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HersfelöerTageblatt

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Hersfel-er Kreisblatt'

Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfelö

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Nr. 167

Dienstag, den 20. Juli 1926

76. Jahrgang

Leichte KoWEmbefferung?

Von einem Mittelstandspolitiker gehen uns folgende Ausführungen zu-

Die Frage 1 s Tages ist: Wann werden die uner­träglichen Wirtst afts- und Geldverhältnisse besser? Man schaut erwartungs- und spannungsvoll nach allen An­zeichen aus, um endlich denSilberstreif" sich verbreitern zu sehen. Wie weiland den Dollarstand, verfolgt man angestrengt bie Erwerbslosenzahlen und andere Kon­junkturmaßstäbe und zieht Schlüsse, die zwischen Opti­mismus und Pessimismus hin und her wechseln. Man hört nun von den Großbanken, aber auch von Regie- rungsseite aus wieder einmal, daß man vor Eintritt einer leichten Sorijimtturbefferung stehe. Trifft dies aber auf alle Teile der Wirtschaft zu?

Der Großhandelsindex ist erst in letzter Woche ein wenig gefallen. Konjunkturzahlen melden eine leichte Besserung der Börsen- und Jndustriekonjunktur. Un­zweifelhaft ist, daß sich ein Gedeihen der Industrie in ver­mehrter Arbeitsgelegenheit, mithin in größeren und leich­teren Kaufmöglichkeiten auswirkt. Im Zeitalter der Ma­schine gilt dies aber nur bedingt auf den Arbeitnehmer, denn wir haben z, B. von Dezember an stark gestiegene Arbeitslosenzahlen, aber dabei doch eine gesteigerte aktive Handelsbilanz, also gesteigerte Produktion. Die Er­werbslosenzahlen sind trotzdem von 673 000 am 1. De­zember 1925 auf ca. 2 Millionen am 1. Februar 1926 ge­stiegen, die Aktivität der Handelsbilanz hat sich jedoch von einem Minus von 65 Millionen im November auf ein Plus von 121 Millionen im Februar gesteigert und im März 278 Millionen erreicht, obwohl in diesem Monat bei den Erwerbslosen nur ein geringer Abgang zu ver­zeichnen war. Durch die Nationalisierung ist eben die menschliche Arbeitskraft durch die Ma­schine ersetzt und erst dann werden Wiedereinstel- lungen erfolgen, wenn der vergrößerte Bedarf Neu- unfujiÜbungen ganz oe;onoers solcher Prooutre nötig macht, die viel Handarbeit fordern. Erfahrungsgemäß fetzt im Herbst ein Rückgang des Arbeitsmarktes ein, der in diesem Jahre durch Arbeitsmöglichkeiten infolge der Maßnahmen der Regierungen ausgeglichen werden kann, obgleich sich derartige Maßnahmen nur langsam auszu- wirken pflegen. Gerade dies unterscheidet die heute vor­liegende Situation so bedenklich von den großen Arbeits­losenkrisen in und nach der Inflation, daß sie ihrer Dauer nach katastrophal ist. Die früheren Krisen wur­den durch Scheinkonjunkturen schnell abgelöst, die teils durch ungerechtfertigt großen Optimismus nach der Sta­bilisierung, später durch Auslandsgelder hervorgerufen waren und bald verschwanden. Diesmal handelt es sich aber um Schaffung einer festen und gesunden Basis, die später unsere Wirtschaft tragen kann, und soweit sich Dinge voraussagen lassen, ist die heute gewonnene Basis im Unterschied zu früheren Versuchen gut.

