in Frage kommenden deutschen Stellen ver­handelt. Hierzu gehören auch die in der Havasmeldung angedeuteten Punkte, wobei zu bemerken ist, daß es sich auch hier nur noch um Erledigung einiger technischer Detailfragen handelt. Es besteht alle Aussicht, daß alle diese Fragen ohne größere Schwierigkeiten bereinigt wer­den können.

Die Pläne der Regierung Pomcare.

Neue Steuern und Abgaben.

WiePetit Parisien" mitteilt, werden die ersten Pläne Poineares u. a. die Umgestaltung der bestehenden Steuern und die Schaffung neuer Abgaben enthalten. Die Regierung glaubt, ihre Verabschiedung innerhalb zweier Wochen herbeiführen zu können, so daß etwa am 10. August das Parlament in die Ferien gehen könnte.Petit Pari­sien" glaubt nicht, daß Poincars und seine Mitarbeiter von der Kammer Vollmachten verlangen werden, da sie angesichts der großen Mehrheit in der Kammer und der fast einmütigen Unterstützung durch den Senat sicher seien, ziemlich rasch die Verabschiedung der in Aussicht genom­menen Pläne zu erreichen.

Wie dasJournal" mitteilt, hat PoincarS die Ab­sicht, einen Gesetzentwurf einzubringen, durch den die Wahlperiode der beiden Parlamente um zwei Jahre ver­längert wird. Diese Maßnahme soll den Zweck haben, während drei bis vier Jahren eine Zeit der inneren Ruhe für den finanziellen Wiederaufbau zu fchaffen.

AmerilanWer Reiseboykott gegen Frankreich?

Obgleich Depeschen über zahlreiche Kundgebungen gegen Amerikaner in Paris berichten, haben sich die New- horker Blätter auf kommentarlose Wiedergabe der Tat­sachen beschränkt. Jetzt hat indessen, derWashington Post" zufolge, Senator Reed erklärt, daß solche Ausschrei­tungen gegen Amerikaner unberechtigt seien. Er habe hin­zugefügt, daß er einen Boykott Frankreichs durch Touristen vorschlagen werde, wenn diese ame- rikafeindlichen Kundgebungen andauern würden. Ein sechsmonatiger Boykott werde Frankreich beweisen, daß es unsinnig sei, solche Ausschreitungen gegen eine Nation zu verüben, die nichts als Freundschaft und Wohlwollen für Frankreich empfinde. Senator Reed hat während des Krieges sechs Monate in Frankreich gedient und bei den Erörterungen über die Schuldenregelung eine hervor­ragende Rolle gespielt.

Die amerikanische Botschaft und alle anderen Ge­bäude der Vereinigten Staaten in Paris werden durch ein großes Aufgebot von Polizeimannschaften geschützt. Die kommunistische Presse hat zu Demonstrationen gegen die Amerikaner ausgefordert, weil die beiden Anarchisten Sacco und Vancetti wegen Mordes an einem Kassierer in Newhork hingerichtet werden.,......- r^,-.^

freiheit in den Ordonnanzen gehen viel zu weit und müssen wesentlich gemildert werden. Wiederholt habe ich den Geist der Verständigung angerufen. Dieser Geist muß aber auf beiden Seiten herrschen. Die tief bedauer­lichen Ausschreitungen einiger Besatzungsangehöriger, zu­mal in allerletzter Zeit, haben diesen Geist sehr vermissen lassen.

Die Handhabung der Strafjustiz.

Dann kam der Minister auf den Aufgabenkreis der Reichsjustizverwaltung zu sprechen, dessen eigentlich un­politischen Charakter er nachdrücklich betonte. Die Hand­habung der Strafjustiz und insbesondere der politischen Prozesse bilde aber den Gegenstand leidenschaftlicher Er­örterungen in den Parlamenten und in der breiten Öffentlichkeit, was für die Reichsjustizverwaltung ein Gegenstand ernster Sorge sei. Der Minister betonte, daß allgemeine Vorwürfe in dieser Beziehung nicht begründet seien. Es handele sich nur um einzelne richterliche Fehl­urteile, und es wäre gegenüber der Gesamtheit des Richterstandes ein schweres Unrecht, wenn man diese Einzelerscheinungen verallgemeinern wollte. Selbstver­ständlich habe der Richter den Staat anzuerkennen, wie er ist; aber ebenso selbstverständlich fei damit ein Gewissens­zwang für den Richter nicht verbunden, er stehe vielmehr in seinem Amte unter dem Schutze der Verfassung, die die Unabhängigkeit dieses Amtes gewährleiste. An dieser Unabhängigkeit dürfe nicht gerüttelt werden.

