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Kerskel-er Tageblatt

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Reisfelder Kreisblatt'

Amtlicher Mnzeiger für -en Kreis HersfelS

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Nr. 163 Donnerstag, den 15. IuU 1026 76. Jahrgang

Ultraviolett.

Eine neue deutsche Erfindung.

Der Hanauer Quarzlampen Gesellschaft ist es gelungen, einen Apparat zu konstruieren, mit dessen Hilfe es möglich ist, Falsifikate von Bank­noten, Briefmarken, Aktien und andere Verfäl­schungen leicht zu erkennen.

Bei dieser Hitze nun auch das noch!

Zwar die Sache, die von der Hanauer Quarzlampen- gesellschaft entdeckt ist, hat auch ihre Lichtseiten, wie das bei einer derartigen Gesellschaft ja auch felbstver- ständlich ist. Das ist wörtlich zu nehmen! Es sind näm­lich ultraviolette Strahlen, jene dem menschlichen Auge unsichtbaren Lichtreflexe, die höchstens von den Ameisen verspürt werden; aber sie, die Strahlen nämlich, wirken. So z. B. bei der Höhensonne, durch die man verjüngt wird, angeblich wenigstens. Und jetzt hat die Hanauer Gesellschaft einen Apparat konstruiert, eine Lampe näm- lich, die ultraviolette Strahlen aussendet und dadurch Fälschungen jeder Art leicht feststellbar macht. Wen? z. B. Urkunden gefälscht, Zahlen ausradiert und ver­ändert sind, wenn auf Aktien Fälschungen gemacht sind oder gar eineechte" Mauritius in den Handel gebracht wirdvorbei, vorbei, mein schönes Kind" kann man mit Heine sagen, die ultravioletten Strahlen bringen es an den Tag; kein Bankkassierer braucht mehr Angst zu haben, einem Grünenberg in die Hände zu fallen.

Wenn das ultraviolette Licht auf irgendwelche or­ganische Stoffe fällt, dann beginnen diese zu fluoreszieren, also zu leuchten, verschieden je nach der Zusammen­setzung der beleuchteten Stellen. Man kann Blut- unL sonstige Flecken, die dem bloßen Auge nicht mehr sicht­bar sind, wieder inErscheinung" treten lassen, kann die Herkunft von Fettflecken feststellen, sogar Fälschungen in Stoffgewebenbeleuchten". Es kommt immer darauf an, ob das Licht auf organische Stoffe trifft; werden aber un­organische Stoffe, also namentlich Metalle, beleuchtet, so bleiben sie dunkel. I e tz t w i r d d i e S a ch e k r i t i s ch. Man kann nämlich dadurch leicht feststellen, ob Zähne echt oder falsch sind. Aber nicht blon NOüchrUcb der Perlzähne" so mancher Schönen ist dtese^Jndiskretion möglich, sondern auch bei ihren Perlen. Die falschen fluoreszieren nämlich nicht, weil sie ja nicht die Ausschei­dung eines Lebewesens, sondern nur Kieselsäure sind. Was wieder die Juweliere und die Pfandleiher dankbar begrüßen werden. Weniger die Fälscher; für diese edle Zunft brechen überhaupt schlechte Tage an und sie wer­den erheblich grollen dem Benediktinerpater K ö g e l, der die Entdeckung machte und durcharbeitete. Und mit denecht englischen" Stoffen wird es wohl auch vorbei sein. Geschweige denn mit dem Versuch, den Un­erfahrenen Kunstseide an Stelle echter Produktion des Seidenwurms aufschwatzen zu wollen. Erst einmal her mit der Quarzlampe! Also für manche würdigen Zeit­genossen hat diese neue Lichtquelle ihre beträcht­lichen Schattenseiten, wenn man so sagen darf. Vor den Fortschritten der Technik ist eben nichts sicher!

Vor allem wird sich neben der K r i m i n a l p o l i z e i besonders die Medizin der neuen Entdeckung freuen; außerdem die Bakteriologie, deren Arbeit dadurch sehr erleichtert wird. So manches mag jetzt aufgeklärt wer­den, was bisher der Aufhellung spottete. Alles durch die ultravioletten Strahlen. Aber auch der Einbrecher wird, um keine Enttäuschung zu erleben, den Geldschrank erst einmal ultraviolett bestrahlen, um festzustellen, ob wirk­liche Wertpapiere darin enthalten sind oder der Geld­schrank wegen Mangels an Inhalt lichttot" bleibt. Man sieht also, daß jedes Ding seine zwei Seiten hat.