Einzelhandel und Handwerk klagen außerordentlich, denn deren Umsatz hängt van der Kaufkraft der breiten Masse entscheidend ab. Auch hier ist der Rückgang der Zahl der bestehenden Unternehmen noch immer nicht ab­geschlossen, aber der Rückgang der Insolvenzen weist darauf hin, daß eine gewisse Gesundung eingctreten ist. Der Januar brächte den Höchstand mit 2092 Konkursen und 1553 Geschäftsaussichten. Diese enorme Zahl ist von Monat zu Monat zusammengeschmolzen, sie beträgt für den Juli nur noch 919 Konkurse und 482 Geschäftsauf­sichten. Dieser Rückgang wird weitergehen, aber lang­samer, es ist also eine gewisse Stabilität eingetreten, die darauf bafieirt, daß man bei der Kreditgabe vor­sichtiger geworden ist. Auf der anderen Seite wirkt aber mit, daß die Verminderung der Zahl der Ge­schäfte naturnotwendig einen Zustrom der Kunden der geschlossenen Geschäfte in die noch geöffneten bedingt, so daß ihr Umsatz größer ist, als es sonst der Fall wäre. Ferner ist unstreitig eine Gesundung der Moral insofern eingetreten, als nicht mehr so stark wie vor kurzem a u f Kosten der Lieferanten gelebt wird. Es waren Fälle bekannt, wo der Schuldner einen Eigenver­brauch von mehreren tausend Mark im Monat hatte, also auf sehr großem Fuße lebte, bis die Konkurseröffnung er­gab, daß so gut wie gar keine Masse vorhanden war. Die Abwehr solcher Unmoral ist so erfolgreich geworden, daß derartige Schädigung der Gläubiger schon aus Vorsicht vor gerichtlichen und geschäftlichen Nachteilen unterbleibt. Auch hier also eine Gesundung, aber eine nur allmählich einsetzende Hebung, die vielleicht noch Monate währt, ehe wir uns normale Zeiten zurückverdient haben.

Schwieriger liegen die Dinge in der Landwirt­schaft. Aber auch hier haben ernste Versuche eingesetzt, die Notlage zu heben und die äußerst verfahrenen Vechält- nisse fo zu bessern, daß die Landwirtschaft, deren Wich- tigkeit von allen maßgebenden Faktoren durchaus richtig eingeschätzt wird, existenzfähig bleibt. Die Getreidepreise haben sich nach dem Tiefstand im Herbst erholt und, soweit Mittel verfügbar sind, ist vorgesorgt, um die kommende Ernte zu finanzieren. Es sei u. a. aus die Stützungsversuche für die landwirtschaftlichen Pachter hingewiesen. Aber auch hier läßt sich nur von wreder- beginnender Gesundheit sprechen, aber noch nicht von be- ginnender besserer Konjunktur. Uns scheint, eineleichte

Die Krise in Frankreich

Herriot bei der Kabinettsbildung.

Hoffnungen und Schwierigkeiten.

Kammerpräsident Herriot hat sofort nach seiner Betrauung mit der Kabinettsbildung durch den Präsi­denten der Republik, Doumergue, die Verhandlungen mit den Parteiführern ausgenommen. Sein erster Versuch, eine Regierung auf breitester Grundlage zu bilden, die von den Radikalsozialisten bis zur Gruppe des ehemaligen Nationalen Blocks gehen sollte, ist an der Ablehnung des Rechtspolitikers Marin gescheitert. Auch die Sozialisten haben es abgelehnt, in ein Kabinett Herriot einzutreten, haben aber ihre Unterstützung in Aussicht gestellt, falls das Finanzprogramm der neuen Regierung ihrem Stand­punkt in dieser Frage näherkommen sollte als das Caillaux'. Trotzdem hofft Herriot, ein Kabinett zustande zu bringen, in dem er neben dem Posten des Minister­präsidenten auch das Portefeuille des Äußeren verwalten wird. Das wichtige Finanzministerium soll der Senator de Monzie erhalten. An bekannten Persönlichkeiten soll dem Kabinett außerdem Painlevö angehören, der das Kriegs- oder Unterrichtsministerium übernehmen soll.

Ein etwaiges Kabinett Herriot würden große Schwie­rigkeiten erwarten, da dieses Kabinett eine Sanierung der Währung nicht mit Hilfe ausländischer Kredite, sondern aus eigenen Kräften herbeiführen will. Hierbei denkt Herriot vor allem an eine Vermögensabgabe und Anziehung der E i n k o m m e n st e u e r. Es ist aber sehr fraglich, ob Herriot für diese Pläne eine Kammermehrheit haben wird, so daß, falls er wirklich diese Absichten zur Durchführung bringen sollte, sich kaum lange wird am Ruder halten können.

Äeunruylgung m Amerika.

Der Rücktritt des französischen Kabinetts hat in Washington große Besorgnis ausgelöst, die auch in der Presse zum Ausdruck kommt. ' Mit mehr oder minder scharfen Worten wird angesichts des Versagens der Kam­mer betont, daß Frankreich aus den deutschen Erfahrungen nichts gelernt habe und augenscheinlich den Leidensweg erst zu Ende gehen müsse, ehe es zur Vernunft komme. Im gleichen Maße wie der Pessimismus über die französische Lage wächst auch die Ablehnung der französischen Re­visionswünsche des französisch-amerikanischen Schulden- abkommens.Wenn Frankreich sich nicht selbst helfen will, wie kann es da erwarten, daß ihm andere helfen," äußerte ein führender Senator und gab damit, wie man in infor­mierten Kreisen glaubt, den Standpunkt der Regierung wieder.