Dis Durchführung des ArH§iish§schaffuugSprsgramms.

Besprechungen mit den Ländern.

Im Reichsarbeitsministerium fanden über das Pro­gramm der Reichsregierung zur Bekämpfung der Arbeits­losigkeit Besprechungen mit den Vertretern der Landes­regierungen statt.

Eingehend erörtert wurde die Verwendung bei 100 Millionen Reichsmark, die der Reichsfinanzminister nach den Beschlüssen des Reichstages zur Versiurrung ver bisherigen Reichsmittel für die produktive Erwerbslosen- fürsorge zur Verfügung gestellt hat. Da dieser Betrag auf dem Anleihewege aufgebracht werden soll, muß seine Verwendung für produktive Anlagen unbedingt sicher- gestellt sein. Die Arbeiten, die aus diesem Fonds geför, dert werden, sollen in Bezirken vorgenommen werden, die besonders unter Arbeitslosigkeit leiden. Für die Hingabe der Darlehen, die Reich und Länder für diese Arbeiten gewähren, sind gewisse Erleichterungen in Aussicht genom­men. Außerdem soll es in Zukunft auch möglich fein, aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge öffent­lichen Körperschaften für Anleihen, die sie für umfang- reiche Notstandsarbeiten von besonderem volkswirtschaft­lichen Wert selbst annehmen, eine Zinsverbilligung zu gewähren.

*

Weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit in Berlin.

Die Krise auf dem Arbeitsmarkt nimmt weiterhin ihren Fortgang. In der letzten Woche ist die Zahl der Arbeitsuchenden um rund 1300 Personen gestiegen. Die Gesamtzahl beträgt demnach 278195 Personen.

Es waren 278195 Personen bei den Arbeitsnach­weisen eingetragen, gegen 276 917 der Vorwoche. Darunter befanden sich 177 833 (177 409) männliche und 100 326 (99 508) weibliche Personen. Unterstützung bezogen 136 523 (136 678) männliche und 71375 (70 427) weibliche, insgesamt 207 898 (207105) Personen. Außerdem wurde noch an 32111 (31931) Personen Erwerbslosenhilfe ge­zahlt und 3722 (3860) Personen bei Notstandsarbeiten beschäftigt.'

HochkoumuMr im Ruhrbergbau.

Folgen des englifchen Streiks.

Die Geschäftserfolge des Ruhrbergbaues im Zu­sammenhang mit dem englischen Bergarbeiterausstand machen weitere Fortschritte. Bergarbeitereinstellungen und überschichten (Harpen) sind an der Tagesordnung. Seit Anfang Juni sind auf den Schachtanlagen in Castrop und Rauxel insgesamt etwa 600 Bergleute eingestellt worden. Die Erwerbslosenzahl hat sich dadurch bei den zuständigen Arbeitsnachweisen um 11 % vermindert. Auch der staatliche Bergbau in Recklinghausen will zu größeren Neuanlagen übergehen. Die Zeche Brassert in Mark (Rheinische Stahlwerke) sucht zu einer größeren Steige­rung der Förderung zu kommen, um neben ihren indu­striellen Verbrauchern auch die neuerdings auf dem süd­deutschen Kohlenmarkt (Landwirtschaft) aufgetretene starke Nachfrage nach Gasflammkohlen, besonders nach Brassert- kohle, befriedigen zu können. Auch hierzu bedarf es größerer Neueinstellungen.

Auf der Zeche Alte Haase, die in den Besitz der Ver­einigten Elektrizitätswerke Westfalen übergegangen ist, herrscht ein reger Betrieb. Die auf das modernste ein­gerichtete Zeche kann kaum der Nachfrage nach Mager-- kohle genügen. A " -