Wenn man nur nicht auf die Idee kommt, bei man­chenProminenten" des öffentlichen Lebens den Kops auf seinen Inhalt zu prüfen! Denn da würden die bösen Ultravioletten es vielleicht auch an den Tag bringen, daß dort weder organische noch anorganische Stoffe drinstecken, sondern gar nichts. , -

Abd-el-Krims VerbarmungsorL.

Die Insel R ü u n i o n.

Aus Paris wird a >n t l i ch mitgcieilt, daß A b d - e l - K r i m, der den Spaniern und Franzosen in Marokko so viel zu schaffen gemacht und dann, als er sich umzingelt sah, sich freiwillig den Franzosen ergeben hat, auf der Insel R 6 h n i o n interniert werden wird.

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Die im Indischen Ozean, 185 Kilometer südwestlich von Mauritius und 780 Kilometer östlich von Madagas­kar gelegene Insel Rüunion, der künftige Wohnsitz Abd-el- Krims, hieß vor der Französischen Revolution, als in Frankreich die Bourbonen regierten, Jle Bourbon und in der Napoleonzeit Jle Bonaparte. Gleich Mauritius ist sie 1505 von dem Portugiesen Mascarenhas entdeckt und nach ihm benannt worden. 1643 nahm ein Franzose im Namen Ludwigs XIV. von Madagaskar aus Besitz von der Insel. Von 1810 bis 1815 war sie in englischen Händen. Rüunion ist reich an Kratern, von denen einige, darunter der Volcan de la Fournaise, noch heute in Tätigkeit sind. Unangenehm sind auch die furchtbaren Wirbelstürme, die das Eiland mehreremal im Jahre heim-

Eine Pariser Konferem?

Herr von Hoesch bei Vriand.

Vorstellungen wogender letzten Noten.

Der deutsche Botschafter in Paris, Herr von Hoesch, hat mit Ministerpräsident Briand eine längere Unter­redung gehabt. In dieser Unterredung übermittelte der Botschafter dem französischen Ministerpräsidenten den Wunsch der deutschen Regierung, daß die Truppenbestände der Alliierten im Rheinland sobald wie möglich vermin­dert würden und wies gleichzeitig auf den Eindruck hin, den die letzten Noten der Interalliierten Militärkontroll­kommission in Berlin gemacht haben.

Nach französischen Blättermeldungen soll nunmehr der Inhalt der Noten Gegen st and von Verhand­lungen zwischen Berlin und Paris bilden. Es wurde auch von einer Konferenz in Paris gesprochen, in der die angeschnittenen Fragen endgültig geregelt werden sollten, bevor Deutschland in den Völkerbund ausgenommen würde. In deutschen Regierungskreisen werde, so teilen die Pariser Blätter weiter mit, versichert, daß die deutsche Regierung die Note als undiskutierbar zurückgesandt hätte, wenn deren Vorhandensein nicht durch eine I n;

zusuchen pflegen. Im übrigen aber ist Rüunion eine recht freundliche Insel mit gesundem Klima und herrlichen Tropenwaldungen; sie ist an den Küsten überaus frucht­bar und es gibt dort allerlei schöne Sachen in Hülle und Fülle, vor allem Zucker, Gewürznelken, Zimt, Kakao, Kaffee, Vanille, Bananen, Palmen, Kautschuk, Oliven, Reis, Mais, Tabak, Baumwolle usw. Unter der Bevölke­rung findet man Weiße, Inder,' Chinesen, Afrikaner und noch etliche Vertreter anderer Rassen. Die Religion ist überwiegend katholisch. Verwaltet wird Rüunion von einem Gouverneur und einem General; im französischen Parlament ist es durch einen Senator und zwei Depu­tierte vertreten. Ob sich AM-et-Krinr, der vom afrikani­schen Westen nach dem äußersten afrttamschen Ostenver­setzt" wird, in dieser Umgebung wird zurechtfinden kön- nen, wird die Zukunft erweisen.

Graf Lerchenfeld Gesandter in Wien.

Das Agrement erteilt.