Der ausgepfiffene Kammerpräsident.

Wohl die ganze Welt schüttelt über Frankreich den Kopf; am meisten tun das jene Länder, die selbst die Leiden der Inflation durchgekostet haben. Außerhalb Frankreichs, wo man die Dinge weniger vom innerpartei­politischen französischen Standpunkt aus sieht, hat wohl niemand geglaubt, daß sich das französische Parlament sträuben würde, dem Kabinett Briand-Caillaux die notwendigen unumschränkten Vollmachten zu «eben. um

Konjunkturbesserung" würde schon dann erfolgt sein, wenn Regierung und Parlament Hilfe fo schnell bereit­stellen würden, daß sie wirksam wird, sobald der Pegel Hochwasser meldet, nicht erst, wenn alles überschwemmt ist. O. I. S.

Dritter Verbandstag des Zenttalderbandes der Landarbeiter.

Der Zentralverband der Landarbeiter hielt in Berlin seinen dritten Verbandstag ab. Schriftleiter Heinrich B ö h m hielt einen Vortrag überVorschläge zur Lösung der Landarbeiterfrage". Er führte u. a. aus: In den Agrargebieten ist die Wohnungsfrage von größter Bedeutung. Es müssen nicht nur räumlich ge­nügend große Wohnungen gebaut, sondern auch die bestehen­den, teils sehr schlechten, Wohnungen verbessert werden. Die ungünstigen Wohnungsverhältnisse auf dem Lande in Ver­bindung mit dem von uns als überholt bekämpften Hof- gängersystem schließen große sittliche Gefahren in sich. Die rechtliche Stellung des Hofgängers muß insofern verbessert werden, als seine Arbeitsverpflichtung kein Bestandteil des Deputantenvertrages sein darf. Die Lohnarbeit der ver­heirateten Frau lehnen wir grundsätzlich ab. Unbedingt not­wendig ist eine systematische Berufsausbildung der landwirt­schaftlichen Arbeiter und die Schaffung von Aufstiegsmöglich­keiten.

Die Siedlung darf sich nicht dahin auswirken, daß länd­liche Arbeiter verdrängt werden. Bei der Unterstützung durch den Staat zur Förderung von Siedlungsbestrebungen müssen die landwirtschaftlichen Arbeiter in erster Linie berücksichtigt werden. Redner richtete an die Öffentlichkeit, den Staat und die Arbeitgeberschast die Mahnung, daß sie sich endlich abge­wöhnen müßten, die Landarbeiterschaft dauernd als Aschen­brödel des deutschen Volkes. anzusehen. .

durch Finanz- und Wirtschaftsmaßnahmen schärfster Art den Frank in seinem Sturz aufzuhalten. Es ist anders ge­kommen; umdie Rechte der Kammer zu retten", hat sich der Führer der Sozialistisch-Radikalen, Herriot,' zu­sammen mit den Sozialdemokraten und der Rechten zum Sturze Briands vereinigt. Und über dem Schütteln des Kopfes vergessen die anderen Länder nicht, wie überaus wirtschaftlich gefährlich die französische Regie­rungskrise und der neue Sturz des Franken auch für sie ist. Wenn so plötzlich, wie am Montag, ein Sturz des Franken um fast 30 Punkt? erfolgte, so heißt das nichts anderes, als daß der Frank auf einen Schlag nicht weniger als ein Sechstel seines Wertes verlor, ein Stoß also, wie er cher selig verflossenen deutschen Mark in den schlimm­sten Zeiten der Inflation kaum passiert ist.

Das wesentlichste Fundament einer Währung ist das Vertrauen auf ihre Festigkeit; den Rest dieses Vertrauens dürfte die letzte Krise völlig zerstört haben. Denn wenn ein rein parteimäßig eingestelltes Kabinett, wie etwa das des Ministerstürzers Herriot, das Steuerruder des Staats­schiffes in die Hand bekommen würde, so gibt es gewiß keinen Menschen in Frankreich, der die inneren Unmög­lichkeiten eines solchen Kabinetts nicht sähe. Und im Ausland dürfte man sie noch genauer sehen.