Der seit einigen Wochen verwaiste Posten des deut­schen Gesandten in Wien wird nunmehr wieder besetzt werden. Graf Hugo Lerchenfeld wird als diplo­matischer Vertreter Deutschlands in der Donaustadt seinen Einzug halten, nachdem die österreichische Bundesregie­rung auf Anfrage der Reichsregierung ihre Zustimmung zu der Kandidatur gegeben hat.

Graf Lerchenfeld steht im 55. Lebensjahre und ent­stammt dem bayerischen Verwaltungsdienst. Nach der Ära Kahr war er acht Monate Ministerpräsident in Bah­nern. Seit 1925 gehört Graf Lerchenfeld auch dem Reichs­tag an, und zwar ist er von der Bayerischen Volkspartei ausgestellt worden.

Churchill über dasÄblomme» mitCaillaiik.

Erklärungen im Unterhause.

Im Englischen Unterhause äußerte sich Churchill über das Schulden abkommen mit Frankreich, das in London unterschrieben worden ist. Er leitete seine Erklärung mit Mitteilungen über die sogenannte Sicher­heitsklausel ein und wies darauf hin, daß eine Verbin­dung zwischen dem Schuldenabkommen und dem Dawes- Plan nicht bestehe. England habe daran festgehalten, daß Frankreichs Leistungen ausschließlich auf Frankreichs eigener Kraft beruhen müßten.

Als Zahlungsschema sei festgesetzt worden: für dieses Jahr vier Millionen, dann sechs Millionen, acht Millionen und zehn Millionen, bis im Jahre 1930 zum erstenmal die vollen 12^ Millionen fällig werden. Von 1931 bis 1950 bleibe die Rate 12t4 Millionen und werde dann auf weitere 31 Jahre aus 14 Millionen Pfund fest­gesetzt als Ausgleich für die niedrigeren Zahlungen ist den ersten fünf Jahren.

Auf Anfragen aus dem Hause erklärte Churchill, daß keine Möglichkeit offen gelassen sei, Deutschland an Frankreichs Stelle als Schuldner einzuschieben. Frankreich bleibe stets gegenüber England haftbar.

Minister- und Reichsraisreisen.

Im Westen und im Osten Deutschlands.

Reichskanzler Dr. Marx ist auf seiner Besuchsfahrt durch die befreiten Gebiete des Rheinlandes überall herzlich emp­fangen und von den Bürgermeistern der besuchten Städte als Befreier der ersten Zone begrüßt worden. Von M ö r s ging die Reise nach Xanten, wo der Reichs­kanzler in einer kurzen Rede Glückwünsche des Reichsprä­sidenten von Hindenburg zur Befreiung von der fremden Besatzung überbrachte. Nach Xanten wurden die alten Städte C a l c a r und Eleve besucht. Zur selben Zeit er­folgte in Essen ein preußischer Ministerbesuch: zu Verhand­lungen im Verbandsvräüdium des Rubrüedümasverbandes

d i s kr e t ton bekannt geworben wäre, über deren Ursprung noch Dunkel herrscht. Eingeweihte deutsche Kreise wollen im übrigen wissen, daß der Ton der letzten Noten des Generals Walch ausfallend unhöflich sein soll, ein Umstand, der die Reichsregierung mit bewogen hat, vorläufig den Text der Noten weiter geheimzuhalten.

Wie lächerlich das Vorgehen der Interalliierten Mi­litärkontrollkommission auch im Ausland wirkt, zeigt eine- Berliner Meldung des in London erscheinendenDaily Chronicle", in der das Blatt zu den Noten Stellung nimmt. In diesem Artikel heißt es: Die Alliierten haben stets darauf bestanden, daß die deutsche Armee keinen wirklichen Oberbefehlshaber besitzen dürfe. Daraufhin ist v. Seeckts Stellung abgeändert worden. Jetzt wird ver­langt, daß das deutsche Heer doch einen wirklichen Ober­befehlshaber besitzen müsse, daß dieser aber nicht der Ge­neral von Seeckt sein dürfe. Der Korrespondent sagt, dieser Unsinn stärke lediglich die Reaktionäre und Monarchisten in Deutschland und man brauche sich nicht darüber zu wundern, daß die ganze deutsche Presse dieses Vorgehen der Kommission als ungeheuerlich betrachte.

fintTbort der preußische Wohlfahrtsminister Hi r t s i e f e r und der Staatssekretär Scheidt eingetroffen. Inzwischen setzten an der Ostgrenze des Reiches die Mitglieder des Reichsrates ihre

Ostpreußenreise

fort. Von Ma r i e n b u r g ging es nach E i b i n g, wo auf eine Ansprache des Oberbürgermeisters der württembergische Gesandte, Staatsrat Dr. B ö s l e r, als Sprecher des Reichs­rates erklärte, daß der Reichsrat alles tun wolle, was er tun könne, um Ostpreußen zu helfen. Großer Empfang fand dann auf der Weiterreise in Königsberg statt. Bürger­meister Dr. G ö r d e l e r erörterte die Notwendigkeit einer Hilfeleistung für die infolge der Grenzziehung stark benach­teiligte Provinz und für die Stadt Königsberg. Im Namen her Reichstatsmitglieder erklärte der Vertreter Braun- schweig», baß . Reichsrat den f«ten Willen-habe, der abgeschnürten Provinz zu helfen. Aus die schwierige Lage Ostpreußens wies dann in einer Übersicht über die Wirt­schaftslage der Provinz auch der Prchident der Land­wirtschaftskammer von Ostpreußen, Dr. Brandes, hin. Es sei im Anschluß hieran mitgeteilt, daß in kurzem ein Unter­ausschuß des Preußischen Landtagsostausschus- s e s eine Besichtigungs- und Studienfahrt durch die Provinz GrenzmarkPosenWest Preußen antreten wird.

öilssattiou für die Hochwassergeschädigten

Der Schaden auf 100 Millionen Mark geschätzt.

Beim preußischen Innenministerium sind nunmehr die ersten zusammenfassenden Berichte über die Hoch­wasserverwüstungen in Preußen eingelaufen. Trotzdem sind genauere zahlenmäßige Feststellungen über den Um- sang der Schäden noch nicht möglich. Ganz roh geschätzt, ist vielleicht eine Million Morgen Kulturland von der Überschwemmung heimgesucht und verwüstet worden, überschlägt man den Schaden pro Morgen mit 100 Mark, dann würde sich danach der Ge­samtschaden auf annähernd 100 Millionen Mark beziffern. Ein abschließendes Bild ist im Augenblick schon deshalb noch nicht möglich, weil neue Unwetterkatastrophen zu den a'tcit Schäden hinzugekommen sind, so in Hirsch­berg, das besonders böse mitgenommen wurde, und im Eichsfeld. Ein zahlenmäßig genaues Bild über den Um» fang der Schäden wird man günstigenfalls erst in etwa 4 bis 6 Wochen geben können.

Für die erste Hilfe hat Preußen 3 Millionen zur Ver­fügung gestellt. Im Laufe dieser Woche werden von der Staatsregierung voraussichtlich weitere 3 Millionen flüssig gemacht werden. Mit dieser ersten sinanziellen Hilfe will man der Verschleuderung von Vieh vorbeugen, die notwendigen Deichausbesserungen vornehmen und Futter für das Vieh beschaffen. Vom Landwirtschaftsministerium sind Die Forsten zur Viehweide freigegeben worden; eben­so sind mit der Reichsbahn Verhandlungen ausgenommen worden, damit zu ermäßigten Tarifen das Vieh der Not­standsgebiete zum Teil nach geschützteren Weideplätzen transportiert werden kann.

Vom Reich werden in diesen Tagen ebenfalls einige Millionen zur Finanzierung der Notstandsaktion bereit­gestellt. Man spricht von 3 Millionen.

Deutsch - Amerika - Stiftung.

Für Anstalten der freien Wohlfahrtspflege.

Nach jahrelangem segensreichen Wirken für die n o t - leidende deutsche Bevölkerung, besonders für die deutsche Kinderwelt, hat dasCentral C o m - mit 1 ee Inc. for the Relief of Distreß in Ger- many and Austria" in Newyork nun seine eigent­liche Sammeltätigkeit eingestellt. Es hat jedoch be­schlossen, als Bindeglied zwischen den 150 000 in dem Central Committee zusammengefaßten Amerikanern deut­scher Abkuuft und der deutschen Wohlfahrtspflege und zu­gleich als Sammelbecken für etwa noch weiter anfallende Gaben oder Legate ein Ltzquidationskomitee bestehen, zu