Die gleichen Erscheinungen, die währungspolitisch bei unserer Wirtschaft eintraten, werden sich beschleunigt auch in der französischen geltend machen; vor allem natürlich der Dnang nach der Devise. Genau wie bei uns wird aber die Inflation eine Kostenherabsetzung bei der innerfranzösischen Produktion weitgehend hervorrufen, so daß sich das Valutadumping trotz aller Goldkalkulation für die Ausfuhr in steigendem Maße geltend machen wird. Daß aber derartige -nslatisnistische Strömungen auch ver­nünftige Handelsvertragsverhandlungen ganz unmöglich machen, spüren wir nun schon fast zwei Jahre, weil die französische Produktion bei Fortdauer der Inflation immer weniger Interesse an normalen Handelsbeziehun­gen hat, weil ihr Export doch bei Fortbestehen des anor­malen Zustandes scheinbar profitiert. Noch ist jener Punkt nicht erreicht, bei dem dieser Profit infolge rasch steigender Inflation ins Gegenteil umschlägt; noch ist jener Punkt gleichfalls nicht erreicht, bei dem der Frank auch stm Inland als Zahlungsmittel seine GeltuNg ver­loren? hat, wie das bei uns im September 1923 der Fall war.

Tmbei war es doch gerade Caillaux gewesen, der wenigstens einen Teil der Schwierigkeiten durch sein SchuldencMommen mit England aus dem Wege geräumt hat, ein Schuldenabkommen, das unzweifelhaft einen französischen Sieg bedeutete; der Frank war daraufhin zeitweise etwas in die Höhe gegangen. Auch damit ist es jetzt vorbei. Auf dem üblichen parlamentarischen Wege wird man es kaum zwingen, und es ist ungemein be­zeichnend, daß Herriot, der Ministerstürzer, von den Parisern ausgepfiffen worden ist, als er zum Präsidenten der Republik fuhr. Darum ist es auch ziemlich gleich­gültig, welchen Charakter ein solches Kabinett tragen wird. Auf diesem Wege wird sich eine Lösung für die Dauer nutzt finden lassen; dazu ist es nun doch zu spät.

Es wurden dann einstimmig Entschließungen an­genommen, in denen es u. a. heißt:

Die christlich-nationale Landarbeiterschaft Deutschlands erwartet, daß seitens der Regierungen des Reiches und der Länder und seitens der ausführenden Behörden der Notlage der Landwirtschaft weitgehendst Rechnung getragen wird. Insbesondere ist zu fordern, daß bei Einziehung von Steuern mehr Rücksicht auf die Existenz der Betriebe und der in diesen beschäftigten Arbeitnehmer genommen wird, als das bisher geschehen ist. Tüe christlich-nationale Landarbeiterschaft er­wartet weiterhin, daß bei Verwendung der zur Milderung der Hochwassev- und Unwetterschäden zur Verfügung stehenden öffentlichen Mittel in erster Linie diejenigen Schäden reguliert werden, welche die ländlichen Arbeiter in ihren Eigenwirt­schaften erlitten haben."

Der Alkohol -er Kontrollkommission.

3000 Flaschen unverzollte Weine und Liköre.

Wir einigen Tagen sind in B e r l i n im Keller des Hauses, in dem sich die Interalliierte Kontrollkommission und ihre Kantine befindet, 3000 Flaschen unverzollte Weine mnd Liköre beschlagnahmt worden. Die Beschlag­nahme-erfolgte durch das Hauptzollamt Charlottenburg. Die unverzollten Waren wurden mit Lastautos abgeholt und zum Hauptzollamt Berlin-Packhof gebracht.

Der Leiter der Interalliierten Kommission, Gene­ral Walch, hat gegen die Beschlagnahme Einspruch er­hoben /mit der Begründung, daß der Wein nur für die Soldaten der Kommission bestimmt sei. Vorläufig steht noch nicht fest, ob die Beschlagnahme aufrechterhalten werden kann, da der Sachverhalt noch in tiefes Dunkel ge­hüllt ist. Erst die weiteren Untersuchungen des Hauptzoll­amtes werden,ergeben, ob es sich um eine Zollhinter- ziehrmg größerem Maßstabes zum Schaden des Deutschen Reiches, handelt.^ -------------------- . ------------.